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Full text of "Glimpf und Schimpf in Spruch und Wort. Sprach- und sittengeschichtliche ..."

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^prud) nnh Wott. 



5pxa(fi' unb f\litn^tf(fi\(fit{i^t lipfloxi$mtn 



von 



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sin 2:i^un unb streben, ool/er ©lim^f 
SBirb SU @(^anben lebet ®(^iin^f. 



Mun, 1864. 

Btrlog non Snklf Xnjintr'i lt. k. 9niotr>itäti-Sni{i^aitblttng. 



1 



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Ji n I) a H. 



(Seite 

L »oll^^unb etäbte ^@(9tm:|)fttnb®Iim)if 13 

aWctßncr jtnb ©(eigner 14 

aRcigticr Äot^urn 15 

ganfcc*«. ?)anfcc=3)oob(c • . . . . 17 

3fon$agcI 19 

Sol^nSButt — 

SSruber 3otiat§an 20 

Unclc @am 21 

3)a8 l^t er gu grctburg im faulen $clj erlernt .... — 

2)cr !SDrc«bcner 9(u8tt)tfd^er 23 

2)te (Samcngcr SiJafc — 

2)er SBocf Sant^)rcd^t 24 

2)a« Ouarffd^tegcn öon Bubtfftn 25 

2)cr ©cntetnbetag ju ®cb«tt)ctlcr 27 

SBö^nttfd^e S)örfcr • . . . . 29 

@pQtttfd^e @d^I8ffcr 30 

»Itnbcr ^cffc 31 

3)cutf(^ — 2)cutfd^ranb — S)cutfd^er SWid^er 34 

(Suranjen 39 

®a8 SBettrcnncn öon (EajWebar 40 

L'annde de Gorbie 41 



IV 

«Seite 

Bourgoignons sales — 

Coup de Bourguignon 43 

2)ie ^MxnbtxQtx 1^ äugen deinen, fic l^ättcn tl^n bcnit juöor 44 

S)cr SWirnbcrgcr ^rtd^tcr 45 

©d^ilbacr — @d^i(bbürgcrflrcici^e 48 

@aci^fcn tuo btc fd^öncn SWäbci^cn an bcn Räumen »ac^fen 50 

(Sr gcl^t in aüc SQScIt md) SBranbt« 52 

$an« üon 9lt))pad^ 53 

2)0 fc^Iagc bo« ®Iü(f juc, toxt bei bcrcn üon Sa^^cl ^uc — 

SÖcr fommt naä) ©tcbtci^enfictn, fommt feiten roteber l^etm 54 

IL @(i)m^^ unb ©lim^f üon ben f^tauen unb tjou ber 

Siebe 56 

2)tc grau (grotoe) — 

2(uga^)fcl 58 

Puffert 59 

Riss me quick 61 

^od^jelt — $o§e3ett 62 

@ine ©trol^rebe l^olten 63 

gUtterttJOd^en 64 

^olberabbrec^ mad^en 66 

SRabelgelb 67 

2)tc SBetber werfen ben ®Itm^f auf ben 9lü(fcn .... 68 

@^tfenafe — Uebel 35afe 69 

3u8 Scrd^enfetb gcratl^en — 

Couper la jupe 70 

«Stiefmutter tft be« 2^eufel8 Unterfutter . 71 

@ie l^at einen geiertag öerfünbet 73 

111. ®Um)if unb @($tm))f in $erren=^^rau(( unb @))ru4 . 76 

Outer lOeuraunb ifl mel^r wertl^, aU ein golbncr ®ürtel — 

2)en fRofenfranj be^ §erm 2Jiontntorenctj beten .... 78 

Saß ©otte« SBaffer über ©otteö Sanb laufen 82 

^abt il^r meiner aud^ gebadet? — 

@ieben ift löeniger al« fünf 83 

5?ob o^ne SJlaß ^at fein e^re 84 



I 

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©clte 

!Dte Sogt! ifl oon ber 9tl^eton! beftegt n^orben .... 84 
Comte je ne veulx, Duc je ne puis, je demeureray 

Seignenr de Coucy 85 

3)cr S3ogen aBgcf^)annt, l^ctlt nod^ nid^t bcr Söunbc ©ranb 86 

gT^cigigc Rennen fott man öcrtt)a]^rcn unb tool^I Italien . — 

©ammtrgott . 87 

(58 ttjeig Sfltcmonb, tüo mtd^ ber ©d^ul^ brüdt 88 

(S« piebt bau on tüte @^3reu öom Äorn — 

IV. talciibcrsSd^im^jf unbOlittHif 90 

2)a8 S^rtflo^§eI=®ebct 91 

3)cr l^ctltgc (£§rijiopl^ öom ^almfonntag 92 

2)a8 ^ctügc ®rab ^ütcn 93 

3)er ^Itl^em bc8 l^etUgeti Solumban ' — 

2)cr 21. October im Äalenbcr 94 

(Sanct Ottmar« Scgct 102 

Setd^t fein wie ber ^ogcl bc8 l^etltgcn 8uca« 103 

Äoflbar tüte ba« l^eUigc (S^r^fam — 

$ter iji 33ifd^of SBettno gegangen 104 

(Sr tuciß tüo SBartl^cI bcn 3Kojl ^olt 106 

Resola comme. Bartole 107 

@ie mad^cn*8 tote @an Srifpin unb Srtfpinian .... 108 

SJltt @anct ©crtrub einen SBettlauf tl^un — 

2)u frtegjl nit bat, 9f^i!elö«d^en 109 

©d^ettenmorits , 110 

@ancta SScronifa 111 

Maria dilegno 115 

@in «ilb o^ne ©naben '. 117 

@t. 3Rarttn8gan8 — @t. SWartingBrübcr — @t. SWartinö* 

^Örncr — 

2)er 33cbiente beö ^eiligen aJlartin 121 

Oh, my eye, Betty Martin 123 

ipot3 Letten — 

SBann @anct ©rcgor auf einem falben $cngfl über bie 

«rildc reitet 124 

(Süß fein mie äßarcipan 126 



VI 



©eltc 

T. ®Um))f itnb @4i]ittif im SolMInmot 127 

^m aWurifontcnttWcI pt^cn — 

@anb in bic Slugcn (treuen 128 

SDcr ^ul8 Don Sinnen, ber Slrgt t)on £ucl^ 129 

2)tc üier @ l^aBen 130 

S)ic fünf @ obet bie Öcbulbtafer — 

Est, Est, Est! 131 

aWauraffen feil ^aben 132 

3)a« bringt eine ,,Uraurfen'' um 133 

einen l^inter'8 Sid^t fül^ren — 

<Sein (Selb in bic (Srube werfen 135 

(Sr t^eilt mit i^m mie bcr $faff üon Äalcnberg mit beö 

§erjog8 St^rwart 136 

SBer ba8Äraut3a^robptte! . — 

$ofu8po!u« treiben 137 

Tl. ®lim))f unb <Bi^\m^^ htx Slafelfrenben 138 

2)reitägiger ®afl eine Sajl — 

®ife(male l^olten 140 

Gepfeffert 141 

3)a fi^t ber $af im Pfeffer — 

L' Appetit vient en mangeant . ; 142 

Moutarde . 143 

Les qnatres mendians 145 

©erncafller 3)octomjein — 

3emanb jum SBerd^toIb führen 147 

3um ©curigcn ge^'n, 3n einen fetter gel^'n — 

®efunb§eittrinfen , . 148 

2:oafl 149 

(Srebengen 150 

»ürflen . . • — 

Leontini semper ad pocula 151 

@r l^at eine Ärone 152 

ein gut aWa^I ifl $enfen« niert^ 153 

ein ^enfermal^I Rotten 154 



• 



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^n. «tx^ @(^uiMif- nft S^ttiitcte 155 

@(l^tiitme(reiter 157 

»on^e — »o^tt^afc 158 

<Sint(mb( — (StntmtbtBntberfd^aft 160 

^ßttbdMBXttx ^oxtbavtt 163 

Sdlcüiifii^e ^^ttncnt 164 

gant — gtrief ans 165 

2)cr linfe ^Bdfäd^tt 166 

Älo^ffciä^tcr — 

«tri 167 

^alstSnfer — 

$oel9 nnb ^abelioniod 168 

3a. 3a^crrcn. 3aaffen 16d 

eine »bigail 170 

iw. ®itM)if »tb 64taMif in Stteltt Ml »Kt^et . ... na 

©eutfd^er «aifct 177 

@tre 178 

gfirp — (S^urfürp — 

2»mijltr 181 

(S^cettcn) — 

aßarf^att 183 

ERagnificena 184 

?orb — 

Gentleman 185 

@<!^urt§ct6, @^urae ise 

Sunfcr 188 

«ncc^t 189 

Max 192 



(Sin D^rgrfjpräil)* 



äßan unterl^ieU fid^ k)on ©prid^mdrtertt, Stebend^« 
orten, inerhDürbigcn äu«btüden, !Dic ®cfcöfd^aft toar 
eine gebilbete unb gemifd^te. @tner ber 8(nn)efenben, 
ein^err 91., betrad^tete beriet Unterfud^ungen fürBeitöer* 
luft, eitel ©pietoert unb toti^ ®ott »ad mel^r. Wtan 
mad^te il^m t)er9ebHd^ oerftedCte unb offene ^tttS^tn, 
ba% Sentanb ankoefenb fei, ber in ©^rid^ivörtem 
arbeite. ÜDad räl^rte il^n nid^t, biebnel^r gab er feinem 
®xoü gegen bie @ad^e eine ))erf önßd^e ^id^tung unb 
geberbete fid^, n)äl^renb er auf bie abgefd^madten 
„@prad^nergeteten,'' n>ie er bergteic^en geiftreid^ nannte, 
to^iog, tt)ie ein ber 3^<ingdjiade @ntfprungener. ÜRid^ 
befrentbete biefed SSerl^alten, unb unt fo ntel^r, ate id^ 
ben f)errn felbft gar nid^t unb nur aud ^ttl^ei«: 
lungen einiger feiner (SoQegen fannte, bie mir ben 
(Sriffel gu bem 3itbe Uelzen, n)eld^ed id^ weiter unten 
öo.n il^m entwerfe. 

2Bad foff«, rief mein geiftreid^er ®egner, mit 
bief en $t)potl^ef en, bie im befteng^tUe {aum ein ^idd^en 
©d^arfftnn öerratl^en, im (Sangen aber gu 9lid[|t« 
taugen. @ie toerben mid^ ioä) nid|t glauben mad^en, 
unb babei machte er eine l^albe SSSenbung mit bem 
Körper, fo bag bie folgenbe 9l))oftrot)]^e an mid^ ge^ 
rid^tet gu fein fd^ien, ba| l^inter bergleidien antiquirten 
©d^nurpfeifereien eigentlid^e« SBiffen ober gar ®e^ 

Glimpf unb €(^tmpf. 1 



lel^rfamfett ftede. SBenn td^ ein Sdndf t)on fotd^em 
9lftem)t| DoQge^fropft erbltde, Derfd^Iägt ed mir ben 
%tf)tm unb id^ bebauete . . • 

Sntfd^uIbigenSie, fiel ic^ bcm 9tebncr in^« SQSort^ 
inbent id^ mid^ fold^em unbered^tigten Uebermutl^e gegen^ 
über nid^t lönger gurfidll^alten fonnte, id^ toeig nid^t 
iDol^er Sl^r Unmutig über einen ©egenftanb, ber el^er 
l^eiter jn ftintmen aU aufgnregen bermag; jebod^, um 
auf ai^ren Slu^f:()ru(^ jurüd julommen : id^ weiß nic^t, 
töa« @ie unter SBiffen öerftel^en; aber über ben oft 
fel^r alten unb unflaren, faft immer l^öc^ft inte^ 
reffanten Urfprung öon äudbrüdten, 9ieben«arten, 
®f)rid^n)örtern u* bgL m. eine erf(^d))fenbe 9lu^Iunft 
ju geben^ Unric^tigleiten ju berid^tigen, ^^potl^efen 
burd^ Sl^atfac^en ju t) erbringen ^ turj, bem S3o(Id^ 
tDi^e fo }u fagen l^inter bie Souliffen ju fc^auen^ ift^ 
mögen @ie ed abgefd^madtt^ albern, antiquirte ©c^nur'^ 
Pfeiferei ober »a« immer nennen, meinet ßra^ten^ 
ein nid^t ganj t)erti)erfli(^e^ SBiffen, totlä)t^ eine 
bead^tendtoertl^e unb nod^ immer nic^t fel^r verbreitete 
^enntnig ber ©efc^i^te unb Sulturgefd^id^te t)orau^^ 
fe^t, tt)ie benn überl^aupt bie ©pric^lodrterlunbe ein 
nic^t untoic^tiger ^totXQ ber ®pra(^n)iffenfd^aft ift 

!Da| ic^ e0 geti)agt, ber ^alabin meiner eigenen 
©a^e JU toerben, ftac^elte ben ©prid^toörter^^erberu^, 
bem über6ie§ ba« ©efremben unb SKitleiben ber 
gangen ©efeüf^aftin jiemlidi beutli^er SBeife funb^ 
gegeben tt)urbe, nur noc^ mel^r auf, unb eine neue 
©atterie öorfül^renb unb abprofeenb begann er: 

3tt)eig auf, äloeig ab ! SBiffenfd^aft ^in, SBiffen^ 
fd^aft l^er! 3^ gebe feinen 'S:)t\it um ben Zettel. 



Sad l^at man Don biefem ©prad^tröbel? 9Birb bie 
©pra(^c baburc^ bcffer? — 

gaft fütc^f td^ nein, nad^ ber $robc bie (Sic mein 
$err nn^ gerabe }n geben belieben, n)arf ic^ rafci^ ein. 

SRein ©egner ftngte, aber nnr einen Slngenbttd, 
unb fnl^r fogleid^ fort: SBad f^at ber @taat baDott? 
Serben baburc^ tttoa feine Saften geringer, feine 
©efefte beffer? 

@r tt)oQte in feinen officieKen Kapriolen fort^ 
fal^ren; aber i^ fiel il^m n)ieber in'd SBort Db bie 
@))ra(l^e baburd^ beffer »irb, bad lann l^ier nid^t in 
Setrad^tung fommen, aber ba§ man babei il^ren 
(Derjeil^en ®ie, id^ meine bie ©prad^e) nnb ben ®eift 
bed 93o(Ied, bad fie \pnä)t, lennen nnb U)ürbigen 
lernt, ba^ man fic^ babei mit ben oergeffenen @itten 
bed SQtertl^nmd t)ertrantmad^t nnb mand^e®en)ol^nl^eit 
ber®egentt)art derftel^en lernt, unterliegt !einem ^mu 
fei. ®ie fragen toa^ ber @taat baüon l^at? $(uf ben 
erften 9(nf(^ein l^at ber ©taat üon Dielen !Z)ingen 
9li^td; iä) fage auf ben erften Slnfc^ein« SBad l^at 
ber ©taat t)on bem 3Ube, mit beffen Sludfül^rnng 
er einen Sünftler beauftragt? Sad l^at er Don einer 
@tatue, bie er gießen t&Bt? 9Bad ^at er t>on ben 
taufenb unb taufenb ©d^immelreitem, bie in feinen 
"ätmUtn fi^en • . • . 

SD3a^ ift bad, load ift bad ein ©d^immel^ 
reiter? riefen mel^rere ©amen unb Ferren jugleid^. 

$err 91. reitet einen Stimmet, fiel ein anberer 
erKärenb ein. 

SSerjeil^en ©ie, meine$enennnb!J)amen, id^tt)u§te 
eben fo »enig bag §err 31. ein 9teiter, al« überi^aupt 

1* 



ba§ er einen öierfu^iflen ©c^tnimel rette, begann iä) tnU 
fd(|utbtflenb, to&l^renb meine« ©egner« Slngefiti^t über 
nnb über öon ^nrpnrrötl^e übergoffen »arb* 

8Ifo tta« ift ba6 ein ©(i^imntelreiter? fragten 
ju ttieberl^olten 3ßaten SWel^rere jugleic^ au« ber @e^ 
feÜft^aft; erfCären @ie un« bo^ ba«. 

SSerjeil^en ®ie, meine ©amen, @ie fönnen mic^ 
bod^l nid^t ^ngefi(i^t« eine« i^einbe« aQer @t^moIogie 
»erurtl^eiten, einen et^mologifd^en SSortrag ju l^iatten? 

5Run, bann muffen @ie e« un« erflören, @ie 
®<)ri(^tt)örter^ Taliban, rief ein reijenbe« SKöbd^en, 
in beffen Singen ber Slngerebete fein oppofitionefie« 
anfeilen nid^t gefd^mälert feigen mod^te. 

©enn @ie e« toünfd^en, begann ber ©taat«^' 
mann, ein ©t^immelreiter ift 3emanb, ber nad^ 
©d^immeln arbeitet 

3efet tt)iffen ttir f o öiel ttie frül^er, riefen SKel^rere 
au« ber ©efeUfc^aft, toie arbeitet man nad^ ©(^immeln? 

®ibt e« in ben Slemtem aud§ ©taüungen? 

3Barum gerabe ©trimmet unb nid^t üeber tjüt^fe? 

@o fielen »ie ©d^toffen bie fragen auf einanber, 
bi« enbttd^ ein §err meinen ®egner gerabegu auf^ 
forberte: nun, fo erMären ©ie un« bod^ bie ©at^e. 

3d5 l^abe fdt|on gefagt: Sin ©d^immetreiter l^eifet 
Jener, ber nad§ ©d^inratetn arbeitet. 

Sefet ttar ber Slugeubtid gelommen, in tteld^em 
id^ mein ©efd^üfe auffal^ren unb ba« ganje geuer 
be«felben öernic^tenb »irlen taffen fonnte. 3d^ bitte, 
rief iä) laut, für einige Slugenblide um ©el^ör. 3)a« ge* 
l^ört in mein ©cbiet! gaffen ©ic biefem §errn feine 
©orgcn um ben ©taut, unb mir bie ©orge um ben 



antiquartfd^en ©prid^mörter^Xrabel. 3(1^ iDtd Sinnen er^ 
f(l^ö|)fenben ^ertci^t geben über bte (Sd^immtU 
reitcr. 51^, ba« ift ein ©^immelrciter! ^ört 
man nid^t feiten 3emanb tttußten. @inen ®i^xm^ 
mtt, einen (SäfimmtU iißer tennt nid^t^ toenner ein« 
ntal unter ben ©d^reibern gebient, biefen 3^^^? ? n^^ 
Sönigreid^ um ein ^ferb" tooüte SRid^arb geben, 
aber mit obigem @d^immel tt)är' il^m bod^ nid^t ge« 
bient gen^efen. Sad foQ'd mit biefem ®d^imme(? O, 
ia§ ift ein geJ^eimni^ooUe^; gemaltiged , mSd^tiged 
©etl^ier, aber feinet aud ber "äpoMtfp^t. ^it fo einem 
Stimme! l^at ed 3Rand^er pm £)irigirenben gebrad^t, 
ber nid^td gelernt, nid^td gebadet, nie ettoad erfnnben, 
ber ed Derfte^t, fid^ t)on ben ©ebanlen feined 93or« 
ganger« in Slmt unb ©teöe, »enn gerabe beffen Sir* 
beit gnm ©d^immel bient, }n mäften. — Sä) f))rad^ biefe 
SBorte ol^ne meinen Sör^er bnx6) @d^n)enlung in 
eine ©teQung }u meinem ®egner gebrad^t ju l^aben, 
nid^t«befton)eniger rid^teten fx6) Witt SdMt auf 
il^n, beffen 5Rafenfpifee bereit« @d^wei§perlen ju treiben 
begann. 

Sä) aber ful^r in meiner 9l))oftro))]^e fort: Sluf 
ber äteitbal^n biefer ©d^immel galoppirt fidd'« nidgt 
feiten in 9{ang unb @^ren; man koeig oft nid^t mie 
ba« gugegangen. 9tun, Einige tt)iffen'« n)o]^I, aber bie 

fagen'« nic^t, n)eil nun fie fagen'd nid^t, obgleid^ 

pe gang gut miffen, »ie Diefer unb 3ener in'« Sen* 
trum getroffen, ber nod^ nie ein $uIoer gerod^en; kpie 
©ief er unb Sener gu einem ®ebanf en gelommen, ob* 
tt)o^I e« belannt ift, ia% auf @tro^ nur SOtidpeln 
reif »erben, aber leine ©ebanlen koad^fen; toieÜDiefer 



6 

itnb 3ener aU ein gang e^acter ©efd^fift^mann gilt, 
bcr eben nid^t« mcl^r öerftcl^t, at« in feiner SlntW* 
ftttbe ben ©d^immet ju reiten. ®ie'ö ®ott xdxü, ba« 
ift fo ber Sauf ber SBelt. S^lun aber, »a« l^at e« mit 
biefem ©c^immel ffir eine Semanbtnig ? Ser ift bad 
JEl^ier? 3ft eö ein 5B^ier überl^anpt, ober ift eö gar 
rin fdbeC^afte« SE^ier? SSli6)t9 öon aüebem. ©n 
®cl()immel ift ein ober ntel^rere Sogen befd^riebene^ 
Rapier, ein fogenannter 93oract, in totidftm bereite 
eine Slngelegenl^eit (ein Simile) öl^ntic^ jener, bie eben 
ttieber einem geleerten (baö boppettc e ift l^ier fein 
!E)mrffel^ler) fjeberl^elben gur Sriebigung gegeben ttor* 
ben, bel^anbeft ift. Sin folt^er SSoract, ber bem neuen 
Slcte in ^orm, Snl^att ünb au^fül^rung aU JRid^tfc^nur 
bient — ein fotd^e« Similej »etd^er tateinifd^e Ändbmtf 
öl^nßd^ bebeutet, »ie ba« franjöpft^e Similaire — ift 
öon bem ^umor ber Sangleif^prad^e — benn aud^ in ben 
Sanjieien fteden ^umoriften — gum ©d^immel öer^ 
berbt (ober öerbeffert) unb jeber fold^e geberl^elb, ber 
bie il^m gugetl^eilten 9(ctenftüde nid^t nac^ feinem 

m 

Sopfe, nad^ feinem beften SBiffen unb ®ett)iffen, fon^ 
htm nad^ einem folc^en @d^immet erlebigt, treffenb 
gum ©d^immelreiter ernannt worben. S« ließen 
fld^ intereffante ^ortraite »onfold^en ©d^immelreitern 
entwerfen, aber ba« gel^ört fd^on mel^r in ba« ®e^ 
biet ber ^l^^fiognomif unb ©^ftbeüel^re, al« in jene« 
ber 6uttur^$iftorie. !J)iefe6 lefetere ift aber mit obiger 
Darftettung be« ©t^immetreiterö erfd^öpft ICiefe« 
SSBort flnbet fi(^ merftofirbiger Äßeife ungead^tet feiner 
Verbreitung —in feinem Se^ilon. ßögefd^iel^t baburd^ 
bem. SEBorte ein um fo größere^ Unred^t, al« e« oft 



» : 



itn einzigen (SrHärungdgrunb für mand^en ^efd^eib 
bilbet^ ber toit eine i^auft auf ^ Sluge pa^t S6) merbe 
beantragen, bag aQe bergleic^en ©d^unntelreiter ober 
@(^inmte(rttter ein eigene^ Sappen führen foQten, 
n. i. einen unter ber 8aft öon ©d^immeln (finb l^ier 
gange Scten ^ @:ont)o(ute ju Derftel^en) erßegenben 
(Sd^immeL S)iefer ntü^te, ha ®rün leine l^era(bif(^e 
garbe ift, ®oIb nid^t pa^t, »eil jwei ^etaKfarben, 
ber filbeme ©d^intntel int golbenen treibe unl^eralbifd^ 
»Ären, im blauen treibe [teilen, tta« öortrefflid^ pa^t, 
benn ein fold^er ©d^inimelreiter fd^immelt ja in'd 
^(aue I)inein, tä^t oft genug ©itte unb Stecht blau 
anlaufen unb ntac^t ber uneingen)ei]^ten üRenge nic^t 
feiten blauen S)unft öor. 

Säj l^atte meine te^te Patrone t)erf(l^offen. £)ie 
ffiirlung »ar mörberifd^ gettefen, bie 9lafe meinet 
©egnerd fd^mi^te fic^ ju ^obe, unb er, erft ber Söme 
ber ©efeßfdSiaft, beffen ©omben öorbem 3eben oer* 
nii^tenb treffen sumoKeufd^ienen, warmaudd^enftiQe ge^ 
tt)orben, unb um feiner fd^önen <SeeIe toit feinem 
SBiffen ein le^ted Relief }u geben, ftotterte er: 3Rir 
l^ätte ed bod^ fc^on (fingft einfallen foUen, ha% ber 
@(^immel k)on bem (ateinifd^en Simiie abgeleitet 
»erben tonne. 

Slid^t lönne, mein f)en, fonbem »irb, öer* 
laffen ®ie fid^ barauf, rief id^ unb »enbete mid^ jur 
®efeüfd(|aft mit ben SSJorten: @ie feigen, meine 95er^ 
eierten, biefem antiquarifd()en $(unber »ol^nt fetbft 
l^umoriftifdiier 9{eij inne. 

3(^ »ei^ nid|t ob id^ ben ®prid^n)örter^$aiftfd^ 
t)on feiner SButl^ gegen biefen antiquarifd^en ^lunber 



8 

geseilt ifäbc, ba§ er aber feit ienem Za^t biefe ®e^ 
feUfd^aft nid^t mel^r befud^t^ ift eine 2:i^atfa(l|e. Xnd^ 
t)erbreitete fid^ bie 9la(^ri(l^t k>on biefem feinem @oU 
ferino unter feinen (SoQegen^ bei benen er tdngft 
feiner armfeUgen Sd^intmelreiterei n)egen nid^t in gutem 
älnbenfen ftanb unb loegen feiner %ieber(age nid^t 
im ®eringften bebauert n)irb. 



3d^ l^änge biefem SSorgefprftd^ ein turjed SflatSf^ 
»ort an, »eld^e^ id^ ber geneigten älufmerlfamleit 
meiner freunblid^en Sefer bringenb empfel)le. @d^on 
in ber SSorrebe gu meinem SBerle ^^iftorifd^e SBörter, 
©priddmörter unb Stebendarten" ertoäl^nte id^, ba§ 
mein ganjed umfangreid^e^ SSerl über biefen ®egen^ 
ftanb mel^r aU 1500 ©pric^mörter^Ueberfd^riften ia 
14 ^[btl^eUungen entl^ätt* 3d^ l^atte meine 9lrbeit, }u 
ber id^ feit tiütn Sa^xtn bie SRaterialien gefammelt 
unb Dietleii^t in me^r ai^ Siaufenb ^önben ba^ für 
meine 9lbfid()t9raud^bare mül^f am aufgefuc^tunb burc^^ 
gearbeitet l^atte, bem SSerleger nad^ ^rdg ju SCnbeginn 
be« Sal^red 1861 überfenbet ^lac^bem fid(| biefer 
t)on einem gelinben @d^red(en über ben Umfang be9 
SJlanufcripted erl^olt, bel^iett er badfelbe mel^rere 
3Bo(^en, m Anfang SOtai 1861, bei fid^. 

!£)ie 9(btl^ei{ungen meinem SBerIed l^atten folgenbe 
Ueberfd^riften: 

I. ^iftorifdl^e »eben^orten 1—96. 

II. 9ieben«artention@ittenit« @ebräm^en 97—225. 
III. 9leimf)iftt(^e mtb f)irtd||kDörtß4i gekoorbene Sieber^ 

anfange 226—238. 



Vf. Strülintte 3)e)iifen mi %iix^tmottt 239—257. 
T. »im %mtm, 2;tteln itttb aSfliben 258—300. 

Tl. 2)ie Sf^nüftimUt Hott ben grauett mtb Ipon 
ber Siebe 301—380. 

▼U. 2)er ^nmor im S^iri^mort 381—452. 

Till. @d|itiaif^ UBb @)iottlootte 453—488. 

IX. Solfd^ itnb @täbtef(^im^f 489-590. 

!• 2)ie@)irid>uiörter»oineffeiiu.2;riiiIett591— 670. 

XI. 3)ie @)iri(^toörter »on ben ^eiKgcn 671—754. 

XU. ^t ^itmtlt m Bpmmit 755—830. 
Xlli. 2)roI|v SrtoditDotte, »emättf diuttgeit, 831—900. 

XIT. 2)ie S8ei«Iieü im ©^iriditDort 901—1200. 

XT. »om trieggtoefen 1201—1270. 
@tit Slnl^ang bim folgen 9iebeit9arten^ bie ftc^ 
in teine ber obigen ^tl^eiUtngen einreiben lieHen^ 
entljiett bie Stemmern 1271—1540. 

2Bic gro^ mußte mein Srftaunen fetn/ate id^ 
im 3al^re 1862 eine 9iei^e t)on ^Serien äber@pri(l^tt)5r^ 
ter unter ben Siiteln : „S)ad @pri(i^mort ald $u^ 
m ort ff' (meine VILSlbt^cilungl^cif*: „35er §umor. 
im ©pric^ttort''); «^a« @prid^»ort aU "^f^U 
lofop^" (meine XIV. Slbt^etlung^cißt: ,,35ic SOSei«^ 
l^eit im ©prid^toorf); „!J)ie grau im @|)ricl^* 
»ort" (meine VL 2lbt^cilung Reifet: «!Oic ©prid^* 
ttjörtcr üon bcn grauen unb öon ber Siebe"); 
„3nternatiottaIc2!ituIaturett" (meine IX., il^rcm 
Snl^atte nad^ mit bem begeid^neten äBerte l^ödift äl^n^ 
Ut^e äbt^cttung l^eißt: „83oIf«^ unb ©täbte^ 
f^impf") erft^einen fal^. 5Diefe 3becnaffociatlon 
in ber SBal^I unb (Sintl^eilung eined ©toffed grönjt 
an'd äBunberbare. 9lod^ l^eute fann iä) mid^ oon 



1« 

meinem ©taunett aber biefe (iterarif(^e $)eafel^erei 
jkDeier mir ganj unbetdnnten, burd^ faft 100 SOteilen 
t)Ott mir getrennten aRenfd^en niti^t erl^olen* !Der gtoet* 
monaÜiä)t S(ufentl^alt meinet ^annfcri))td in $rag 
l^at SBeranlaffung jn Snf^irationen eigener ärt gege* 
6en« Um aber t)on meiner 9(rbeit }u retten^ n)ad noc^ 
ju retten ift, nnb tro^ meinet gnt tatl^otifd^en 
©tanbend aQen ferneren folgen Sßunbern il^re QneQe 
jtt üerftopfen, laffe id^ meinen „l^iftorifd^enSBörtern"^ 
totiäft überaß eine freunblid^e älnfnal^me gefunben, 
meinen „®lmp^ nnb ©d^im^jf in ©prnd^ nnb Sßort" 
folgen. !2)ad nnt)ergIeid^U(^e nnb in jieber Sejiel^nng 
t)or treffliche ©^jrid^toörter^Sejcifon öon Äarl 
f5riebri(j(| SSBitl^elm SBanber fann meine arbeit 
hid^t beeinträchtigen: I)enn jene«, l^efttteife erfd^ei* 
nenb, nnb in 4 ^eften bei S ür angelangt, »irb erft 
fpÄtöiete ber inmeinemSÖSerlebel^anbelten SReben^arten, 
@<)rüd^e nnb SQBorte bringen fönnen. !J)anniftand^3^^* 
nnb ßl^arafter beiber SÖBerfe ein ttefentttd^ anberer. ©ol^I 
l^atte x6) t)or Salären eine ©prid^toörter^^ol^gtotte in 
Singriff genommen, äl^ntidd bem S3Banber'f(^en 
SDBerle — biefem fprad^:^ nnb cnltnrgeft^idjtlid^en 
©d^a^e, ben nnr bentft^er gleig nnb bentfd^e ®e* 
btttb anfgnfpeid^ern öermag — aber idd fam 
pr Ueberjengnng, ba^, mie and^ eine fold^e $oI^* 
glotte für bie ©prac^miffenf d^af t , ßnttnrgefd^i^te 
nnb ©efd^id^te ber ^l^iCofop^ie aller Stationen mid^tig 
»oöre, ein fold^e« SBerl bod^ nnr üon SWel^reren, bie 
ftrenge nad^ einem Programme arbeiten, öotlen* 
itt »erben lönne. 

Dr. eonft. tion aBnraba4. 



<S>lim|rf ttttJ> Stiimpf 



in 



©prud^ unb SBort. 



I. 



ift, b(ill(&lg((m etctogt, 
•m nittngtmica •(•• 

in amttahtt SDBt'' 

ettlt ; bann mA galt 

i»e,|Kr|i>(MrlHnf(tni. 

«Sitt, lei. 



äu(^ bie ffiöKer, ©tobten unb ©orfbemo^net ^a= 
(peit e« ntcE)t untei(a(fen, fi(^ bui(^ Si^^' unb ©pott« 
rtbcn uiec^fetfelttg @iti8 antufiängen, unb in ber ;^^at, 
e8 iß i^nen man^mal ganj Dotttefflii^ gelungen. 3m 
®Vattp\ unb ©i^impf auf üBolt unb @tabt, Hegt fo ju 
fagen ein ganjer cuItui^iftoiifilieT^ott. Senteitensnert^ 
ift es, bag auf biefem ©ebiete bet ©(irui^ioeisficit 
ber @<i)im4)f ungletdi ftürier oertreten ift, benn ber 
®Iim))f: (B9 gel^t babet fo ju mie bei ben 3Renf(^en, 
e« fagt @ins btm äCnbem lieber ettoa9 @i^(ei^ted 
na(^ a(e etwas ®utee. @inem @tns an3u^£tngen 
f^eint aud) bei moraIif{(ien ¥«fonen ftet« Befonber« 



14 

beliebt gemefen ju fein, ^ie ^rtigfeiten unb (S^ompiU 
mtntt, »eld^e bie ©pruti^koei^l^eit ben 93ö(Iern unb 
©täbten in'« ©efid^t fagt, finb meift fabe, o^ne 
©als; l^ingegen fel^tt ed an le^terem ben 8etifen 
nid^t, mit benen man fid^ »ed^felfeitig beel^rt l^at 
%nä) Übt ber ißo(Id^ unb ©täbtefi^impf im ©ebäd^t^ 
niffe luftig fort, ben ®Iimpf mu^ man erft mäl^fam 
au« bem ©prad^fti^a^e l^etdorl^olen. 9(u6 ber reid^en 
Partie biefe« cultutl^iftorifd^en ©ebiete«, totiä)t^ i6) 
in einem faft coloffalen Umfang burd^gearbeitet, 
l^abeid^ol^neeinebeftimmteSlid^tung jiebod^ meift fold^e 
l^ertiorgefud^t, bereu (Sntftel^ung entioeber an unb für 
fid^ intereffant, ober aber bereu Urfprung nod^ lange 
nid^t aQe B^^^f^I beigeben finb, unb »eld^e in einem 
erft iüngft erfd^ienenen SD^ad^imerle, ba« ju meinem 
eigenen Serie in einer für mid^ nic^t« »eniger aU 
angenel^men ^ejiel^ung ftel^t, gar nid^t Dorlommen. 



3»etf ner finb @Ietgner. 3)et äReigner ßotl^urn. 

a»ei|ner finb ©leigner, fo tautet bie S^aratteriftif 
ber äKeigner im @prid^»orte. @« frfigt fid^ nun 
nur, iukoeld^er^ebeutung ba« ,,®Iei^ner'' l^ier ju 
ttel^men ift. ©leiten mit bem (Stamme gteitan, 
barau« mittell^od^beutfd^i glijen, l^eigt gtänjen, 
glifeern* abgeleitet öon ge4 ei d^^f am, auf Orunb^ 
(age be« gotl^ifd^en ©aleil« unb be« mittel^ad^^ 
beutfi^en ge4id^en bebeutet e«: fid^ oerftetten, l^eu^ 



15 

6)tin, bad fftx^t ntd^t ber fein, ber man fd^eint, nur 
glcid^fam ein ©etoiffer fein, bie ©leic^l^eit mit 
Qttoa^ in l^interßftiger, ft^Iauer ©eife annel^men. 

SSBeld^c^ öon biefen gebül)rt nun ben 50iei§nem? 
3u großer moralifd^er ©efriebignng fönnen toir fagen, 
bat bie 50iei§ner nur auf ba^ ©teilen in ber ju* 
erft angefül^rten ^ebeutung S(nfprucl^ l^aben, unb fie 
fid^ bal^er toörtlid^ gtanjenb au« ber Slffaire jiel^en 
tonnen. @« finb tüd^tige ©e^äl^rdmanner, bie il^nen 
ba« l^erau^gearbeitet !X)er eine ift ber berfil^mte 
fäd^fifd^e ©efd^id^tfd^reiber $eter Sllbinu«, ber 
in feiner mei^nifd^en Sanb^ßl^ronif (1559, ©.319) 
bie (Srllärung gibt, ba§ bie üRei^ner jienen Beinamen 
Don il^rer 9{einKd^feit unb Sl^^xüäittit fotool^t im^Baue 
il^rer ©täbte unb Dörfer, afö aud^ in il^rem J^äud* 
Ud^en geben, in il^ren ©eberben, in @^)rad^e unb 
©itte, unb jtt)ar mit SRed^t erl^alten l^aben. Die jweite^ 
no(^ uuöerbad^tigere Queüe ift bie „Slritl^mologle" 
be« berül^mten ßamerariu«, ber in feinem SdntSft 
ben aRei^nern brei ber fd^önften ^röbicate gibt. @r 
nennt fie nämUd^ magnifici, speciosi, locupletes, 
fd^ö^en^teertl^e, faubere, bel^äbige Seute! S&er mSd^te 
nun nod§ im ßntfernteften glauben, ba§ bie SReigner 
uur — „gleid^fam" SDiei^ner feien? SBir flnben 
ed bal^er jum minbeften abgefd§mad(t, totnn in einem 
gans neuen ©prid^mörterbud^e bie @teQe Dorlommt: 
„!J)ie SReigner ftel^en in bem SRufe, nid^t aufrid^tig 
ju fein: SWeigner, ©leignerü!" 

Äaum aber l^aben toiruon ben 9Rei§nern ben S3er^ 
bad^t be« ®Iei§nertl^um«abgett)enbet, fo muffen fie 
fd^on tt)ieber t)om 8eber jiel^en unb fid^ eine« anbern 



16 

@t>i^namen^U) elften, ber nod^ ge^etmm^üoQer unb ba^ 
^ctticfflcl^cttbertft: ÜDieaRci^ncr auf bcmSotl^urn» 
$aben fie ftd^ etwa einmal aU IDrantatiter ober@d^au^ 
fpieler blamtrt, oberfinb fiefo überfd^tDengßd^ poetifd^er 
unb tragtf(i^er ^latur, ba^ jieber SKetgner feinen So^ 
tl^urn burd^'« Seben ^6)Uppt? Denn ber Äotl^urn, »ie 
tt)ir toiffen, n)ar auf ben grie(^if(^en unb rümifd^en 
JBfil^nen jiener äftl^etifd^e 2i]||eatera^parat; auf bem bie 
©arfteUer tragifd^er JRoüen fic^ ju betoegen l^atten, 
bamit fie eine ibeale, ber ©ürbe ber 5Eragöbie ent^ 
fpred^enbe ©röge errei^ten. SBie aber bie 3Dfiei§ner, 
ol^ne JU tooUtn, in S3erbinbung mit bem ^otl^urn 
gebrad^t n^urben^ »oQen toir gleid^ berid^ten. 

©erSpi^nameaWei^nerSot^urnift im 3.1536 
bei (Selegenl^eit be« 8ärm6 über bie ännal^me'be^ 
belannten 3nterim^ in ber 9tetigion entftanben. !J)ie 
meißner !£l^eoIogen; Don ber ©d^ute bed SJieland^ton 
tooQten bem ersürnten ^aifer etma^ gu ©efaden tl^un 
unb fid^ nad^giebig jeigen. S)ie »eimarer Sl^eotogen 
aber, e^i^te Stigorlften, öertoarfen bie 3nterim«Iel^re 
ganj unb enttoarfen eine befonbere Urfunbe über il^r 
eigene« ©taubendbefenntnig, »oran fie fteif unb feft 
Ratten gu ttoüen erWörten. ®er SWei^ner Slad^giebig^ 
Irit aber, bie fie für !5)o»jpetfeitigIeit erltärten, 
nannten fie ben 3Kei§ncr Sot^um, anfpielenb auf bie 
©gentl^ümliddleit jener S^ragöbien^Sd^ul^e ober öiet* 
mel^r ©d^ul^unterlagen , n^eld^e eben auf alle t^üge 
))a§tcn,gum Unterfd^iebe be« eigcnttit^en ©d^ul^tterfcö, 
baö eigenttid^ nadd bem ^n^t gerid^tet ift. Somit 
ftedt in bem ©d^imipftoort 3Jiei§ner Sotl^urn ber 
«egriff ber S^oppetfcitigfeit , ÜDoppeIjüngigfeit. Co- 



17 

thurno versatilior fagtctt bic Siömcr öon einem bo|)pe^ 
jüngigen SWenft^en, ber eö mit Slöen l^altcn »iß 
unb ba^er nid^tö l^ält. !S)iefe (Srtäuterung flnbet fid^ 
in ber ®t\6)x6)tt ber ßanbgraffd^aft S^üringen öom 
3* 1685/' unb »arin biefem tjaüe eine Sl^renrettung 
ber 5Kei6ner, tt)ie bei ,,3Kei§ner finb ®Iei§ner" niddt 
leitet möglid^. 3mmer]^in mag biefe 5Wa(^giebigfeit ber 
STOeifener in ©lauben^fad^en il^nen mel^r jur Sl^re 
gereid^en, ate ben Drtl^oboyen il^re unl)eilbringenbe 
©tarrföpfigfeit, »eld^e nur S^^f unb §aber ftiftet 
unb immer bo^ Sinb mit bem Sabe öerft^üttet*). 



^Mltt% ?)attIee=3)oobIe — San ^agel — 3o]^n 
SttB — SBniber Sonotl^att — Uncle ©am* !Dcr 

ßnglanber nennt fpotttteife ben Slmerifaner einen 
?)anfee. 5Diefer ^pott fäüt aber auf il^n felbft gu== 
rucf ; benn ^anteeift nid^td älnbere^ al^ ba^ t)on ben 
3nbianern öon SWaffad^uffetö in ?)eng]^i6, ?)anglu« 
t)erberbte — Snglif^, b* 1^. ein Snglänber* 

S)er berül^mte unb beliebte ?)anfee ©ooble fott 
au6 bemSal^re 1755 l^errü^ren unb öon einem üDoctor 
©l^udburg für englift^e 9tefruten com:|3onirt morben 
fein^ meldte na^ 5llbant) gegen bie grangofen ge^ 
fenbet »urben unb in il^rem ganjen Sluftreten ©toff 
ju aüerlei toifeigen Semerlungen gaben. @ie l^atten 
nömlit^ aüe« fel^r altmobifc^, ba fie eben erft au« 
ben nörblid^en ßotonicn gefommen »aren unb mar^ 

1) 2)tc{c unb bic folgcnbcn 3a§Icn bcjtel^cu fic^ auf bic gu 
(Stibc bc« Bcrfcö bcfinblic^cn Slnmcrfungcn. 



18 



fd^iertctt unter anberm aud^ nati^ einer fel^r öeralteten 
SRelobte* ©l^ufiburg nun maä)tt fid^ ben ©pa§ unb 
cont^jonirte i^nen eine eigene SKelobie, t)on ber er 
fagte, fie fei bie berül^intefte in bcr brittifd^en ärmee: 




[ ag^ - r~ n^ s 



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33^ 



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3ur öeluftigung ber Sritten na^mtn bie "ißro^ 
üingter ba« ©efd^en! banfbar on, unb l^ielten ?)an* 
f ee*!J) ooble fortan in Sl^ren» 

3fnbe§ finben fiii^ ©puren bteftr SDhttybtc f^on 
ju earr« I. Seit in (gnglunb. IBBäl^cnb ber 
ategi-erung feine« ©ol^ne« tt)ar fie bö« Slcamuntgne^ 
ntent gu einem Siebd^en auf eine bamate befannte 
,,Iei^te" ©ante, baö fic^ al« Slmmentieb fortgeerbt l^at- 

3Sietteit^tftammtbie9)anfee üDooble au« ^l^ 
lanb. 3^^ Srntejeit fingen bort nämtti^ bie beutfd^n 
nad) ben ^Ueberlanbeo tt)anbemben älrbeiter^ toenn 
fie il^re 53utterntitd| unb i^ren ^treibejel^nb tt^U 
ten l^aben: 

„Yanker didel, dodel down, 

Didel; dudel lanter, 
Yanke viver, voover vown, 

Botermilk and tanther/* 



19 

2tnbcrc »oücn il^n gar au« beut ^crfifc^cn 
ableiten, ba — mit Äejug auf Staicrifa — ba« 
per^fd^e ©ort ?)an!i'' J)oonial^ bic Öetool^ncr 
einer neuen SSett bebcutet^. 

3öH ^ajel — 3a|tt SiiB ift ber «u^brud für 
ben pöbet^afteften ^öbeL 3anft€]^tl|ierfür Sodann, 
§an«. §agel fc^eint, nad^ @<i^tt)enl, gteid^erStbfunft 
mit^ad, tt)ie benn $a<I unb 3Harf, au<i^ ^adet 
^adet ebenfatt« bie ©ippe bc« ^öbetö bejetd^net; 
naii^ Slnbern fäntec^öon f)agen ber 3^<^*ö^f^ ^^^^^ 
SönU, »orau« ^agel, b. i ®robian tourbe* Dem ift 
tt)oI|I aud^ öertDanbt unfer ,,®cpad" in: „3I|r fdb 
ein rechte« ®epad/' foöiet »ie rrSSotl/ ba« mit bcm 
frangöfifdien gleid^bebeutenben „Sagage" auf bic letjtc 
Söurjet leitet. 

öei ©utier Iiei^t e«: 

,,!^ie T^ßcge, gar gerne^ »enn fie ru^t, 
Den ©tei« prfici« nad^ oben tl^ut; 
©le benn aud^ oft in einem ®taat 
3on f)aget feinen oben I|at." 

Dagegen meint ba« SSod: 

„<£« flieget eitel leere Mnuit 

gji^t immer an^ San §aget« aRunbe." 

SBir fommen öon 3an ^agel fotgerid^tig ju 
3o^n öuU. 

@o nennt man ba« englif^e SSoH, lüenn 
man ni(f|t öon ber gute beffetben fpred^en »iß* 
53 uU ^rigt im engtifd^en ®tier. 3o^n ift 3o=* 
i^ann unb ba«fetbe, tt)a« 3 an in 3anl^aget unb 

2* 



20 

$ane im ÜDeutfc^en ift S« fd^ctnt unö Mcfc« 3oI|tt 
S5un einen boppelten ©inn ju Iiaben: einmal I|er* 
genommen öon ber mafjiöen (Srfd^einung eine«®tie^ 
reo, atfo ettoa« 9iol^e«, ^tnm^e^ bejeit^nenb; bann 
aud^ mit ^inbttd anf bie t)ortreffUd)e SRinberjuc^t 
ber ßngtänber unb mit „belicater'' 3[nfpietnng auf 
il^rc Seeffteait«. 3ft aud^ gleichen ©tamme« mit 
Seilen* ©teile man fid^ nur einen fo tt)oI|Igenä^r^ 
Un englifd^en ^äd^ter ober nod^ beffer einen be^ 
rfil^mten öojer öor, unb man »irb auf ber rechten 
gol^rte fein. Sol^n SuII unb 3an §agel teären 
fid^ alfo fo jiemlit^ gleid^. 3n © wiffö »ifeiger ®e*= 
fd^id^te Suropa'« !ommt Snglanb jum erften 3KaIe 
unter biefer S3enennung öor^). 

©ruber Sonat^aj ift ba« für ben 9lorbamerifaner, 
toa^ 3oI|n®uII für ben ßnglänber. 3ßan nennt ben 
je^igenöürger ber vereinigten ©taaten allgemein Sövn^ 
berSonatli an, nur ift bieSejeic^nung'Sruber 3ona^ 
tl^an lange nid^t fo berbe toic etwa San $agel 
unb Sol^n 53uIL ©ruber Sonatl^an ift ein gang 
gutmütl^iger ^umjjan, toa^ man öon feinen beiben 
SSettem eben nid^tfagen fann. ,,S5ruber Sonatl^an'' 
öerbanit biefen Gattungsnamen einem tt)irflid^en 
Sonata an, ber jurB^itbe« Unabl|ängigleitslriege« 
unter SBafl^ington ©ouöerneur beö ©taateö Son^ 
necticut n)ar, namlid^ 3onat^an S^rumbuII» 3116 
ber fül^ne SBafl^ington SKaffat^uffet« Dertl^eibigte, 
tooütc eö i^m nic^t gelingen, fein §eer gu öer= 
proöiantiren. Slngefic^t« ber l^eranrüdfenben Snglän^ 
ber entftanb bal^cr gro^e JRatl^Iofigfcit ÜDa erinnerte 



21 

fid^ bcr ©cneral feine« fjreunbe« Zxnmbnlt, eine« 
aWanne«, ber ftet« dtatf) ton^tt. (Sr rief an«: „SBir 
ipoKen boc^ l^ören, ma« ^mber 3onatl^an benit!'' 
äBirllid^ einöetnommen gab ber finge Slmerilaner ent^ 
fprec^enbe ^atff^äfläqt , bie an« aQer 35ertegenl^eit 
{|alfen nnb e« ntöglid^ ntac^ten^ ben t^einb an« bem 
©taatc jn jagen, ®eit biefer 3^it W^ ^^ ^^ f(3^toierigett 
©itnationen ftet«: „SDlan »irb »ieber ben ©ruber 
3onat]^an fragen muffen." !Ciefer „©ruber 3o^ 
natlian" blieb fo ben ?lorbameriIanern al« bejeid^* 
nenber 5ßante. 

5Wod^ l^äufiger al« ,,©ruber 3onatl^an" unb 
weniger gemütl^üd^ ift in 5Rorbamerifa ber ®j)i§* 
name: „Uncle Sam!" b. i. Dnfel ©antnel, abge* 
geleitet üon ber ©eutnng, bie ein SBifeßng ben ©uc^* 
ftaben U. S., bie eigenttid^ United States bebeuten, 
gegeben l^aben foB*). 

Uebrigen« befi^t leber einzelne @taat, anc^ batb 
jicber einjelne ©tanb in S^iorbamerila feinen ®pi^^ 
nanten. @o l^eigt ein ©eüjo^ner be« Staate« SUu 
noi«: ,,®anger öon 3üinoi«"; öon 3Kiffouri: 
„"^adj^ au« ben «teiminen aRiff ouri'«"; in SKi^i* 
gan: ,,SBotf«natur, S5ielfrat t)on 3Ki(^igan"; am 
DI|io: „©o(f«auge öom Oliio;'' in Sentul^t 
,,9iotI|fu(l^« öon Sentudti". 5Die fjranjofen »erben 
mit »Monschur Tonson/ bie Sourmad^er junger 
9Käb(^en mit nSparkers« öerfpottet, üon to sparkie, 
mit ben Singen funfein, liebäugeln. 

Sa« l^at er ju grciburg im faulen $el} gelernt. 

IDieg fagte man tiornel^mlid^ üon 2;i^oma« 9Kur* 
ner, bem berfil^mten @att)rifer be« 16. 3a^r^unbert«, 



22 

SSerfaffcr bcr ,,5Warrcnbcfd^tt)ötun9" (®tra§burg, 1512); 
bcr ^©d^elmengunft" (1812); bcr „Oäuei^matt" ober 
,f®tdtntok\t" unb Bearbeiter be^ ,,2;in Sulenfpicgel'^ 
ate er f^ in ber ©d^toetj ju t^reiburg aufl^ielt unb 
c^ l^ieg: ^er l^abe feine Sunft bafelbft im faulen ^clj 
erfd^najji^Jt''. ©ei un^ öcrftel^t man unter bem „f au* 
len ^etj" tjaul^eit unb Sfl\ä)tU\)un, unb einen SWen* 
fdien, ber fid| bem ergibt^ fd^ilt man einen ^anU 
|)eli. 9luf SUiurner angetoenbet l^at e6 tüol^t eine 
anbere Ü3ebeutung; bie man fid) t)ie((eici)t pnäd^ft 
auö feinem SBefen erflären Eönnte, benn er toar, wie 
er gefii^ilbert toirb, ein unrul^iger S^o^jf, öotl reb* 
üd^en (Sifer^, aber, l^eftig, berb, grob unb perfönlid^, 
umftänbüd^ unb gefd^toät^ig, ber feine SBei^^eit 
gerne in ©d)änlen unb SEBeinbuben an SKauIaffen, 
SKü^iggänger unb |)oütifd)e Kannegießer nur um 
baö SSergnügen, red^t l^erfaöen gufönnen über atteö, 
tüaö jiuft il^m nid^t bel^agte, um ein ^)aar ^üge 
SSier loöfd^Iug. Sine fotd^e öon SKurner in befon=^ 
bere 9lffection genommene 5Jube fül^rte im ©d^ilbe 
ben unfauberen Slitel: ^35er faule ^elg." 9lun mod)te 
3emanb, ber im ^faulen ^elj" ju greiburg ben SSor* 
lefungen SWurnerö beitDol^nte, 3Kand|erIei erlernt 
l^abeU; toa^ er eben im geben »enig braud^en fonnte. 
S5a]^er obige« ®<)rid^ttJort, beffen Sebeutung nun 
»ol^t nid^t mel^r jtoeifetl^aft fein bürfte, gür bie fon* 
berbare Sejeic^nung be« SDBirtl^öIiaufe« „jum faulen 
^tli" finben loir nod^ l^eute eine (Seloal^r, inbem in 
$eibetberg eine 55rauerei biefelbe Sejeid^nung fül^rt 



23 

2)et ^xt9htntx %t£ttiif(|er«— Sie (£amtnatx 9lt|e. 

Ser na^ !Dredhen gel^t^ ntug fi(^ in Sld^t nel^men, 
nid^t einen fogenannten ,,^u9)s)ifd^er'- ju belomnten. 
fOlüxi fann fid^ il^n ouf bcn brei fd^ünftcn fünften, 
ncunüd^ auf ber Srücfe/ ber Srfi^f fd^cn Ztta\\c unb 
an ben (Stbeufern ^oUn^ toenn man ettoad erl^t^t 
fid^ bortl^in tt)agt unb unt>or[id^tig beut @trome ber 
an bicfcn fünften befonbcrö fd^arfen 8uft au^fefet Um 
fi^ über baö Sefcn bc« 2lu«ttifd^er« ju informircn, 
barf man l^ierauf nur feiner 5Wafe nad^gel^cn; bcnn 
an biefer gel^t ed aud. @d entmidfelt fid^ nämlid) 
eine rofenartige Sutjünbung ber 5Wafenfpifec, öcrbun* 
ben mit l^efttgcm ©dEfmerje in ben SSorbcrjäl^ucn, unb 
man l^at mehrere S^age gu ti^un, el^e man biefed 9ln^ 
gebcnfen^ einer „fd^öncn ®egenb" wicbcr toö toirb. 
Somifd^ ift e^, bag bad eigentl^ämlidde älu^fel^en ber 
3fiafe ftct« gu ®etöd)ter unb ^eiterfeit aufforbert 
Der^ biegmal nit^t nad^ ber @d^ule ried^enbc 9iame 
biefc^ 3ttft<*«^e«^ 3)rcöbener 2lu«tt)ifd^er, warb 
oon bcn borttgcn 3lerjten crfunbcn. — Sin l^ifto^ 
rifd^eö ©eitcnftüdE jum naturl^iftorifdöen ©reöbencr 
Slu«n)if4er bübet bie „ßamenjer 5«afe\ 

3la^ ber {|ierüber beftel^enben gefd^id^tHd^en 
«ufHarung Iiattc man fi^ m^l nid)t« »effere^ 
aU eine „ßamcnjer 5yiafc" anjuteünf d^en , ettta 
mie ba« „5Eifd^tein bedT bi«^% ober ben „Snü^)^ 
pet au« bem ©ad"^ öon „bamaW; benn bic ßamenjer 
9{afett)ittert9(t[edt)orau« unb gtbtnatürßd^ il^remglfidC^ 
ttd^en !Erägcr 3eit, feine „SWaferegetn", mie man fagt gu 
nel^men. (C)a« ift aber l^äufig fo t)ie( al« ein ge^ 



24 

bcdtcr 2^ifd^ — natürüd^ bie ?Rafc »ittcrte jia bcn 
©raten fd^on im 3Sorau^, Sir Dcutfd^c Iiabcn übrigen^ 
ani^ o^ne biefe @r{(arung aQe Urfac^e^ dor ben 
ßamcngcr 9lafcn SRef^jcct ju Iiabcn, bcnn cinefotd^c 
mnt »ol^I ber größte „öft^etifc^e SBttterer" aüer 
3eiten, Sefftng, ber in Samenj geborene, getragen 
l^aben. 9^nn aber gur ©eft^id^te* 

©am eng ift eine ©tabt ber Dber^Sanptj. ©iefe 
Iriegte einft ^änbel mit bem SReidie nnb ber 9ieid^«^ 
majieftät J)a bie Sanfifeer nat^ nnb nad^ füllten 
mod^ten, e6 fei nid^t gnt, anf große §erren ©efid^ter 
gn fd^neiben, fo entfd^Ioßen fid^ fünf ©täbte be« 
Öanbe« gnr Slbfenbnng öon Slbgeorbneten nad| ^rag, 
aQbort abgnbitten nnb fid^ tt)ieber in ©nabe gn fe^jen. 
S)ie fed^fte ©tabt, nnb ba« »ar ßameng, tl^at aber 
nid^t fo, nnb man blieb bort ba^eim. 3)er (Srfolg 
aber geigte, baß bie Samenger fel^r Siecht l^atten 
nnb ,, feine SSögel" »aren, bie ben Sraten toirMid^ 
gerod^en l^aben mußten, ©enn ber (Smpfang ber Slb* 
georbneten tt)ar ein fo l^aarftränbenber, baß biefe fid^ 
bie O^ren öer^ielten nnb, ol^ne nmgnfelien, nad^ 
ber Sanfi^ gnrüdüefen. ®ie Samenger aber, bie 
fid^ ba« erfpart Iiatten, bnrften öon nun an il^re Olafen 
»irllid^ Ilöl^er tragen ^). 



3)er »otf »Ott 8a«t|ired^t* — 3)c8 Duarlfr^iegett 
gtt Subiffitt. — 2)cr ©emeittbetttj gn ®cb8»eiler. üDa 

Iiaben »ir e« gteic^ mit brei gang t)offierUd^en SJor* 
fäüen gn tl^nn, öon benen gwei ber Snlturgefd^id^te, 
ber britte gnr ®cfd>id)te ber ÜDorfbiptomatie gel^ört, 



25 

ju tocld^cr tcfeteren mand^cr @aIon*S5i()lomat mit ßr^ 
folg in bic ©d^ule gelten fönnte. ÜDcr 53 od öoa 
Santpred^t gel^ört in ber Zl^at gnr berbften (Sorte 
bed SSoH^fd^impfd. 

!Dantit oertiölt ed fid^ fo: bie ©emeinbe Sam^ 
pred^t befi^t in ben audgebel^nten Salbungen 
©eibeöl^einiö (§arbtgebirge) öcrfd^icbene fficibe* 
nnb ©trcunutjung^bered^ttgungen, um bereu Slnerfen^ 
nung fie fd^on feit bem 14. ober 15. Sal^rl^unbert 
öerpflid^tet ift, aüjäl^rfid^ biefem ©täbtd^en unter Sät* 
obad^tung gctt)iffer görmtid^feiten einen ®ei«bocf ju 
liefern, ©enfetben mu§ am britten ^flngfttage ber 
iüngfte ©ürgcr Sam^jred^t« an einem ©tride über 
ba^ ©ebirge fül^ren unb oor ©onnenaufgang nac^ 
©eibeöl^eim an ba^ beftimmte ^au^ bringen, »ofetbft 
bann ber ^viffttt einen 3mbi§ erl|ält 5Der Söod felbft 
tt)irb l^ierauf öerfteigert 5ln klagen unb ^roceffert 
n)egen biefem buftigen S^i^iered fel^tte ed nid^t; Sam^ 
pred^t n)oQte fd^on oft bie SodÜeferung in eine 
©elbleiftung umn)anbeln; ed tDarb nid^t angeno^t^ 
mcn. 3n golge eine^ foId)en ^roceffeötoarbbieSiefe* 
rung öon 1851 biö 1858 fiftirt, unb e« lam ba^er 
nad^ 9lu6trag be^felben jur Slbfenbung t)on 8 ®tü({ 
Södten auf einmal. 3ln biefer Sieferung im 3. 1858 
foüen aber toicber §äl(^en gcfunbcn »orben fein, unb 
bie !Dcibe«^eimer geben ben ©ebanlen nid^t auf, bie 
,,8ampred^tcr bcnnod^ au6 bem Sßatbe gu bringen," 
wie fie fügen ^). — 

©a« Quar!fd)ie§en gu Subiffin ift ein ge* 
fc^id^tUd^ noc^ bunltcr SSoIföbrau^. SWan erjälitt fid^ 
barüber ba^ golgenbe: 



26 

3n iBubtffin »atb in frül|crn ^txUn ein ©ti^cibcn* 
fd^ielen gelialteti^ totl6)t^ mit fonbetbarem Sdzitotxh 
unb Don eigentl^ütnlici^en Zeremonien begleitet tt)ar. 
SWan fd^ot nämlid^ in nid^t ju »eiter ©ntfemnng 
in eine mit Sitrbnen unb Guarffäfen bemalte 
©treibe, bie »Äl^renb be^ ©c^ief en« burd^ eine Sanbc 
gegogen »urbe. Iraf ber ©d^üfe baö SSilb einer ^U 
ttone, fo überreid^te il|m ber ©tobt-ßcremonienmeifter 
nnter iErompeten* unb Raufen* ©d)aü unb öie* 
tcn fteifcn ßompUmenten auf filbernem ^röfentir^ 
leüer eine Zitrone nebft einem ®Ia^ 3Bein. SBorb 
l^ingegen ein Safe getroffen, brad^te ein toenbift^er 
^odfijeitbitter auf l^ölgernem 5Ceöer teei^en Quart 
läfe, »ie er bort auf ben toenbifdien !Dörfern öer^ 
ferttgt warb, nebft einem ®Iafe Sier, toobei er fid^ 
in f^redflit^ faubertoetfd^em IBeutfd^ auöfprac^, ÜDaju 
töitte eine ed^t »enbifd^e, ol^rengerreigenbe SDinfif, 
beftel^enb aud jmei fonberbar gebauten ©eigen mit 
brci ©aiten, einer ©c^almei unb einem ©ubelfadt''). 

3n frül^eren 3^^*^^ »urbc biefer 3SoH«fd^erj 

— beffen llrf:prung unö nid^t belannt ift — öfter 
begangen; nad^ einer etwa 40jiäl|rigen Unterbred^ung 

— in ijolge ber Iriegerifc^en 3^it^^^t9tiiffc — tourbe 
er im 3. ISlOtoieber aufgenommen unb am 26* äug. 
ein fold^e^ Quarlfd^ie^en gu Subiffin gelialten. — 

Db eine ber öielen europäifd^en tJragen, »eld^e feit 
bem t)erl^ängnitt)oIIen 2. S!)ecember auf ben biplo^ 
matifd^en Zi\(S) getoorfen unb t)on bem großen po^ 
tttifd^en ß^camoteur ber ©egentoart immer »ieber öor 
il^rer (Srtebigung d^angirt würben, fo }u ßnbe gebracht 
werben wirb, wie ber ©emeinbetag gu ©ebdweiler ju 



27 

@nbe gtng^ in iDelc^em ftd^ ein gan} loftHd^ed ©tuet 
!J)orfbipIomatic crl^attcn l^at, ift eine grage, bie 
toir üor ber ^anb fetbft mit ber Srörtctung bed 
©eb^toeiler ©emeinbetaged d^angiren. 

ÜDa« enbet ttic ber ©emeinbetag öon 
®eb«tr)eiler, fagen tt)ir, toenn ettüad ganj gut unb 
frieblid^ enbet; nadibent man, n)ie bie <Baä)t tixoa 
angelegt toax, fd^on auf große SSertegenl^eiten unb 
eine ftürmift^e Snttoidlung gefaßt »ar. «Parturiunt 
montes, nascitur ridiculus mus^. 3n ber nac^^ 
folgenben ©efd^id^te, bie bem ©prid^toorte ju ®runbe 
üegt, feigen wir übrigen« außerbem noc^ ba« S3ei^ 
^pxtt einer feinen biplomatifd^en äßenbung, wobei 
burt^ öeobad)tung ber gorm baö SBefen ber 
©adje gerettet marb. 

SKfo JU ®eb«tt)ei(er ließ ber *?Jfarrer bie gal^nen^ 
ftangen neu faffen unb bemalen, ol^ne ben ©d^uljen 
unb Sird^cnpfleger ju befragen. S)aö ging il^nen ge^ 
ttwitig in bie 5ßafe. 511« bie Slrbeit fertig war, lub 
ber Pfarrer bie beiben 3Känner gu fid^ auf einen 
3mbi6 unb tl^at fcl^r freunblit^ mit il^nen. 3m Saufe 
be« ©efpräd^e« erwäl^nte er aud^ fo nebenbei, baß bie 
gal^nenftangen neu müßten gefaßt werben, unb frug, 
wa« benfetben für ein Slnftrid^ foüte »erben? 3)a 
fprad^ ber ©c^ulje: „3(^ benfe, man Heß' e« bei ber 
garbe, bie fic iego I|aben. SDBa« meinft ®u, Sila^^ 
bar?" — SBorauf ber Sirc^enpfleger fagte : ,,3a woI|t" 
— unb bie SSerfammlung ging rul^ig au«einanber; 
war ja bod^ nid^t« au« ber gorm gegangen/ 



28 

95öljmifd!c2)8rfer— @)ianifd)e ©(^föffer — SBlinber 
^cffe* — siöcm lüärcn bcr erftc unb tc^te SJotte* 
ft^in^jf — bcr testete ift aber bod^ eigcntl^ ein 
©lünpf — unbcfannt? Söeniger bürftc btc§ mit ben 
fpanifd^cn @d)Iöffern bcr gciü fein« Uebcr bte böl^* 
tnifc^en Dörfer befielet eine gefdiid^tlic^e ßrflärung, 
bie aber offenbar ntd^t ftid^^altig ift; benn fie lä^t 
nid^t ganj jenen Sinn a^nen, »eichen ber 3SoI!6* 
tnunb mit biefer 9tebenöart öerbinbet. @ie fotl näm* 
lid^ au« beut' 3* 1466 ftammen, in »eld^em Söhnten 
fo öertDüftet würbe, baß oft tt)eit unb breit fein ÜDorf 
ju fel)en war. 

Unterfud^en tt)ir bie ©ad^e nac^ i^rem redeten 
Stange unb, loie gefagt, öor Slttem nad^ ber öol!«* 
tl^ümttd^en ©eutung. SBir lüenben biefe Stebenöart 
an, wenn tt)ir ÜDinge d^arafterifiren wollen, bie un« 
entlüeber frembartig anmutigen unb uniugänglid^ finb, 
ober öon benen wir bie Ueberjeugung l^aben, baß 
toir unö mit il^nen nic^t befreunben fönnen, ol^ne 
mit aüen unfern 2lnfd)auungen in ßonflict ju ge* 
ratl^en, 3GBo^t ift ber nöd^fte S3egriff be« jS^tmbtn, 
Unbelannten nid^t auögefcfjloffen, unb wir fagen ganj 
rid^tig t)on bem 3ungen, ber öor einem 32Biffen«ob* 
jiecte verblüfft unb mit langem ©efid^tc fielet, baß 
il^m biefeö „böl^mifd^e ÜDörfer" feien. 5lber wir werben 
aud| fo, gewiff ermaßen abwel^renb, fpred)en, wenn 
3emanb unferer 3nteüigenj unb Ueberjeugung mit 
einer SRcbe ®ewalt antl^un will. „SBci« ®v^ ba fagft, 
finb mir bö^mifd^e Dörfer'', b. 1^. wol^I, id^ fann 
midi bamit nid^t öcrtragen, befreunben. 

3Bir bürfen ferner, wa« ben Slang ber "p^rafe 



29 

betrifft, über ba« gcograpl^ifdie (SIcment berfelben nid^t 
I|tntt)egfefeen. -ööl^men, ba^ 8anb ber Sßätber, ein 
®ebiet be^ 9lorbcn«, blieb, tt)ic übcrl^aupt bie le^tere 
SSBcItgegenb, länger außer bent 3ttfömmen]^angemit ber 
ßultur be^ mittleren unb füblic^en @uro|)a'6. SBic 
bie 9tömer unb ©ried^en bort i^re ,,S3arbaren" fan^ 
ben, fo fd^Iic^ fid^ in bie beutfd^e, »ol^teerftanben 
beutfd^e SSoß^anfd^auung ba« ,,bö^niifd^e ®orf" ein* 

5Rod^ mel^r, »ir fönnen unö toeiter an ben Stang 
Iialten. 

Überfeine man nur ba« 9iegifter ed^t böl^^ 
mifc^er ©orfnamen, ffiJenn ba eine beutfd^e, fot 
d^en Stange^ ungetoöl^nte urtb ungeübte 3^"9^ 
nid)t an natürlid^c ^inberniffe ftögt unb e^ nid^t un^ 
»iüfül^rtt^ auöfpric^t, ba§ fie e« mit fcl^r grembarttgem 
ju tl^un l^abe, fo ift fie nid^t eine beutfd^e^unge. ijaffen 
tt)ir nun biefe Ueberrafd^ung, biefe« S3ett)U§tfein bed 
unüberioinblic^ gremben bei näd^fter ©elegenl^eit unb 
äl^nUc^em Stniaffc in einen ©prud^ gufammen, fo 
mu5 er lauten: „ba^ !ömmt mir öor »ie — böi^^ 
mifc^e ÜDörfer." Unb bie^ n^irb gelten, fottolit in 
^infic^t be« Stange« aU aud^ ber moraüfdien 2ln* 
fd^auung, in fpra^tid^er unb original öoKötliüm*^ 
lid^er ©ejiel^ung. 

ßnbttc^ gibt jia nid^t bto« SJöl^men, fonbern aud^ 
©|3anien, Sl^ina, »ie mir 2lße rec^t oft l^ören, bie 9ta^ 
mm gtt gteic^bebeutenben Sieben^arten l^er. 3Kan fagt: 
ia^ Hingt fpanifd^, ba« ift d^ineftfdf|,tt)iß]^ei|en: fremb, 
frembartig, öerttjorren, barbarifdi, »obei mir übrigen« 
gur gl^renrettung ber genannten Sauber c« au«f^3re^en 
muffen, ba§ mir bamit aud^ bie eigene tl^eilmeife Un^ 



30 

fcnntni^ öon benfclben belüu^t ober unbctougt d)araf* 
terifiren. S)cr bcutfd^e 3ubc fagt: „ba^ fein pot 
nifc^e Dörfer für mid^/' meldte SSeje^nung für 
ttvoa^, tt)a^ er niäft öerfte^t, burc^ bie I|äuftge §cim* 
fuc^ung potntfc^er 3uben il^m näl^er aU eine anbere 
liegt 

®ans analog unfern „böl^mifd^en 3)örfern" finb 
bie ,,fi3anifd^en ©d^Iöffer" im franjöfifd^en 3SoI!ö^ 
tnunbe: Ti£aire des chasteaux en Espagne," eine 
9tebenöart, njcldie fd^on in'« 13. ^al^rl^unbert gurüdf^ 
reid^t unb anlcißlicfi weld^er fd^on Montaigne fagt: 
Une resverie sans corps et sens sujet rögente 
notre ame et Tagite; que je me mette ä faire 
des chasteaux en Espaigne, raon Imagination ra'y 
forge des commodit^s et des plaisirs desquels 
mon ame est r6ellement chatouillee et rejouie.*' 
Pasquier tt)ieber in feinen nEecherches de laFrance« 
erftärtbiefe Siebenöartauf analogeSBeife, »ic unfereböl^^^ 
ntifd^en Dörfer gefd^id^tlid^ erftärt »erben, er fd^reibt, 
ba§ ©d^Iöffer in Spanien feiten feien, unb finbet bcn 
®runb il^rer ©eltenl^eit in ber Slbfid^t, bie SKauren in 
il^ren tcUn^en ju l^inbern, fid^ fol^er (Sd^t&ffer, 
t»enn fie öorl^ottbfin getoefen tü&ren, ju bjemäx^ägcn 
unb fo ein SDlittel gu befifeen fi^ jurüdjujie^en unb 
gu langer unb i^artnödfiger ^ert^eibigung üjörjube^ 
retten, Fleury de Bellingen dber ijerfc^t ben 
Urf^jrung biefcr 9tebciii«art fogo: tu ik Stömergeitcn, 
unb jtüar in jenebeö älufentl^atte« ööu Caecilius 
Metellus in Spanien gurüd. 3m !3Deutfd[)en fpri^t 
man, aberunrid^üg, öon „fpanifd^en Dörfern," fott)ic 
man t)on ÜDingtn, bie man nid^t öerftel^t, ju fagen 



31 

pfltQt: ^S)a« fomntt tnir [panif^ bor''. SBer aber 
gum Sdd^pid türfifd^ ober griediift^ ober potaifd^ 
nid^t derftef)t, fann cbenfo gut fagen, baö !ommt tnir 
türfif^, grieci^tfci^, poltiifd^ öor, b. 1^. ba^ öcrftfl^e 
idö jtid^t^), 

®mb bie gtoei eben erörterten Siebenöarten im 
©runbe genommen xiemli^ liarmlofer ^latur, ft) ift 
bie§ mit bem bünben C^effen nid)t ber ijaß, toobei 
Unttiffen^eit unb ©pottfuc^t au« bem @I|rentoorte, 
au« bem SSotfögüntpf einen 9SoK«fd^im})f gemad^t 
l^aben. iBei ber Titulatur ^blinber §e[fe'' Iianbelt e« i{ii) 
junäd^ft um bie ßt^mologie be« 5ßamen« §effe, 
benn barin foü aud^ bie ÜDeutung be« fonberbaren, 
fo ti)cnig fd^meid^el^aft Hingenben ©einamett« gu 
fud^en fein. Sie Reffen ttiären bit %ad^Iomm^n ber 
(Satten, Satten ober Sl^ajgen, au« toeld^ le^term Sftu^ 
men fid^ ba« ^effe: fetbft gebilbet l^aben fott. Scne 
urfprünglid^e SJejeid^nung : Sl^sjen l^ötte bie Änf^ne* 
lung auf ba« blinbe .^^rtoeltfommett btt ^^en 
veranlagt unb bal^er aud^ auf bie j^effen übertragen* 
älber bem entgeigen ftel^t fo fStasi^t^, unb obenan 
njol^I bie 2^]^atfa^e, ba^ man in £)«tttf4Icmb ttodf 
jc^t nid^t nur bie Reffen, fonbern aud^ bie ©c^toa*» 
ben mit biefem ^räbicate beel^rt, ttenn fid^ mimtic^ 
ßiner finbet, ber nid)t gleid^ fiel|t, toa« i^ 8[tte 
feigen muffen. ^Slinbet ©d^loab" ift ein fd^toetjerifdle« 
®|)rid^tDort, unb man gtaubt l^ie unb ba aüen (Srnfte«, 
ba§ bie f4|tt)äbifdöen dauern burd) jel^n 2iage nad^ 
il^rer ®eburt blinb feien. 

aWertoürbig aber ift ju fe^en, ba§ gtoei einan^ 
berfd^nurftradf« entg^gengefefete ÜDeutungen biefer SRe^ 



32 

ben^Qtten beftel^en. SBöl^renb nömUd^ bie eine und 
bauitt an eine f^)ricf)n) örtlich gettjorbene I(H)f erfeit be« 
S5oIteftaninte« erinnern »iß, inbem [te baö blinb 
toon bem blinben So^gel^en auf ben geinb I|er^ 
leitet, uiad^t bie anbere gcltenb, ba§ tüir e« l^iermit 
einem gefd)i(i^tlic^en Schimpfe ju tl^un l^aben, mit 
einer Slnfpielung auf jene ^dt, aU bie Uröäter ber 
Reffen, eben bie Satten, öon ben ©ac^fcn über bie 
SBBefer jurüdgefc^Iagen teorben finb. 

SBir finb ber SWeinung, baß, »enn auc^ nid^t 
t)on bal^er ba« SKoment be« ©potte« in ber 5Reben6=' 
art l^erjui^olen ift, bicfeß 2Roment jiebenfaQ« feftju^ 
l^alten fei, bafie ja nur mit biefem accentuirt ge^ 
f)xavL<i)t toirb. SGBir »ürben un« bann bafür entfd)ei^ 
ben, ba6 blinb entteeber in ber Sebeutung be^ eng^ 
lift^en blinb, al6 „falfd^'' ju nelimen, ober ju be^ 
merlen, ba§ btinb im üDeutfi^^en felbft auti^ benöe* 
griff öon ni^tig, l^ol^I, leer, gel^altloö reprftfentirt, 
3Btr erinnern ba an ben Slu^brud : ,,bünb gelaben", 
b, f). nid^t fd^arf, o^ne ba^ treffenbe SIement 
ber Äuget unb ©d^rote, xoa^ auf „nichtig'' unb „ge^ 
IfatÜo^** l^inauölauft 

®n anberer Sluffd^Iu§ »äre nad^ ®rimm in 
ber 5ffi^tl|e ber SBelfen ju fud^en, bie fic^ unter ben 
Saiem, ©d^tüaben unb Reffen erl^alten l^at. ÜDa ift 
bie @age öon ben gwölf auf einmal gcbomen Snäb^ 
lein, »eld^e erfäuft »erben foßten, aber burd^ ben 
SSater, bem man bie ^nber für blinbe Sßelfen auö^ 
gab, am Seben er^Iten »urben. @ie l^eißen fortan 
Söelfe, b. i. <^unbe (bal^er aud^ bie Reffen in ber 
®efd^id)te aU „C^unbl^effen'' öorlommen). S)iefer 



33 

S!crn ber ^t)ti)t, bic toelftfd^e Sltnbl^ctt, toäxt nun 
bcr S!crn bcr ncucrn 5lnf^3tclun9 geblieben, um fo 
ntcl^r, al« SÖBelf, f)uelf etgenttid^ catulus bebeutet, 
unb bie Sttnbl^eit auc^ ben 3ungen ber Sötten, 
SBöIfe unb Sa^en nad^gefagt »irb* 

Uebttgenö geben Singergeige ju ^Deutungen gar 
öiele berbc 35otf«fprüd^e, in weldien nid^t nur ben 
Reffen, fonbern il^rem Sanbe al« fold^em fo ntand^e^ 
nac^gefagt wirb, ba« unö ben fpöttif^en (Sef^madf 
ber Siebenöart nid^t berfennen lä^t SSom Sanbe 
Reffen fprid)t ber 35oII^niunb: 

„3m öanbe Reffen gro^e ©d^üffeln, »enig 

gffen!" 
ober: 

„!t)aö 8anb ju Reffen 

§at große Scrg' nni nic^t^ ju effen, 

®roße Srüge unb fauren SBein, 

SBer mö^f im 8anbe §effen fein?" 

SSon ben ^t\U^ f^^bft l^eißt e«: „3B^nn ein 

§effe in ein fremb §au« fommt jittern bie 

Sauget an allen aOBänben/' 

„Sie $)effen bie beften", biefe beiben jum 

Srieg^^9iu^m unb ©t^imipf ber Reffen au« ben ^tu 

ten beö 30jiä]^rigen Sriegeö; bann lieber: 

(ßx gel^t) „Slinb brauf loö toieein^effe!" — 

„dt tauft tt)ie ein §effe!" — 

unb: ,,ÜDrauf to«! e6 ift ein C^effe/ 

für bereu ©inn, ber ben 35oIf«fd|impf in einen 

SSotfegtimpf öerteanbelt, öon ©inigen aud^ angefül^rt 

tt)irb, ba% im alten ÜDeutfd^ tt)ie no^ ie^t im S)änifd^en 

baö Sort §e§ ein ^ferb bebeutet 

®Um»)f unb @cl^im^)f. * 3 



34 

Sie magere Srume i^re^ ®oben«, ber il^r 
gleig bod| nod^ ba« grforberIid|e abjuringen öerfte^t, 
i)at fie mit bem gtoeiten feineö fjteiße« n)egen ge^ 
priefenen S5ot!e, mit bcn ^oüanbem in einem 9icim* 
lein jufammengeftcHt, tod6)t^ lantet: 

3Ö0 Reffen unb ^oüänber üerberben, 
SBer tonnte ba fein Srob emerben?^) 



¥: 



2)eutfd) — SentfdUanb — 2)er beutfj^c 2md>cL 

2)er ©treit über Urfprnng nnb Slec^tfc^reibnng bie^ 
feö Sorte« toarb einft l^eftig gefül^rt, unb baö 9Je^ 
futtat be^felben ift: ba§ bie Dber^ unb a\x6) üiete 
^Jieberbeutfc^en i^r S^eutfd^ unb' S^eutfc^Ianb gegen 
bieienigen l^artnädRg öertl^ eibigen, nietete !Deutfd^ unb 
ÜDeutfd^Ianb fpred^en unb fc^reiben, unb ba§ man in 
unjäl^ßgen ^anbbüd^ern batb bie eine balb bic an^ 
bere ©d^reibart finbet 35eutf(j^e ©nigfeit! 

SBenn bie 9lbteitung ber SBörter: ©eutfd^, ®eutf^^ 
lanb ober SEeutfd^ STeutfd^Ianb, öon Sll^cut, S:^eut, 
Z^Viii^io, ober bem gleid|bebeutenben S)i«, richtig ift, 
fo ift ebenfo bic Schreibart mit bem %, tt)ie bie mit 
bem 5D gered^tfertlgt S)oc^ l^aben bie ©egriffe ÜDeutfd^ 
unb ÜDeutfd^tanb einen anberen Urf|)rung, aU ben 
oben angegebenen. Slüe biefe SB ortbegriffe ftammen 
öott bem beutfc^en SBorte ÜDube ober bem entfpre* 
(j^enben ©euten ^er. 

3n einem ber älteftcn beutfd^en ©id^ter finbct 
fid^ l^ierüber ba« gotgenbe: 



35 

Du de heit de Spraake die wie spreken, 

Darom zall een Dudischer het Dudisch niet 

ontbreken; 
b.]^.: ÜDeutfc^ l^eigt bie ®prad|e, bic tDtr fprcc^en, 
Darum foü fi^ bcr 5Dcutfd|c bc« !E)eutfc^cn ni^t 

cntbrec^en. 

Ucbcrbic§ finb ,,bcutfd)'' unb „beutlidi" in einer 
^infid|t f^non^nte Slnöbrüde, benn man fagt ja fpric^^ 
toöxtliä): f^^xiä) bcutfd^", tta« foöiel fagen toiU, ate 
Jprid^ beutlid)". 

3lud| ©l^afefpearc fagt an einer ©teüe feiner 
ÜDramen: speak german! fprid^ beutfc^, unb tt)itt 
bamit fagen: fprid^ beutlid^. 

ÜDie ©eutfd^en ber öerfd^iebenften SSoII^ftämmc 
nannten fic^ trofe biefer SSerfd^iebenl^eit ber Slbftam^ 
mung unter fic^ bie !S)eutfamen, bie !Deutfcl^en^ 
gteidjfam bie !Du^brüber. 

ÜDie rid|tige ©d^reibart biefer gtt)ei unb aüer 
baöon abgeleiteten SÖBorte ift ÜDeutfd^, S)eutfc^er, 
Deutfd^Ianb. ^ 

Sßol^er entf^jrang aber ba« X ber Dberbeutfti^ett? 

2Iu« ber öerborbenen 3lu6fprad^e be« 3), ba6 
man »ic Z tauten lieg, ttie ber Dberbeutfc^e eben^ 
fo aud^ ba« Sä »ie ^ auöf»)ric^t 

©elbft im itatienifd^en tedesco, »o te anftatt 
the ben 3lrttfet bitbet, ift in desco ba« 35 toieber 
ju finben ; benn bie in Italien eingetoanberten ßongo^ 
barben nannten fid| the dösken, tt)orau« ber Staliener 
fein tedesco bilbete* 

S)ie SÖBurget tt)äre alfo jebenfalfö 3)eut; unb 
wirMidi finbet fid^ biefe in ben üerfd|iebenften, ju 



36 

beutfd^cn Flamen cnttoid citcn (formen unfcrcr @t)rad^c, 
al«: ©ict, !Düib, S)üb, 5l^tub, 5i:^iob, J^toba, !D^cob, 
STl^cub, 2;]^cob K. 9Ran fcl^c nur bic Flamen: ÜDiet^ 
rid^, 5Dictbcrt, Ottmar, 2il^cobor u, f* tt). S)ict lontmt 
in bcr Sinjal^I fogar für einen Sinjcinen fogenann^ 
ten ^ÜRann öon ©tanbe" öor. 3n §nnb'6 Sluögügen 
l^eißt e^: 

„Unb ba fo mand^er ftolje S)ict 
3u §of beut Äönig ßngel rietJ^." — 
Sir l^aben e« aber nod^ mit einem al« ©d^impf 
gebraud^ten älu^brude }u tl^un, namlid) mitÜDötfc^, 
offenbar nid^td anbere« alö S)eutfd^, baö jur Sejeid^^ 
nung eine« ftodbummen SWenfd^en l^ergenommen »irb. 
3ur JRed^tfertigung ber ÜDeutfcfien gegen ben SSerbad|t, 
alö befd^impften fie fid^ felber, nel^men »ir gerne bie 
grflärung an, baß bie !Dötfd|en nad§ alter S3e=^ 
nennung bie „§ottänber" finb, »ie fie nod^ in Sng^* 
lanb dutch l^eißen, unb baö „be bötfd^e ^zxV 
nur eine berbe Entgegnung auf ba« l^oQänbifd^e 
duysche muff fei, foöiet al« ber „bumme ^ol^ 
tänber , tt)ieman fid^ ben ausgearteten ©ad^fen el^e^ 
bem gerne öorfteöte, — 

ßnblid^ l^aben toir l^ier nod^ ju bemerlen, ba§ 
neben feinem fprad^Iid^en SBertl^e ba« äöortÜDeutfd^ 
aud^ in cutturgefd^id^tüdiem ©inne ben 53egriff be« 
©eraben, 9ied^tUd^en, ©erben in urf^jrüngttd^er ©itte 
unb Xüditigfeit gebe, lüie g. «. in ©c^ ilter« „Sie«co" : 
^SBa« gibf«?" — „©eutfd^e §iebe!" biefe ©eltung 
bi(J|terifdf| jum 2lu«brudfe gebrad^t lüirb ^^). 

2Son ÜDeutfd^Ianb jum beutfd^en 3Äid&eI ift 
bodfi iDol^I !ein logifd^er ©prung. SBir tt)oüen atfo 



37 

öom beutfd^en ÜRtd^cIf|)red^en, unb maä)tn, iatoit 
unö beffcn unterfangen; tl^nt offenbar ein Kompliment; 
benn n)ir muffen ttJOl^I annel^men, bdg er nid^t 
mel^r ,,f d^Iäft"; glaubten toir bieg, fo fönntcn loir 
ja in aller ©tille an il^m öorüberfd^Ieid^en unb il^n 
fc^Iafen laffen. SBir erjäl^Ien il^m aud^ eine fc^öne 
©efd^id^te oon einem braöen Sll^nl^errn;. loel^er ber 
erfte äBid^el getoefen fein foQ, loa« i^n ba§ freuen 
bürfte, loenn fie nur ttal^r »äre; aber: 
„2lu« i«'ö unb gar i^'ö, 
5nur ®d|ab' bag 'ö nit »al^r i6." 

@ö ^ei§t nömlid^ unb ttjurbe . erft in jüngfter 
3eit öon mel^reren Journalen col^jortirt, ber erftc 
beutfc^e SWic^et locire ber ©eneraüieutenant 3o]^ann 
Mx6)ti Dbentraut, ein ®eutfd|er, gemefen, ber 
in ben 3a]^ren 1620—1622 in fönigt. bänifc^en S)ien^ 
ften ftanb unb fid^ ben ©paniern, gegen bie er friegte, 
furd^tbar madf|te. ©o oft biefe einen ©d^Iag öon il^m 
ermatten l^atten, pflegten fie ju fagen: ba« l^at un^ 
tt)ieber ber üerbammte „beutfd^e 3Kid^et" getl^an. 

®aö wäre, tt)ie gefagt, red^t fdf|ön, wenn eöfid^ 
nur fo oerl^ieltc. 2lber e« flnbet fid^ ba ein atter 
beutf df|er ©prud^, ber bei 400 Saläre älter ift, afö D b e n^ 
traut gelebt l^aben foü, unb biefer fagt ganj beutßd^: 

„Daö biutfd^iu SSo« ift mi^p gi^eigan." SKi^- 
I|il im 2lIt^odf|beutf^en, mid^el im aKitt et^o^beut^ 
fd^en bebeutete aber fo öiel alö gro§, unb e^ bürfte 
bal^er mit bem beutf d^en SÄid^el fo oiel al« un^ 
bel^otfener, Kotiger ÜDeutfd^er, beutfd^er (Srogl^anö, 
baö gange fd^ttierleibige beutfdie SSoIf gemeint unb 
gefagt fein. 5Dabei ift e6 immerl^in möglid^, baß er 



38 

fid^ in utiöorbcnlltd^cr ^dt einmal gang cntfefeüd^ 
btamirt l^abc. ßrjä^Itnianboc^ üon bcnt beutfc^cn WU 
c^cl— nnb cbcnnnröon il^mnnbnid&tt)on3o]^nS3nII 
nnb2)anfce, nid^töonSan ^agcInnbUncIe ©am 
— leiber nnr bom bcutfd^cn Wiä)d folgenbc betrüb 
bcnbc ®efd^td|tc. ÜRid^cI« ÜRuttcr ^abc miä)tin 
um Pfeffer unb ©alj gefd|i(ft nnb il^m bajn einen 
Steuer mitgegeben mit ber SBeifnng, biefe Slrtifel ja 
nid|t untereinanber jn mengen (bie aKntter mug i^ren 
©ol^n gefannt l^aben), fonbern abtl^eilenb ben Pfeffer 
anf bie eine, ba« ©alj anf bie anbete ©eite be^ 
Steuer« gn tegen. ®ie meinte nämlid) anf ber einen 
^älfte ber oberen 5CeßerfIäd|e ba« @alg, anf ber 
anbern ben Pfeffer, 

Süiid^el merlte fid| baö. %U erüom Äanfmann 
ben Pfeffer erhalten l^atte, tegte er il^n auf bie eine, 
obere }^iäi)t be^ 5Eeüerö. 911^ er ba^ @atj em<)fan* 
gen, »enbete er ben ÜEeüer um nnb legte e^ auf bie 
cntgegengefe^te, untere ©eite beö Ztütv^. 5RatürIicl^ 
btieb ber Pfeffer beim Kaufmann auf ber Srbe liegen, 
^eimgelommen geigte er ber SRutter ia^ ©alg auf 
ber SRüdfeite be« Xeüer^. Sit« i^n biefe fragte, IDO 
er ben Pfeffer l^abe, nienbete er fdineü ben Steuer um, 
inbem er fagte: „yinn ha, auf ber anbern ©eite, n)ie 
bie grau SKutter gefagt!" ©omit tag aud| ba«©alg 
auf bem S3oben. 

aSon einem anbern ÜRid^el ergä^It man, ia% 
er — unb ber toar offenbar Stationalöconom — bie' 
^eiuKeiber feine« ©roßöater« fid| fo gured|tgelegt 
^abe, baß er barau« C><^^"^ ^acfe unb ©ünbel er^ 
^telt er fc^Ioff nämtic^ bei ben §ofenfä(fen mit ben 



39 

Silnnen l^crau^/ ttjoburd^ er bic paffenbe Sänge, ben 
S3aud| aU 3ade unb ba« obere @nbe ber §ofe afö 
Sraöatte erl^ielt 

@tnb baö nid^t tüal^re ©rogt^tcn unfcre^ 
SKi^elö? SSBtr fürd^ten nur, baß ber SWidiel mit 
bem Pfeffer unb ©alje nod^ immer l^erumgeiftert, 
ba branden in 3£ unb in % unb ba§ er unö eine^ 
S^ageö ba^ eine wie ba^ anberc öerfdjütten tt)irb. 

5lucl^ Sifelein fteüt entfd^ieben in Slbrebe, ba§ 
biefer ©pifename öon einer ^erfon ober Gegebenheit 
l^errü^re. @« ift eben ba^, ti)a6 3an §aget, Sol^n 
53ult, ?5rogeaterö, ^anfee^, 3ean JJoutre 
u4*tt).ftnb, unb bürfte ba^ mittel)^ od) beutfd^e mietet 
ober groß (att]^od)beutfct) mil^l^it) fein, foöiel aU: 
))Ium|)er35eutfd^er, beutfd^er ®roßi^an«,@c^Iaf^ 
l^aube, fc^toerfältiger Sßenfd^, ber, ttjo er nieber^ 
fäMt, ein 8oc^ in bie Srbe fd|Iögt^^). 

Curanjcn — 2)a5 Scttrenncii toon Kaftlebar — 

I'ann^e de Corbie — Boargaignons sal^s. >Die ^rieg^^ 
gefd^id^te liefert aud^ mand^en tt)ert]^üoüen 59eitrag 
jum 35oI!«* unb ©täbteglimpf, unb getoiß toirb eö 
ben 3Benigften einfallen, baß, »enn fie einen 3Sater 
jum ©o^ne, einen Se^rer gu feinem ^öQlinQt fagen 
^ören: id^ »erbe bid^ fd^on curanjen, toa^ foöiet be=^ 
beutet, alö: ic^ »erbe bic^ 3Jiore« lehren, ber Urf})rung 
biefe« ÜDrol^toorteö in tJtanfreid^ gu fud|en fei. 

3ur ^dt beö §ugenotten*Sriege« in jS^anlxdä) 
»ar bie Seftung ßurance ba« Dbiect öartnödfiger 
Säm<)fe. Salb »ar fxe in ben §änben ber |)uge=^ 



40 

notten, batb tDtcbcr in bcncn bcr Äat^oltfd^cn unb 
bc6 Söttigö» ©06 ©d^idfat bicfer fo l^art l^crgcnom^ 
mcncn ©tabt warb nun in bcm feit biefcr ^dt 
fprid^iüörtlid^ geiüorbencn Slu^brude Suranjcn öcr* 
cwigct ^2), 

SBäl^renb ba^ ©rol^niort ßnranjcn in bcn beut^ 
fd^cn ©pradigcbrand^ übergegangen, ift ba« fjotgenbe 
ein ®ä)xmp^, ber in ber engtifd^en Slrmee fibel öer^ 
merft toirb, obgleid^ beffen 2lnn)enbung nid|t gerabe 
immer in fd^impflit^er SBeife Statt finbet 

@r toax beim Sßettrennen öon ßafttebar, 
ober er gehört jnm 5» 5Dragoner^9iegiment, ift für 
einen englifd^en ©otbaten ein namenlofer ®d|im^3f- 

3n ber englifdien Slrmee gibt e^ lein fünfte 6 
2)ragoner=^9tegiment üDie Urfad^e baüon ift golgenbe: 
5ll6 bie ^anjofen unter ©enerat §umbert im 3- 
1798 in Srianb tanbeten, lag ba« bamaügc 5. 
©ragoner^SRegiment in ßaftlebar in ©arnifom ^nm^ 
bert marfd^irtc auf bie ©tabt, unb e« fam ju einem 
9?encontre, in toeld^em jebod^ ba« erftäl^nte ^Regiment 
fogleid^ ben 9tüdEen »anbte. 3Wan nannte bal^er biefe 
Slffaire nic^t bie ,,©c^Ia^t% fonbern „ba« SBettren^ 
neu öon ßafttebar'', unb ba^ 5« ^Regiment »arb für 
immer auö ber 2lrmee geftrid^en. (S6 lann einem eng^ 
ttfd[)en ©olbaten lein größerer ©d|im^3f angetl^an 
»erben, afö iwenn man t)on il^m fagt: „dt gel^ört 
jum 5. ÜDragoner==9iegiment" ; benn man nennt il^n 
bamit feige. 9lber man tt)enbet obige ^l^rafe aud^ in 
ganj l^armtofer Söeife.unb gtt)ar auf jene an, mtijt 
überl^aupt ni^t bienen; benn e« gibt eben lein 
5* ÜDragoner^JRegiment *^). 



41 

3Kc^r bcr SScrgangcnl^cit angel^örcnb, aU nod| 
l^cut gu 2^age int Ocbraud^ ift aber btc (Sritmerung 
an ba« ©(j^rcdcn^jal^r 'öon ßorbtc, Uann6e de 
Corbie, bicfcr Slu^rnf flößte feiner ^txt nxä)t ge^ 
ringen ©d^reden ein. ®ie fjranjofen riefen fid^ ba^ 
mit felbft eine gefc^id^tlid^c üDentütl^ignng in*^ ®e^ 
bäc^tnig jnrüdf, niäl^renb eö für nnö eine glorreid^e 
grinnernng ift an bie Zap^txUxt eine^ ]^ab«bnrgifd^en 
^rinjen, n. g, be« ßarbinalö gerbinanb öonDefter^ 
reic^ (geb. 1609 t 1641), rfne^ SSetterö Äaifer i5er^ 
binatib IIL 3n ienem Sriege nantlidi, ben bie mit 
ben ^oöönbern bereinigten granjofen im 3. 1635 
gegen Defterreid^ begonnen l^atten, tt)ar e« bem ^rin^ 
jen öorbe^Iten, ben Sinl^m bentfd^er Sraft nnb öftere 
reidjifd^er SEapferfeit gn jeigen. @r brad^te bem geinbc 
eine ©dilappe nm bie anbere bei. 3n 14 S^agen 
^atte er Simbnrg eingenommen, batb baranf 8a ßa^ 
peüe, bie 25ormaner ber ^icarbie, nnb fo and^ 8a 
Skatetet 3Sor ßorbie befonber^ ging ben ijt^anjofen 
ber ©d^redE be« bentfd^en Flamen« anf. ÜDie bentfd^en 
8anb«fned^te, geführt öon Sol^ann öon SBert^, 
tt)aren bereite §)erren beö redeten Difenfer^ nnb 
ftreiften fogar nnfern öon ^ari«, fo ba§ beffen S3e^ 
ttjol^ner fid^ jn fürdf|ten begannen. Sie gnte (Srinne^ 
rnng an biefen ©c^redf lehrte fie öon ba ab iebe^ 
ä^nIi(J|C Sntfefeen aU Drann^e de Corbie" be^ 
gcid^nen. 

®ie I)aben and^ nod^, benlentoir, i^r 9iopad^ 
im SKnnbe. 

— ein S3oH«fdöim»)f l^eiterer Slrt finb aber bie 
eingefaljenen ©nrgunber „Bourguignons sal6s'^ 9lnf 



42 

unfern t^ctbcrn [teilen, jur ©ti^wcincfüttcrunö bereit, 
groge, fette SRüben, bte wir anö) Surgunber nennen. 
3Ba« aber finb bie gefal jenen ®urgnnber? 3ff^ 
gleifc^ obergif^, Srautober »iübe? @inb e«5Dinge 
au« beut Sanbe ber „Soditer be« hiebet«" ober ift eö 
etwa« — gum Gffen? 

@« beftel^en brei Srllärungen, öon benennur bie 
(Sine appetiterregenb ift, bie nad^folgenbe aber burd^* 
au« nic^t (g« foü im 3. 1422 ber ^rinj öon Dra* 
nien im 9?amen be« §erjog« öon SSurgunb bie ©tabt 
Aigues-mortes unter Sari VIL eingenommen unb 
einige ßompagnien ©urgunber at« SSefatjung l^inein* 
gelegt l^aben. ©ie ßinmol^ner, über fie erbittert, fol* 
len bie armen Serte umgebracht unb förmlid^ einge* 
p'6ddt l^aben, entmeber um fie afö @iege«trop^äe 
länger aufäubelüa^ren obfer um bie öerpeftenbe 9lu«* 
bünftung fern ju l^alten. 

@tn)a« feiner unb auc^ toal^rfc^eintid^er Hingt 
bie S)eutnng, ba§ bie S3urgunber, al« bie erfte ger«» 
manifcfie 35ölferfd|aft bie ba« ß^riftentl^um angenom* 
men, öon i^ren ?tact)baren fp ottweife bie®efaljenen 
genannt würben, weil i^nen bei ber Saufe, wie ba« 
noc^ ^eute gefd)iel^t, ®alj in ben S0iunb gelegt warb 
(sal säpientiae). 

©eiftreic^ unb faft am wal^rfd^ eintieften lanttt 
bie SrfWrung, weld^e wir in ben „S)ucatiana" finben, 
wo e« ]^ei§t: 

Bourgignon saI6 ift eine Slnfpielung auf bie 
Üräger einer 9lrt Heiner atter §elme, weld^e man 
Salade nannte (petit casque ancien qu'on appeloit 
salade), bal^er ba« aSJortfpiel, woju biefe 9teben«art 



43 

btc SScranlaffung gab; ein alte^ 3SoIf«(tcb lautet 
näntHd^ : 

flBourguignon sale, 

nL'epee au cöte, 

«La barbe au ra^nton, 

nSaute, Bourguignon.it 
üDeutfd^ etlüa: 

S)ie ©atatfc^üffel auf bem S!o})f, 

Sin ber ©eitc bie SlingV 
ÜDen S3art um ba« ^nn, 

©urgunber, jiefet fpring! 
Da^ Bourguignon sal6 f(J|eint eben bte SKn^ 
fpietung auf bie öorerlüäl^nte falatfd|üffetä^nlid^c 
Sopfbebedung ju fein *^). 

(§0 toäxt benn ba^ Bourguignon sal6 öieüeid|t 
ein ©pottttjort auf bie alte 53urgunber 3Jiitij; fa 
man »iü e^ aud^ auf bie !J)i(f!öpfigfeit ber ©urgunber 
beuten^ »etdje fd^on d'Aubign6 in feiner 9leben^^ 
art: „öurgunbifdie Söpfe (Bourguignons testus) 
öerfpottet 

3m ©egenfa^eju bem ©potttt) orte Bourguignon 
sale fte^t aber ber ganj ernftlid^ gemeinte r,®d|lag 
eine^ 53urgunber^", coup de Bourguignon, tt)et(l^e 
SReben^art öerfd^ieben angewenbet »irb unb einen 
intereffanten l^iftorifdien Urfprung l^at. ßl^arleö bc 
©ontaut, §ergog t)on S3iron, üeg fid^ öon einem 
berühmten Slftrologen feiner 3^it ba« ^oroffop ftet* 
len* ÜDer Slftrolog »arnte il^n nun, er möge fid^ nur 
bor einem ©daläge öon leinten, ben il^m ein Sur^ 
gunber öerfe^jen würbe, in Sld^t nel^men, benn biefer 
»ürbe feinen £ob gur ?5otge l^aben. Site in ber 



44 

tjolge öiron überliefen ttjurbe, gegen ben ^taat com 
fpirtrt ju l^aben^ tDurbc er üerurtl^eitt, in ber Saftiüe 
gu $ariö geföpft gn werben. ®Ici(^ nad^ beni erften 
25erpr l^atte 53tron gefragt: tüa« für ein Sanbö^ 
ntann ber genfer öon $ori^ fei. 2Hö er vernommen, 
ba^ eö ein 53urgunber fei, gab er fic^ öertoren. 9lnd 
biefer ^üt ftammt bie SReben^art be^ ncoup de Bour- 
guignon«, öon ber oft eine üon il^rer Sntftc^nng 
ganj abtt)eid|enbe Slnhjenbung gemacfit tt)irb. @o fagt 
tnan and|: ^ Apres le coup Bourguignon sage«, 
nnn ja iDol^t, im ®rabe mad|t man feine ®nmm* 
l^eiten mel^r. 

^ie 9lärnbcrgcr pngeu teincn^ ftc ptten t^n benn 
juöor! — 2)cr Jiilrnbcrger Xnäfttx. — @r{)ilbbürgcr= 
©treibe* @« foü bamit o]^ne3weifeI ein täcfierlic^e« ®e* 
bre^en berSuftij ber^lürnberger, lüonad) e§ i^nen nid|t 
jn oftgeItngenmo(^te,mit Srfolg auf einen 3Serbrcc^er gu 
fal^nben, ]^ert)orgeI)oben unb befpöttett werben. 5Rad& 
dner föftlic^en ©efd^ic^te, bie man fic^ barüber erjä^It, 
nimmt ber barinüegenbe @j3ott größere ©imenfionen 
an unb ö ergreift fid) felbft an bem weilanb ]^od)Iöbtid^en 
1Reid^«fammergerid}te. ®a^ ®ef^icf)td^en wäre bem* 
nad) gofgenbe^. 

5ln einem fc^önen äJforgen wutbc auö ben %f}d^ 
ten 9Jürnberg« unter ja]^Iretd)er 53egleitung beö 
SSoIfe« ein Sieb I)erauögefüt)rt, um geteuft gu wer* 
ten. T)em genfer ri^ aber ber ©trief, ber Delinquent 
fiel l^erab, l^eit unb gefunb, ba« SSolf wiberfetjte fic^ 
ber 2öiberl)otung ber Sjecution. ÜDcr SRatl^ aber 



45 

tüoütc cö bod^ mijt fo ganj auf fic^ bcrul^cn taffcn 
unb beri^tete an baö 9tct^«fammergcrict)t 2IIö öon 
btcfctn bcr iöefd^eib jurüdlangtc, war fo öiele ^üt 
instüifc^en öcrftrtd^en, bag ber bamaügc Sürgemtcifter 
unb gcfantmte ytatij öon bcr ©ad^c gar nid^tö tDugtc 
unb ber ju l^enfcnbc SSerbred^cr bereit« 20 Saläre 
tobt toav. S33enn fid^ bie @ad|e fo berl^ält, fo loöre 
bie 6^re ber ^Jlürnberger gerettet, wie ba« ©eioiffen 
il^rer bamatigen SRatl^^l^erren, toeld^e eö lieber plie^cn, 
ba^ gel^n entfpringen, aU bag fie einen Unfd^ulbigen 
l^ingen. 3lber ba« SRei(^«fanimergerid|t, bem »ir fd^on 
in ben ^l^iftorifd^en Wörtern" (@. 208, 5Rr. 199) 
eine jarte Erinnerung gelDibmet, fomntt lieber fcfiled^t 
loeg. (Sottlob, ba^ e« feiig im §errn entfc^Iafen ift, 
obgleid^ fid^ bie ^roceburen f old^er ©d^neüigleit audfi 
bei anbern ®erid|ten niieberl^olen, 

5Da« 3lnben!en ber Stürnberger l^at fid^ aber nid^t 
bloß im obigen SSer^Iein unb in mel^reren 9teben«arten, 
bie übrigen« leiner SrKörung nieiter bebürfen, fon^ 
bem auc^ im 91 ürnberger S^rid^ter erhalten. SSBenn 
man aU Seigrer einem 3ungen gegenüber fifet, ber 
3Kand^e« nid^t begreift, in beffen ©d^äbel mit aüem 
Sieben nid^t« l^ineinjubringen ift, f o rufen toir in un^ 
ferer 5lngft unb 3Serj»eifIung ben ,,9iürnberger 
S^rid^ter" ju §itfe, toenn er nod^ loa« nüfet 

SSBem fd^ttjcbt ba ni^t, el^e er nod^ über ©inn 
unb Urfprung ber 9ieben«art noc^gebad^t l^at, ba« 
53ilb be« ßingießen« öor Säugen, toic man e« fo 
bequem mit einem 2irid^ter öoUbringen lann, unb 
toer jweifett an ber SS ortreff tid^Ieit ber SJletapl^er, 
mit ber tt)ir anjeigen, baß e« fid^' ja anä) bei bem 



46 

vernagelten Snngen nur unt« ßingte^en l^anble? 
Unb biefer 5Würnberger S^rid^tcr war gewig für ber* 
lei Operationen ganj befonberö tauglid) unb at^ 
fold^er tt)eltgefd|id|tli(^ berühmt 

ÜDa^ ift tin\aä) bie logifd^e ©ebanfenfolge, ber 
tt)ir un^ öor biefer SRebenöart l^ingeben. Slßein bie 
Itod Ijiftorifdjen Slufflärungen, bie fid^ überbieg felbft 
feinbüc^ beföntpfen, ertauben un« nid^t auf einer öor^ 
gefugten äBeinung ju bel^arren. ^aä) ber einen 
Deutung wäre ber 5yiürnberger Ürid^ter burd^* 
au« nid|t ein wirflid^er S^ri^ter, fonbern nur ber 
Xitel eine« Süd^Iein« gewefen, welche« ®eorg ^^i=^ 
tipp §ar6börfer unt ba« 3. 1650 gu 9lürnberg 
brutfen tieg unb worin er bie 5lnteitung gab, wie 
man SSerfe unb 9?eime l^anbwer!«mägig ntad^en f önnc. 
@r nannte e« ba^er: ^oetifdier 2!rid^ter, unb 
offenbar bad|te aud| ber gute §ar«börfer babei 
an'« ßingiegen, unb wir feigen il^n nid^t ol^ne ®e^ 
friebigung in unfernt Sager. 

Sine anbere, wie fie fid^ fetbft nennt, ntinbcr 
befd^ränfte Deutung ift fotgenbe: 

Unt ba« 3. 1671 erfanb ber ßngtänber 3Ror^ 
taub ba« ©prad^rol^r. @« war be« ÜRateriale« (fel^r 
bel^nbare« Supferbtedfi) wegen fel^r tl^euer unb nur für 
bie ateid^en gu l^aben. S)a fant ber 5Kürnberger 55ür^ 
ger Sol^anne« ©rünbter auf ben ®eban!en, ba« 
3nftruntent au« wol^tfeitem SJiateriate unb in be=^ 
Kebigen ©rögen ju verfertigen unb in SWenge lo«^ 
jufd^tagen. g« getang il^m, er ntad^te bereu an^ ©eig* 
bted^, aud) au« "ißappe mit bemafterSlugenfeite, unb batb 
fanb matt ©prad^f ol^rc aud^ bei ben ärmften Seuten. 



47 

!Dic Slntöcnbung be^ SBerf jeuge« tüooon cö größere unb 
Heinere Sjemptare gab, tüar eine boppcite: nton ^)fvaät 
in baö größere burd^ bie engere Deffnung, lüoburc^ 
ber ©djaß in bie gerne fic^ verbreitete; bei ber flei^ 
neren l^ielt man beffenSpifee in ba6 Dijx eine« Slnbern 
nnb f^jrad^ burcä^ bie »eite Deffnnng, bantit ber ®^att 
gegen bie enge S0iünbnng fid) conbenfirte nnb um fo 
gewaltiger an ba« $£rommetfeII bonnerte. 

3n »eldjer Sejic^ung nun ber Mrnberger 
5lricl^ter ju jenem Zungen fielet, für ben tt)ir nad^ bem 
5Jlärnberger Srid^ter gerufen l^a&en, bürfte nid^t 
mel^r fd^tt)er gu erratl^en fein. 

,,3eglid^e 9lrt Seigre unbUnterrid^t, bie fid^ in SBorte 
faffen taffcn, fonnte ol^ne 5lu«na]^me unb mit bon^ 
nernbem Saut burd^ biefe« SGBerlgeug 2lnberen l^örbar 
mitgetl^eüt toerben, unb nieffen Dfjx für biefe 5Cöne 
unempfänglid^ blieb, ber galt mit öoüem 9ied^t für 
ftodtaub." 

Slud^ bcbarf e« !aum einer ßrHftrung ober gar 
53eftätigung, baß toegen ber Slel^ntid^Ieit biefer SRol^rc 
mit einem !£rid^ter unb nad) bem @rjeugung«orte 
9iürnberg — wie etwa einft bie Ul^ren „Siürnbcrger 
©er" gießen — biefetben 9lürnberger 2irid^ter gc? 
nannt würben. ÜDer Umftanb, baß im 15. unb 16.^ 
felbft in ber erften §ätfte be« 17. Sal^rl^unbert« biefe 
Sieben^art nirgenbe angewenbet unb aud^ in beri 
©ammlungen öon 3bioti«men unb ©prid^wörtern fid^ 
nic^t aufgenommen finbet, ift eine S3eftätigung mcl^r 
für obige 9[nfid§t. 5Daö SBort Slrid^ter ftammteben 
üon bem beutfdjen ^dtrooxt trid^u, trod^, trad^en, 
getroc^en, worauf Zxaijtn, S^re^ter gebilbetworben» 



48 ' 

®a« SScrb trid^u l^at aber in feinen (Elementen äl^n^* 
txäjt Sebcntung mit bent lateinifd^cn traho unb bcm 
pried|ifd^en rpsxca, nur l^aben aüe brei in i^ren S3e* 
griffen öerfd^iebene ©c^attirungen '^). 

SSon Semanben, bent man Sitten mit bem 5Wärn* 
berger 5lric^ter eingießen mu^te, ift e« nid^t toeit ju 
bem, ber© d^i Ibb ür g e r ® tr ei(|c mad|t. ÜDer (Selel^rte 
mitbemSlürnbergerSrid^ter unb faf^ionable ©c^ilbacr 
lönnen immerl^in f^teunbe fein. 

ÜRit bem SBorte ©c^ilbbürger beseid^net man 
einen läd^erüc^en Kumpan, unb unter@d|ilbbürgcr:' 
[treidle öerftel^t man baöfelbe, toaö mit ben in ber 
JRebe nod^ l^äuflger öorlommenben ©d)lt)abenftreidf|en, 
^irfd^auerftüdCd^en u. f. tt). gemeint ift. üßan tt)itt 
bie ®df|ilbbürgerftreid^e t)on ben Semol^nern ber ©tabt 
©d^ilba bei 2!orgau l^erleiten. SBir tDoüen eö aber 
öerfud^en bie ©df|ilbaer öon bem il^nen mit Unred^t 
jugefügten ©potte ju reinigen. ÜDie ©df|ilbbürger 
lommen ebenfo»enig au« ©d^ilba, aU bie ©picg^ unb 
^fal^Ibürger unb Slnbere. ÜDer SSerfaffer einer im 17. 
Sal^rl^unbert erfdf|ienenen ©ammlung t)on Säd^erlid^^* 
leiten unb ©df|tt)abenftreidf|en nannte feine Reiben 
©d^ilbbürger, unb biefen^iamen hängte man fpäter 
— e« fd^ien fo bequem — ben ©df|itbaern an, 
unb e« ift bemnad^ aud^ nur richtig, wenn man öon 
©d^ilbbürger^ unb nidf|t öon ©^ilbaerftreid^en fpri^t. 
Slud^ l^aben bie ©df|ilbaer aüerbing« ^t6)t, »enn 
fie fagen: „©d^ilbaer ©treidle ftnb 2llbern]^eiten, bie 
man anber^ttjo begel^t, unb „nad^ unferem ©täbtcf)en 
benennt". SOBa« übrigen« ju ©unften ber ©df|ilbaer 
fprid^t, ift ber freilid^ nur jufölüge Umftanb, bag 



49 

ber cblc Sluguft S^ctbl^arb ®raf t)on®nctfcnau 
bafclbft ba« 8i(^t ber SOScIt crblidtc (28- Ott 1760), 
at« il^n auf einer SDurt^reife feine 3Rutter, eine Dffi^ 
derdfrau, bort gebar. 3Benn e^ mit ©t^ilba fo ftünbe, 
»ie ba^ ®pri(^tt)ort nielbet, fo mü^tt eö ft^on burd^ 
©neifenauö ®eburt ju Sl^ren gefomnien fein, 
SÖBeniger glüdlid^ ate bie ©ti^itbaer, bie mit einem 
beutfdien Sülann ben SBi^ ipariren !önnen, finb eine 
3Kenge anberer Orte, tt)ie ^olfioife in @d)Iefien, 
55opfingenin@d^tt)aben,©d)öppenftabtinSraun^ 
f(^tt)eig) 2Ceterott)in SWedlenburg, Süfum im Sanbe 
©itl^marft^en, unb »ie fie äße l^eigen mögen, nad^ 
benen bumme Streiche getauft toerben* ÜDieSuben 
l^aben ba^ ®tei(^gett)i(^t l^ergefteQt unb il^re ©c^Ub^ 
bürger »ol^nen in gang ftatttic^en ©tobten, unb bie 
Suben üon $rag, SBorm«, JJranffurt, 3Ke^ unb 
Sürt^ finb bie jübift^en ©t^ilbaer. „2)er 5Dorf^5Warr 
JU ^rag fein" l^eißt e^ öon einem bummen ^rager 
3uben; bie SSBormfer »erben ate »unberglöubig öer^ 
fpottet, tooran baö befannte „SSBormfer SKäafe — 
5ßiffim" (e« finb bieg Srgal^tungen öon SBunbern, 
»elt^e fid^ in SBorm« jugetragen), ©t^ulb trögt; 
fo fagen bie 3uben not^ immer: „t SOBormfer Steg" 
(SOBormfer SBBunber), nömlit^ im fpöttift^en ©inn, »enn 
Öemanb etmad, tooran ber gefunbe SDtenf(^ent)erftanb 
ni(^td ^u§erorbentU(i^ed finbet, ate augerorbentttd^ 
»unberbar anfielet 35er granffurter 3ube afeiJran!^ 
furter ®ee« ftel^t aut^ im üblen Slnbenfen; ber ©totj 
ber bortigen Suben wirb öon il^ren eigenen ®Iauben«^ 
genoffen öerfpottet, 3n Setreff ber SKefeer Suben 
erjäl^tt man fid^ ba^t^olgenbe: @in beräumter 9iabbi 



50 

folgte einem 9tufe at^ JRabbtner nad) 9Refe; 3Ran 
rül^ntte il^m nun, bag bie Seutc in SKefe fel^r alt 
ttetben. „^ti^x natürli^", entgegnete ber 9Jabbt, 
„fie l^aben nit^t öom Saume ber ßrfenntni^ ge^ 
geffen.'' 



©ad^fen/ m bie frönen iPtübd^en an ben ä3äumen 
Uia^fctt, ift eine 9ieben«art, beren ßrflärung ba^ 
burd) erf^ttjert »erben mag, baß man Qttoö^nüä^ nur 
p fagen^jflegt: ©at^fen, tt)o bie. fc^önen a)iäb=^ 
(i^en »at^fen. ÜDenn richtiger l^eigt e«: ©adifen, 
tt)o bie frönen aWäbd^en an ben Säumen »ac^fen, 
unb toeiter unten ttjoüen ttir bieg naiver erörtern. 
SSor 9lKem ober, »elt^e« ©ac^fen ift benn mit biefer 
9teben«art gemeint? Der geiftüoße Dr. 9lnbreegab 
unö öor 10 Salären fd|on barüber Sluffti^Iug. yiad^ 
ü)m toäre c« nic^tba« iefeige ©ati^fen, fonbern ba« atte 
5Rieberfacl^fen unb öorjug^toeife bie güneburger §aibe- 
S)a« <Bpxxä)tooxt foü in ^ilbe^l^eim entftanben fein, 
unb urfprüngtic^ ben bortigen äßäb^en gegolten l^a^ 
ben. 3n ber Sil^at foßen in biefer ®egenb, nament* 
lid) in ^tüt, toa^xt Urft^önl^eiten unter ben Söiäbd^en 
SU finben fein: ©länjenb lid^tbraune« §ciar; bunfel^^ 
braune, ftarf bcioimperte Singen ; gef d)tt)ungene Srauen ; 
cirunbe« ®efid^td^en, rein unb ibeatifc^; f (planier 
SButi^«, ettt)aö über mittelgroß, bie ^^trefftit^e ©röße''^ 
toie ©ötl^e fagt; bie formen runb; bie ipüften an* 
mutl^ig gef(^tt)ungen ; ber (Sang auf jierli^em iJuße 
leicht unb grajiö«. Dabei fpreti^en biefe ©d^önl^eiten 
ba« befte Deutfd), »ol^ttönenb, öoö, ol^ne ÜDiatelt- 



51 

— ©clbft bic 3Wabdf|cn unb 33Beibcr ouf bcm 8anbc 
feigen fd^muder au^ bcnn anbcrtoärt«» ©ic tragen: 
faubcrc ©d)u^c unb ©trüm^ifc; entmcbcr fdilüarje 
ober rot^e, ber Sänge nad^ grün unb braun geftreifte, 
mit breitem grünen SRanbe befefete diödt, »el^e bie 
Saben nic^t at(}uforgfäItig verbergen; baju ein 
fd^lDarje« 5Wieber mit furjen Slermeln, um toeld^c 
gierlid^ ber 3luffd|tag beö §embe^ gelegt ift, beffen 
überfaüenber S3ru[t{]^eil fein gefältelt @d)ulter untS 
9iaden becft. 3^^^ ^at^fc^mud bienen ©tränge fit 
berner ^kxat\)cn, bie il^rer Jform toegen SSol^nen 
feigen, ba^er man öon einem wol^Il^abenben aJiäbd^en 
auc^ fagt: e^ l^abe „Sol^nen''. 5luf bem So|)f fifet 
bie fc^toarge gefällige SJiüfee, an bereu ÜDütenform 
man auf ben erften 53ü(f bie grauen unb SKäbi^en 
ber §aibe er!ennt, unb »eldier 10—20 ©Ken über 
ben SRücfen l^inabfaßenben feibenen S3anbeö niti^t feilten 
bürfen. 

SWan »itt biefe 9iebenöart au^ ber beutfci^en 
SK^tl^ologie ableiten. ®o ungalant e^ nun fein mag^ 
bic ©äc^finnen um ben 9?eij il^rerSc^önl^eit jubrin* 
gen, fo »agen eö tt)ir felbft auf bic ©efal^r, mit ber 
©eutung nic^t befonbereö ®Iücf ju machen. 3n feiner 
altnorbifc^en So^mogonie ergäl^U SBill^elm müU 
ler, e^ famen bie ©ötter Dbl^inn, §önir unb 
Sobl^r (ober Sol^i) gum ©tranbe be^ SKeereö unb 
fanben bort 3l«fr (Sft^e) unb gmbia (grie) unmäd^^ 
tig unb tl^atenloö. Dbl^inn gab i^nen nun ben ®eift, 
^önir SSernunft, Sob^r S3Iut unb garbe. 

Qtvoa^ anber« erjäl)lt eö bie jüngere Sbba: 
S3ör'ö ©öl^ne gingen jupt SKeereßftranbe unb fan^ 

4* 



52 

bett gtt)cl Säume, au^ totiä)tn fic 5l«fr unb ßmbia, 
bic erftcn SKenft^en, fti^ufcn* 

Stat^ einer ©tamtnfage ber ©ati^fen aber foüen 
biefe mit 2lfd)aneö, il^rem erften Könige, au« ben 
^arjfelfen mitten im grünen SBatbe bei einem fü^en 
©^jringbrunnen ]^erau«gett)ad)fen fein. 

Sfla^ aüen biefen m^tl^ifti^en "ißroceburen fteüt 
fi(^ alfo baö „33Böt^fcn au« ben Säumen" afe ric^^ 
tig l^erau«. ^Jlur ber 3iifcife mit ben ,,fc^önen9Jiäb^ 
d)en" mag immerl)in eine, aber na^ ber Sefclirei^ 
bung, bie »ir oben öon ben einjefnen 5Kieberfäd)finnen 
gegeben l^aben, öerjeil^üd^e ©t^meid^etei fein. 3eben^ 
faß« ift nat^ Dbigem nur bie 9teben«art: ©aclifen, 
njo bie fd^önen aWäbd^en an ben Säumen ttjac^fen, 
aüein bie rid^tigc, ttäl^renb bie gebräuti^Iit^ere: ®ad)^ 
fen, wo bie fd^önen 3Jiäbd)en »at^fen, eine SSerbaü^ 
I^ornung ift. 33Ba« ba« mtjtl^ologift^e Sffloment ber Sr^ 
fc^affung be« öoülommenften organifd^en ®ef^öj)fe« au« 
ber minber öoüfommenen organifti^en Statur anbelangt, 
fo ift ba« eine icn So«mogonieen öielfer SSößer ge^ 
meinft^afttic^e 3bee. 8ä§t ja ft^on §efiob ba« eiserne 
®ef(i^Ie(^t ber SDienfti^en au« Sf^eti l^eröorgel^en. 

üDa tt)ir aber fd)on öon ©at^fen fpred^en, fo 
»oüen ti)ir nod^ eine« unb be« anbern ©t^im^fe«, 
tnit bem e« ba« ©prid^toortbelaftetl^at, gebenlen^®). 

6r gcl^t in attc SBcIt, na$ Sranbiö, fagt ber 
SSoII«n)it5, öornel^mtid) Jener ber Seipjiger, toenn er 
bamit anbeuten toiü, bag irgenbtoo bie äöelt mit 
Srettern öerfti^tagen ift* SÖBir tüoüen berfuc^en, biefe 



53 

9icbcn«art ju crflärcn. ©ranbt« ift ein ©tfibtd^e« 
in ©ati^fcn, ba« nit^t ben SSortl^cil einer l^inbnrd)^ 
fül^renben Sanbftrage f)at, bälget x^^t ald 9(u^gang^^ 
|)nnft größerer Sfpebitionen ober 9ieifen angefel^en 
»erben fann- SBenn man aber gIei(^tt)o]^I öon ®nem 
fagt: „dt gel^t in aüe SBett, nad) 53ranbi«/' fo ge^ 
fd^iel^t bieg nur fpotttt)eife, glei^fani: 3ft man nur 
in ®ranbi«, fo gel^t e6 nid^t mel^r tteiter, man ift 
fti^on am (Snbe aüer SBelt — 

3n ©a^fen nannte man el^ebem einen lanb^ 
junferlidien ©ti^rott §ane öon 9iippad)* dtip^fatSf 
tt)ar bie lefete ©tation auf ber alten ^oftftrage öon 
5laumburg nati^ Seipjig. S« war bort unb in ber 
nöci^ften Umgebung unb toie noc^ l^eut in t)ie(en ®e^ 
genben be« ^eiligen unb einigen (!) !Deutf(^Ianb6, 
ein jiemlit^ läd^erüt^eö Sunlertl^um ju §aufe, fo ba§ 
nod^ in ben 90er 3a]^ren be« öorigen ^al^rl^unbert« 
ber Sluöbrud „^anö öon ^ippaä)** in Seipjiggang 
unb gäbe mar, um einen Srböpfelbaron ober laut*^ 
mäutigen (Sroßl^anö biefer ®egenb, unb im »eiteren 
©inne einen ftolgen ®impet unb ungetecften Sören 
gu bejeidfnen, — SÖSir beulen, biefe Srltörung toirb 
erft rec^t »illfommen fein, loenn man erfäl^rt, ba§ 
fid^ ©ötl^e biefe« Slu^brud« im angebeuteten ©inne 
in einem feiner SBerle bebient ^^). 

SWit jtoei wenig befannten 5Reimfprüci^en mögen 
bie groben be« SßolU^ unb ©täbte^ ©ö^impfö unb 
®Um<)f« gefti^Ioffen »erben- 5Der eine lautet: 
5Da ft^Iage ba« ©lud jue, 
Sie bei bereu t)on @ap|)e( Sue. 



54 

jSxitbxxä), ber Icfete ®raf öon 5Eoggcnburg 
l^attc einen 3WaIer, »et^er etnft im Slofter ju (S^apptl 
(el^emaL 6ifterienfet^9lbtei tmßanton B^xxäf) öon ben 
3Könd^en gefragt njurbe, ob er anc^ eine fd^toeijer 
Äul^ malen fönne? !S)er Sünftler bejal^ete bieg nnb 
malte il^nen auf bie SBanb eine Sul^ mit allerlei 
Slttributen, ba§ fie aU fd^tteijer Sul^ fenntüt^ genug 
War. SKan tüugte ba« ®erüc^t au^jnfprengen, ate 
Ratten ^rior unb gonöent biefe« öilb mit Slbfiti^t 
jur SSerfpottung ber ®(i^tt)eijer machen laffen, unb 
barum toarb baö Slofter überfallen unb fo jerftört, 
bag eö an bie fieben Saläre faft oeröbet ftanb. ÜDa« 
9SoIf fang überall: ,,3öie benen öon ßappel il^re Bnfj 
Diel ©lud gebracht ^abe!" $at ^ier eine ^u^ folti^e« 
Unl^eil angerid|tet, fo ttoöen »ir au(^ niti^t öer* 
fd^weigen, loie ein Äul^l^irt einem ©emeinberatl^e ni^t 
geringe SSerlegenl^eit, fiti^ fetbft aber ein bleibenbe« 
Slnbenlen bereitet l^at, bennnod^]^euffagtber35otI«tt)i^: 
er mad)f« »ie ber Äu^^irtöon ©orlifen (3n^ 
terlalen). Sil« biefer nämlid^ erl^orö^t l^atte, ba§ bie 
©emeinbe befd^Ioffen l^abe, il^n tt)egjuiagen, fam er 
bet Oemeinbe guöor, unb trat in bie SSerfammlung mit 
ber erttärung, bag er feine ©teile nieberlege. $Die 
®emeinbeöäter fallen ft(^ öerblüfft einer ben anbern 
an, unb ber §irt räumte in Sl^ren feinen ^la^. 35aö 
fieben bietet ber JJäHe genug, in ttjeldjen bie ^l^rafe: 
er maäft^^ loie ber Äul^l^irt öon£)ortifen (nad^ Slnbern 
öud^ jener öon Ulm) il^re Slnmenbung finbet. 

©er jtoeite ®pru(3^: 
SBer fommt na(3^ ®iebid)cnftein 
Sommt fetten loieber l^eim. 



55 

ift ein trauriger unb fd^Ieti^ter {Reim* Slber lüir l^a^ 
ben be^ ©d^erjeö fo biet fti^on jutn heften gegeben, 
bag a\x6) tttoa^ ret^t grnfte« feine ©teüe finben mag. 

©iebid^enftein ift ein uralte^, an ber ©aale, 
unweit §aüe im ^ireu^if^en SRegierung^bejir! 3Äerfe^ 
bürg gelegene« 53ergfci^Io§, berül^mt burd^ bie ®e^ 
fangenf^aft 8ubtt)ig^« IL, ßanbgrafen öon S^l^üringen, 
»elti^er bafetbft öom ^aifer in f)aft gel^alten tturbe 
unb \\(if bnxij einen lül^nen ©^jrung. in bie ©aale 
1079 frei gemati^t; ttol^er er ben Seinamen „ber 
©<)ringer" erl^atten l^at ÜDa« ©(i^to§ felbftttjurbefpäter 
jum @taat6gefängni§, meift auf 8eben6ieit, bal^er 
obige 9ieben«art ftammt ß« ift bamit fo ttie mit 
aRunfac«, öon »elti^em aud| ber SQBiener ©pajier^ 
ganger fingt: 

aWunlac« ift ein ft^öne« ©t^IöBtein, 8uft unb 

Slu^fic^t ft^ön unb rein! 



n. 



unlr »an irer fitbt. 



SBcnn tt)ir bcn (Sümpf unb ©(i^irnpf über 
bic ijraucn unb bic Siebe mit einigen SBorten ttber 
bie 55rau nit^t olö fold^e, fonbern über bie (St^^ 
mologie be« SBorte« einleiten, bürfte nur red^t unb 
biüig befunben »erben, unb bie§ um fo mel^r, alö 
über ben Urfprung biefe« SSBorte«, toeldfe« »ieber 
nit^t afö SBort, fonbern ote SSBefen genommen un« 
eben fo oft ©egen bringt ate ^erjeleib bereitet, SSt^ 
grünber unfered l^äuölidien ©lüde« ober Urfad^e.atf 
unferee ßlenb« »irb, bie $)au<3tftüfee beö gamiticn^ 
lebend unb bie ^itxbt be« SRenfd^engef^Ie^tö bilbet, 
bie ®tUf)vttn noö^ longe nid^t einig finb unb e« 
tt)o]^I nie loerben bürften. S^ ftel^en fo öiele gleid^^ 
lautenbe SSBurietn ju (Sebote, bereu jebe fid^ ju bem 
Segriffe grau jufpiljen tagt, bag bie @ntfd)eibung 
toal^rlid^ ni(^t leidet n)irb* SBäl^renb fic^ rein fprad^^ 



57 

U^ bie Slbleitung öon bcn alten formen be^ SSBor^^ 
M freien, um eine grau toerben, öertl^etbtgen 
lä^t, toomä) tt)ir auf ba« angelfä^fifti^e greo, alt^ 
fä(^fif(^ gri in ber 59ebeutung SOSeib lomnien unb 
fogar im fd)tt)ebif(^en grilla, ©etiebte, baö £)iml^ 
nutiöum gi^öulein finben; bietet fid^ unö eine 
etl^ifd^e (Srflärung in ber ßt^mologie beö SDBorte^ 
grol^nen, ba ja ber ^err, aU er bem Slbam fein 
SBeib gab, biefem bebeutete, e« fei bem (Satten untere 
tl^an, tt)ie in grol^ne, 

SBol^I nur ein gute^ SBortf<)ieI !ann e« genannt 
»erben, »enn (Seiler öon Saifer^bergf in feiner 
^oftiüe üb-er ben Urfprung beö SBorte« grau fagt: 
„%l^ ttenn ßiner eine gro» nimmt, fo ift er jum 
crften 3JiaI fro, barnati^ toirt ein SBee brau^, ba^ 
fro wäret nit länger, fo »enn bi^ ba« er gu lirt^en 
gegangen ift benfelben 2^ag, aber ba« ©ee »ort 
XX ober XXX jior fuir unb fuir, fo lang f^e (eben* 
!J)at)on l^eigt eine grott), grotoe." 

@« ttirb gut fein, aüe ^oftiüen, aße 9tecepte 
für unb loiber biefe« ,,fü6e Äraut", ©d^impf unb 
(Srnft bei ©eite ju laffen unb un«, lurj unb gut, 
jttjei ber fd^önften ©prü^e reti^t oft l^erjufagen, näm^ 
lid^ ben lutl^erifti^en in feinen ,,2iifd^reben": 
„Sein fc^öner Sing loot ift auf Srben, 

9Ü« grauenticb, ttem fie mag »erben," 
nad^ Sutl^er« eigener äJiittl^eilung öon feiner SSBirtl^in 
ju Sifenac^ gel^ört, aU er bort auf ber ©d^utemar; 
— bann ©c^ittef«: 

„Sl^ret bie grauen! fie fled^ten unb »eben 

^immtift^e 5Rofen in'« irbifd^e geben." 



58 

3Bcr fid^ an ©tlbern im entgcgengcfc^tcn ©innc ergoßen 
xoiU, möge in einigen ber jn Snbe citirten 3Berfe 
nac^Iefen ^^). 



?lai8ö<>fel. ®eöor mir jur ^od^jeit, ben gltt^ 
tertoodien unb l^od^jeitlid^en ©ebräuc^en fommen 
nnb bann einiget bamit SSertoanbte erörtern, tt)oüen 
tt)ir bcn SReigen be^ ©timpfd unb ©c^im^jf^ auf 
bie ijrauen unb bie Siebe mit einigen 3^i^*tic^feiten 
unb ©Reimereien ber Siebe eröffnen. ®ne« ber 
fd^önften 8iebe^tt)orte ift tt)o]^t ber 2luga^3fet. 

3Bie foü iä) biä) SWäbd^en nennen, 

SKit einem SGBorte red^t jart? 

SWein Augapfel? 3a bu bift auc^ 

(SoW SIeinob löftlit^fter 2lrt 
SBol^er mag »ol^I biefe^ Siebe^ttjort ftammen? 
SBte mag e« entftanben fein? äßie oft l^ört man: 
„Diefe^ Sinb ift mein 3tuga^3fel, e« ift mir toertV-' 
9Kan muß e^ toiz einen 2luga^fet lauten, iDertl^ 
l^alten; ja ba^ lateinift^c «justitiae oculus«, teo^» 
mit man einen unbefteRIiRcn 9ti(^ter el^rt, l^at 
man gu beutfti^ mit bem ,,2lugapfel ber ©eret^ttg* 
feit" überfefet. ©ol^er lambiefe aÄetapl^er? Offenbar 
ift baö ©runbmort biefe^ 5Ramen^ öon ber, äußern 
gorm beö Singe« l^ergenommen. ©eine öebeutung 
ate Siebeömort erKört fid^ nid^t l^iftorifd), fonbem 
an^ bem 53ett)ußtfein öon ber S3Bid|tigfeit unb 3^^** 
l^eit biefe« ^ör^jertl^eileö, ben man ganj befonber« 
gu l^ttten unb mit ber gärtlid^ften ©orgfalt ju 
umgeben l^at, Der geliebte Oegcnftanb toirb alfo 



59 

gana folgcric^ttg unb finnig mit bcni öerglic^cn, nja^ 
nn« im geben aU fo toertl^öoü, fo fünftüd^ unb fo 
fti^ön gebaut erfc^eint 

Uebrigenö lie^e fiti^ aud^ für ba« Sßort Slpfet 
bie 8iebc6begei(i^nung in 9lnfpru(^ nel^men; gebraucht 
man eö bod^ ^äufig, um bie SBangen blül^enber Sinber 
bamit ju öergleit^en, ttobei man bie liebKd^e 9tun^ 
bung biefer ^ui)t unb bie farbigen ©puren ber 
©onnenfüffe öor 2lugen l^at. §ier Hingen auc^ bie 
SSergleiti^e mit bem Si an, foiDol^I toa« bief^öne J^orm 
aU au(^ bie Sieinl^eit betrifft 

3ntereffant iff^, toxt öerfti^iebene ©prad^enba^: 
„Sluga^jfel" öerfdjieben begeit^nen. Sm^erfifd^cn ]^ei§t 
e«: merdümi tscheschm, b. i. ber 9lugenmenf(^^ 
gleiti^fam ate ob im Singe ber ganje äRenfd^ jt(^ 
barfteüe. 33er ^jerfifc^e ©id^ter $afi^ fin^t bal^er: 
„8a§ baö ©ergangene, fomm jurüd, mein 5luge 
Jf|at bie alten Kleiber auögejogen unböer* 
bräunt, fo öiel atö: xi) l^abe ben alten SKenfd^en 
au^gejogen. ÜDie ©ried^en unb ©panier feigen im 
Singe ein SKöb^en (Koren - niSa) ; ber Sng* 
länber nid^tö aU eine Sugel (eye-ball); ber ^an^ 
jofe eine Pflaume (prunelle), bal^er auc^ «conserver 
quelque chose comme la prunelle de roeil" ; ber 
I)eutfd^e einen Slpfel. 



SJttfferL SSon bem järtlid^en 8iebe«tt)ort Sug^ 
apfel bürftc ber ffieg gum ^©ufferl'' faum loeiter 
fein, aU jener öon 21 gum SS im Sllpl^abet !Da« 
Puffert ift fein l^od)beutfd)e« SBort, ift aber, toenn 



60 

c6 Siebe gibt unb nimmt, nid^tö befto weniger ein 
§ d) genug. !J)ie ©^jrad^forfdier nennen — ungereci^t 
genug — ba^ ©ufferl fogar (puffert) „ein p^itU 
l^afteö SBort für füffen". 8Bir glauben ba« ganjc 
fd^öne ©efd^Ied^t unb auti^ ba« nid^t fc^öne auf unfere 
©eite ju belommen, »enn tt)ir gegen bie $öbell^afttg=^ 
leit be« aSBorteö Sufferl ein SSeto erl^eben. Sufferl 
ift entfd^ieben lateinifö^en Urfprung«. Basium l^ieg 
bei ben SRömern, neben osculum unb suavium, ber 
Äug. 5Darauö ba« lateinifd^e basiare, ba« italienifd^e 
bacciO; baö franjöfifd^e baiser, ba« perfifd^e buss, 
ba^ fd^ebifd^e puss. SSBo eigentpmtidie Slnfd^au^ 
ung unb nationale ©itte an ber SBortbilbung tl^eit 
genommen, ba freitid^ öerttjifd^te fid^ bie ^ebeutung 
ber Söurgel, unb tt)ir l^ören, mie bie D^nabrüdfer 
ha^ Püffen „<)iepen"; bie ©c^meiier l^ie unb ba 
„ft^mujeln'' ; bie Hannoveraner ^^f^nütjen", öon 
©dünnte, ©d^naufee nennen; tt)ir l^ören aud^ nod^ ba« 
©ufferl jum ©d^mafe, aWäutc^en begrabirt. 

Sin SlnHang an ba« anbere lateinifdfie suavium 
fd^eint fid^ in ber Sejeid)nung gettjiffer Sadtüerfe in 
ben ^nitxbädtxzkn at« SDianbelbufferl, 6i«bufferl 
u. b. m. unb au^ in jener eine« ßeblud^enartüel«, 
ber fogenannten „Sufferln", Heiner runber füger 
©(Reiben (in Defterreid^) erl^alten ju l^aben. Ueberbieg 
ift bie 53egeid^nung biefer ©ügigfeiten mit ©ufferl 
leitet erflärt. !J)iefe gejudferten 9läfd^ereien finb mcl^r 
— toit ba« öufferl ber Siebenben — ein ©pietoerf 
be« SDiunbe«, al« eine 5Ka]^rung be« 3Kagen«; ober 
»eil ben (Senug öon berlei ©ügigfeiten ein fil^n^ 
lit^e« ©eft^mafee ber Sippen begleitet, »ie beim 



61 

,,«uffcrl'', fo ^at i^ncn bcr aSoß^tttfe btcfcn ©timpf 
angctJ^an unb fic „Puffert" genannt 



Kiss me quick, g« tt)trb für bcn erftcn äRomcnt 
bebcnflit^ erfd^cincn, üon einem fo Iteblid^en ©ennffe^ 
lüic e« ba« „®nfferi" ift, gn einem Äopfftüd übergu^ 
gelten, ttie e« ba^ Kiss me quick ift, fomol^I in fei* 
ner 53ejeid)nnng aU Äopfbebedung ald in feiner jtoeis: 
ten gu erläuternben. 35er gel^eime B^^f^^wtenl^ang 
jtt)ifd^en Sufferl nnb Kiss me quick »irb aber glei^ 
offenbar »erben. 

Kiss me quick ift bie Segeid|nung für eine 
Sojjfbebedung ber norbamerifanift^en ©amen, dn 
3RitteIbing jtt)if(i^en §nt unb §aube, capuchon, bie 
fie anf bem SQBege in'« S^l^eater ober gu abenbliti^en 
Sefu^en tragen. Unfere üDamen fennen ba« !Ding 
unter bem 5Ramen : !£]^eater]^aube. @ie ti) erben fic^ 
aber geioig fträuben, baö amerifanifd^e Kiss me 
quick bafür angunel^men, toenn pe l^ören, toa«ba« 
ju bebenten l^at. Die weite, bequeme, lapufeenartige 
gorm biefer $aube gibt nämlid^ ben „üDedmantel" 
für Liebesabenteuer ab, nnter bem bie amerifanifd)e 
@(^öne fi(^ bucft, »enn fie auf bem SQßege, fei e« im 
SBagen, auf einfamer ^ausflnr ober fonft öon einem 
©entleman mit ben fügen ©orten: „Äü§ mid^ fti^nett" 
(kiss me quick) angefproti^en tt)irb unb (Sel^ör gibt* 
®o wären ttir burd^ ba« giebc^wort ;,2lugapfer', ba« 
gSrtliti^e ^^Suffert" nnb ben im gtnge geftol^tenen 
kiss me quick gel^örig für btn ®Umpf unb @(^im))f 
im Urfprunge bc« äöorteö „§oc^jeit'' vorbereitet. 



62 



d^cn fel^nltd^ft cmartete, alö grauen nid|t feiten öer^ 
toünfd^te 33Bort, bejeic^nete frül^er nid|t blo^ bie Xxa\x^ 
ungöfeierli^feiten, fonbern jebe^ bebeutenbe geft, eine 
feierliche 3^^^ überl^aupt, hatid gotl^ifd^; heahtide 
angetfäd^fit^, hogtyd fd^tt)ebifd|. ©d^on im Sti^tDaben* 
flieget gefiiiie^t ber 3 f)0(j^jeiten be^ §errn at^ ber 
brei ??efte: SBil^cnnat^t, Dftern unb ^fingftcn Qx^ 
träl^nung; unb bie üier äRarienf efte : 3Jiaria Sic^tmeg, 
3Waria SSertünbigung, 2Jiaria ^immelfal^rt unb Sülaria 
(Seburt »erben ,,unfer SSrotoen öier ^oc^gejiten" ge^ 
nannt 2lud| erfclieint im frül^eren ©prad^gebrauiii : 
^od^tib; X ^oc^gejit; ^oc^jeit für {eben feftlid^en 
®d^mau« ober für ben 2ag einer faiferüd^en ^rö== 
nung. ©ie (Sinfd^rän!ung biefe^ SBorte^ auf ben 
2^ag einer el^elid^en SSerbinbung fällt erft in fpätere 
3eiten. 

SWit einer 2Inf)3ietung auf mand^e 53raut fönnte 
ba^ äöort §od^jeit in einem anbern ©inne „l^ol^e 
3eit" genannt »erben, infoferne man t)on jener an 
i^rem ,,Sl^rentage" meint: @ie l^abe fd^on „l^ol^e 
3eit" gel^abt; in bie (Sf)t ju treten, »eil fie entmcber 
nid^t mel^r jung, ober aber baö biblifd^e „öerme^ret 
eud^'' öorjeitig fo ernftlid^ genommen l^at, bag fie 
fid) f<3Uten mu§, bie Segitimität „^än^d^enö im ^et^ 
Ux'*, über ben bie ^l^iftorifd^en SBörter, ©prüd^^ 
»örter unb SReben^arten" (©. 153, 5Rr. 108), Sluf:^ 
ft^Iuß geben, ju retten. 

SBir lönnten l^ier unfere Sefer nun mit einer 
ateil^e l^ot^jeitlid^er ©ebräud^c unb nad^l^od^ieitli^er 



63 

(Sciüol^nl^cttcn ergöfeen; jcbod^ njürbcn tüir bcn S^a^ 
rafter be« SBcrfd^cnö baburd) önbern, ba tt)ir e6 nur 
überhaupt mit bcm ©limpf unb ©d^impf in bcn 
©ittcn unb ®ebräucl|cn, in ©prud^ unb SRcbc ju 
tl^un ^abcn. ®ur^ bicfen näd^ften 3^^<J wn6 atfo 
bcftimmen taffenb, öcrgcid^nen mir l^ier juöörbcrft 
einige SBörter unb ®ebräuii|e, weld^e aU ftel^enbe 
SRcben^arten öorfommen unb bereu Urfprung fennen 
^u lernen, nid^t untoiüfommen fein bürfte. 

' Sine ©tro^rebc ^talttiu Dic§ mar eine gu grei^ 
bürg im ^reiögau — un^ bereit« au« ber SReben«^ 
art : „S)ie6 l^at er ju grciburg im faulen ^elg erlernt/' 

befannt — in früheren 3^^^^^ ^i^ 9^9^^ ^^^ 
gnbe be« 18* Sal^rl^unbert« üblid^e ^oi^jeit^Sitte, 
SK« ©trol^rebner marb in ber SRegel ein S3elannter 
gemäl^It, öon bem öorau^gufel^en mar, baß er fid^ ber 
geier be« S^age« unb ber ^eiterleit feiner 3lufgabe 
mürbig benehmen merbe. 3)ie 9tebe marb am §o(^^ 
jeitötage felbft, unb jmar mäl^renb ber S^afel nad^ 
ber Sinfegnung geilten, unb man ging in folgenber 
Drbnung au« ber Siri^e: juerft @|3ieüeute mitSöiu* 
fif, bann ber ©trol^r ebner, aüein, im fd^marjen 
SKantel, einen mit ©trol^ ummidtetten, boc^ nid^t 
brennenben ^oljfpan in ber {Rechten; na^ il^mpaar^ 
meife bic fed|« nädiften SSermanbten ber Sraut in 
rotl^en a3tänteln, brennenbc 3Bad^«facteIn, mit ©lu^ 
menfränjen üerjiert, in ber^anb; fobann biefflraut, 
il^r jur 9ted^tcn bie ^Brautmutter ober bereu ©teß«^ 
Vertreterin, jur 8in!en eine angefel^ene ättere iJrau, 



64 

bic Sl^rcntoäd^tcrin gcnonnt, — cnbltd^ bcr Bräutigam 
ben stüntn jiungfräutic^cn ^ranj tragcnb, ebenfalls 
aHein, tt)ic bcr ©trol^rebncr. 3m @aatc rial^m bic 
Sdxant bic obetftc ©tcüc eine« langen S^ifd^c«, ret^t« 
t)on il^r bcr ©trol^rebncr, linfö Srautntuttcr nnb 
@l^rcnn)äd^tcrin, ju bcibcn Seiten nad^ bent ®rabc 
bic fed^ö 35ertt)anbten, leintet bem einfachen ©c^e* 
mel bcr Staut bcr ©räutigam ein. 5ßad^ gebo^ 
tener ©tiße entjfinbetc bcr näc^fte SSemanbte ben 
@pan be« ©trol^rcbncr«, bcr nun feine 9tebc begann- 
3Kit bem Srlöfc^en be6 @pane6 mußte felbe fc^Ueßen 
— ein leichter Ueberjug bcö ©paneö mit SSBad^« gab 
bcr glamme längere Stal^rung — bic längfte bem 
Stebner öcrgönntc grift. 9^ad^ gefproc^ener 9?ebetrat 
bcr ©trol^rebncr öor bic Sraut mit bcr (Srlaubni§, 
biefelbe ju umarmen, legte bcr Srfte feine geftgabe 
auf ben SCifc^ unb trat bann linf« l^intcr benSräu^ 
ägam. 9tac^ il^m {amen bic f^adettröger, berechtigt 
jum Suffe bcr f)anb, fomie anü) einjeln iebcrber 3ln^ 
ttefenben. @d »ar aber uncrläglid^ für 3eben, eine, 
tt)cnn aud^ noc^ fo geringe ®abc gu bieten; mer c^ 
untertieg, fügte eine ©eleibigung ju. 5Dic ®aben 
blieben bret 2iagc jur SSeft^auung auögcftcüt 

©ic lefete folt^c ©trol^rebc tt)arb,nac^urfunbUc^er 
«eftötigung, am 13. ©ept. 1769 bei bcr ^od^jcit abeti^ 
flcr SJrautIctttc gcl^altcn ^% 



glittertoo^en* ,,Stc^ ha^ fie ewig grünen btieben", 
feufjt ipol^t mancher in« ßl^cjioc^ ©efpannte, nad^bem 
bcr ©d^immer biefer ^dt öcrblaft ift. S^ biefcm 



65 

®to§feuf5er muß »ol^I Scbcr fommcn, ol^nc S5crbicnft 
unb ol^ne ©d^ulb; fd^reibt c« ja bod^ ber SSoK^munb 
öor mit beut Steinte: „9^ac^ ben gHtterlDod^en 
!omttten bie ^xtttxtooä)tn". 5lber e6 tceig aud^ 
3cbcr, tüaö glitter ift, unb tt)ie e6 bantit ftel^t ÜDa 
))a§t »ol^I bie einfädle !iDefinition beö ©prad^getel^rten 
am beften: glittet ift „ttxoa^ gtänjenbe^, tt)a« einen jit^ 
ternben, bett)cgti(^en ©d^immer gibt", tt)obei er 
ft^alf^aft bie SBeifung auf ,,glattern" mad^t unb 
unter biefem ®d(|Iagtt)ortebemerft: „B^^f^^^ flattern, 
fliegen, fliegen, fliel^en finbet eine SBurjetüer^ 
tt)anbtf(^aft ftatt, bie un^ narf) unb nat^ auf bie Se^ 
beutung öon fd(i lagen, fto^en fül^rt 

Db biefer glitter in Rauben unb S9änbern unb 
günfertoerf beftel^t, tt)ie e« l^ie unb ba bon berjiun^ 
gen grau in ben erften Sßod^en nat^ ber ^orfijeit ge== 
tragen ujirb, ober obbamit baöflitter^ unbflatterl^afte 
Seben in biefer ^tit gemeint ift, barauf lommt e§ 
tool^t nid^t an, glitter ift nid^t mel^r unb ift nidE|t 
weniger aU — glitter, Slber e6 ftel^t un« ja frei, 
öom ^onigmonbe gu fpred^en unb biefen an bie 
©tette be« ber SKigbeutung fo fel^r fälligen anbem 
3BBorte6 gu fe^en, 

SBem iebod^ ba^ „Sieblein" gefaßt, bem fönnen 
tt)ir nad^ @utenf<3iegetart noc^ Sßariationen baju auf^ 
fpicien, aU: ^Sflttot SBBein fet)nb füg, mad^en aber 
öiel «efc^tterbten im So^jff önb 8eib"; — ,,3ßenn ber 
gürtt)ife gebüßt ift, fottolt oft ein« ba« anber wel^re 
ein Solff, önb lief im C)otfe" ; — ,,nad^ einer ftatt- 
liefen ^od^jeit folgen aud^ böfe SRittag^mal^I^eiten. 

* 



66 

^olbetobke^ rna^en; mt bad tarn, ift ein 
Hugcr SWann, 

§otbcr ift l^ier ber ^otCunbcr, ein bcfatint^ 
üäf eben ttt^t nufebare« ^otj, faferig, toetd^ uiib 
iVLxä) fein fd^toauimige^ SKarf um aßen ßern unb 
aüeö ©effige gebrad^t äbbred^en l^iegen früher ge^ 
^paittnt ^öljc^cn, mit benenmanben auf gefd^ offenen 
üDot^t am Sitzte, in ber Slbfid^t il^n abjujtoiden, ^adte 
unb fo ba^ Steigt, tt)ie man fagt, „pm^tt*". (5« tagt 
fid^ beulen, baß e« nid^t leicht, oberganj unmögli^, 
wenigften« unpraltifd^ fein mufte, au« einem ^olge 
öon ber 5[rt tt)ie ^oüunber (^olber) ein fotc^eö 3n^ 
ftrument ju fd^nifeen. SQ3er nun gleid^ttol^t baö öcr^ 
mod^te ober überl^auj)! ettbaö ©d^toierige« ju ©taube 
brad^te, öon bem ging ber @^3rud^: 

,,üDer ift gar ein »ifer SKann'' 
„®o ^otberabbred^ mad^en fann". 

gifelein fagt über biefe« ©ort: ^@«iftbo^)^ 
^elfinnig, unb gibt gu erfennen, bag ein äJiann, 
ber fid^ üom giebften, loa« er l^at ober »ünfd^t, mit 
guter ärt to^mad^en fönne; ober ba§ ein ÜÄann, kr 
eineitS3rud^ ber Siebe, eine« gegebenen SSerf^pred^en«, 
(ba ift alfo Slbbred^en in feinem eigentlid^en ©intie 
genommen?), wenn er unbermeibüi^ ift, auf eine 
milbe 3lrt ju imitUn öerftel^e, eben fo loetfe fei, at« 
funftreid^ im ironifd^en @inne berjenige ift, ber ou« 
^oltunber 9Ibbred^en b. i. gic^t^ufeen ♦ ♦ ♦ mad^en 
lann", 

SSBarum in ironif d^e.m ©inne? 3Bie iff« bann 
mit bem ^olbermännc^en", ba« man (Sinemna^^ 
fagt, ber „ge^)ufet, geledEt unb toic au« bem Si ge* 



67 

fc^ält, aber ol^nc ©aft unb Sraft ift, um auf 
eigenen güfeen gu [teilen?'' ^aben tt)tr l^ierin 
niäjt ba^ fonft unbrau^bate ^oßunberl^ol} unb bie 
©c^mierigfeit öor un«, au^ biefem ^olge aud^ nur 
eine „8i(^tpufe'' gu fc^nifeen? 

SÖBenn nun au(^ bie Siebfte el^ebera il^ren ®e=^ 
liebten mit „mein ^olberftod'' begrüßte, fo überlaffen 
tt)ir e« jebem 3Kanne, fi^ in bie Situation eine« \oU 
(^en „®to(f^" gu öerfe^en unb barüber nad^gubenfen, 
üb er fort unb fort ein „§oIber" biefer ©eliebten 
ober ein „toifer SDiann'' fein tt)iü. 



9labelgelb. @ine 3Iu^tage, iDeld^e auf bad Sönh^ 
gct ber 3Känner ben grauen gegenüber fommt. d^ 
ift Jeneö ®elb, ba« »ir unfern grauen unb Xöd^tern 
a(^ monatUd^en Beitrag gur 53eftreitttng Meiner nic^t^ 
l^äu^ßc^r iBebürfniffe, atd unt)erre(]^enbared (Sabeau^ 
geben. Unferc ©öl^ne fennen e« unter bem 9Jamen 
lafd^engelb. ©nige tt)oüen bie 5RabeI l^ier afö 
JRepräfentantin jener Keinen SJebürfniffe für bie grauen^ 
namentlid^ für bie SioUette, angefel^en toiffen^ fo tok 
unc^ biefer Snftrument auc^ bie grauen felbft 
am trefflic^ften (j^aralterifirt. 

3Re]^r gefaßt unö bie ^intt>eifung auf ben ge^ 
ff^ic^tli^en Urf))rung biefe^ Sorten, ©e^en (Snbe 
be« 15. Sal^rl^unbert« foüen foftbare 5Rabetn afö 5Weu^ 
jal^rgabe fel^r beliebt gett)cfen fein. 35a fie nun aU 
^Jieujal^rgabe ben ßl^arafter cine^ ®cfrf|enle§ ent^ 
fc^ieben an \iä) trugen, fo fanb man balb 3SeranIaf=^ 
fung, ben SBertl^ ber ^Kabeln b\xxä) ein gteid^e^ ®e*? 

5* 



68 

fd^enf an ®elb ^u erfcfecn. . B^^^P öjarb übcrl^aupt 
nur beibcn l^öl^crn ©tönbcn ba« Slabcigclb ©ittc unb 
c« errcid^tc ic nad^ bcn SKitteln eine oft bebcutcnbc 

S)tcfc l^iftotif^c ^Deutung crleibct anä) nld^t burd^ 
bcn Uniftanb, baß ba« 5Wa bei gelb, im !DiaIe!t gunt 
,,®penabelgelb'' (bJ.@te(InabeIgeIb) entfteüt toirb, 
einen Slbbrud^* üDie au« biefem ©iateltau^brud 
©penabelgetb gett)onnene 5lnfi(i(|t, baß, tteil eine ©pe^ 
nabel ein ©egenftanb öon beut unbebeutenbften SBertl^e 
fei, alfo auc^ ba« 5JiabeIgeIb nie ©egenftanb eine« an^ 
fel^nlid^en Oefd^enfe«, ober bie 3Serantaffung gu einer 
bebeutenben ©elbgabe gettefen fein fönne, ift eine 
gang unl^altbare, 35aö ©penabelgelb, ob ba« SSBort 
@^)enabel nun öon ben niönd^Iateinifd^en spenala 
ober, ti)ie e« Dr, §at)ntann'« j[uribifdE|e« Sejrffon tt)iü, 
t)on ©pannabet (fpannen, angiel^en) entfpringt, ift 
nur ©ialeftauöbrudt. !fcer ÜDialeft bebient fid^ faum 
be« SBorte« 5RabeI, fonbern eben nur beö ©penabet, 
unb fo fagt auc^, tt)o ber§oc^beutfd(ie5KabetgeIbfagt, 
ber jDialeft folgerichtig ©penabelgelb, unb ift atfo 
eine Slbleitung ber ©eringfügigleit, Unbebeutenbl^eit 
be« 5RabeIgeIbe« auö obigem !CiaIeItau«bru(f um 
fo weniger guläfig, aU Ja cbtn ber !J)iaIeft biefen 
Sluöbrudt fertig öom §od^beutfd^en fiberlommen unb 
nur in feiner SBeifc entfteöt ober, toenn man e« fo 
l^aben tt)iü, munbgered^t gemad^t l^at 



3)tc Setter tocrfen bcn ®Hra^if auf bcn Mitn. 

!Der ©inn biefe« ©prud^e« berul^t auf einem ©ort* 



69 

fpielc, ju »dement bicbo|3^}cttc Scbcutung t)on ©timpf 
31nla§ gibt ©Itnu^f ift näntüd^ ba« »a« fit^ 
fc^idt, unb au(i^ bic 5RabcI, mlä)t bie SBetbcr rüd^ 
ling« am SDHcberitcftcI l^abcn. 3Ktt bent ©oppclfinnc 
bicfe^ <Spxnä)t^ fertig ju werben, übertaffen toxt eben 
ben — 30Beibern. 



■S))i$ttafc — Uebel 35afc. Slfö äußeret Senn^ 
jcic^en böfer grauen nimmt manaügemein biefpitje 
^afe, fomie ein auffaüenb fpi^e^ Sinn an; bälget 
aud^ bie 9teben^art: „©pife am Sinn, böfer ©inn'V 
ben ein SSermanbter, ber auf feine f^jifenafige ©afc 
eben nic^t gut ju fprerfjen tt)ar, in: „©pi^gnafe — übel 
^afe" umgett)anbelt l^at 

Ob bie ©pric^tüörter Siecht l^aben, barüber ftel*» 
len tt)ir au^ gutem ©runbe feine Unterfud^ung an, 
unb üerttjeifen lieber auf Saüater'^ ^^^fiognomif, ber 
barfiber ein ganj artige« Sapitel vorträgt. 



Stt« Serd^cnfelb geratl^cm S5ei gütiger in einem 
feiner fernigen ©prüc^e, in »eld^em er einen n^eitfc^tüei^^ 
figen,tt)infeljügigen@d^tt)äfeer (^arafterifirt, fommt ba^ 
3ßort Serd^enfelb*), unb jttjar in einer ©teüung 
t)or, bie einen rul^ig unb l^armloö öor firf) l^inlefen*^ 
ben ,,öerc^enfeIb*Sunbigen'' öom ©ifee auffd^neüen 
machen fönnte. fiutl^er« ®a^ lautet wörttic^: „dt 



^) Serd^cnfctb x\t aud^ ber Sfiamc einer SJorflabt in Sßicn, 
2llt*?erd^cnfelb, unb eine« oußer ben hinten Sötcnö gc* 
legenen, öielbefud^tcn Orte«, 9^eu«2erd^enfclb. 



70 

fu^t attctict SBinfel^öIicr unb fontmt mit feinem 
SBifc^itoafd^i in^ 8er(]^enfelb\ 

SWit biefem „iM Scrd^enfelb QtxaÜ)tn", tüiü 
Sutl^er ni^t« 3lnbere^ fagen^ ate „in^ Staue l^inein 
gelten", «tauer ^immel! freie« getb! 3ft ba« nic^t 
ber 8errf|en Stement? 

35a« Sitb, tt)et(^e« ein l^umoriftifc^er 5IRater mit 
leler §anb entwarf, eine l^errtid^e, üppige, ftaf^ 
fagetofe Sanbfd^iaft, in bereu 35orbergrunb man 
ein ©etreibefetb unb öor bemfetben einen ©tod auf^ 
flepflanjt erbtidt, über »etc^em ein aWännerl^ut unb 
über biefem ein grauen^ut l^ängen, üerratl^enb, ba§ 
W>am unb ©Da tief im ©etreibefetbe, wo fonft 8er^ 
dien fteden, ^iä) befinben, gibt auc^ eine erftärenbe 
Qttuftration ju ber 9?eben«art „in« gerd^enfetb ge^ 
ratl^en"- 

Couper la Jope, beutfd^i: „ben SRod abfti^neiben'^ 
Qemanb in entel^renber 333eife fennjeiti^nen, atfo ol^ne 
53ranbmat, nidjt birect amSeibe, eben nur an feiner Um* 
l^üüung branbmarleu- ©iefer Stu«brud rü^rt t)on ber 
in granfreid^i frül^er geübten ©itte l^er, teid^tfertigen 
Srauenjimmern biefe« Ui^it SDloment be« Slnftanbe« 
abgufc^neiben, mal^rfti^eintici^ Um fie äugertid^ öon an*= 
bereu el^rbaren il^reö ®ef(i^ted^te« ju unterfc^eiben, tt)ie 
fie fid^ anä) moralifc^ öon il^nen unterfd^eibeu- 3^ 
einer äl^ntid^en SDiagreget fal^ \iä) aud^ S^ouffaint* 
Souöerture auf ®t. ÜDomingo gegen bie mü§ig*= 
gel^enben unb tübertid^en Siegerinnen gejttjungen. (Sr 
Iie§ fie in f)aufen jufammentreiben unb il^nen auf 



71 

bem $Ia^c bie Siörfc fammt ben ^crnbcn, »ic man 
fagt, „bi« auf bic ^aut" abfd^ncibcti, um fic jur 
Arbeit fälliger unb bereitwilliger ju mad^en* 

2Rit SKännern tf^at fo $eter ber ©roge, benen 
er bie bamald üblichen langen 9}öde abnel^men lieg^ 
um fie aßmölig an bie beutfc^e Sirad^t ju ge^ 
ttöl^nen. 

Stiefmutter iftbc8!£ettf eis tttttcrfttttcr. ©n fold^e^ 
®l)ric^tt)ort ift mel^r al« l^iftorifc^, e« ift »eltl^iftorifd^. 
!Cie Stiefmutter ift, mie befannt, bie burd^ eine 
jmeite (S^e zugebrachte SOtutter. ^ac^ bem altl^od^^ 
beutfd^en ftiufan, b. i. berauben, öerttaifen, tt)äre 
SSermaifung ber erfte Segriff be« SSJorte«, unb @tief^ 
mutter bie SKutter ber 35erU)aiften« SSerwaift »äreaber 
mieber nur fecunbör ju ben Segriffen: ©ebeugt, um=^ 
geftfirgt, nat^ bem altnorbifd^en steypa, gießen (bal^er 
©tauf, ber pumpen, ba« ©efäß/ e^emal« aud^ C^öl^e, 
3« S« !£)onauftauf), angelfäc^fifc^ steap gäl^e. S(ber aud^ 
»enn loir bie SQBurgel stiban, b. i. ftüfeen, l^emel^men, 
unb an beftiften, b. i* begrünben, einrid^ten, in 
Drbnung bringen, beulen, bietet fid^ ber fj)rad^ü(^en 
f^orf^ung über ba^ SBort einiger ^n]^aU$))untt 

©eine ed^te Slu^arbeitung l^at ber ©egriff „©tief^ 
mutter'' im ©efül^teleben be« aSoße«, in ber ßnltur^ 
geft^ic^te erl^alten. !Dfiftere ©efd^id^ten unb reigenbe 
SKörd^en ergäl^ten und öon bem SBalten böfer ©tief^ 
mfitter unb Don bem eingen)urietten $affe it^ Sollet 
gegen fie* @prid(^n)örtlid^ ift ,,einen ftiefmütter== 
lid^ bel^anbetn" für Jd^Iec^t be^anbeln" ; unbfelbft 



72 

ein l^artnlofc^ ölümd^en, bic fogcnanntc ©rcifat^ 
ttglcitöblumc, aud^ greif amfraut genannt, eine 
9lrt ©artenö eiteren, mnßte fic^ gnm S^röger biefe« 
©efül^fö l^ergeben» SSon ber ©teünng ber Sdtätttt 
nämlic^, beren bie fünf oberften ^3ur^)urfarbig, biejwei 
mittleren weiß nnb ba^ unterfte gelb ift, toirb biefe 
55Innie anä) baö ©tiefmütterd^en genannt. 

üDer ^joetifd^e ©ti^nterj nnb 3ötn be^ SSoIfeö 
l^at bie ©tiefmntter anc^ im ©pric^toorte im gebül^^ 
renben Slnbenlen erl^atten. 

©c^on bie atten Siömer fagten, ttenn fie öer^ 
geblic^e Slage anbenten »oßten: „©einer ©tief^ 
mntter flagen", ma^ nic^t mel^r unb nid^t njeniger 
fagen toiU, aU „bemf)enler beichten"- — 35er ,,©tief=^ 
mntter^^ag'' ift ein ftel^enbe« äßort im gamitienle*^ 
ben, tüenn berlei Unl^olbe eö jerftören; nnb öon l^enc^^ 
lerifd^en S^l^ränen fagt man lüifeig: „dt tteint ob 
feiner ©tiefmntter ®rab", benn foldie Sl^ränen 
fönnen ja nid^t ttal^r fein, ©er tranrige (Sinf(n§, ben 
ein fotc^e« ©eib anf ben Süiann ühi, ift treffenb in 
einer SReben^art an^gebrüdtt, bie ben atten Sranb 
gnm Url^eber l^at: 

©im ©tiefüater folgt bicf nnb \)xl, 
SSBer nid^t fim SSater folgen n)il, 
ober in einem anbern: „2öcr eine ©tiefmntter 
l^at anc^ tüol^I 'nen ©tieföater, ber fd^toad^e 
aJiann mng ja rnol^I um beö lieben $)an«frieben« 
Witten. S)erfd^n)adE|eS0iann! 35er §a§ nnb bie ^oefie 
beö 3SoIIe« gi^)feln aber in bem einfallen: ©tief* 
mütter finb am beften im grünen Steibe, b.l^. 
brei Stten tief nnter grünem 9Iaf en. 



73 

@ic ffüt einen ^friertog ierfünbet ®o fagtc man 
öon SDiäbd^ctt ober grauen, »elt^e eine Stöße bi« 
über« Änie gegeben. SWan tttlt bie (SrMärung öon ber 
l^ie unb ba üblichen @itte ableiten, ttonad^ üßöbd^en 
auö Slberglauben ftd^ ganj entfleiben, um gu erfahren, 
toa« fte für einen 2Kann befommen, unb burd^ fotdje 
§anblungen im 9Sorau& bie 2lnfunft ber fjeiertage 
öcriünben, »ie fd^on ©ebaftian ®ailer ben 5lbam 
fingen lögt: 

„D f)ätt' iä) nit in Slpfel biffa 
®o h)äf id^ ol^ SKalel unb ©ünba, 
Unb börft loine gritig öerlünba!" 

©iefer Ie(^te SSerd in 2lbam*« (Sefang mug auf* 
merifam mad^en, bag e« fid^ um etn)a« ^einlid^e«, 
wie eine ©träfe Stuf erlegte« l^anble, ba« entWeber im 
2lmte be« 33 er! ü üben«, ober in bem ju öerfün* 
benben geiertage felbft liegt SSJo ge^t ba ber ga* 
ben? 3ft geiertag in ber Sebeutung öon ©onntag, 
ober eine« S^age« gu nel^men, an bem öon ber Slrbeit 
gefeiert wirb? 

SBBir folgten in ber Srflörung ber SRcben«art 
ber 2lnft(^t ßifetein'«, bod^ fc^einen un« bie oon 
i^m nal^e gebrad^tcn S3ejie]^ungcn tttoa^ weit au«* 
einanberjuliegen. JBenn wir ^ier über ein aber* 
glättbifd^e« ©piel Icid^eln, fo l^aben Wir W bort, bei 
ber Sntblößung, mit bem öertefetcn ®d(|amgefül^Ic gu 
tl^un, unb nimmt man biefe SSerlefeung al« eine be* 
wußte, abfid^tlic^e an, fo lönnte ja oieüeid^t el^er an* 
genommen werben, baß bie ©etreffenbe einen ®enu§ 
in Slu«fid^t fteüe ober üerfünbe, ber etwa wie ein 



74 

gciettag — bic gcmol^ntc 3^^* ju 8uft unb Sloül^cit 
— anmut^cn foü* 

2Ba^ bic abcrglöubift^c ©Ute bc« ©id^cntflct^ 
bcnö ju tn^ftcricufen ^xotdtn betrifft, ift bicfclbc toctt 
verbreitet unb fontmt bei öerfc^iebenen 9iatiotien öor. 
35ei un^ in Defterreidi gewöl^nlid^ ju ©t. Si^onia« 
ober in ber ©^löefternat^t. S)a« SRäbd^en muß um 
SRitternad^t im ginftern aufftel^en, einen ©d^emmel 
t)or bie 2^^üre ober oor ben Dfen fteüen unb fic^ im 
§embe barauf fetten, »orauf fie ben fünftigen äWann 
feigen tt)irb. 

Unfere an ba« SWoment be^ Dbfcönen in jener 
(Sntbtößung oerfuc^^tteife gefnüpfte Srflärung wirb 
burti^ ein fel^r belannte^ ®prid^tt)ort unterftü^t, ba« 
einen ä^nlic^en 3SergIeid| mac^t 3Benn nämlic^ 3e^ 
manb — namentlich Äinber unb f^rauen — fo un^ 
glüdüc^ ift, beö Sßorgen« im ©ette in einer ©tettung 
überrafd^t ju »erben, für wett^e nur ber ft^Iafenbe 
3uftanb eine Sntfd^ulbigung bieten fann, fo fagt 
man fdierjmeife: „d^ gel^e bie ©onne auf/ SBenn 
nun für jeben biefer ©prüd^e aüein ber (e^te (Stliä^ 
rung«grunb fel^It, fo laffen fie fid^ oieüeid^t, ein^ 
anber gegenüber gel^alten, beleud^ten. ®o(^ l^ier bür* 
fen tt)ir »ol^I me^r aU irgenbmo fagen: „Sapienti 
sat." 

!J)iefe 5Rubiboten bringen un^ ein eigentl^üm- 
li^e^ franjöfift^e« ©pric^toort in Srinnerung, ba« 
in feiner ganjen i^affung lautet: „Ses proraes- 
ses ressemblent & celles d'une marine qui entre- 
rait au lit en chemise." '!j)ie Sntftel^uug biefer 
JReben^art grünbet fid^ auf bie oor Sitter« beobac^^ 



75 

tttt @tttc, ol^nc ^cmb tnö ©ctt gu gelten. 3luf aU 
im äßalcrcicn fielet man Scute, btc int ©cttc liegenb 
batflcftcüt tocrbcn, ftct« nadt ÜDtc attcn franjöfifc^cii 
i^abdbid^ter faßten barum öon jttjci ^crfoncn in 
einem Sette: „Coucher nu k nue." !Daranf grün^ 
bet fid^ auc^ ba« atte franjöftfd^e ®efe^, welche« 
gegen eine üerl^eiratete gran nnb einen fremben 
SRann, »enn fie beibc nadt in ©nem 3^^»^^^ 9^^ 
fnnbcn wnrben, al« gegen ßl^ebrec^er anf tritt 

"äviäj tonrbe berjienige ftreng beftraft, ber ein 
SRäbd^en in einen ©ad geftedt (fait le sac), b, 1^. 
pm ©d^erj in fein Setttn^ gel^üüt l^atte, weil beffen 
Sl^re, ba er eö bei biefem ©piele mnßte nadt gefe^ 
l^en l^aben, in l^öc^fter ©efal^r gewefen ift 3n bem 
alten SRoman: „Gerard de Nevers'' (nnter hem 
Zittl: „^VLXt)anti}t öon ©aöo^en'' in« !©eutf^e 
übertragen) fann eine Sitte ntd^t genug firf) öerttjun^ 
btxn, ba fie ein junge« SWäbc^en, bem fie beim Snt^ 
Weiben l^ilft, mit bem |)embe in« Sättt fteigen fielet. 
2)er ®inn Jene« ©pric^toorte« ift alfo: Srgenb ein 
SSerfpret^en ift löd^erlic^, weil unglaubli(^ unb fd^iwer 
gul^alten, fo wenig man fid^ eine junge tjrau beulen 
lann, bie mit bem §embe gu SättU ginge 2^), 



m. 

(ültmpf mh 3d)tmpf in i^txxtn - ^raud) 

unlr jSfprud)- 

^crrenbraud^ unb §crrcnfpruc^ ! SBSc^c gunb^ 
grübe für bcn (Sultur^iftorilcr, S)a^ reifte 3Watertat 
bieten bte ß^ronifen unb älteren ®efd^ic^t«tt)erfe bar* 
üDa fie njentger au« bem SSoIfe^geifte l^ert) orgegangen, 
afö ütelmel^r 5lu«fprücl^e Sinjelner finb, fo l^aben fie 
fid^ aurfi nid^t fo im SSoIf^munbe erhalten, xoit an^ 
bere ©<)rid^tt)örter. ®ie nel^men in ber ©prud^wei«^ 
l^eit eine eigene ©teüe ein unb »ürben fid^ am beften 
ju ben ©eöifen unb SÖ3af|Ifprüd^en anreil^en Iaffen^ 
Jöei ber fleinen 2Iu«tt)a]^I, bie id^ traf, l^abe id^ mid^ 
bto« öon ber 5ßeu]^eit leiten laffen. 

* 

(guter Seumunb tft me^r loertl^^ aU ein golbener 
©ürteL S)ie Sntfte^ung biefe« ^pnäftooxM erjal^ft 
man in folgenber SBeife, !3Die Königin 55Ianla öon 
ßaftilien, ©ematin Subtoig« VIII. öon granfreid^, 
umarmte eine« 2iage«, ben ^ieben«fu§ bietenb, eine 
öffentlid^e ÜDirne, bie fie »egen ber "ißrad^t ber ®e^ 
ttJänber für eine öornel^me ÜDame gel^alten« ©er 
grieben«fu6 war eine d^riftlid^e Begrüßung im 7. 
Sal^rl^unbert, »eld^e ^apft 8eo IIL eingeführt l^atte. 
äWan umarmte unb fügte firf) gegenfeitig unb fprac^ 
babei bie SBorte: Pax domini sit semper vobiscum, 
ber griebe be« §errn fei immer mit (^nifl ÜDer Sö^ 



77 

nig, über bcn S0it§grtff feiner ®emalin auger fid^, 
öerbot fold^en Söeibern ba^ S^ragen golbener (Sürtel 
unb 3RctnteI, bie ba6 ^däitn öerl^etrateter unb e^r^ 
barer grauen »aren. ÜDenn guter ßeuntunb tft ntel^r 
toertl^, aU ein golbener (Sürtel, njetd^er golbene ®afe 
fic^ bi^ l^eut im 3SotI«nxunbe erl^alten ^at. 

9ln bie ©efd^it^te biefe« SBorte« fnüpft fic^ no^ 
eine ernftere 2^rabition, bereu @<3ifee bie (Srmerbung 
eine« ber fc^önften Sronlänber, ber ©teiermarf, burd^ 
bie ^errfd^er Defterreid(|6 ift. 

!3Der grieben«fu§ fteüt fid^ näntUd^ in biefer 
2irabition noc^ in anberer öebeutung aU d^riftüdie 
SJegrüßung bar, u. j. im 3nnern be« Krd^Iic^en 8e== 
ben« felbft, unter ben SKönc^en, bie fid^ ttä^renb ber 
^oren unb SSefpern auf bem ß^ore, fobalb' fie fid^ 
baju öerfammelten , gegenfeitig ben ^ieben^fuß, 
osculum pacis genannt, f:penbeten. >Der letzte 3Rar^ 
graf ber ©teiermarl, Ottofar IL (1163—1192), 
litt an einem böfen 3luöfafee, ber feine ©efunb^eit 
untergrub unb il^n jum (Segenftanbe allgemeiner 
3urüd£]^altung ma^te» Sr tt)ar aber fel^r fromm unb 
fanb ftc^ gerne bei ben geiftlid^en Uebungen ber 
3Rönc^e ein, (Sine« Slbenb« betrat er »ieber nad^ 
längerer Slbtoefenl^eit ba« Oratorium eine« Stofter«, 
tDo bie 3Rönd^e eben fangen unb beteten. (5r fefetc 
fid^ fd^tteigenb auf einen freien ©tul^I, an bie ©eitc 
eine« SKönd^e«. 5lt« biefer ben ÜKarfgrafen erbüdEte, 
crl^ober fid^, unb gab il^m, getreu ber frommen 
<Sitte unb ungead^tet be« l^ägß^^^n 9lu«fat|e« im ^ 
©efid^te, ba« „Osculum pacis." ÜDer SÜiarfgraf toar 
barüber fo ergriffen, baß er ben SDiönd^ näl^er fennen 



78 

iu lernen münfd^te. @d n)ar ein Sßann and bem 
öfterretd^ifd^en Sanbe. ©(^on lange mit bem ®eban^ 
fen nmgel^enb, »egen feiner Sranf^eit ber SRegiernng 
jtt entfagen, foü ber STOarfgtaf bnrc^ biefe giebedtl^at 
be« SKönd^eö eine gro§e S^ntiQnni für baö öftere 
reic^ifc^e 3SoIf gefaßt nnb enbtic^ fi(^ bewogen gc* 
fnnben l^aben, fein 8anb bem ^erjoge öon Defter^ 
reic^^ 8eo|3oIb bem SEngenbl^aften^ jn fc^enlen. 
©eitbem befifet Defterreid^ bie ©teiermarl (1192). 

SSloä) fielet mit bem ^Jriebendfnß bie 9tebenöart 
„ÜDa« ^aj lüffen'' in 35erbinbnng. 

Unter ^aj ift baö titäjixä)t ^acificate, eine 
Slrt griebendlnß, osculum pacis, gemeint !J)a6 baö 
Äüffen oft eine gewagte nnb gefäl^rlid^e ©at^e fei, 
brauchen toir mol^rnit^t erft jn betoeifen. @ine ®e* 
f d^id^te bcr Süffe, n. g. ber l^iftorifc^en Süffe, an ber 
tt)ir arbeiten, wirb genng SSelegftüdte bieten. SBie 
aber ber ^if(^of üon ©peier öon bem Saifer erin^ 
nert warb, fid^ ein eigene« ^aj gnm S!üffen ju be* 

ftetten, eriä]^ltun«3i«c9^^f- äl^^ ^i^f^^ SJifd^of nöm^ 
ad) bie ©emalin SRnbotp^'d L, wel^e fe^r fd)ön 
war, gegen i^ren SÖBiüen mit einem S!nffe jnm 
(Smpfange begrüßt l^atte, tieß il^m ber Saifer ent^ 
bieten: „er l^abe biefe« ^aj (pacificale) für fic^ allein 
flefanft; woüe ber Sifc^of eine« füffen, fo möd^t* er 
fid^ ein eigene« befteüen." 

S)en diofcnfrans be« ^errnbonäRontmorenc^ beten. 

©Ott bel^üt nn« baüor, fetjt ber franjöfifc^e Saner 
l^injn. 3Bir werben weiter nnten l^ören, Warnm? 



79 

ÜDcr fatI)otifd|c SRo [cnfranj , ein ©urrogat bc« 
®cbetbud|e«, aud^ fcl^r oft „^atcrnoftcr", öon ben 
Slnfang^tü orten bcö babet gef<)ro(i^ettcn SSaterunfer«, 
im getüöl^nüdjen geben aud| einfad^ „^eten'' genannt, 
je^t nur mel^r ein ©cbäditnißmittel für ältere unb 
auf einer niebrigen ©tufe ber 3nteüigenj ftel^enbe 
geute, loar frül^er öiel aßgemeiner verbreitet unb aud^ 
in ben §änben ber „großen SBett." ©einen 5Ramen 
l^at er bai^er, h)eit man urf^irüngüd^ »irflid^e 9tofcn 
baju öertoenbete, unb, nad^bem man biefe burd^ So* 
raüen, Sernftein, §orn, fetbft §oIj erfefet l^atte, fort*= 
ful^r, i^n fo ju bejeid^nen, gaft ein öebürfniß toar 
er jur ^dt öor ßrfinbung ber Sud^bruderfunft, ba 
bie gef dflrieb cnen ®ebetbüd)er nod^ feiten unb tl^euer 
unb bie Sirdiengebete unb SSibeltejte nur in ta^^ 
teinifd^er ©jjrad^e übttc^ toaren. ÜDie "ißroteftanten 
»aren bie ßrften, tod6)t (Sebete in ber Sanbe^fprac^e 
l^atten. !E)em entgegen ful^ren bie Äatl^oülen, um fid^ 
nid|t üerbäd^tig ju mad^en, fort, i^ren 9tofen!ranj ju 
benüfeen, ber jur ^txt ber SSerfoIgungen ate Sbmti^ 
bc^ fat^olifd^en ©tauben« unb aU ©^ufe biente. 
3ln Sat^arina öon SDlebici« ^ofe trugen bie 
©amen, bie anbäd^tig unb toelttid^ jugteid^ fein n)oü* 
ten, ^arfümirtc 9?ofenfränje ; man fagte bal^er öon 
il^nen: fie »oüten fd|on l^ier in ben «©erud^ ber 
^eiligfeit" lommen» Sin fd[|öneß ©ebetbud^ unb ein 
loftbarer atofenfranj toaren tauge bie Slu^fteuer einer 
ioo^t^abenben 4Braut 

6ö gibt aud^ l^iftorifi^e SRofenfränje, tpiea.ö, 
ber 9tofenfrang beö^errn t). 3Rontmorenc^, Sonne* 
tabte öon JJranfrei^, ber fid^ nod^ l^eut im ©)3rid&mort 



80 

erl^altcn l^at, inbem c^injjranlrcidi \)tx%t: II faut segar- 
derdespaternostres deM. le Connestable, unb bie^a^ 
tcrnoftctbcrSouern ctncöÜDorfc^ in SBürtcmbcrg, bcffen 
9fatticn ju erfal^ren un« aber Ictbcr nid^t ntögtic^ gcioc* 
fett* Sßa« ben SRofcnfranj bc«§errn öon 2Kontmo* 
rcnc^ betrifft, fo l^at eö bamit folgenbeö ©etoanbt* 
m%: ©er eble Sonnetable toar ein fe^}: gotte^fürd)^ 
tiger 9Kann, täglid^ betete er eine anfel^ntici^e 3^^^ 
JRofenfränje unb immer, wenn er gu treibe jog unb 
bei aßen 3lnläffen mar ber SJofenfranj gur §anb. 
®o jum 53eifpiel, wenn e^ im Sanbe Unrnl^en gab 
unb er ju SRoffe ftieg, um fid^ öon ber ©ad^Iage gu 
öberjeugen, fo rief er: „^a ne^mt ben unb l^enft 
il^n auf! bort auf jenen 55aum!'' — „T)it ©d^etme 
brüben, wcld^e bie ©lode gum 5lufru^r gegen ben 
tönig gejog^n, l^aut fie in ©tücfe!" — „2)a6 S)orf 
günbct an!" u* f. w. unb wäl^renb er fold^e 9tid)ter=^ 
fprud^e tl^at, ^ßoligeimaßregetn ergriff, lieg er bie 
Äügeld^en feine« ^aternofter«, ben er immer in ben 
§änben l^atte, niebergleiten , benn feine l^umanen 
Slcte ber 35erti)altung begleitete er ununterbrodjen mit 
®ebeten, bie nur für Slugenblidte öon feinen Slnorb^* 
nungen obbemelbeter 5lrt unterbrod^en würben. 

Ueber bie 9iofenfränge ber SCBürtemberger dauern 
öcrbanfen wir bem alten f)ämmerlein 5Rä]^cre6. 
S)iefer erjöl^It un6 nämlidi, wieöorl^unbert unb aud^ 
ntel^r Salären bie Sauern auf bie Sird^weil^e ebenfo ju 
gelten <)flegten, aU jögen fie in ben Srieg, mit ®pxt^ 
%tn, Sangen unb anberem SKorbgewel^r. SBie jefet 
nod), fo ging eö aud^ bamat« auf ben Sirmeffen 
luftig gu» 3eber braute ben öoöen ©ädfet unb forgte 



81 

flci^tg, bat er leer tt)urbe* Ratten bie Sauern tüd^^ 
rt9 9^jc^t unb brel^te fid^ fd^on um fie bie 3BeIt 
l^erum, bann fel^Ite e« nie an 3^«^ unb f)aber, flug^ 
gtng^ an bie ®<)ie§e unb Sanjen, unb ben nöd^ften 
SKorgen fanb man neben gebrochenen Pannen aud^ 
gebrochene ®^äbel unb ^iebe im So^jfe, »ol^er 
aud| bie 9tebcn«art ftammt ,, einen $ieb l^aben"« S)em 
Surften ujarb Äunbe öon biefen ©dilad^ten in im 
©d^änfen, unb in feiner gürforge erlief er ben ©e^ 
fel^I: „ba§ 5Wiemanb auf Sirmeffen unb al^nlid^en 
3ufammen!ünften mit einer SÖSaffc erfd^einen bürfe* 
9iur, fo ein ©auer über JJelb ging, fei e« il^m ge^ 
ftattet, gegen SRöuber, 3BöIfe, böfe §unbe unb an^ 
bereö reißenbe« SDBitb ein ©emel^r gu f flirren*" 

Da« öerbarb ben ©auern il^re §e|e unb un^ 
mutl^ig fügten fie fi^ fold^em ®e^ei§. S« tief fie 
nid^t rul^en, fie fannen unb fannen, »ie fie. f old^ ein 
®ebot umgel^en fönnten, unb batb l^atte e« Siner, 
ber aöe anbern im ©d^Ied^ten übertraf, erfonnen. 
©ie liefen fi^ grofe ^atemofter mit gewaltigen 
totl^fd^weren hörnern unb eifemen SRingen anfertigen, 
jogen burd^ fetbe ftarle ©eile unb l^ingen fie fid^ 
tt)ie fromme SBaüfal^rer um ben §ate. Unb fo ge=* 
fd^al^ e« benn, baf ol^ngead^tet bie miberl^aarigen 
©d&elme ol^ne Sßel^r auf ben Sirmeffen erfd^ienen, 
fie nun mit il^ren ^aternoftern mel^r ^irnfd^alen 
unb 5lugen au«f dringen, aU Je öorl^er mit Sanjen,. 
©pief en unb anberer 333e^r- 
3lid^t in ber gorm ber SBaffe, in berf)anb, 
3)ie jiebe Söaffe fd^toingt, rul^t baß aSerberben; 
Oefefee, bie ber ®eift beforgt crfanb, 

®Um))f unb €(4im^f. 6 



82 



SSennögen für bie Siugenb nic^t ju tottbtn, 
Unb foü niäjt be« ©efcfee« SBirlung ft^cttcrn, 
Sann l^ctf t eß, $crj unb @inn bor Slüem läutern ^^^ 



Sa^' Lottes Gaffer über ©otte« Sanb laufen. 

S)* 1^. übcraü l^in, nit^t »ic eö ju getoiffer ^zit unb 
bon getDiffem Sanbe bertl^etlt unb eingebäntmt über^ 
nommcn »urbc; alfo SBaffcrfrct^cit int wciteftcn 
©inne bc« 2öortc«- 95on btcfcm ®prid^tt)ortc fdjctncn 
bic ßommuncn SÖBicn« unb mcl^rcrcr Drtfd^aften tl^rer 
Umgebung geringe Senntni§ gu l^aben. 

3lte in englanb ein SKitglieb beö Unterlaufet 
gegen bie Bewilligung bed Sanalbaued fprad^ unb 
enblid^ fragte: „SBoju benn ®ott ba« Sönigreid^ 
utit fo fdiönen glüffen unb «äd^en öerfel^en ^ättt?*' 
ertoiberte ber 55aumeifter beö $erjog« t)on Sribge* 
toattx t)on ber ©alerie l^erab: „^aju n)o]^t aud^, 
ba§ man in Sanälen ®otte« SBaffer über ®otte« Sonb 
laufen tqffe." 

^aU t|r meiner miSf gebadet? ^iefe ganj ein^ 
fad| t)om ©efül^Ie ber greuubfc^aft, Siebe, ber Z^tiU 
nal^me bictirte unb mit bem gen)öl^nßd^en <Spxa(ti^ 
gebraudie innig gufammenl^ängenbe 9ieben$art l^at 
aud| einen ]^iftorif(!^en §intergrunb, ber fid^ in fei^t 
ferne Reiten verliert unb jur obigen Slbleitung öon 
©efül^Ien ber JCl^eilnal^me leine 53ejiel^ung l^at* Sin 
^ergog öon Sraunfd^toeig l^atte ju SBotfenbüttel einen 
äJogt, ber, um ben Slnforberungen feinet Oebieter« 
in SÜeibern unb anberen Oeratl^en ju genügen, öiet 



83 

©(^ulben mad^tc. @o gcfd^ol^ c« benn, ba§ tl^n btc 
©laubiger felbft boten, il^rer, »enn er mit bem gftr* 
ften fpräc^e, ju gebenlen unb burdi feine gürfprad^c 
tl^re öegal^lung ju eriöiricn- @o oft nun ber SSogt 
nad^ bcr ©tabt unb über bie ©c^toßbrfide ritt, fprad^ 
er in \xäj: Wit Etagen foüen ben treffen, »deiner 
mid^ l^euf mal^nen totrb! ^?ragte il^n nun Scmanb: 
„§abt tl^r meiner aud^ gebadet'', fo »ar bie Slntwort 
bed SSogte^: „3a, id§ l^abe beiner gebadet, ci^ id^ 
^euf über bie ©d^Ioprüdfe ritt!'' 



©ieben ift tueniger als fünf. ^Id ^o^ft Stemen^ 
Vn. in SRom öon Saifer (5arl V. belagert tourbe, 
meinte ganj (Suropa, n)a]^rfd^einUd^ atfo aud| bie 
SDtatl^ematifer, ba^ biegmal 7 toeniger ald 5 fein 
toerbe. Unb in ber Sl^at gaben bie (Sreigniffe il^nen 
Siecht ^a^quino l^at barüber folgenbe 3$erfe ge^^ 
f (^rieben: 

nClement septi^me, le saint hommei 
Ayant estä pris avec Rome 
Par rarm6e de Charles quint — 
Alors sept estoit moins que cinq.« 
3u beutfd^ etloa: 
„Sil« fiaifer 6arl ber fünfte ber {Roma Sam^jf entbot, 
3ft ^at)ft eiemen« ber Siebente auf bem ^Ia$ 

geblieben; 
©aö gab baö in aJiatl^efi für übergroße 5«ot^! 
53eö)iefen »ar e« fiar, ba§ fünf mel^r ift al^ fieben. 



6* 



84 

Soi dffUt Wa^ W Im (Sf^xt, lautet untfd^rieben 
ttxoa: 

SBcr ein Sing ju ötel lobet unb ttebt, 
©etoö^nlid^ öiel fjalfd^e« nttt unterfd^tebt 

Slfö Saifer 6arl V. auf feiner Steife burd^ 
granfrei^ — int Saläre 1540 — don einem ^ßarifer 
^ßl^rafenmac^er mit ungemeffener Sobrebe em:(3fangen 
würbe, ertoiberte i^m ber Saifer: „(Suer gro§e6 8ob 
ift unö barum lieb, »eil e^ unö erinnert, »ie toir 
f ollen befd^affen fein/ !Ca^ ift bie einfad^fte 
3auftration be« ,,8ob o^ne SWaf ^at fein @^re/' 



3)te Sogtf ift t^on ber 9l^etDrtf ieftegt toorben. 

®iefe altfad&fifd^e 5Reben«art ift einer gefd|id^tlid^en 
SC^atfad^e enttoad^fen» ©erl^arb iJreil^err öonS3erg, 
Sifd^of ju ^itbe^^eim, »ar ein fel^r friegerifd^er 
Oxalat ®ldä) in feinem erften Slmtöjal^re (1364) 
bönbigte er 60 »eftp^älif^e »iitter, bie gleidi {Räubern 
in ben bem ©i^tl^ume gel^örigen Sänbereien gel^auft 
l^otten* Slud^ mit Sen §ergogen öon 55raunfd|n)eig 
ftritt er, obtool^I fd^toödfier an Straften, wader fid^ 
l^erum unb gewann mand^en SSort^eiL ®nft nal^m 
er il^ren SSerbünbeten, ben ©ifd^of öon ^alberftabt, 
Sllbert, gefangen* ©iefer 3Kann warb aU tüd^tiger 
fiögifer berül^mt, wäl^renb feinerfeitö ©erwarb titn 
fold&en SRuf aU SRl^etorifer l^atte* Da alfo ber 
Sogifer t)on bem 9tl^etorifer gefangen worben war, 
fo ging al^balb burd^ bad ganje Sanb ber wi^ige 
<Bpxnä): ,,!Die 8ogif ift öon ber SR^etorif überwät^ 
tigt unb befiegt worben." 5RatürO^ finbet fi^ l^ier 



85 

ia^ ©cltcnc bcr ©ad^e, ba blc 8ogtf in ber Stegcf 
burd^ il^r fcftgefd^Ioffcncö Sluftrctcn unübcriöinbli^ 
ift, trcffcnb l^cröorgel^obcn unb eben jn btcfent SBi^e 
benäht !Die @(!^önrebnere{ in ben Sanbtagen, 9{eid^6^ 
tätigen, ^arlomenten, Slbgeorbnetenl^önfern, IDe^intir^ 
ten^aSerfommlungen, 3SoIf«lcmimem unb »ie fie aüc 
l^eigen, too nid^t feiten bie ^l^rafe über bad beffere 
9ted^t ben ©ieg baöon trägt, f^at obige JRebenöart 
in bie alten Sl^ren eingefe^t 

Comte Je ne tenh, dac Je ne pvis 
Je demenreraj Seignear de Conej. 

Sin ftoljeö 9titterttort, mit anbern SOäorten: 
fann id^ nid^t fein, »aö id^ toiU, fo toxU iäf 
nid^t fein, »a« id^ lann- ßnguerranb VL, §err 
öon Souc^, einer ber ntäd^tigften Sbeüeute ber ^u 
carbie, foü obige Slnttoort au« folgenbem 2lnla§ ge^ 
geben l^aben: Snguerranb »ar SIbmirat öon gtant 
reid^, ober »urbe bod^ fo genannt; er erbat fid^ öom 
Sönige nunmel^r ben §erjogtiteI; ber Sönig fd^Iug 
il^nt benfelben ab, trug il^m aber ben eine« ®rafen 
an. Snguerranb toie« ba« anerbieten ftolj mit ben 
SB orten gurfid: 

Comte je ne veulx, dac je ne puis^ 
Je demeureray Seigneur de Coucy. 
»etd^e änttoort f^jrid^toörtüd^ getoorben, ®ie erfd^eint 
auc^ in SSariationen at«: 

Je ne suis roy ne prince aussy^ 
Je suis le seigneur de Coucy^ 
ober: 



86 

Prince je ne daigne roi je ne puy, 
Je suis le sire de Concy. 
3cbcnfott« aber tft bic crftc bic bcr l^iftorifd^cti 2^ot* 
fad^e entfpted^enbfte* 

älel^nttd^ tft bed Sarbinatö 9t o 1^ a n unter ^öntg 
8ub»t9 XVL ftolje ©cöife: 

Prince je ne veux, roi je ne puis 
Roh an je suis ^^. 

2)er SBogen atflef))aitnt 

^eilt tto^ uiäft ber ä93ititbe 93rattb. 

3ft eine jum ©prid^toort 8^tt)orbene anfänglid^ ita^^ 
lienifc^ ©eöife, bte bann in« iJranjöfifd^e überging* 
„Arco perlantare plaga non sana^^, ftanb über einer 
Slmibruft, beren ©el^ne gerriffen »ar, aU SDeöifc, 
tottäft 9i6n6, ^erjog öon 5lniou, genannt ber ®ute 
unb Sönig t)on ©icilien, fid^ Qttoä^it, nad^bem er 
feine erfte ©emalin Sfabella öon Sotl^ringen (geft. 
28. Sebruar 1453), ber er au« ganjer ©eele ergeben 
tt)ar, burd^ ben Xob t)er(oren l^atte. @r moQte bamit 
anbeuten: ber 2^ob feine« geliebten äßeibe« l^abe au« 
feinem $)erjett nid^t bie Siebe öerlöfd^t, bieerfürba«* 
fette entpfunben, unb ba« „debander V arc ne gu6rit 
pas la playe" vombtt man treffenb in jenen ^ööen 
ber STrauer, Srantung ober fonft bei Unbilben an, 
beren Erinnerung aud^ bann nid^t aufprt, menn i^re 
Urfad^e längft bel^oben ift. 

tlfleigige Rennen fo6 man tiertoal^reit unb mffl 

IJaltem SM« Saifer SWaj L im 3. 1493 ju Satten 



87 

gefrönt mürbe, brad^ten il^m unter 9(nbem aud^ bie 
Suben il^re ^utbigung bar unb junt ©efd^enf einen 
öoöen Äorb gotbener ßter* SKapmiUan lief nun btc 
Ouben in guten ®e»al^rfam nehmen, übrigen« aber 
»ol^I l^alten* ÜDtefe erfd^raden nid^t ttentg über fol* 
d^cn SSorgang unb würben fel^r beforgt, fragten aud^ 
nad^ ber Urfad^e il^rer $aft ©er Äaifer ertotbertc 
il^nen lac^enb: ,,§ül^ner, bie fo f oftbare ©er legen, 
ntuf man Ja nit gletd^ »leber fliegen foffen, fonbern 
pe oertoal^ren unb »ol^t l^alten." 

@ammtrgott^ fpöter öerbaH^omt in 3af ontir^ 
gott, — unb man befd^ulbigt Sf^^He biefe« gre^ 
oet« — warb ber berühmte öfterreid^lfd^e §erjog 
§einrid& genannt, »eil er jur SeMftigung ber 
aSa^rl^eit einer äuefage ftet6 rief: „®o mir (Sott 
l^elfe" ober: ,,@a mir ®ott ic/ 

9Wan bel^ielt ,,©ammir" aU ©d&murfotmel bei. 
@o l^ei§t e« bri ® eiler: 
;,®ammir ®ottl e« finb nit beffer gering in ber 

ganjen ©tabt/ 

Diefe« „®am mir" ift nic^t ju öerwed^fetn mit 
einer anbem gang gteid^ lautenben $^rafe, bie aber 
au« famt mir entftanben ift unb ©elegenl^eit ju 
htm Jocofen SBorte: „©amiflau«," in bem ®pri^* 
»orte: „@ie fennen fd^on ben ©amillau«!" gab* 
SRan meint barunter Sß&bd^en, bie ben ornamentaten 
8üdtenbfi§er be« geigenbtatte« auf antifen, meifl re^^ 
ftaurirten nadtten ©tatuen öottenb« öerftel^en. 



88 

. (&8 ttrig 91iemanb, m mif ber ©d^ul^ Mit 

Sßand^cr ®^mnaftaft btttftc ben Urfpruttg bicfcr 
9icbctt0art fcnncti» 3lbcr ba bicfeß SSnä) eben nid^t 
aMn in bie ^änbe bon ©^mnafiaften lommen mag, 
fo tt)trb feine Srflörung nid^t überflfiffig fein» ©er 
tömifd^e ©enotor ^oulu^ Stemiliu« l^atte tange mit 
feiner ©attin ^o^ipria gelebt, bie il^m einen ©ol^n, 
ben fpäter fo berfil^mt geworbenen ©cipio Siemittann«, 
gegeben, nnb enbttdi trennte er fid^ öon il^r. ©eine 
fjrennbe berfnd|ten il^n bat)on abgnbringen; er btteb 
aber feft bei feinem SSorfafec, ftredte ftatt atter 2Int^ 
»ort feinen fjn§ au« unb fagte: „3ft biefer ©d^ul^ 
ui^t neu? 3ft er ni^t fdiön? Unb bod^ »eig 
5^iemanb, »o er mid^ brüdt/ 

SBenn UJir bie Pointe biefer ©efd^id^te betrat^^^ 
ten, fo feigen mir Kar, ia^ man ba« eigentüd^e 
©prid^mort, mie e« im ©d^n)ange ift, in bie 
obige f^orm üerbaQ^ornirt l^at !Da« ©prid^mort 
tautet genau: „Seber »eiß, too i^n ber ©d^ul^ brüdtt''; 
natfirUd^ n)eig ba« 3eber am beften felbft, unb ba« 
ttoöte ber ©enator au£^ fügen. 3ft benn ba« Sogil: 
„Der ©d&ul^ ift neu, ift fd^ön, unb bod^ »eif 
5liemanb, wo mid^ ber ©d^ul^ brüdttü SIein! 
ÜDer ©d^u^ ift ganj geredet, foQ e« l^eigen, unb 
bod^ brüdt er mic^; ba« toeig aber nur id^ aUein! 
uatürttc^, weil id^ il^n trage. 

üDer (Sngtänber fagt:„A man knowhimself best, 
where bis sore lies" ^^). 



@« ftiebt bal^on, wie ^pxtn bom ßont. (Sin 



89 

fd^öncö l^tftorlfd^eö SBort, ein l^atbeö Sal^rtaufcnb 
alt atttbol^)^ öott dtlaäf, gdboberft bcr Scmcr 
(geft 1360), fprad^ c« ta^dnb, al« ölclc feiner 
Seute oor ber entfc^etbenben ©d^Iad^t bei Sauden ba$ 
gerfengelb nal^men. @r fonntc e« fpred^eti, benn ber 
©ieg mar fein; bie bat)on gelaufen toaren, l^atten 
nid^t^ baju getl^an; fte l^atten nur, tüenn fie fid^ 
nic^t frül^er aM beut ©taube gemadit l^ätten, burd^ 
Sertoirrung im Kampfe ben ©ieg vereitelt !Die Sr* 
löuterung ber 9teben«art: „gerfengelb nel^men'' ift 
berrit^ in ben „$iftorif^en SDSörtem" (@. 105/ 
9lr* 72) gegeben »orben* 



IV. 



^ttlfttJrer- 3d)inipf mh <illtni|)f. 



ÜDcr Salcnbcr ift eine »al^re fjunbgrubc für baö 
©prtd^iöort 5Rtd|taQcin, ba§ 3111er ^rofti! ®rog^ 
tnuttcr, b» i ber ©^jridiiDörtcr ctotgcr S55ct=^ 
tcr^Salenbcr, barin eine große 9toöe frielt, an(^ 
bie Segenbe^ bie 3){ärt^rergef(^id^te, bie @age l^aben 
merfli^ beigefteuert, unb in biefen ©lütl^en ber 9SoIf^^ 
»eiöl^eit »e^fctn S03i^ mit ©innigfeit, echter ©o««^ 
jocu« mit frommer ©d^ttd^tl^eit in buntefter SBeife 
ab- 3Son bem „elDigen SDBetter^Satenber'' l^abc id^ 
für biefeö 3KaI ganj Umgang genommen. SSieüeid^t 
ift mir ©elegenl^eit geboten, biefe« »nnberttd^e $ro^ 
bnct unbetonßter ^iaturtoiffenfd^aft, »et^e« bei aüen 
aSöIIern nnb bei jebem in intereffanter Sigentl^üm* 
n^Ieit jn S^age tritt, fpöter einmal barsufteßen. 
3n bem i^otgenben l^abe iä) nur eine bie gtoeite 
Stid^tnng betreffenbe älu^mal^I getroffen aM bem 
großen 3Rateriate, mtäit^ iä) fertig liegen ^abe. 



91 

ätud^ ba mar ed meine 9[ufgabe^ ba^ iDentger Sdt^ 
fattnte unb bod^ 3ntereffante avL^ntoafjUn, 

« 

2)a8 Priftoli]^eI.-®e6et ÜDer ^eilige ei^rifto|3^ 
ftanb ^ttft bei bem SSoIIe in großem Hnfel^en, ba 
man aQgemein glaubte, er l^abe bie äßad^t, über bie 
im äßaffer (iegenben unermeßlichen ©c^ä^e ju üer^ 
fflgen unb SlRenfd^en bamit gtüdlid^ ju mad^en. 
$ein SBunber bal^er, menn ein eigene^ ®ebet an il^n 
entftanb, baö in feiner JJorm ben ©tauben an biefe 
fBtaäit bed ^eiligen gum ätu^brude bringt Wlan miK 
il^n baburc^ gleid^fam befc^toören, öom ^immel nieber* 
jufteigen unb ben ©c^a^geiftem entfpred^enbe 8[uf^ 
tröge jur 35ertl^eilung ber {Reid^tl^ümer an ©terblid^e 
JU geben- ©ein ©Ubniß, »ie er ben Srlöfer auf 
feinen ©d^ultern trögt, »arb an bie Sird^en unb 
Käufer gemalt, bamit er immer gefeiten »erben lönne, 
benn fein Slnblid, l^ieg e^, fd^fifte öor fdineüem Siobc. 
©iefe« SSertrauen auf ben f)ciligen ift un« aud^ nod) 
in einer alten Uebcrfefeung lateinifd^er 9Serfe aufbe^^ 
tpal^rt; fie lauten: 

„(St ei^riftop^, bu l^aft fold&e aWac^t, 
SBer bxä) frü^ fielet, am äbenb lad&t" 
unb ein alte« ©pric^loort fagt: „SQBer einen großen 
Sl^riftoffel jum ^elffer l^at, ber lan trudene« guß 
über Sßeer gelten/ 

©a« ßut^er über bie Segenbe öom 1^. ßl^rifto^)]^ 
fagt, ift fo trefflid^, baß »ir eö l^iel^er fefeen* gütiger 
fagte, baß e« ^»feine ^iftorie ttöre, fonbem eine flnn^ 
reid^e Srbid^tung, anpieigen, »ie ein Sl^rift fein 



92 

foüc unb cö il^m 8^90; nämlld^ ein großer, langer, 
[tarier SWann, ber ein Ilcineö Sinbletn, ba« 3efutein, 
auf ber Sld^fel trägt, ift aber fo fd^iDer, ia^ er ft(^ 
unter il^m büden unb biegen muß (toie benn au(!^ 
ber Spante ßl^riftopl^oruö Sinen, ber ßl^riftunt trägt, 
ongeigt), burd^ ba^ ttfitl^enbe, toitbe SKeer, bie S33elt, 
ba bie äBeöen, bie Sl^rannen unb SRotten ju il^m 
ein[d|(agen unb il^n t)erfo(gen, iDodten il^n gern um 
8eib unb Seben, ®ut unb ßl^re bringen; er aber 
l^ält fid^ an einen großen Saum, toie an einen 
©teden, ba^ ift „®otteö SBort" 3enfeit bem aJieere 
ftel^t ein alte^ Söiännlein mit einer Saterne, barinne 
ein brennenb Sid^t ift, ba^ Jfinb bie ©d^riften ber 
^ropl^eten, barnac^ rid^tet er fid^ unb {ömmt atfo 
unöerfel^rt an'^ Ufer, ba er fidler ift, ba^ ift ba« 
etoige geben; l^at aber einen ©efefd^fer (©d&napj)«= 
tafd^e, ©d^na^jpfadC) an ber ©eite, barinnen iJifd^e 
unb ©rot ftedten, anjujeigen, ba§ ®ott feine Sl^riften 
aud^ l^ier auf ßrben in ber Verfolgung ernäl^ren unb 
ben 8eib öerforgen »iö, unb fie nidE|t laffen ^unger^ 
fterben, xou boä) bie SBelt gern tooöte. Sft ein fd^ön 
c^riftlicö ®ebid|t!" 

3u einem föftttdien Si^e gab bie S^rägerroQe bed 
f). Sl^riftopl^ ben fjranjofen SSeranlaffung , bie öon 
einem „l^eiligen Sl^riftopl^ am ^almfonntag", un saint 
Christofle de Pasques fleuries, ettta^ tt)iffen. SJiit 
biefem S^rentitel, ber ganj furj „Sfel" lautet, benn 
am ^atmfonntag »ar ja ber Sfel ber Sl^riftu« träger, 
Sl^riftopl^oru^, tperben verblümt jene belegt, bie aQen'^ 
faöö barauf geredeten Slnfpruc^ l^aben 2*)- 



95 

^a9 l^ettige ®tah ptett. Mt biefer frommen 
^l^rafc umfd^rcibt man bic troftlofe ©ituation, »cnn 
man für 3lxä)t^ unb tüicbcr SRi6)t^ eine Slrbeit öer^ 
rld^tet l^at ßinen l^tftorifd^en ^Wod^ttjetd gibt eö für 
biefen aSoIf^fd^impf nid^t Unb bod^ muß i^m ettt)o^ 
ju ©runbe liegen, ß^ fd^eint bemnad^, man fteöt 
fid| ba« §üten be« l^* ©rabeö, »eld^e« fid^ bi« auf 
bie ®egentt)art erl^alten f)at^ ate eine 3lufgabe öor, 
bie Siiemanb umfonft leiften toiü, l^öd^ft mal^rfd^ein^ 
Ud^ gunad^ft mit Sejiel^ung auf ba« Unbanfbare ber*^ 
felben, inbem ber auferfte^enbe $err bie $üter gu 
©d^anben mad^te unb il^nen ba^ ®rab teer l^inter^ 
lieg. Der alte ©ebeliu« mit feinem @a^e: „Nemo 
custodit gratis sacruiu sepulcrum Christi" fül^rt 
un« auf obige fjal^rte. Da« l^ettige ®rab aU einen 
©egenftanb atlgemeinen 3ntereffe« ju lauten, näm^ 
tid& für aöe übrigen, unb jtt)ar auf feine Soften 
SBad^e babei ju ftel^en, lann nid^t irgenb ein @in^ 
jelner ol^ne SBeitere« öerl^atten »erben. 3ebenfaIIö 
ift bie SRebenöart jiemlit^ att, benn fd^on Sutl^er 
fagt auöbrüdHid^: „Sfiiemanb toiU ba6 l^eitige ®rab 
umfonft. pten." 



2)er ^tl^em htS l^eUigen ^iolnmkn. 2t\xtt mit 
ftarfen Sungen l^aben, fagt man, ben 3ltl^em be« 1^. 
Solumban, alfo 9?ad&tti)fid^ter, SQBaarenau^rufer, über:^ 
l^au<3t geute, bie in il^ren ©efd^aften ein gute« 
©timmiDerl braud^en. Diefe S3ejeid^nung öerbanft 
einem SBunber be« 1^. Solumban feinen Urfprung. 
Der 1^. ßolumban, ber um 560 geboren War, pxt^ 



94 

bigtc eine« SEage« am ©eftobe be« ^Mä)tx ®ee«; 
benn er l^atte ft^, na^bem er ju Slnegra^ unb ßuj** 
ueil ben Drben ber 3Jiön(j^e unb Stoftcrfrauen, bie 
feinen Flamen tragen, geftif tet unb barob öon Sönig 
%f)tobon6) vertrieben toorben toat, in biefe ©egen^ 
ben geflü^tet SBäl^renb er in frommem ßifer baö 
SBort ®otte« öerfünbete, getoal^rtc er, »ie ein an^ 
fel^ntid^er I^l^eil feiner ^n^f^xtx um eine anbere ©teile 
fid^ brängte, ido nämli^ bem ®otte 3Kar« ein ®ier* 
fa§ gum Opfer bargebrad^t toerben foüte* Sotumba* 
nuö ma^te mit biefem für ein ^eibenopfer beftimm^ 
ten Sierfaffe toenig Umftänbe. @r blie« mit feinem 
SOtunbe nad^ ber 9ti^tung, tt)o ba« corpus delicti 
ftanb, unb blie« ba« ga§ entgtoei, fo bag ber 3nl^aft 
be« geborftenen gaffe« auf bie Srbe rann* SBie bie 
3äric!^er biefen ©etoattftreid^ aufgenommen, öerfd^toeigt 
bie Segenbe^^). 



2)er 2L Dctober im Menber. (§eiL Urfuta 
unb bie (Slftaufenb Jungfrauen), ©iefer iEag ift für 
unö öon größerer SBid^tigfeit, ate e« auf ben erften 
Slnfd^ein l^in gu öermutl^en tt)äre. SSJir feiern an i^m 
btn i£ag ber l^eitigen Urfuta, bie mit bem ftattlid^en 
©efolge il^rer 11.000 Jungfrauen öfter jur gebanfen=^ 
lofen ^l^rafe toirb, aU eö eben gut ift S)ie Segenbe 
ergäl^It un« öon biefer ^eiligen unb i^rer frommen 
®(]^aar in Mrge ba« tJotgenbe, toobei loir ber im 
55ret)ier ber ^enebictiner entl^altenen ©arfteüung 
folgen. Sit« Saifer ©ratian regierte, »urbe ^taoiu« 
etementiu« SKojimu«, öefe^t«l^aber ber in ©roß* 



95 

britannien ftationirten r5mif(^en Segionen, t)on ben 
aufrü^rerif(j(|cn ©olbaten jum Saifer aufgerufen» 
ßr bemöd^tigte fid^ ber ^errfd^aft unb fd^idte S^rup«^ 
pen nad^ ©aUten, t)on tpeld^en bie bort tt)o]^nenben 
ärmorier vertrieben unb il^re ©egenben unter bic 
aud ^Britannien l^erangejogenen Segionen oertl^eilt 
»urben. Sie l^eutige Bretagne leitet i^re öenen^ 
nung öon biefen britifd^en 5lnfieblern ab. äCn SlJiän«^ 
nern fel^lte eö nun biefen ©olbaten^ßolonien nid^t, 
toof)l aber an grauen. Unb biefe foöten gefd^afft 
»erben. 9tegulue, ©efel^töl^aber bicfer ßolonien, 
fd^idtte auf be^ Griten Sonanue 9iat^ eine ©efaubt^^ 
f^aft nad^ ©rogbritannien, toeld^e fo öiete 3ungfrauen 
forbern foöte, atö gur aSerel^elid^ung feiner 50ZiIitär^ 
ßotoniften nötl^ig fein würben. Die ©ritannier, benen 
eö baruxn ju tl^un »ar, in be^ neuen Saiferö ®unft 
fid^ ju erl^atten, fanben gegen biefe gorberung nid^t« 
einjuKoenben unb wählten au6 il^ren gantiften eine 
entfpred^enbe ®d^aar von Jungfrauen, bie bon Son^ 
bon aud, »0 fie gefammelt lourben, gegen i^ren 
Siüen gu ©d^iffc gebrad^t tturben. IDic SSornel^mftc 
von il^nen n)ar Urfuta, 5£pd^ter be$ ^önigd ton 
Somubien (bad l^eutige @!ornn)aIid). SDie (Sinfd^iffung 
ging gen)attfam t)or fid^. !Die ©d^iffe (iefen x>om 
®tapti, tourben aber burd^ einen ©turnt an ba^ 
gemtanif^e Ufer öerfd^Iagen. Um biefc 3*it j^ielten 
^unnen^orben biefe (Segenben, »o^in bie ILOOO 
Jungfrauen geratl^en toaren, befefet ÜDiefc ^unnen 
toaren aber öon ^aifer ©ratian gegen feinen auf^ 
rül^erifd^en ©enerat unb jefet ©egenfaifer gtabiu« 
etementiu^ SDfiajcintuö ju §ilfe gerufen »orben* Sic 



96 

§ttnncn ftürjtcn fid^ mit toilbcr Regier auf btc toiQ* 
lommenc reigcnbc Sßtntt. ÜDic 3ungfraucn aber, üon 
ber Söniflötod^tcr Urf uta aufgemuntert, sollten lieber 
fterben, alö il^re Sungfräulid^leit öon ben §unnen 
öerle^en foffen, öertl^eibigten fi(^ mit mutl^iger Un== 
erfd^rodtenl^eit unb »urben alte graufam gemorbet* ÜDie§ 
ift bie ungefd^minlte ÜDarfteQung ber Segenbe, töie 
fte ©aufrieb öon SWonmout^ nm bie äßitte be^ 12. 
3a]^r^unbert« aufjeicj^nete, unb biefe äufjeid^nung 
öaroniu« im SSatican fanb. ©pater würbe bie 8e^ 
genbe öielfacj^ auögefd^müdt, ber Dpfertob ber l^eiL 
Urfula, bie \x6) lieber bon Pfeilen burd^bol^ren tagt, 
ate bem ^unnenfürften l^ingeben tt)iH, mit mannig^ 
fatj^en 3^^*^^*^^ berfel^en* ÜDer Sunft gab bie Segenbe 
einen reijenben ©toff, toie ba^ S5itb(j^en öon §ann^ 
SKemting betoeift, tteld^eö auf bem JReliquienfaften 
ber 1^. Urfuta in Srügge gu feigen ift* 

SBa« bie 3«t be« Opfertobe« biefer l^eroifd^en 
grauen betrifft, fo finb bie Slngaben fel^r öerfci^ieben, 
bie gegenbe, »ic fie oben erjäl^tt ift, faßt xM 3a]^r 
383, benn bamate lebte 50Zapmu«; @uriu«, ber bie 
©efd^id^te ganj anber« ergöl^It, fefet fie um anbertl^alb 
Sal^rl^unberte jurüdt unb gtt)ar in bie 3al^re 235 — 
238 ; toieber Slnbere, burd^ ben §unnenfürften auf 
bie 3eit Sittila'« ^ingelenft, öerfe^en biefe gpifobe 
ber 50Zartt)rergef^i(i^te in bie-3^tt ber ©d^ta^t öon 
ßl^alon«, um 451; aöe« ®inge, bk ber Sfgenbe 
gang unb gar nid^t gut ju ©tatten tommen. 

min nun, bie ©tabt fo öieler Slntiquitäten 
unb §eitigt^ümer, ift fo glüdEtid^, neben anberen 
berartigen ©d^afeen, üon ber l^eittgen Urfuta 



97 

unb il^rer ©^oar mand^c loftbare 9tcltquic ju bc^ 
fifecti; fo i. So. ben @^öbcl unb bcn {Ring ber 
l^eütgcn Urfula, bcn ^fcU, bcr fic burd^bol^rtc, ba^ 
§aarnefe bcrfelben (e« tft {ebenfato intereffatit, gu 
erfahren, ba§ bcr Unfug biefer ©iberfd^toänjc ncue^ 
ftcr ^dt f^on gu jener ^üt beftanben l^abe), btc 
mit bem ©lute ber l^eiligen Jungfrauen öermifd^te 
(Srbe; ber Körper ber l^* Urfula, i^rc« SSerlobten 
unb ntel^rerer anberer fettigen, bte mit biefer 8e^ 
genbe in inniger 3Serbinbung [teilen, tt)ie ber 1^. ßor^ 
bula, beö 1^. ^antalu^ u« a*, befinben fid^ in öer* 
golbeten 3Retaüf d^reinen , au^erbem n>erben in öer^ 
golbeten ©la^fd^ränfen 1660 ©dföbeln in golbgc^ 
ftidte Sa^jfeln gel^üöt gegeigt, unb ba^ Snnere ber 
80 guf langen, 10 gu§ l^o^en unb 2 guß biden 
ßl^orttanb ift mit lauter ©ebeinen angcfüQt, ol^ne 
ber {Reliquien iti ben 19 ®rabgett)ölben gu gebenfen. 
Um alö getreuer Srgöl^Ier c« fa in SHid)t^ gu t)er*= 
feigen, fo taffe iä) nod^ aU ©etoei« ber Unumftö§^ 
lid^Ieit biefer Segenbe bie Sorte eineö gtauben«fe* 
ligcn 3Ranne6 folgen, tDeld^ertoörtlld^ folgenberma^en 
orgumentirt: „SBenn man bie ungel^eure 3«^! menfd^^ 
tidier ©ebeine, bie in ber Urfutalird^e (in Solu) 
rul^en, bereu üDop^jeliofinbe im Sl^or, bereu übrige 
gal^trei^e Slul^eftätten mit ©ebeinen t)oüge^)fropft 
finb, betrad^tet, fo mu^ man, um mit ^ajjebrod^ gu 
rcben, einen eisernen @inn l^aben, um nod^ ber fo 
er^benen, auf alter ©runblage rul^enben Äölnifd^en 
Uebertieferung, ba§ auf biefer ©tätte bie 1^- Urfula 
mit il^rer Slftaufenb Jungfrauen umfaffenben @efefl=^ 



98 

fd^afl für Sl^riftu« bcn 3Jiart^rcrtob erlitteti l^abc^ 
ben ©tauben abjufpred^cn." 

SBir übergeben nun, »ic bic ältcften 3Jiart^ro^ 
logicn, ein alte« ijreifinger SWiffale, öerfd^tebene 
Urfunben auö bem jel^nten 3a]^rl^unbert unb ge^ 
leierte SKönner ber fpäteren ^tittn bie JEl^atfa^e 
al« eine nidjt ju bejtoeifeinbe l^infteQen. Slber eben 
begtt)egen erfci^eint e« intereffant, aud^ ber ^totu 
fei ju gebenlen, todäjt mä)t gegen ba« 3Äar^ 
tt)rt^um üon ntel^reren Jungfrauen, fonbern gegen 
bie 3^'^t erlauben tturben, 2luf toie öiel ©d^iffen 
tt)urbe bei ben bamaligen SSerle^r^mitteln ju 8anb 
unb SOBaffer biefe ungel^eure ^oi)t öon ^auen ein^ 
gefijifft? 3ft e« benn überl^aupt fo lei^t, eine fo 
große 3^^t don aJläbdjen mir nid^t« bir nic^t« ju* 
fantntenjuraffen ? 3ft biefe große 3^^t benn aud^ 
eben notl^menbig, um bie ©lauben^ftärfe ber aüen^ 
faü« SQBenigeren minber groß erfd^einen ju faffen? 
Siegt eö benn überl^aupt /an ber ^a^t ober an ber 
S^l^at, baß einzelne Jungfrauen für baö ^eilige ®ut 
il^rer Jungfraulic^leit fid^ ni^t f dienten, ben Dj)fer^ 
tob JU erleiben? 

S5iefe unb nod^ biete anbere, auf baö ?lämtid^e ab^ 
jietenben ijtagen tourben geftetit, unb erltären c^, 
»enn baö Slnbenfen ber ®tauben«l^elbinnen burd^ 
bie oft gebanfento«, ja fpott^eife l^ingetoorfene ^^rafe 
profanirt ttirb. aWänner ber SQBiffenfdEiaft l^aben e« 
nun üerfudit, bic ©ad^c auf berfd^iebene SÖBeife jU 
erltären. §err be SSaloi«, in ber ®ete]^rten*3tepu^ 
btil aU ^abrianu« SSalefiu« befannt, fd^reibt: „II y 
a une Sainte Ursule Martyre, suivant la comune 



99 

opinion. On ignore neanmoins de quel temps eile 
a &tL Mais je suis treshumble serviteur des onze 
mille vierges"; gu bcutfd^: „bcr aügcmcincn 2lnfid)t 
naä) gibt c^ eine l^cüigc Urfuta, eine SWart^rin. 
SKan tt)ei6 jcbod^ nic^t, gu »eitler ^di btcfclbc gc^ 
lebt l^abc- 3d^ aber bin ber untertl^änigfte S)iener 
berSIftaufenb 3ungfrauen.'' ÜDic frangöftfc^e ®alan^ 
terie bleibt nirgenb6 au^, aud^ nic^t bei ber Segenbe, 
aber ber galante iJrangofe erflört nic^tö, 9lnber8 ift 
e« mit ber 2lnft^t, tcelrfie ^ater ©irmonb, ein be^ 
rü^ntter 3efuit (geb, 12. Dctober 1559, f 7. Dc^ 
tober 1651) auffteüt 2)iefer meint ijolgenbe«: in 
einigen gefc^riebenen 5IKart1)roIogien l^abe fid^ bie 
©tette gefnnben: „SS. Ursula et ündecimilla V. M. 
(i. e. virgines martyres)", tt)a^ fo t)iel fagen toxU, 
aU: bie l^eilige Urfula nnb bie l^eilige Unbecimiüa; 
Sungfrauen 9Jlartt)rerinnen. ÜDiefe ©teüe toöre aber; 
inbem man baö ündecimilla (ben toeiblici^cn 9iamen)' 
gu einer B^'^I/ undeeim millia, mad^te nnb bie Sänä)^ 
ftaben V. M. für virgines mariyres ta^, in l^eiüge Ur^ 
fula nnb Silftaufenb Jungfrauen öertoanbelt nnb ttJö^ 
reu fo au^ gtoei ©laubenöl^elbinnen bereu 11.000 ge* 
fd^affen toorben. 3n anberer SBeife »ieber fud^t ber 
berül^mte ^rofeffor beö canonifd^en 9iec^te^ gu Stttorf 
Sodann S^riftopl^ 3öagenfell (geb. 26; 3ld\). 
1633, t 9. Dctober 1705) bie ©ad^e gu' beuten^ 
üDiefer namtid^ ergäl^It: e« ttJäre anfänglid^ in ben 
Martyrologiis gefd^rieben getoefen: Sancta Ursula 
cum XI M. Virg., toa6 fo öiet bebeute, aU bie 
l^eitige Urfula mit 11 3Bart^rer^3ungfrauen, worauf 
aber, inbem ba6 M für bie Slbfürjung üon Millia 

7* 



100 

gel^alten towcbt, bie ßcfeatt Sancta Ursula cum un- 
decim MilL Virg., ba^ ift, bic l^eiüge Urfula mit 
11*000 Jungfrauen entftanb. 

Die grage möge offen bleiben, unfere ©ad^e war 
e«, bie Z^at\aä)m toie fte finb l^iniufteüen» Söir 
fügen nur noc^ einige Semerfungen unb Slngaben 
für aUfäüige f^Jätere gorfd^er biefer Slngelegenl^eit 
l^ingtt, 3n ben Martyrologiis, totläjt öor bem tri^ 
bentinlfd^en ßoncit gebrucft tt)urben, fanb fid} baö 
geft ber l^eitigen Urfula tt)ie fotgt: „Commemoratio 
SanctaeUrsulaeetundecim millium virgin. martyr»" 
ouf ben 21. Dctober angefefet; in ben naä) bem ge^ 
badeten ßoncil gebrucften Sreöieren finbet man aber 
ftatt ber obigen 8efeart bie folgenbe: nCommemoratio 
Ursulae et Sociarum virginum«* äßaö ferner bie 
»enigbefannte Zeitige Unb ecimilla betrifft, fobilbet 
biefelbe ben ©egenftanb einer Slbl^anblung, »elci^ein 
ber t)on bem ©öttinger ^rofeffor §eumann (geb. 
3. Sluguft 1681, geft. L SKai 1764) ]^erau«gegebenen 
@d)rift: ;,Dissertatio exhibens historiae litterariae 
fragmenta aliquot'^ (Gottingae 1738, 4^) unter 
5nr. 12 entl^otten ift 

dnblitSi ift in neucfter ^dt bie l^eilige Urfula- 
felbft ®cgenftanb einer gang au^l^rlid^en loiffen^ 
jt^ofttid^en Unterfudiung geworben in ber ©djrift: 
„Sie ©age öon ber l^elligen Urfula unb ben ctf*' 
taufenb Jungfrauen, ©n ^Beitrag gur ©agenfor^ 
ftl^ung" öon Döcar @d^abc (§annot)er, SRümpter, 
132 ®. 8% mlä)t im 3a^re 1854 bereit« bie britte 
Sluflage erlebte. S5iefe @(j^rift bringt unö bie 3Borte 
be« Didfterö: „33Jogu in ber ^Jcrne fd^tteifen, liegt 



101 

bad ®\xtt boäf fo nal^^, in Erinnerung. @(^abe 
t)ttmnif)tt l^inter bcr l^ciligcn Urfula eine Oöttin 
be^ älteren beutfd^en f)eibent]^unt9^ toomit er eben 
nici^t« Steuer auöfprid^t. 3a er gel^t noc^ »eiter ju* 
rüd, alö in baö beutfc^c ^eibentl^um. 2tu8 bem Um* 
ftanbe/ ba§ Urfula in einem ©d^iffe fu^r unb ba§ 
fcl^r öiele fpätere Sirel^enbilber il^r einen »eiten 3Wan* 
tel gabeU; unter bem \iäf i^re Jungfrauen bergen, 
erblidtt er in ber Zeitigen eigentlid^ bie ög^^Jtifd^e 
Sfiö ober bie römifel^ aufgefaßte 9ie]^alennia, Seit 
bie SGBeber am ^Jlieberrl^ein nod} im äWittelatter tin 
®^iff l^erumgcfül^rt unb il^r |)au<)ttt)erfjeug ia9 
SBcberfd^iff ift, tt)itt @d)abe bie l^eilige Urfula aud^ 
mit ©Pinnen unb SDSeben befd^äftigt toiffen, toie bie 
^erdjta unb ^oüe beö l^eibnifd^ beutfcj^en SSoflö* 
glauben«. §ier ift nid^t ber ^tatg auf ben 3n^alt 
öon @dE|abe^6 Sdnä), ba« ©pott unb §o^n über bie 
Sötncr unb il^ren ®Iauben an bie Slftaufenb 3ung* 
frauen in |)ülle unb ^üUt ausgießt, be« 5ßci]^eren 
einjugel^en. SBol^I aber ift e« am ^lat^e mit ber öer* 
ftänbigen Slnfid^t be« SKtmeifter« ®öt^e ben Sa* 
Icnberglimpf ber l^eiligen Urfula unb i^rer ®enof* 
finnen gu fc^üegen. ©ötl^e badete nämlid^ bei ber 
(Srmorbung Jener l^eiligen 3ungfrauenf(f|aar an ben 
Ufern be« 9iieberrl^ein«, ttie bei bem 3Wart^rium 
ber berühmten »legio fulminatrixn, an große Partei* 
morbe, an ficilianifdfie SSeöpern ober ^arifer JÖIut^ 
l^od^Seiten. S)ae ^at o^ne 3weifel öiel für fid^, toeit 
jid§ in ben Sampf be« fpäteren römifdien Saifertl^um« 
mit ben immer ftegreid^er borbringenben ©eutfd^en 
unb §unnen aöerbingö aud^ bie Sntereffen ber l^eib^^ 



102 

ttif(^en unb d^riftttd^en gartet eingemtf^t. I^aben unb 
eine ^iftorif(^e SWöglic^feit, ja SBa^rfc^eintic^feit, bog 
in jenen toilben ^dUn ntaffenl^afte äßart^rien ftatt* 
fiatUn, iebenfaü« tjortiegt^.^). 

©anct Dtl^maf 8 SegeL Sei ©aftereien, ido bie 
glaf^en trupptoeife anfmarf diiren , l^eigt e«, ba ift 
ja Dt^marö SegeL So« ift Segel? SBer ift Ottmar? 
2egel, ßägel, ift ein Keinem l^öljerne^ Sägd^en, anö bem 
lateinifd^enlagena, mitteüateinifd) legula. Dtl^mar 
aber toar 2lbt öon ©t* ©allen; fpäter anf SBörb 
bei ©tein am SRI^ein bertoiefen, ftarb er aöbort im 
Sal^r^ 759* 2lfe in ber ijolge fein ßei^nam öon ba 
nad^ feiner Slbtei gefül^rt tonrbe, er^ob fid^ ein furd^t* 
barer ©türm anf bem Dberfee unb bie ©Ziffer l^at*^ 
ten bei i^rer 5lrbeit jur ßrqnidEung nur ein „Segel'' 
mit Sßein, ba^ aber iDunberbarer SOBeife, fo öiel fic 
aud^ barau^ tranfen, nid^t leer föurbe. 

Ottmar« ßegel fpielt aud^ in ber JReben^art; 
„6r l^at be« gelben Segel belommen'V tt)a« 
fo Diel bebeutet ^ al^ gepredt tütxbm, eine 9{oQe. 
aßan erjä^It fid^ bie ©ef^idite fo: 3tt)ei fa^renbe 
©dualer famen einft auf bie raul^e Stp in ©d^toaben, 
)DOt)on ber eine, fo ^elb l^ieg, älbenbd in bie ©tube 
eined bemittelten Sauern trat unb um 92ad^teffen 
foiool^I, aU um Verberge bat, koa6 il^m gett)ö]^rt 
tourbe* SBöl^renb be« gffen« taugte er jum ^Jenfter 
ber $ütte i^txün feine Sßeinflafd^e, ilt er bortl^in 
gefegt l^atte, unb brad^te ed feinen SBirtl^dleuten 
ju. ©0 oft bie Stafd^e teer loar, fetgte er fie loieber 
ium genfter l^inaud, bamit fein Samerab fie aud 



103 

betn „ScgcI" fußen lonntc. Die Seute tl^aten fid^ 
gütlid^ ttnb loaren t)ertt)unbert, bag bie f^Iafc^e nie 
leer »urbe, ba^er fie fragten, »ie bo^ jugel^e? ÜDa« 
ift, jipxaä) ber fal^rcnbe ©diüle'r, ©anct Dtl^mat« 
glöfd^tein, ba« nie leer »irb. 'Der Saner »ünfd^te 
biefe^ SSSunbergefäß gn fanfen, nnb erl^ielt eö für 
100 flv aber eö l^at fl(j^ ^ernad^ nie toieber öon 
feHift mit SSein angefüüt. 

^ier gab ber Srtame be« fdilanen fal^renben 
©c^üter« ^etb Slntaß ju bem ©prid^toorte : „dx 
f)at be^ f)elben Segel bef ommen", b. 1^. er ift 
QtpxtUt tt)orben; er glanbte toa^ SBnnber erfd^adjert 
p l^aben nnb \)attt nid^td. 



Sei^t fein toie ber Sogel beiS l^etltgen MaS. 

S5ie Slnttenbnng biefer {Reben^art anf aüe« plumpe, 
»lobe, ©d^töerfaüige, ttirb fi(j^ anö beffen grWnte^ 
rnng t)on felbft ergeben. S)er 1^. Sniad »irb gentei^ 
nigttdi in ©efeflfd^aft eine« Dc^fen, biefe« fd^toer^ 
fälligften atter SEl^iere, bargefteüt 3a »arnnt l^eigt 
er aber ber SSoget bed l^eiligen 8nlaö? SJiefer 
biblifdie Dd^ö trägt ^ügeL SOBer nic^t in ®efa^r 
geratl^en loitl n^egen ©d^iDerf&Qigleit int S(nffaffen 
obigen ©prnd^ anf ftd^ angemenbet gn feigen, wirb 
ntit biefer Srllärnng fidi begnügen 2'), 

toftbar lote baS l^eiltge ^r^fam. "S^amlt be^ 
jeic^nete man in frül^erer 3^^*/ öomel^mlid^ aber in 
granlreidi, too biefe Siebendart lantet: ;;precieux 



104 

comme le samt crfeme^', Dinge üon l^ol^cm Söert^c» 
Sebud^at gi6t baffir folgenbe @r{(ärung: hkSdtt>öU 
letung in ber ®egenb t)on ^erigorb l^ielt an bent 
(Stauben, ba§ öor SKter« bie ©ubftang be« l^eiftgen 
S^rt)fant aud bem Dl^re eine« Dramen gel^olt »or^^ 
ben fei. ®n JRitter be« §aufe« Sorbeiüe fei beg^att 
eigen« nad^ 3erufalem gegangen, tt)o er auf befagtc 
SSJeife bie f oftbare ©ubftanj fid^ gu öerfd^affen^ge* 
tüu^t, toeld^e bann t)on itm ©ifd^ofe in 3erufalem 
gett^eil^t unb an bie ffirtj^en ber S^riften^eit öertl^eilt 
»orben fei. Söti un« im 35eutf(i^en lebt ba« l^eilige 
ßl^r^fam nur no(J^ in ber 5Reben«art „an bem ober 
jenem ift S^auf unb ßl^r^fam öerloren'' ^^). 



$ier ift 93if$of S3enno gegangen. ®o fagt ber 

proteftantifdie Sanbmann im Slbetl^ale, toenn er ein 
Sornfetb, einen Orunb aU befonber« üppig unb 
fruditbar begei^nen ttiö. Der ©prud^ ift ein leben^ 
biger Slu^brud ber großen SSerel^rung, toti6)t ba« 
aSoIf für ba« SBalten be« frommen Sifd^ofe«, be« 
großen SJelel^rer« ber @Ibe*@erben, nod^ iefet em^ 
pfinbet. 

Der ®ebad^tni§tag biefe« mcrfiüürbigen aWan^ 
neö ift ber 16. Suni. «enno war im 3a^re 1010 
gu $Ube«]^eim geboren. 9Kit geleierter ©Übung au«* 
gerüftet trat er, 18 ^al^re alt, in ben öenebicttner* 
Drben feiner SSaterftabt unb warb gel^n Saläre bar* 
nad^ beffen 2lbt, öergid^tete aber auf biefe ©ürbe. 
3m 3af|re 1051 folgte er einem 5Rufe be« Saifer« 
$ einrieb in. nadi ®o«Iar al« "^Jropft be« bortigen 



105 

eoücgiatfttftc« @t. ©imon unb 3uba- ffünfjcl^« 
Sa^rc öcmcUte er bort grjbifc^of änno öon Sötti 
ernannte il^n 1066 gum Sifdiofe t)on 2R eigen nnb 
biefe (Stellung toax e«, in ber er feine eigentli(i^e 
fegen^reid^e SBirlfamleit entfaltete. 2lu«breitung be^ 
ßl^riftentJ^um«, SSerbeffernng ber ®nri(]^tung be« 
©tifte«^ SSerfünbigung be« SBorteß ®otte«, tranfen^ 
pflege, 33ernid^tnng ber tefeten 9iefte be« ^eibentl^umö, 
©nfül^rnng eine« oerbeffertenSird^engefangeö, SSerf^ö^ 
nerung ber S)ontfir(J^e, baö waren feine aufgaben^ 
beren Söfung in biefe ^dt feine« gpiöcopat« fäüt. 
216er aud^ bie materiellen ©rnnblagen be« 35off«^ 
glüde« bel^ielt er im Singe. ®ie ßnttibirnng be« 
„aWeifner S3oben«'\ beffen (Srtraggfäl^igfeit er rid^* 
tig erlannte, ift fein SBer!; bnrd^ il^n tourben bie 
25om^©ancrn bie tool^Il^abenbften be« Sanbe«. 3m 
5Dorfe äJiiltig pflanjte er bie erften Strfti^en unb 
fügen Äaftanien, unb nod^ jie^t fte^t öon ben (enteren 
rin äßälbd^en au« «enno'« ^flanjfdiule. aKit SBein 
überfleibete er bie ^öl^en öon Siieberioertl^a, bie 
Sagen öon Sefefd^bar unb ben 3f^^^taer ©erg, 
unb »arb fo ber SSater be« SDSeinbaue« im gtbetl^ale. 
SSonil^m l^at ©ifd^of«tt)erba feinen Slamen, nai^* 
bem er ben Ort SßJerba gur ©tabt erl^oben l^atte. 
Seiber »arb fein SBirlen burd^ bie politifcj^cn 
©irren ber bamaügen 3^^*/ namenttii^ ben Snöefti* 
turftreit unterbrod^en, in »etilem er ein ®egner 
Äaifer ^einrid^« IV. »ar. ©efangenfd^aft, 9lb* 
fefeung öom Slmte trafen il^n fd^toer. @r loarb %iiiä)U 
ttng. @rft 1088 finben »ir il^n toieber auf feinem 
©ifee ju aReigen. 3ln feine mdUi^x Inüpft fid& fol* 



106 

genbc Segcnbc* SJcnno ücrtoeitte uncrfannt; bcmütl^ig 
in einer Verberge ber ©tabt, ®a toirb in ber Stbe 
ein gifdi gefangen nnb in bie Süd^e be« ©tifte6 ge^ 
bracht 5ÖÖ ber Sodi il^n auffc^neibet, finbet er bm 
Sirdienfc^Iüffel, meldten Senno bei feiner rS^Viä)t in 
bie (Stbe geworfen l^ot @« »irb 'rnci^bar, man al^nt 
bie Sfliäit be« geliebten SSifd^ofe^, man finbet nnb 
bringt i^n jinbelnb in fein ^od^ftift prüd* 

S)ie legten 19 3a^re feine« geben« »aren fo 
jiemlid^ nngeftört (Sr öerbrac^te fie in Sinfamfeit, 
wie bie @age melbet, in einem ÜDorfe jtt)ifd|en 
®rimma nnb SWügeln. !Ca fei er bann, toie e« 
l^eift, oftmat« anf ein tJelb ]^inan«gegangen nnb 
l^abe bort gebetet, nnb biefe« rS^lh fei bal^er frnd^tbarer 
al« aüe übrigen in ber, ®egenb, ÜDal^er ba« obige 
@prid|tt)ort (Sx ftarb am 16, 3nni TlO?. ©eine 
ßanonifation erfolgte im Saläre 1523 2^). 

(gr mi^, m »artl^cl ben 3» oft ^olt. ©ne 9ln^ 
ft)ielnng anf bie gnr iBenrtl^eilung ber SÖßeinernte 
^)affenbe 3^^*/ nämlidEi ben Sartl^olomäitag am 
24. Slngnft, an toetd^em beilft.nflg jn crmeffen ift, 
ob anf aJioftfüüe p red^nen fei ober nidit. 5lngett)en* 
bet anf ba« geben nnb S^reiben ber 50Zenfd^en im 
Slögemeinen, bejei^net man bamit bie gäl^igleit ©n* 
jelner, an« gegebenen tJormen nnb ©itnationen ba« 
JRefuItat nnb Snbe t)oran«jnfe]^en. S)iefe 9teben«art 
ift gleid^bebentenb mit: 

^(Sr toeit, tto^er ba« SSBaffer anr 5Wü^Ie 

fliegt/ 



107 

„er toti^, ti)o ber Teufel fein 5ßcft l^at/' 
ober iDie in ©d^toaben: 

„@ie loei^; n)o bie Sa^e ben j^eig 

tangt'' 

SDiefe SRebenöart tritt nod^ in anberer ^gur^ 
nämlid^ aU Drol^ung, fel^r l^äufig auf- 3Kan fagt: 
„Sä) »in ÜDir jcigcn, too ber S9art^e( ben 
JIRoft l^olt!'' ÜDeffenungead^tet bürfte fie öon ber 
oben angegebenen ^ebeutung nic^t abfaQen unb fo 
diel befagen atd: „S6) toiQ bi(j^ fd|on bortl^in fül^ren^ 
tDo man bid^ über ba^^ mad bu nid^t einfel^en toiQft^ 
belel^ren toirb/' 3n entfernter SSertoanbtfd^oft ftel^t 
baö franjöfifdE|C : „Tu es parent de Barthole qui 
vendit sa vigne pour faire des provins?", toeId|e^ 
in bad 16. Sal^rl^ynbert gurüdreidit^ unb auf ben stauten 
be« ^eiligen anflingenb ift ba« „Resolu comme Bar- 
tole", toeld^e^ bem berül^mten itattenifd&en JRed^t^ge^ 
leierten öartl^oluö (geb, 1309, geft. 1355) feinen 
Urfprung oerbanft IBart^oIu^ Derbanb mit grilnb^ 
Ud^er ©efefee^fenntniS großen ©d^arffinn unb unan^ 
taftbare« JRed^tögefül^I. 6r lehrte meiere Saläre l^in^ 
burd^ bie ^tüjtt an t)erfd^iebenen ^od^fd^ulen. ©eine 
@ntfd|eibungen unb Urtl^eile in ben fd^toierigften 
fJäHen »aren immer geredet !Die Urtl^eite be« ^ar* 
lament« öon $ari« ftimmten immer mit jenen biefeö 
9ted^tegete]^rten überein, bal^er aud^ bie 9lebendart 
cntftanben ift, »eld^e übrigen« im S5oß«munbe il^rer 
!Deutung nad^ derftümmelt tt)urbe, toeil man einen 
l^artnadEigen eigenfintjtigen SDtenfd^en in f^antreid^ 
aud^ resolu comme Barthole gu nennen, pflegt ^®). 



108 

@te ma^en'd lote @an @:n$:|)m unb €:ri8))imati. 

©0 öiel al«: „SBol^Itl^atcn mit frcmbcr Scutc ®ut 
üben." ÜDtefe betbeti ^eiligen ftal^Ien nömlic^ ha^ 
Seber, um armen Seuten ^äjuljt barau« gu machen. 
^el^nUt^ed iDtrb ta aud^ t)on einem niol^Ül^ätigen 
SRufelmann, einem ^afdfa ergöl^It, ber au« bem 
(Satten eine« feiner Untergebenen ba« fiberflüffige 
SÖBaffcr ableiten unb in Jenen be« 5yiad^bar« laufen 
l^at laffen. 5Rot§ einen ©c^ritt »eiter unb man 
!ömmt bagu, au« frember §)aut SRiemen ju fdjneiben. 
>Der tjranjofe ttieber gebrau(f|t ben l^eiligen ßri«pin 
in anberem @innc, »enn er fagt: „Porter tout son 
Saint Crispin" feinen l^eiligen ßri^^ptn gang mit \xä) 
tragen, toa« fo öiel bebeutet, at« ba« claffifd^e omnia 
mea mecum porto; bod^ nic^t in ber S5ebeutung, 
ba§ mit SSBiffen unb ccj^ten ^enntniffen Sinem bie 
gange SSBelt geprt, fonbern in ber rein materiellen 
auf bie armen Raubte erl«leute angetoenbeten, tpelci^e 
wenn fie üon Drt gu Drt auf 2lrbeit tpanbern, il^r 
§anbtDerf«geug, alfo i^r gange« §ab unb ®ut, i^ren 
6ri«pin mit Stiele unb bem übrigen Keinen ©diufter* 
geug mit [xäf tragen ^^). 

mt @anct @ettntb einen Settlauf t^utt, fo 

t)iel, al« fein ®elb burd^ Ueberöortl^eilung ber Slrmen 
gett)innen. 5Diefe 9ieben«art ift in Seipgig üblic!^ unb 
ber 3Sott«munb ergäl^It naiö bo«l^aft: ,,!J)er 35or* 
ftel^er be« §ofpital« gu ®t. ®ertrub in Qtxpiiq, ber, 
al« er ba« ^mt übernal^m, nid^t« befa§, l^atte gu^ 
lefet ein anfel^nlidie« SSermögen. ÜDa man über beffen 



109 

Urfprung im SSoIfc SSerfc^tcbene« ntunfeltc, crjal^Ite 
fein atbcme« Söcib golgcnbcö : er l^abc einen grogen 
©ad mit ®elb auf ben SHtar gelegt, an bem ber 
1^. ©ertrub ©ilb l^ing, unb ber fettigen üorgefc^Ia^ 
gen: ba^ ber t)on il^nen beiben ben ©elbfad l^aben 
foüte, ber im Saufe juerft ba« Sirc^tl^or erreid^e. 
35ie ^eilige im 55ilbe l^abe baju genidt. 35er ^ttU 
lauf begann unb ber ©^ital^bieb erreichte bie Äird^* 
tl^ür el^er, aU bie 1^. ©ertrub, unb bcl^ictt nun öon 
5Re(^tdtt)egen baö (Selb. Slber ber SSoH«munb bleibt 
unö bei ber pifanten ®efd|i(^te bie §auptfad^e fc^ul^ 
big. SQBol^er l^atte benn ber 3Sertt)aIter ba« im ©ade 
befinbüd^e ®etb überl^aupt genommen? Snttteber^ 
öermutl^en »ir, birect auö ber ©Jpitatöfaffe, ober er 
l^atte eö auf Umwegen, an ber Pflege ber Firmen, am 
Siotl^bürftigften berfiranfen, an bereu ©<3eife, 2^ran! 
unb f argen ©enüffcn, »elc^e (^riftliii^e 53orm]^eräigfeit 
für fie geftiftet, getoiffcnlo« erfpart^^)^ 

2^u Iriegft ntt bat, SRtIcWSd&cn. (J)u friegft ba« 
ni(^t, 5RifoIau«). 3Rit biefer nieberrl^einifc^en SReben^* 
art, toobei noc^ ein ®ä)nippä)tn gefd^Iagen n)irb; fer^ 
tigt man einen Sittenben, ben man ju ^opptn beab« 
fi^tigt, in ben 9tl^einlanben ab. Ueber benUrfprung 
biefer 9?eben«art erjäl^ten fie bei SSingen am SRl^ein: 
$Der Patron aßer rl^einifi^en ©c^iffer ift ©t. 5W«o^ 
lauö, S^ befielet bei il^nen bie ©itte, baß, »enn ber 
©c^iffmann gur SReife baö Ufer öerlctßt unb ba^ 
©(^iff Itar im gal^ren ift, er ber 3Kannf(^aft iu=^ 
ruft: SätUt 3eber jie^t ben §ut, betet ein ^ater=^ 



110 

« 

noftcr unb ctn^)fie]^It bcnt l^etltgcn 9KfoIau^ Sebcn unb 
®ut 3Sor langer ^dt aber ful^r ein ©d^tffer ol^ne 
®ebet öott ©ingen ab, unb im Soc^e überraft^ten 
il^n l^eftige SBtnbftöße unb brad^tcn ba^ ©t^iffletn aM 
beut t5a]^rtt)a[fer. @r ft^rtc nun ben l^etL 9lifoIau« 
öngftltd^ um §Ufe an unb gelobte retd^e Dpfer» ÜDer 
SSSinb legte fi(^ unb gtüdüt^ lam ber ©c^tffer burd^ 
baö 8o(^, 3KÖ aber bte ©efal^r öorüber »ar, ftac^ 
i^n ber Uebermutl^. 6r fc^Iug ein (S6)mpp6)tn unb 
rief: ,,!Cu friegft nit bat, 9^ifelö«(^en!" Do(^. bem 
§ol^n folgte bie ©träfe; ein l^eftiger SBBinbftog ft^Iug 
ia^ ©d^ifftein in ®runb. S)er ©d^iffer ertranf unb 
al« feine Seid^e bei ©t ßlemen« an^ 8anb geworfen 
ttjarb, fel^Iten ber regten §anb bie iJinger. 



©^eHemori^* 3n ber SKorifefird^e ju ^alle ftel^t 
ba^ S3ilb beö l^eiligen aJiauritiuö, il^re« ©t^ufel^cxrn, 
in ©tein gel^auen, 6« ift 1411 öon Sonrab ö. Sim* 
bedE gearbeitet unb nat^ ber ©itte ber ^dt, totlä)^ 
aüen öornel^men ^erfonen, ben ©eiftlit^en, ja felbft 
^eitigenbilbern ©(^eßen anl^ing, ift baö ®ett)anb be« 
^dliQtn mit ©(gellen befefet S)aö SSoIf nennt il^n 
barum ben ©d^eltenmori^ unb Inüpft fotgenbe 
©age an il^n an. SKorife tt)ar ber Srbauer ber 50iori^* 
lirdtie unb fo jiäl^jornig, ba§ er, Wenn er einen 2lr^ 
beiter nid^t arbeiten fal^, il^n gleid^ erfd^tug. 2)a e3 
il^n fpäter gereute unb er fold^e^ Unred^t fünftig 
t)er]^üten wollte, lieg er fid^ einen 9?0(f mit ©dielten 
mad^en, bamit bie Slrbeiter, wenn fie i^n lommen 



111 

l^örtcn, glctc^ jur Slrbcit gd^en unb il^m ntd^t SSet:* 
anla[fung jum ^oxnt geben ntöd|ten- 

Slnber^ »irb eö im !Dorf 8ettett)ife bei SQSctttn 
erjäl^It ©ort loar SÜiorife bei einem öorne^men §errn^ 
ber ba6 ÜDorf erbante, aU ©auanf feiger befteüt, unb 
aud^ fo jä^jornig, ba§ er bie. Arbeiter töbtete. S)a 
^abe il^m fein ^err bie ©d^eüc jur SBarnung ber 
9lrbeiter — wie au(^ bie Safee l^ätte befommcn fol« 
len — angel^ängt 

9latl^ Slnbern rül^rte ber ©c^eöenrod beö $i^* 
lopfe^ öon ber l^umanen ijürforge einer ©(^»efter 
beöfelben l^er, bie feine 3lrbeit^Ieute baburc^ »arneti 
»oüte, unb jn gleicher ^eit, aU er bie Sirdje baute, 
bie SKorifeburg entftel^en lieg* ÜDa nun biefe el^er atö 
fein Sau ju ©tanbe !am, erfaßte il^n folc^er SSlüh, 
bag er' feine @c^tt)efter auö einem genfter ber öurg 
in ben 2lbgrunb ftürjte* üDem SJaumeifter aber brel^tc 
er ben ^aU um. 3«^ 2lnbenfen baran ift ber 55au* 
meifter am i^uggeftette ber Silbfäute in §aüe einge^ 
Ivanen. ®o gtaubt bad 93dII. (Simbed lebod^ ^at 
bamit ben Saifer SÜiajimitian gemeint 



©Cttcta SBcrottifc* Seit einigen ^al^ren ift in ber 
berliner S3ilber ^ ®aüerie für bie Sefud^er berfelben 
tt)ieber eine^ jiencr SBBunber ber bilbenben Sunft fid^t^- 
bar, tt)etcl)eö einjig in feiner 2lrt burd^ feinen 5lnbti(f 
ein unnennbar befeügenbeö ©efül^l im SSeft^auer- 
l^eröorbringt S6) weiß ntdjt, {Die eö im Satalog öer^ 
jeid^net ftel^t, aber feine gettJöl^nüd^e 53ejei(^nung ift: 
„®a6 ©d^iDeigtud^ ber l^eiligen 33eronifa" unb fein 



112 

SKalcr ift ßorrcggio* 3Bcnn »ir aut^ bic Scgenbe 
t)on btcfem ©c^iücigtuc^ alö aügcntctn bclannt öor* 
auöfcfecn ttjoütcn, fo ift bod^ bcr B^wöcr bcr SK^fti! 
baritt ein fo ungemein ßeblid^er, bag eine SBieber* 
l^olung ber Segenbe feiner ßntfd^ulbigung bebarf. 
5lte nämliti^ Sefuö auf feinem (Sauge nat^ ©olgatl^a, 
ber ©^äbelftätte, ba« Sreui trug, l^abe er, fo ergäl^It 
un« bit l^eiligc ©age, öon ben bereit« erlittenen 
3Rartern unb Quaten erfc^öpft unb am gangen 
Sörper üon einem mit feinem Stute getränften 
©^tt)ei§e bebedt, einen Slugenblid anögerul^t, um 
Sltl^em ju ftl^ö}3fen* ©ne fromme grau, tteld^e am 
Söege ftanb, reifte nun bem ^eilanb i^r Zu^ bar, 
um fid^ baö fd^ttjeißtriefenbe Slntli^ abjutrodnen. 
Sil« il^r ber f)eilanb baöfelbe gurüdgab, l^abe fie ju 
il^rer ntc^t geringen SSertounberung baß ©efic^t Sefu 
mit allen feinen Umriffen unb Sineamenten täuft^enb 
äl^nliti^ auf bem Suc^e abgebrutft gefunbeu- 3n einer 
Variante l^ingegen l^eigt e«, ba§ 9Seronifa, eine bcr 
grauen, bie mit Süiaria am Äreuje be« ^eilanbe« 
ftanben, ate er öerfd^ieben toar, öon fo furchtbarem 
©^merje über ben Sluöbrud beö Seiben« ergriffen 
tturbe, ber fid| in bem göttlit^en Slntlife geigte, 
ia% fie ba«felbe mit il^rem ©c^koeigtu^ Derl^üQte. 
2lte fie e« loieber aufl^ob, »ar ba« ®efi(^t barin 
abgebrurft mit aüen feinen ^Htn. 3n ber S^l^at, für 
totläit ber beiben üDarfteüungen ber Sünftter fid^ 
entfd|IieBen mag, iebe bietet il^m teid^en ©toff 
für feine fd^öpferifd^c ^antafie. ©o l^at benn aud^ 
Sorreggio ba« bornengefrönte Slntlife ßl^rifti fid^ 
gum aSoriDurfe feine« ^infel« geioäl^It unb ein unfer 



113 

ganjc« §crs bclüälttgcnbc« SBcrf geliefert !Da« auf 
©eibc gemalte SSiü ift frei öon aüem Seitterl unb 
geigt weiter niii^t« aU baö |)aupt be« Sriöferö, ba« 
in ein 2^u(^ gleid^fant eingelebt erfd^eint üDiefe^ 
SBilb toax lange Saläre bem Slnblidfe ber ©efud^er 
entjogen; benn, ein 8iebling«bilb be« l^oc^feligen fiö^ 
nig« griebrid^ SBill^elm IIL öon ^reufeen, fül^rte 
e6 ber Sönig auf feinen SReifen immer in einem 
Saften mit, um fid^ ieben Slugenblid burd^ ben ^n^ 
iiid be« l^errttd^en SBerfeö erlaben gu !önnen. SBar 
er in bie JRefibeng gurüdtgefel^rt, fo »urbe e^ in ber 
löniglid^en ^au^fapeüe aufgefteöt unb »ar alfo 
»ieber bem allgemeinen SlnblidE entgegen, ©eit eini^ 
gen Sauren aber ift eö in ber ®aüerie fid^tbar für 
3eb ermann. 

2Kö id^ öor einigen 3a]^ren bie ®aöerie befud^te, 
feffelte midi anc^ biefer »unberbare Sl^riftuöfo^f. 
Sief im 2lnfd^auen biefer ®otte«miene öerfunfen, 
tDäre ic^ e^ n)o]^I nod^ lange geblieben, toenn nit^t 
bie näfetnbe ^^ilologenftimme eine« berliner $ro=^ 
feffor«, ber einem burd^reifenbenS3Ianftrnm|3fe benSice== 
rone ma^te, mi(^ auö meiner fügen SSerfunfenl^eit 
gerif[en l^ätte. 

„®d^abe, ba§ bie gange ©eft^id^te nic^t »al^r 
ift/' rief ber bibet unb fjjrad^funbige ©pree^jl^itofo^)]^, 
auf ba« Silb beutenb. SDBeld^ einen SlidE i(^ bem 
ficifterer gugemorfen, fann id| nidfjt befd^reiben, jeboc^ 
lann er nid^t fd^arf genug gelüefen fein, benn er ful^r 
ju feiner 5Dame fort: 

„a^ gab feine SSeronifa, »elt^e bem §errn auf 
feinem 8eiben«ti)ege baö !£ud^ gereid^t l^ätte. ®ic 



114 

@(ic^e t)er]^te(t fid^ anberd: 3n ben erften d^riftlic^en 
Sal^rl^ttnbcrtcn btlbctcn bic WtaUx ben Äo^jf bc« 
(Stiöfcr« auf dttent ßitincnjeugc ab, ba^ fic jutüeilcti 
öon einem Snget, öfter aber öon einer »eiblic^en 
©eftalt l^atten liegen. Unterl^alb biefer ®emölbe fd|rie* 
ben fie getoöl^nlit^: Vera iconica, b. 1^. toal^rl^afted 
Sitbniß, öon bem gricti^if^ett: etxov, Silbni§, 
Vortrat Unwtffenbe STOönc^e jogen biefe beiben 3Borte 
in Sine« jufantmen unb e« entftanb ber 9?ante Ve- 
ronica, n)op ber nac^ Snnbern lec^jenbe ®Iaube 
gleich aud^ eine ^erfon unb eine ganje ®ef(^i^te 
l^ittjubic^tete.'' 

3ci^ »arf bem gur Unjeit erfc^iencnen ^l^ilologen 
einen jweiten t)ernid|tenben Säiid ju, ber eben fo 
wenig einen Srfolg l^atte, wie mein erfter. SSielmel^r 
mit einem triumpl^irenb bo^l^aften Sdtxd ertüibernb 
ful^rerfort: „Der Urfprung ber gegenbe föüt in bie 
SWitte be« 13. Sal^rl^unbert«, benn t)or biefer ^tit 
ift in ben ^üd^ern ber ^rd^enüöter nid^td bat)on gu 
entbeden. !Ba« ©(^»eigtud^ mit bem 1^. ®eftd)te tüirb 
aber in Serufalem, 9tom unb ©panien gegeigt, »elc^t 
brei fid^ um beffen eckten ©efife ftreiten." 

3d^ »ar öernid^tet, war e« aSJutl^ unb 3ngrimm 
über folc^c ^rofanation, waren e« feimenbe 3tt)eifel, 
id^ weig e$ ni^t ju fagen. äJieine Sßutl^ gegen ben 
(Selel^rten wäre gewiß geringer gewefen, l^ätte ftc^ 
feine ©elel^rfamfeit ni^t gerabe an bem l^errlit^en 
ajleifterwerfe Sorreggio'« öerfünbigt. 3d^ mußte mic^ 
aber befd^eiben unb fiberjeugen, baß bie @m^)ftnbung, 
wetd^c, wie ©(^ilfer fd^reibt, ben SUienfdlen erl^ebt, 
wenn fie ben SDlenfd^eH jermalmt, ftd^ in ba^ ^erj 



115 

eine« berliner ^rofeffor« f(^»er etnf^Ieid^e. 211« x^ 
bie ©aüerie öerlieg, »urbe ic^ über bte ßrttärungen 
be« ^rofeffor« nad^benlenb, aber ein SSM auf ba« 
©(i^aufenfter einer berliner Snnftl^anblung brängtc 
aße ^l^ilologie »ieber in ben §tntergrunb, benn ber 
meifter^afte ©tid^ be« Silbe« öon Sorregglo, ber 
eben au«gefteüt »ar, entjüdte mein Sluge nnb bie 
»unberöoüe gegenbe erfüllte meine ganje ©eele» 



laria di legno. @ine l^öljerne 9)2aria nennt ber 
SBcnejianer ein SBeib, tt>cld^e« fid^ burt^ SKagerfeit 
unb Iinfif(!^e« SGBefen bemerllid^ mad^t 2ßatt erjäl^It 
al« Urfprung ba« Solgenbe: 

3n 35enebig l^errfc^te im 9. unb 10. Sal^rl^un^ 
bert ber ©ebraud^, aüe Sl^en am JJefttage SKaria 
93erfünbtgung in ber Äir^e ©an ^ietro bi Safteüo 
einjufegnen. 3^ beiben ©eiten be« |)o^attar«, öor 
toelt^em ber ©iffi^of üon Dliüolo bie 3Reffe ta«, 
ftanben bie SSerlobten, nad^ ®efd^Ied^tern getrennt, 
l^intcr il^nen bie näd^pen Slnöertoaubten auf erl^ö^ten 
©ifeen unb auf ber fd^malen ©aüerie, bie oben um 
ba« Sl^or läuft. S)ie Sräute trugen aße ein Keine« 
Siftc^en (arcella) unter bem Slrme, toetdtie« t^re üKit* 
gift enthielt. 5«ad^ ber 3Reffe ^iett ber Sift^ef rfne 
Irourebe, njornad^ er $aar um ^aar einfegnete. 
hierauf faßte jieber S^euöermälte feine grau bei ber 
f^anb, nal^m il^re 2(u«fteuer unter ben Slrm unb 
fül^rte fie nad^ §aufe. 

©0 toax bie öttefte geier biefe« tiefte«, »eld^e« 

8* 



116 

aber im 10. Sal^rl^unbertc bereite 95telc9 don il^rcr 
frül^eren ©nfad^l^eit öcrlorcn ifattt. @o »urbcn 12 
arme fSSlahäim, bie ftd| burd^ bie Siugenben il^re^ 
®efd^Ie(i^te« unb Sttter« auöjeid^neten, auf ©taaW^ 
loften auögeftattet unb öom Dogen felber im öoüen 
Ornate gum ältare geffll^rt. 

Sei fol^er ©elegenl^eit gefd^al^ eö einft, ha^ 
fid^ S^rieftiner^Sorfaren in ber 3la6)t öor bem fjefte 
l^erbeifd^Iid^en unb mit il^ren 55arfen im ©t^ilfe l^in^ 
ter bie Snfel Dlibolo öerftedten. 211« bie ^rt^e mit 
ben feftlid^ gefteibeten SD^eilnel^mern ber l^eiligen 
^anblung angefüüt mar, brad|en fie ^eröor unb 
fd^Ie^^jten bie fd^önften unb am reiii^ften gefteibeten 
»räute mit fid^ fort 

ÜDiefer SRaub fanb im Saläre 944 ftatt. S)ie 
©eeräuber tourben aber in Saorle eingel^oft, nieber^ 
gel^auen unb il^nen bie Srftute n)ieber abgenommen. 
!Der Keine ©eel^afen, »o baö ®efed^t öorflel^ tourbe 
feitbcm Porto delle donzelle (f)afen ber SWäbd^en) 
genannt !3)ad @rinnerung«feft biefe« S^aged toarb 
in ber golge immer lujuriöfer gefeiert S)ie öräute 
jogen in ber ©tabt uml^er unb empfingen reid^e ®e^ 
fc^enfe* S)ie 5Robitt fud^ten fid^ l^ierin ju überbieten. 
3Ran fanb fid^ enbüd^ genötl^igt, mit ©efefeen ba^ 
gegen aufjutreten. T^it^affi ber SDtarienbräute toarb 
auf brei l^erabgefe^t Salb aber gaben aud^ biefe 
aüerlei 5lergerni§, unb ba« geft^ toeld^e« urf^irüng^ 
lid^ ber el^eUd^en Siugenb getoei^t toar, tourbe ein 
J33a(^ana{e für Serl^eiratete unb Sebige. !£)a tt)arb 
üerorbnet, ba§ ftatt ber lebenbigen gtauenjimmer 
l^öljerne @ta tuen gefül^rt würben, unb fo l^örte 



117 

ba€ gcft auf; benit nun toar btc Söfleöofigfctt auf 
bcu l^öd^ftcu ^uttlt flefttegen, ba man bte ©tatuctt 
mit aücn ©attungcn ^näfttn, (Scmüfe, ^otf) u. f. to* 
betoarf. 9(ber ba6 SSoß mochte feine lebenbigen unb 
j^öljernen ÜRarlen nid^t beröcffen, unb fo l^at e^ fte 
in bem ®pxxä)\s>oxt «Maria di legno» öeretüigt 3m 
5Deutft^cn ift ein ©eitenftütf ju Maria di legno, jeboc^ 
in ber Slnttjenbung auf tJtauenjimmer, toelti^en ba6 
neibifd^e ®ef^id j»ar nid^t 5Reije, aber ben ®eift 
öerfagt f)at, bie 9ieben6art: „ein ©ilb ol^ne 
®naben''33)^ 

@t maxünHmi. — @t äRartirUbrilbeL — @t 
a»arrtn«prncr n. i. m. SBol^I überaß ift ber aRarrin«^ 
tag befannt unb in „gutem ®erud^e", ba er auf bie 
meiften Sif^e ben büfteöerbreitenben ©änfebraten 
fpenbet, namentlich bort, too berfei l^eilige Sage fid^ 
nid^t gu oft loieberl^olen, unb ganj befonberö unter 
ben ^anbtterf^Iel^rjungen, bie nebenbei erioäl^nt, aud^ 
31iid|aeli unb 8id^tme§, wegen ber „3Rid^aeIi^ unb 
gi^tbraten" öerel^ren» 

2Bie !ömmt aber ber 1^. SKartin gur ®anö, ober 
öietmel^r, »ie bie ®an6 jum 1^. SKartin? S)er Zeitige 
SRartin »ar in ber 3ugenb ein ta|)ferer unb jugteid^ 
ebelmfitl^iger Srieg«mann. ®<3öter toäl^tte il^n ba^ 
SSotl jum Sifd^ofe, unb jwar öon SCour^. yia6) einer 
@age fj&ttt nun ber ^tiüit, aU xffn biefe SÖBal^I 
traf, auö ÜDemutl^ fid^ öerftedt; »äre aber unter bie 
®änfe gelommen unb biefe l^ätten burd^ il^r ®e^ 
fd^natter — wer gibt gerne feine Sirabitionen auf? 
— il^n öerratl^en. 3m l^eitigen 3otne f oü hierauf ®t. 



118 

SRartinu« bic ®ä«fc aß l^abctt fd^tad^ten laffert- 
3Karttn fetbft ftarb um 400 ober 402 m &ft. 

9lad^ ben Itrd^ßd^en 5£rabittoiten iDöre bie SSerel^^ 
rung be« 1^* 3Karttn eine aügcmcin öerbrcitetc gctüefcn 
itttb begl^alb aJiarttti jum ©(i^u^patron gtoger Sänber 
erl^oben unb nad^ feinem Atomen t)tete Sürd^en unb 
ßapeüen gelücil^t »orben, 3ntereffant ift bie 3lblei* 
tung be« äöorteö ßa^jella öon biefem Zeitigen, 5Dcr 
®Iaube an il^n tüat im 33offe fo ftarf, baß man 
toic^tige !Dinge bei feinen SReüquien befd^ttor, feinen 
SDlantel, feine Sappe (Cappa) in« ijelb mitnal^m. 
S3er Ort, »o jene ßappa öern)a]^rt »urbe, l^ie§ 
ßapeöa unb ber bie Suffid^t barüber fül^renbe ®eift^ 
Kd^c Sapettan. Subwig XI., ber ebenfo graufame 
aU bigotte Sönig lieg bem f)eiligen in S^our« um 
baö ®rab ein filbeme« (Sitter aupl^ren; »cld^eö bie 
bamate große ©umme öon 200.000 grancö geloftet 
l^aben foü. 5ßad^ einer Kr^engcfd^id^tti^en SRittl^ei^ 
lung l^aben befonber« bie in ftrenger Höfterlid^er 
3ud&t lebenben SKönd^e ben ÜRartin«tag (IL ^Woö.) 
ju oerel^ren Urfad^e gel^abt, ba il^nen au«nal^mdn)eife 
an biefem S^age geftattet toorben koar, fid^ befonber« 
gätlid^ ju tl^un. ^a mar benn nun aud^ ba« Sanb^ 
öoH mit feinen ®aben l^erbeigetommen, um ju bem 
Sifd^e ber armen SKönd^e etwa« beigutragen. Selannt 
ift, bag im SSittelalter ein gut S^l^eil ber geiftlid^en 
©nlünfte in Siern, §ttl^nern, ©anfcn, Säfen ic. bt^ 
ftanb. 

©eil nun jur 3eit be« SWarttn^fefte« ba« 
@änfefleifd^ eben am beften ift, fo toar e« gumeift 
biefer capitotinifd^e äSoget, beffen ®erud^ fid^ mit 



119 

beut ber ^eiligfeit ju mifc^en berufen toar. @päter 
tourbe baraud eine fqie jiäl^rtid^e Abgabe, unter beut 
ZitzU ^$Die aRartinögan«", »cnn e« ouc^ ntti^t 
intuier einjig unb aDein bei ber ®an« blieb. 

SBBie oben bemerlt »orben, toax ber ßultu^ bie[e^ 
^eiligen ein in ungewöl^nli^er SBeife öerbreiteter. 35on 
ben 25 Pfarreien, »elci^e fiöntg Sarintann beut ©tifte 
SBurgburg gegeben^ maren 14 jn @^ren bed l^eUigen 
Sffiartin eingett)ei§t unb nod| l^eute befinben fic^ in 
jener ©egenb öiele SWartinöIird^en. I)ie Seliebtl^eit 
be6 ^eiligen int ^jroteftantifd^en 5Deutfc^tanb berul^t 
ni^t nur auf feiner ®fite^ ®ered^tig!eit unb S)ulb*= 
fanileit gegen 2lnber^benlenbe in ©laubenöfad^en, 
fonbern anä) in ber 5Ratnen«öertt)anbtfd^aft mit beni 
großen JRefomtator ber d^riftt^en ^x6)t. 

!X)er 1^. äOtartin ift aber anäi ein Sinberfreunb 
unb bal^er bie ©itte, Äinbern ju SIKartini Keine ®e* 
fc^enfe }u ntad^en. 2)a$ l^ängt mol^l ntit ber unten bei 
ben ;,9Kartinö]^örnern'' na^er beleuchteten ©itte ber 
Dpf ergaben jufamnien. Sluf Silbern erfc^eint ©anct 
3Kartin öfter al« SKann, ber Slepfel unter Sinber 
öert^eilt 3n ^oöanb gunt «eif»3iel ift ber SIRartin^^ 
tag ein 3ugenbfeft ®ie Sugenb gfinbet groge geuer 
an unb tanjt unb fingt babei: 

©toolt SS^er an^ ntalt 934er 
©inte SKartin lontmt l^ier 
3Ket f^ne bloten Slmten 
^t) foube gerne loamten. 

b« f).: <Sttdt^^ treuer an^ maci^t geuer an 
S)er l^eiUge SOlartin tonintt l^eran 



120 

Sültt feinen bloßen armen 
. (Sr ti)ttt fic^ gerne »armen- 

Dtefem Zeitigen jn ßl^ren l^aben fid| in ber 
golge ©efeüfd^aften gebilbet, bie il^n jum ©d^ufe^ 
^jatrone erforen, nnb fid^ SDlartinögilben, Söiar* 
tinöbrüber, SIJlariin«männer nannten. SBenn 
nnn ber 11. SSlot)tmhtt l^erangelommen toar, \t^ttn 
fie fid^ gu fröl^Iit^en ©elagen, 3Kartinöf(^mau[e*= 
reien genannt, unb tl^aten fid^ red^t gätltd^, oft fo, 
ba§ fie ben ^eiligen in übten 9?nf l^ätten bringen 
fönnen. üDer Umftanb, ba^ gerabe um biefe ^üt — 
tt)ie fd^on bemerft, föüt 3Rartin auf ben IL §Wot)ember 
— bie SSBeinlefe enbet, unb man fid^ aller ®aben ber 
länbtid^en 9latur erfreuen lann, trug toefenttid^ ju bm 
ctioaö überf(^tt)engtid^en SKartini^Döationen bei. 3n 
bet Jil^at fd^alten bie JJranci^caner im 3a]^re 1487 
il^re ®egner: SKartin^mönner, b. 1^. ®d^tt)etger 
unb ©d^temmer. 

®n Sieb, baö bei folt^en Oetagen gefungert 
tt)arb, läßt bie J^örbung berfetben am beften feigen: 

.,®a« ®etb auö ben SEafd^en, 

35er SSBein au« ben glafd^en, 

©ie ®an« öom <S^it^, 

35a fauf unb friß — 

3Ber fid^ re^t ooü faufen fann, 

3ft ein rechter ÜRartin«mann." 

Slud^ bie gntftel^ung ber „aJi^rtinöl^örner'' 
grünbet fid^ auf eine biefen ^eiligen betreffenbe 
Segenbe. Der 1^. SHiartin fei einft frani getoefen unb 
l^abe bem S^obe nal^e auf ber @rbe ßegenb fel^r ge^ 



121 

ßtten* 35a fei bcr Xtnfd mit einem großen filntiflett 
§ornc in ber §anb t>ot i^m erfii^ienen nnb l^abc 
il^nt — ber S^eufel bent ^eiligen! — SSorteürfe »egen 
feiner ©ünben gemad^t. SÜiartin ertoiberte baranf: 
„Sl^rifti ©Int l^abe fie getilgt'', anf »et^e Sn.tgeg* 
nnng ber Sienfel ba« getb geränntt — SBa^ finb aber 
biefe 3ßartin« Isomer? 3« aßererft f^einen c^ 
Dpferfn^en gettjefen gn fein, tt)el(^e man bcm Sa^et 
lan, ber bie ßa<)pa lautete, bargebrad^t S)ie ^örner 
toaren nid^t« al« eine ^lat^al^mnng ber ^eiligens^ 
ftral^Ien, benn bie alten SJialer nnb Silbl^aner gingen 
bei Slnöfül^rnng fold^er fijmbolifii^er 5Ittribnte ettt)a^ 
berb jn SBBerle nnb fo ein ^eiligenftral^I anf einem 
alten Silbe fielet oft einem §orn äl^nlii!^. 3lai^ 
Slnbern »ieber tüären bie bei ben SKartinögaftereicn 
gebradjten S^rinfgefäfee „§ömer" genannt »orben, 
fei e« nnn il^rer gorm toegen ober in gefdjid^tftd^er 
{Reminiöccng, 

mer ber 1^* 9Rartin lebt nid^t bloß in ben ©änfen, 
ben ©d^manfen nnb Römern fort, er tritt no^ in 
anberer nnb f^timmerer ©efeüfd^aft anf, ober fpielt 
in „Slüer ^raltif ©roßmntter", wie man bie SBettet^ 
regeln nennt, eine 9ioße. ®o j. Sd. nennt man ben 
leibl^aften Sienfel: ,,ben Sebienten be« 1^. 2ßar^ 
tin" nnb rül^rt bieg bal^er, ba§ man anf älteren 
©emälben ben ^eiligen oft in ©efeöfd^aft be« „®ott^ 
feibeinn«" erblidt SGBieber eine anbere, aber nid^t 
näl^er erllärte 9teben«art melbet: 

SBa« ber ^- ÜÄartin nid^t öerjel^rt, öer^ 

jel^rt fein Sfet; 
and^ ate Senner gnten SDBeine« »irb er anfgefül^rt — 



122 

um ®t. 3Kartin ift jia meift Mc gefcjcit ju Snbc — 
inbcm c« öon t^nt fd^on im 16. 3a]^r]^unberte l^ie§: 

lj)er l^. STOarttn liebt SBcin gu faufcn 
Unb to§t baö SÖäaffcr gut SWül^tc taufen, 

waö offenbar mit bem S5auernf<3rud^ im 3^fötnmen^ 

^ange ftel^t: 

3u ©anct SWartein 
Srinft man guten SßSein. 

(Snbli^ ift ®. mattin SGBetterpropl^et: 

3u ©anct SKartin 
i?euer im Samin; 
aud^: 
3u @t SKartin »cnn bie ©törd^e lommen; 

ober: ©anct SKärten äRife 

3ö ber SDSinter toxi. 
unb: 
Sßenn ia^ 53ruftbein an ber gebratenen 
SKartinögan« braun ift, gibf« mel^r ©d^nee 
al^ Sälte, iff« aber lociß, mel^r tälte benn 

©c^nee- 
Sinige Seifpiele, »ie ber SSoßöfd^erj mit bem 
l^eiligen SWartin umfprang, mögen biefe ©^jrud^famm^ 
Jung f daliegen: 

©an SWartin war ein mUber 3ßattn 
5EranI gerne cerevisiam, 
Unb l^atf er nit^t pecuniam, 
©0 Heg er feine tunicam. 

Unb ber atte 3Soß«]^umorift ®eiter fogt: 
©an aiiartin gab ben 3IianteI, ein ©^jieler 
gibt $ofen, Sßamd unb ^emb. 



123 

ÜDarum er tioel^I j^^tttger i% ttenn er nadet 

feinem ^errn, bem 5EeufeI, na^rennt; 
unb: 

Zeitiger @an SWartin! bieg lebenblg 

Dpfer geb' id) bir/ 
^pxaöi bie gtau, ate il^r ein gaße ben ^al^n toegtrug, 
^lod^ tt)oQen mir l^ier einer bei ben nieberen 
englif(!^en S5oH«IIaffen öon Siebl^abern fel^r gebran(!^== 
ten SReben^art nnb Slrtigleit gcbenlen, »eld^e lantet: 
„Oh, my eye, Betty Martin", b. i, : D mein üebfter 
Slngapfel «ett^ 3Iiartin. 5Diefe Siebe^formel ftammt 
merftt)ürbig gcnng öom 1^. SKartin; fie ift nämlid^ 
eine S3erbre]^nng ber ^nfang^toorte eine^ lateini^ 
fd^en ©ebete« im latl^olifd^en örebier, ein 2ln«ruf 
on ben 1^. SWartin: „Oh mihi beate Martine", totU 
ä)tv na(i^ Slrt, »ie bie ßnglänber ba^ ßatein an«^ 
^pvtäjtn, gerabe »ie obige ©d^meid^etei Hingt ^*). 



$0$ Mtem iBei nn^ befannt, old: $o<j 
2;aufenb! ©a^jperlot! 

»r^o^" ift ein SCtt^brnd ber SSertounbernng. 
„?ßofe Selten" ift gnt fd^toeijerifd^ nnb babei ber 
l^eitige SSalentin gemeint. 

S!)er l^alf einft in ber ©^föei} einem (S^nmpan 
and ber Stemme. 6in Bürger t)on Bfirid^, Wlnlitv 
]^ie§ er, ntdtt nnb ftid^elte immer ben ©rafen 
^VL\>oip\) t)on $)abdbnrg, nnb biefer l^atte ed 
tängft fd^arf anf il^n. (Sined Z^aged reitet ber ®raf 
äberd ^^elb. Sen fielet er ba t)on SBeitem? ben gnten 
3ürid^er. 3l^n feigen nnb anf il^n loöf^rengen tjoax 



124 

(Stn^. müiUx backte: '^ gc^t fc^timm. mtt er 
tfjat, »a« no(^ ju tl^un »or. 6t lieg boö ScinHcib 
l^crab, nal^m eine ©teöuttfl ein, bie fic^ nic^t be^ 
fd^reiben läßt, unb rief bent ®rafen p: „®a bin 
ic^, §err; aber toenn S^v ein ed^ter JRitter unb 9tei* 
teröntann feib, fo »artet ein »enig, bi^ iä) mein 
Seinlleib lieber oben l^abe." ,,®ut/' f<)ra(^ JRuboIpl^, 
„x6) toxU »arten!" — „di, meinte ber aJiüIIer, 
fo mag nur ©an SSelten bie §ofcn l^inauftl^un, 
id^ nid^t." 

S)er ®raf öon ^ab^burg ladete unb ritt öon 
bannen* 

3loä) l^eute tebt ber ©pruc^: ,,®o jiel^* ©an 
SSelten bie §ofen auf*" 



äßann ©anct Tregor auf einem falben $engft 
über bie SBrütfe reitet. ®er „falbe C^engft'' ift ^ier 
ber SReif, ber fic^ um ©t ©regori (12. aRörj) auf 
bie tJelber legt, bem Äorn unb bem SBeine feinbüd^. 
9luf biefen $Reif nun »arteten ftet« bie Sorn* unb 
3Bein»ud^erer; fie fagten: „^ix »oöen Sorn unb 
Sein bel^alten, bi6 ©an (Sregoriuö auf eim fallen 
^engft über bie ©ruf »irb reiten,'' unb ladeten, 
wenn 9ieif unb $agel über'« 8anb fam» ®en 3Ser^ 
gleid^ mit bem „falben" f)engft nal^men fie öon ber 
^arbe be« Steife«* 5Dem ©prud^e liegt aber eine arge 
SSer»ed^«Iung bed l^eiügen ©eorg mit bem l^eitigen 
®regor gu ®runbe. ©er ^. ®eorg (oon ber Sird^e 
gefeiert am 23. Slpril, ein befonber« öon ben §au«^ 
Ferren in (Sl^ren gel^attener |)eiUger) »ar ein Stitter 



125 

er tft bcr bcfannte Drad^cntöbtcr, bcr immer l^od^ 
p 5Roffe, geiüöl^nttc^ im fiampfe mit bem 5Dra^en 
obgebilbet »irb, 3lIfo eö foöte l^eißen: „SSann ber 
l^^ ®eorg auf einem falben ^engft über bie örüde 
reitet'', toa« aber nid^t jutäffig ift, »eil eben ber 12. 
3Kärj, be« 1^* ©regorö 2^ag, »egen beö gefäl^rlid^en 
Steife« ein S5auernIo«tag ift. Der ^. ®regor (geb. 
um 540, geft. am 12. ÜBärj 604) trat aber fru^ ju 
5Rom atö ÜBönt^ in ein Älofter, tourbe 585 Slbt unb 
589 römif^er «if^of, »a« fo öiet ift ate ^apft. 
®regor, oft ®regor ber ®roSe genannt, in ber ^rd^c 
ate ber öierte Sird^enöater öerel^rt, wirb alö SSer^ 
befferer beö Sird^engefangeö — nad^ il^m fül^rt ber 
®regorianifd^e ®efang ben 5Ramen — angefel^en; 
i^m JU @^ren namentlich in ©at^fen öon ©d^ülern 
unb Seigrem ba« ®regoriu«feft gefeiert, mit toetd^em 
frommen Sraud^e bie @agc, ba§ er in ijolge feiner 
Slbneigung gegen bie alten ßlaffifer, bie ^alatinifc^e 
Sibliotl^el ^abe verbrennen laffen, nid^t gut in (Sin* 
Hang gu bringen ift. Um alfo auf unfer ©pric^toort 
JU fommen, ber l^* ®regor toirb in bemfelben al« 
auf fatbem §engfte reitenb öorgefteüt — »elc^e aJie*= 
ta<)^er für ben JReif benn bod^ nur auf ber S^l^at*' 
fad^e, ba§ er überl^aupt gemöl^nlid^ ju $ferbe ge* 
feffen, berul^en fönnte. 5Run aber fa§ nic^t er, fon* 
\^tvci nur ber ^. ®eorg ate SRitter ju ^ferbe unb 
bie Ste^nlid^feit ber 5Ramen mag ju fpric^iDörtlit^er 
SSertoirrung 5lnta§ gegeben l^aben. Ueberbieß ftört 
e«, »enn ber % ®eorg ftatt be« % ®regor gefegt, 
nic^t im ®eringften ben ®inn be« ©pric^ttjorte«, 
benn ber SReif am ®t. ©eorg^tage, am 23. Slpril, 



126 

tt)o btc 5Rotur in Äüem bei toeitctn üorgctfidtcr, ober 
ttod^ immer nic^t fo weit öorau« ift, ba§ il^r ber 9ieif 
nid^t empflnbßc^en ©d^aben iufügen fönnte, fantt nod^ 
ein fel^r bebenfUd^er Oaft fein* 



@ü^ fein toie SWarji^iam 3m 3o^re 1407 (noc^ 
Slnbern 1480) »ar in ©ad^fen ein fo falter ©ommer, 
bag aöe ^VLä)U öerbarben nnb große ^ungerönot^ 
folgte. Die JKenfd^en »aren gejwungen, $en unb 
®raö ju effen, benn ein öiffen ©rot, nur fo groß 
wie eine toelfc^e 5Ruß, foftete 3 Pfennige. @^3äter 
bnf man jnr Erinnerung an biefe fd^were 3^^* ^ö* 
jiäl^rlit^ am 3Karcu^tage äl^nüd^e Keine Sröbc^en 
unb nannte fie ,,5D?arcu^bröbc^en'^ auf tateinifd§ 
Marci panes, bal^er bann 3Jiarji^3an, l^eutjutage ein 
beliebte« ^ndcxtotxt unb au(^ Sebfuc^en mit todf)U 
riec^enben ®ett)ürgen. 

?lad^ anberer Deutung fott ber Srfinber biefer 
Sederei ein Italiener, 5Ramen« 3Kargo, getoefen 
fein unb öon biefem ber 5Wame l^errül^ren. ÜDie erftere 
Deutung ift aber bie rid^tige. 



V. 



dllimpf untr 5d)impf im 1lolk0l)ttmor. 

!Dtefc abt^cilung leitet fid^ öon felbft ein, fte 
bebarf feine« Slnmelben«, benn für ben $utnor [teilen 
in ber gangen SBelt aöe S^l^üren offen. 5Dian fragt 
nid^t; ob er falonmä^ig angezogen fei; 9Wenianb blidft 
iljm anf bie Süße tt)ie in ©nglanb bie fetfen Se^ 
bienten onf bie Öadftiefelettenberanguntelbenbcn^em^ 
ben. ©er §umor ift ein §erotb, bem ouf ben erften 
2^nbafto6 bie ©rfjranfen geöffnet toerben ; ber S5off«=* 
^nntor, obgleich er öom 3SoIfe ftammt^ ift ritterbürtig, 
er fül^rt im 3GBapi)en ein frol^e« §ers im blauen 
gelbe. SBBir fül^ren il^n alfo ein unb in ber S5eforgni§, 
er fönnte feine ®atf|e nid^t ganj gut mad^en, fo 
laffen ti)ir il^n fd^on nad[) bem Eintritte fogleid^ beim 
SKufilantentifd^el fifeen. 



%m aJhiftfatttcttttfdicl ft^em 3Kan ^ört bieg oft 
in ©aftl^äufern fagen, toenu einzelne ®äfte an Meinen 
2:ifd^en ^la^ nel^men; auc^ bie ©eitentifd^e in ben 
Stöftem für untergeorbnete @eifttid§e unb unbebeu^ 



128 • 

tcnbc ®äftc l^icßcn fo. 3öir feigen atfo, ba§ totr ed 
l^ier mit unfern „Safecntifci^rfn" ju tl^un ^abcn. S^r 
Urfprung ift folgcnbcr: !Dtc Slariffinncn, toclt^c, btd 
fic öon Satfcr 3ofcp]^ II. aufgclöft tourbcn, cfjcbcm 
in Ungarn fcl^r begütert waren unb in ^reßburg 
il^ren ^auptfitj tjatten, naljmen nur ©old^e in ben 
Drben auf, bie enttoeberSlbel ober 9teid)tf|ümer hinter 
fid^ l^atten, ober, »enn ft^on bürgerüd^, in 2JJuftI unb 
®efang bezaubert »aren, fo ba§ fie für ben ß^or 
erfolgreich toirfen lonnten. JJür biefe unb anbere im 
Stange ben ariftolratifd^en grauen narfjftel^enben 3Jiit^ 
gtieber ober ®äfte war ein eigene« 2iifc^c^en befteßt, 
ba« nad^ bem §aupt'erforberniffe bei bürgertid^en 
ßanbibatinnen „ba« SWufüantentifd^eP genannt 
warb. 5ln biefer ßtiquette Rieften bie ftreng arifto^ 
fratifdien £)amen fo feft, ba§ felbft 3nteüigenj unb 
fd^on befleibete l^öl^ere SBürben, öon biefem 5£ifd^d^en 
md)t bidpenfiren lonnten. 

* 

©anb in bie SDigen [treuen* ®iefe JReben^art, 
ober ein 3a^rtaufenb alt, ift noc^ in ber 3Robe; 
fie ^at aüe StiUn, aüe ©^fteme überbauert unb 
ift ftete in Sl^ren geblieben, weniger bie, bie oon 
tl^r ®ebraud^ gemad^t üDie SRebenöart frfjreibt fid^ 
öon ben oI^m}3ifd^en ©pieten ^er. SBenn in benfelben 
ein SBettlauf ftattfanb, fo öerliegen aöe äBagen auf 
ein gegebene« S^^dfien il^ren ©tanbjjunlt* !J)ie SRenn^* 
ba^n war mit bem'feinften ©anbe bebedtt unb bie 
leid^teften unb rafd^eften SßJagen wirbelten il^n in 
bid^ten SOBoKen tmpox, bie ben nac^folgenben nid^t 



129 

nur bie 9tenn6a]^n t)ttf)Mttn, fonbetn anä) i^u 
©el^Iraft on unb für fid^ toj^nttcn. 2Bcnn man olfo 
Semanbcn ftatt iljn auf bic eine unb einjtge ^Jäl^rte 
ber äBal^rl^eit ju führen, burt^ aüe äßinlcljüge, 
Äreuj unb Quer unb jule^t fogor irreführt, fo 
»enbet ntan treffenb obige SReben^art an ^^). 

Dti ^U Hon Sinnen^ ber WtH Hon £n$. 

Dicfe 9ieben«art, elgentttc^ franjöfifc^enUrfprunge«: 
„A poalx de toile m^decine de drap" t)erban!t foli* 
genbent 93orfaQe il^re @ntfte^ung. (Sin Weit kourbe 
ju einer Iranlen ©ante gerufen* Site er il^r ben ^ute 
füllten tooöte, gog fie in jener falfd^en aSerft^ömtl^eit^ 
»eld^e eö nid^t geftattet, ein entblößte« §anb^ 
gelenl ju {eigen unb totlä)t einen großen Zil^eit be« 
f(]^5nen ©efd^tec^td unaudftel^Hd^, aber beß^alb 
nid^t el^rtic^er ntac^t, ben Slemtel il^re« Sflaiftiitmh^ 
über bie $anb, brel^te i^n oben gu unb l^ielt fo bie 
Don Sinnen t^er^üQte yitä)tt beut §(rjte entgegen. 
S)er 5lrjt, ein ebenfo feiner aU einfid^tööoüer unb 
loi^iger SDiann, nal^m nun ben ^\p\tl feine« Dber^ 
rode«, fd^tug benfelben um feine $anb unb griff 
mit biefem iniproöifirten gäuftting ber ÜDome ben 
^ute, bie ^rocebur mit ben äBorten erflärenb : „für 
einen ^ul« oon Sinnen gel^ört ein ?lrjt öon Znä).** 
35ie Slntoenbung biefer neuen 9ieben«art ift analog 
jener be«: „SBie bu mir, fo xä) bir/' oberin berber 
gaffung ber be« altrömifd^en: „5luf garten SIo^ ge^ 
l^ört ein l^arter teil ^ß),« 



130 

@r ffdt We »ter ©♦ aSScnn eine ®})attterttt tl^ren 
Sieb^aber ganj befonberd (oben milt, fo fagt fie t>on 
il^nt: „Tiene las quatro SS," b, ^^ er l^at bte biet ®. 
@ie nin§ nömUc^ ttjtffen'^ ba§ er enttt)eber: Sabio 
.(tt)eife),Silencio8o (öerf (^wiegen), Suave (fanft), So- 
licito (aufmerffom), ober: Sagaz (totfeig), Silencioso 
(öerfd^iDtegen), Suave (fanft) unb Suntuoso (freige^ 
big) fei, ober tt)ie tt)ir and^ im 35eutfcl^en öon einem 
SRcibd^en fogen fönnen: fd^ön, fonft, fittlic^^P^^f^^^^ 
»äl^renb bie aßäbc^en ba^ 9ted^t ^aben foQten don 
einem üRanne ju »erlangen, ba§ er fc^teeigfam, ftarf, 
fotib nnb ftanbl^aft (tren) fei* üDiefe ttjie bie obigen 
fpanifr^en ^oftnlate finb fo giemtid^ bie JJorbernngcn 
aüer grönen, aöer ^immeteftrit^e , aüer Stationen, 
Tout come chez üoub, barf man fagen. !J)ie JJran* 
}5fin aKein n)ürbe bieUeif^t mel^r SBert^ anf bie 
quatre epingles," »etd^c fd^on in ben „l^iftorifd^en 
SBörtcm" ertäntert finb (®. 86 Sfix. 64), ate anf bie 
„öier ©" legen* 

Qm S)entfd^en ^aben loir aber bie fänf @ im 
@)>rtd^tt)orte, nnb biefe bilben bie fogenannte ®e^ 
butbtafel, tt)eld^egans einfad^ fo an^fiel^t @«@.®* 
@. @. 338er il^r erfter Grfinber ift, ift nnbefannt 
!X)er 9[rd^ibiaIon SR. i^aber ;(n ^MiatSf fanb fie 
eined Zaqt^ anf ber ©tnbentl^äre eined fd^tt>cr 
Manien anfgefdirieben, ber anf bie f^age ffaberd, 
»a« biefe fünf ^. bebenten, ertt)ieberte: ,,®ad ift 
meine ®ebntbdtafe(, bie mid^ im geben oft getröftet 
l^at. ,,©00« ©ein, ©o ©t^idft ©ic^'«/ 



131 

Est, est, est! @o finnlod bie bretmaUge SSieber^ 
{jotung btefe^ lateinifd^ett SBörtc^end fc^etnt^ bad ju 
bcutft^ nic^t^ »citer aU: tft, ift, tft ^ctßt, fo gibt 
c^ bafür boc^ eine minbeftenö l^otbofficieöe J^ifto^* 
riffle ÜDeutung, infofern nämli($ eine berfil^ntte $er^ 
fönlit^Ieit— e« nennen Sinige 3acob Suflfl^t öon 
älugdbnrg^ — bie ^anptxoüt babei gefpielt l^aben 
foK. 9Ud biefer näntlid^ dtatien befnd^en looQte^ 
fanbte ber uorfid^äge äßann feinen ^antmerbiener 
Doran^^ nnt an k)erf^iebenen Orten ben SB ein jn 
üertoften nnb xf)m bann bie beften QneQen jn Der^ 
ratl^en- S5er SDiener tarn biefer geiftreid^en ©enbnng 
anfd 3efte nac^^ toftete el^rli^l nnb badete babei and^ 
feine« $enn, inbem er an jeber Za\)ttm, beren 
äBein il^nt erf)robt fd^ien, ate SlüDifo für bie $err^ 
f(^aft bed ©orteten ^Est" anfd^rieb, mit tteld^er 
tnrjen daffifd^en ^egeic^nnng er fo t)tel fagen tooUtt 
al«: „$icr ift gnter Sßein!'' 33iefen Sln^jreifungen 
bed getreuen 3)ienerd foH nun ber $err nid^t nur 
nirgenb ein Dententt gegeben, fonbern fein Sinoer*' 
ftanbnig f o fel^r burc^ bie Zf^at erprobt l^aben, bag 
er enbtt(^ felbft bem großem ^errn ertag. Sie l^arm^ 
lofe britte ^crfon be« lateinifd^en $iIf«aeitttorte« 
(tta^rfd^eiuHd^ lam biefea fflr i^n öom ,,^ittüber^ 
Reifen" l^er) »ar fein Zob. IDer S)icner lief i^mtal^er 
auf ben ©rabftein ba« (SpitcOff) fe^en: 

"Est, est, est! 
Propter nimium est 
Dominus meus mortuus est! 



9 



132 

3ft, i% ift ! 
SSon bcm gar ju ötelen 3ft, 
3ßctn lieber §err geftorben ift ! 
SSBenn ber ©efd^id^te ju glauben ift, fo l^Ätte 
r^uggerd. Wiener an bad S^l^or Don Monte Fiascone 
mit riefengrofen Sud^ftaben ein breimalige^ Est, Est; 
Est aufgezeichnet unb n^&re aud^ bort fein ©ebieter 
feiig im ^crrn entfd^tafen. !E)er bei Monte Fiascone 
einem ©täbtd^en im ^ird^enftaate, n^at^fenbe Sein 
aber, eine föftUd^e ©orte aßuöcateüer ©ein, fott 
nod^ l^eute ben Flamen Est^ Est, Est fül^ren* 

S)a« Est, Est, Est mit bem «eifa|e propter 
nimium est ift aber gur ftel^enben 9iebendart gett)or^ 
ben, angen^enbet bei i^euten, loeld^e in ?$oIge }u dielen 
STrinlend baö 3riäid^e gefegnet l^aben. — 3)er atte 
älpop^tl^egmatift goren; Sincqtt\^^tittiVL\aim: 
Bum, es, est, barauf l^alte deft 
sum, BUS, sut, niemals gut tl^ut 



äßaulaffen feil |a(ett« fßlan fagt bieg bon iun^ 
gen, gebanfentod dor fi(^ l^inftarrenben 3ungen, beren 
Sßaut begl^alb aber nid^t immer offen p fein brandet, 
iDenn gleich ha& offene äKauI ber Steben^art ©e^atter 
geftanben« 

S)ie ganje 9leben9art, koie fie baftel^t, l^eift 
weiter nid^t« a(«: ^ba« SWauI öiet offen l^aben*" 
S)ie 9tieberbeutfd^en fagten n&mttd^ f))ottenb k>om 
mäßigen ÜDafte^en unb blöben !£)reinfd§auen : „S)at 
^uut oeel apen l^ebben/ S)araud lonnte ein 9lebud^ 



133 

mad^er naäi einigem ^vip^m unb ^ttttn aQerbittg^ 
j^erauöbringen: „Wlvirxia)ftn beet l^ebbcn/' ober: 
„üßaulaffen fett l^aben/ 

2)a8 'bringt eine ftVimntkn^ um. @ine fpeciflf(^ 
toienerift^e JRebett^att^ »eltJ^e fagen toitt: ©ad ift 
mel^r, atd @iner t)ertragen tann! !Die Umurte ift 
l^ier im Sargon bie ®urf e — offenbor aM Änlu»« 
mer, loie bie ®urte (ateinif(^ (cucumer) l^ei^t, 
öerberbt. ÜRan fagt aber biefer nacj^, ba^ i^r nid^td, 
tt)ad man aud^ mit il^r beginne, fd^abe, nic^t l^ei§ed 
©äff er, nid^t ©alj, nid^t Pfeffer, nit^t Sffig; »enn 
bie Unt)ertt)üftlid^e bal^er gteid^mol^I t)on etmad ahge^ 
griffen nnb „umgebrad^f" loirb , fo mng ed toad 
Stec^ted fein, moräber man n6tl^igenfat(6 and^, »ie 
SBiener gu fagen »)flegen, „anö ber $aut fal^ren" ober 
^in rinen ^lu^er l^ineinf^jringen" fönnte- 



@inctt 5inter^8 Sid^t fiH^rrm (Sifelein meint, ber 
©inn biefer 9iebendart: @inen überliften nnb be^ 
trägen, ba§ er*« fanm merlt, rfll^re bal^er, ,,ti)rft 
man l^inter bem Sid^te Diel minber Dorwfirtd aber 
bad Sid^t l^inand fielet, ate menn badfelbe l^inter 
nn« anfgefteüt ift, ober öon nnferm {Rüdfen l^er in 
bie 9iid^tnng einföQt, nad^ meldjer auc^ nnfere Singen 
fid^ toenben, »ie toir g* Sd. SKorgenö ^xü^ beim 
©onnenfd^eine öiet beffer unb Karer nac^ ffieften, fo 
tt)ie Slbenbd mit bem diüden ber untergel^enben @onne 
gugelel^rt, biet bentlid^er nad§ Often feigen." 



134 

SBir glauben, ha% l^ter bie rid^ttge @rf(&rung 
aM beut innetften ©d^a^e bei ©^ra^e unb t)on 
fc^tDanten Analogien l^ergenontnten toerben tnüffe. 
G« gitt bie etgentl^e ©ebeutung beöSBorteö ,,l^inter'' 
in biefer Siebendort ^craudgubringen. S)a glouben 
toir nun^ annel^men p burfen, ba§ „leintet" l^ier 
entfd^ieben nur bad ©egentl^eil üont Sid^te, n&ntlid^ 
ba« iOunfel, bie fjinftemi^ ju d^arafterifiren ^obe, 
nid^t ia^, koad hinter einem anbern ©egenftanbe 
nod^ immer fid^tbar ftel^en tann, fonbern toa^ gleic^^ 
fam tt)ie auf SKünjen, bie äöeröfeite bilbet 
„hinter« 8id^l fül^ren" toätt bemnad^ nid^t blog in 
eine un))affenbe, unangeneljme ©teQung jum Sid^te, 
fonbern ganj and bem Sid^te bringen. 

Snan fel^e nur bie 9tebendatt: „Sln'd Sid^tbrin« 
gen*'' 903ad l^eigt bad? iDod^ offenbar: aud ber^^n« 
ftemig }um Sid^te bringen, and ber t^nfterni|, bie 
leinten jurüdfbüeb, bad ^Ijinten'' obenbrein in feiner 
moralifd^en Untertoürfigfeit unter bad im SSorber^ 
grunbe ftel^enbe, aufgefaßt „^interd Sid^t führen/' 
alfo: bortl^in fixieren, loo bad Sid^t ni(^t ift, alfo 
aud^ nid^td an'd Sic^t fommen tann. 

f^fir bie Sluffaffung bed l^ier fo entfd^eibenben S3or^ 
toorted l^aben loir au(^ nod^ ein befannted 9teim« 
lein ald ©eio&l^r: 

©ed^d mat fed^d ift fed^d unb breißig, 
3ft ber aWann au(^ noc^ fo fleißig, 
3ft bie Sirt^in Ifiberlidfi, 
®el^t bie SBirt^f d^ af t hinter pc^/' 

OD. 1^. fie fSQt in ^ac^t unb 9lid^td, bad birecte 



135 

^egentJ^eit don ®ebeil^en unb ^^loriren. S)ie 9^egation 
ift htVLttiä) genug. 

3n alten frangöfif d^en ®^ru(!^f antmtungen l^eigt ed : 

!Die Serge, bie Dom gel^t, leuchtet «beffer, a(d 

iene, bie leinten gel^t 

La chandelle qui va devant äclaire mieux 

que Celle qui va derri&re. 

@« ift ober borunter ein fe^r ft^öner @inn öer* 
borgen, näntlit^ obige Stebendort begiel^t fid^ ouf bod 
3(ünofengeben , toenn e^ rofd^, freubig unb ol^ne 
9teue gefd^iel^t 2)o^ ®elb, meld^ed' man dorou^ gibt/ 
tl^ut ni^t toel^. 93oraud}a|Ien ift beffer aU nod^« 
sollten. 

@etn ®tlb in bie ®nibe werfen. D. ^. feine 
Sopitotien im ^ergboue onlegen, tood bei bem meift !oft« 
fpieliger ©rubenbou öorlömmt Slber fd^on bie Orube 
an unb für ^\iä) ift ber begeid^nenbe Su^brucI für 
IBergbou, unb bod ®prid^tt)ort n^enbet fid^ überl^oupt 
gegen biefen ol^ unoort^eill^oft für bie ©elbn^irtl^^ 
fd^oft ÜDer Doüftönbige ©»)ru(^ tontet olfo: ,,Die 
Süte, fo il^r @etb bi Xog in bie ®ruben loerfen, 
unb bi Sic^t (©rubentid^t ber Sna))))en) U)ieber 
fud^en, finb »ol^I nit red^t gefc^eib!" 

@o fogt man fo gonj treffenb oud^ bei fonftigen 
Untemel^mungen : „fein ®etb »o l^ineinftedten" unb 
„c^ »ieber l^erauöfriegen." 3m obigen ©^jrid^toorte 
liegt ber SBi| im ^erüor^eben ber SHbernl^eit, bog 
man etn)a6 bei ^eüem 2!age t3ern)irft, um ed mül^^ 
fom, mit bem Sid^t in ber ^onb, bod obenbrein eine 
S(udIoge uerurfad^t; toithtx ju fud^en. 



136 

6ine fotd^e nattonalölononttff^e Sllbeml^eit be^ 
gtttfl ttjol^l arxi) iener ^riitj, itt, um einem armen 
Äinbe gut äBieberertanöung etned öerlomen ©rofd^en 
ju öerl^clfen, ein ©ufeenb gadetn anjünben unb 
fu(]^en ließ, unb bann, ate mon nid^t gef unben , fein 
©ebauern auöbrüdte unb ben toeinenben Sungen 
ftel^en Keß. 

* 

@r tl^etlt mit t^m^ lote bet $faff üon Mtnitti 
mit be« ^erjog» S^ttnoart 5Diefer befannte ©d^atl 
machte bem $ergoge ty^xt Defterreic^ (Otto bem 
^eunbüd^en) einen großen gif(^ jum ©efc^enfe. !Da 
er aber itm 5i:]^ür»art bie §ölfte bed 2irinfgetbed 
Derfpred^en muffen,! fo bat er nm nidit« al6 einige 
SRauIfc^eüen, bie er bann reblid^ mit bem Si^firtoart 
t^eitte. 

* 

»er U9 Srant3al|rab Ijötte! S)a« ^autSa^rab 
ift ba«felbe, toetd^e« bem etoigen 3uben gegeben 
ttorben, auf baß er nimmer fterbe* Slber e« l^at il^m 
nid^t iDol^Ibelommen. @r ftarb jmar nic^t, benn bad 
Sraut 3al^rab erl^ielt il^n immer im fd^önften mönn^ 
lid^en ällter, aber tro^bem mürbe er balb teben^^ 
mflbe, fal^ mit neibifd^en SdMtn auf jiebe^ ®rab, 
mürbe beim äinblide jeber l^infterbenben Sdinmt mit 
namenlofer S^obedfe^nfud^t erfüQt; jiebod^ dergeben^, 
ba« Äraut 3a^rab ^inberte bie (Srfüüung feine« 
9ßunf(^ed gu fterben. @d ift mand^mat gang gemaltig 
geJ^eimnißboU, menn ber S3oRdmunb bid^tet o^ne 



137 



aicim unb S3cr«fu§. SÖenn c« im SSoßdf^jrud^ l^ct§t: 
„Ser bad ^aut 3a^rab ptte, bem toäxt gel^olfen/ 
fo möd^te man bod^ na(^ bem Stempel, bad und ber 
eiotge 3ube gibt, fd^ier baran sioeifetn. 



« 



^btS^ioht^ (I^kespokes) treiben* üDiefe finnlofe 
^^rofc x% toic g. ö. „«limiblami/' „m^äiimaW," 
„®xmptl^®tmpti" auö bem öeftreben entftanben, 
@e(bftlaute burd^Sieberl^otung ober ©egenüberfteUung 
jtt einem n)i|igen, Happemben StingKang ju brin^ 
gen. SOian leitet ed t)on bem Idolen nnb bo!en ber 
Rnaben f)tt, »ie „3i^t^^i^ti'' bom gerren nnb 
mn tren ber ^a^e; 9(nbere, n)ie XiQotfon nnb ßant, 
nel^men bad ^oln^pofnd don ben Sorten ber @on« 
fecration bed Slbenbma^te: „Hoc est corpus etc/* 
^er- SBir fteüen bie SBa^I frei. 

!&em ©inne nad^ ift ^oln^potnd g(ei(^6ebentenb 
mit: „Slonen !Onnft machen", „ein 36 für ein U 
mod^en'^ teere«, tänfd^enbe« iJormetoefen o^neSinn 
nnb ®eift, ol^ne Sraft nnb ßrnft treiben; nnb nac^ 
biefer älnioenbnng loerben mir an bie m^fte^ 
riöfen, n)eU eben nid^tdfagenben ©prüd^e nnb f^ormeln 
im SQflnnbe angeblid^er ^anbtttx nnb ^e^enmeifter 
erinnert. 



VI. 



• 

gtnc 9lu«ti)aI|I bct JRebcn^artcn über bie ftetö 
jDiüfomnicttett ©cnüßc bcr S^afcl feilten in biefcr tUU 
ncn ©ommlung um fo tnel^r om ^lai^z, ate ia fd^on 
bcn grauen unb ber . Siebe ein trauüd^e^ ©d^ntoü* 
»inleld^en eingeräumt »urbe unb bie S^ifd^freuben 
l^intiJieber manchen SSerel^rer ^aben, ber öon ben ijrauen 
unb öon ber Siebe nid^tö »iffen toxU. üDie Siebe 
tebt öon!J)uft unb Suft; aber ni^t Mt^ tiebt unb 
ift öerliebt SBa^ bem Sinen red^t, ift bem Slnbern 
MQig ; id^ mu^te^ ba id^ bie Siebenben unb ba^ fd^öne 
®t\ä)Uä)t bebad^t, aud^ baö ftarle ©efd^ted^t in mein 
3ntereffe jiel^en unb war fogar bemül^t, in ber 9lu^^ 
tt)a^I bie ^aiji ber ^tüdt cinju^alten. 



^xtvlUm ®öft, eine Saft — ®ifelmal|lc 
l^olten« 5Da« beutft^e ©enjugtfein ebler ©aftfreunb^ 
fc^aft fträubt fi(^ »ol^I biefe ^l^rafe ju unterf (^reiben. 
3nbe§ feine ©orgc; bie ®ad^e ^at nur einen polU 
tifd^en, cigentüd^ polijeilid^en ©tacket. 5tad^ 
ber bei unfern S5ätim gettenben 3Serfaffung »arber 



139 

mtti) für feinen ®aft unb bcffen Xf^m unb gaffen 
t)erantn)ortIid^ , toenn er il^n länger aU jioei 
%a%t bei fi(| l^atte« ÜDa ntod^te freilid^ ntand^ent 
SSBirt^e »arm geworben fein, toenn fein ®aft j- ©. 
ein f)oIitifd^er §tüd^t(ing n)ar nnb bie gaftUd^e ®täitt 
DieQeid^t 8 ober 14 unb ntel^rSage lang ju gefäl^r^ 
lid^en B^f^^^i^^ttfünften benü^t l^atte. 

Uebrigend muffen n)ir fd^on belennen, bag aud^ 
bad anbere t)oxUmmt, namlid^ iene SSerle^ung ber 
©aftfreunbfd^aft SSJir braud^en nur an ben l^eutigcn 
@tanb unferer @it)iIifation in ben @täbten unb an 
ben ßonöerfationöton, mit aü feinen leeren ^l^rafen 
unb Sügen, ju erinnern. 3Ran fömmt enblid^ jur 
Ueberjeugung, bag man nid^t6 tt)örtti^, am menigften 
eine gaftlid^e (Sinlabung, }u nel^men l^abe. 3n 
unferem töglid^en ©ein unb ©ebal^ren »irb ein brei*^ 
tägiger ®aft, tDtnn er au^ ein tpiUIommener bei 
feinem Eintritte toar, tt)ir bürfen led fagen: in 
öielen ^äütn, eine ßaft 

@6 l^anbelt fid^ bann nur, tt)enn und fd^on fo(d^' 
eine Saft aufgelaben tt)orben, fid^ möglid^ft anftänbig 
öon il^r ju befreien. 

3u 9lufe unb frommen für fold^e UnglüdCKd^e 
berid^ten toir, toie ber 3lbt gu SJiurl^arb, ^erbolb 
©tttegot— fo genannt, toeil er bie ^l^rafej ^©ütiger 
©otf- ftetd im aßunbe führte (im 3. 1473) — ju 
l^elfen tonnte, aU ed gatt, fid^ einen großen Slufgug 
abeliger ®äfte t)om Seibe ju fd^affen. (Siner barunter 
n)ar aber befonberd l^artnädtig unb tooUtt nid^t gelten. 
!£)a fragte il^n ber ^bt eine6 Staged, ob er tt)iffe, 
marum ber $en nur brei >£age im (^rabe gelegen? 



140 

!Da bcr ®aft cö nld^t tougte, gab er il^m bcn ®c^ 
fd^cib: „3)cr §ctr »ärc nad^ feinem SCobe tnt ^ara^ 
biefc getoefen unb l^ätte feine grennbe, bic ^atriard^en 
unb ^xopiftttn, befnd^t ©aniit er aber nid^t über^ 
läftig n)erbe^ l^abe er fi(!^ nad^ brei Ziagen aufgemad^t, 
öon il^nen äbfd^ieb genontmen unb fei bann auf^ 
erftanben". 

Derfelbe 3lbt lieg abft^tlid^ bie SBege unb ©tege 
um fein Älofter l^erum öerfaöen, unb barüber befragt, 
meinte er: „Säoi^ gütiger ®ott, e« fommen mir fo 
be^ böfen 3&eg mb @tegen ber ©öfte nur ju t)ie( 
l^erein/' 

Sine anbete 5lrt ungebetener ®äfte, öon bencn 
man oft fagen mod^te öiettögiger ®aft ift 
eine 8aft l^at bie l^öd^ft unl^eimüd£|e 9ieben0art: 
,,®ifelmale 1^ alten" l^eröorgerufen. S)aö »arcn 
ganj eigentpmlid^e 9ßal^(}eiten, bie iebod^ in nur menig 
öeränberter ijorm fid£| biö auf bie ®egen»art erl^alten 
l^aben. 

(S^ toar nämtid^ fd£|on in alter ^At üblid^, einen 
fäumigen, gälten @dE|uIbner }ur 3^^tu^9 baburd^ ju 
3n)ingen> ha% man fid^ bei il^m einquartierte, bid er 
„l^erau^rädtte/' Site ein 9ied^t l^at bieg bcr ^erjog 
SJerd^toIb öon 3^^^i«9^"f ^^^ 2lbel juwiber, fan*» 
ctionirt, au« ©träfe bafür, bag biefer il^m gwei ©öl^ne 
öergiftet l^atte. SKan nannte biefen Sraud^ ba« ßins» 
legen, ba« xoa^ mirS^ecution, nämlid^ ben beim 
©d^ulbner einquartierten ©olbaten gur Eintreibung 
ber ©teuer, nennen. 

®ifet ift fo diel afe ber ®cifel, unb biefe 
9ioIIe fpiett l^ier ber ©d^ulbner, ba man fid^ burd^ 



141 

biefc^rocebur feiner ^erfonöcrfid^crte, unb in ber 2^at 
melft fo t)iel bamit ettüirfte, ba§ ber „®ifel" öoßenb« 
rulnirt tturbe. ©al^er l^eißt e« aud^: „SB^t baö ©eine 
bergeubet ffat, ber muß ben ®tfel effen/' b* 1^. bem 
ßtniager ober ®tf eint al^Ic nadijlel^en ^'^). 

®e<)fef[ert- — 2)a fi$t ber ©af im Pfeffer. 

Pfeffer ffot jtoeierlet ©ebeutungen; näutftd^: ate 
ba« befannnte ©etoürj felbft, eine Soloniatoaare; 
bann ate eine ftarf mit Pfeffer öerfe^te ©rül^e 
(Sauce). Se^tere ©ebeutung ift g. SS. für bad @^)ric^^ 
wort: „©afitjt ber f)afe im Pfeffer'' beigugiel^en, 
weit ba« ^afenfleifd^ in einer braunen ^fefferbrül^e 
genoffen ju »erben pflegt; toorauf fd^on öiele ältere 
©prüd^e, ate bei Sranbr ,,SD3o il^m ber §a^ 
Im Pfeffer tit;" ober bei »utier: 

@ie fal^^ tff er ben 3Runb gefpifet, 
©d^on, too berf)a« im Pfeffer fifet, 
j^injieten. !E)er fromme äöunfd^ aber: „S33örft bu bort, 
tt)o ber Pfeffer toöd^ft,'' ift öon bem ®ett)firge felbft 
unb jioar toa« feinen fjunb ort 'betrifft, l^ergenom^ 
men unb fagt: äßöc^teft bu fo toeit t)on mir toeg 
fein ate jienee 8anb, in bem ber Pfeffer loäd^ft, b* l^^ 
nad^ unfer SUIer äSiffen, fel^r koeit 

3tt anberen ©prüd^en geben bie n fi d^ ft en 6 i g en^ 
f d^af ten bed ©etoürjed felbft, bie beigenbe, fted^enbe, 
priletnbe SBirlung auf ben ®ef d^madt«finn , feine 
encrgifd^e SSBirlung auf bie Singeweibe, bie fel^r fül^t* 
bore d^emifd^e SSeranberung eined ®erid^ted, bem er 
beigemifd^t ift, ©toff unb äJeranlaffung, unter anbern 



142 

gut 9tebcn«att : „S)ad tft fle^fcffert/' toomit tölr bcn 
übertriebenen ^ret« einer SBaore d^araltcrifiren. ®ne 
irgenbn)o aufgetand^te (SrHörnng biefed (Bpnd)\x>otM^ 
bie J^erau^snfteQen fud^t^ bag e^ and B^ttn ftamme, 
in benen ber Pfeffer l^odi im greife ftanb, mn§ Slnge^ 
fid^td ber fprad^Hd^en ^el^elfe, bie in bem SBorte 
Pfeffer liegen, energifd^ gnrüdtgewiefen »erben. 
@9 ift bantit tool^I nnr gefagt: ^ie SBaare l^at einen 
^rei«, ber nnd fo frappirt, anf nn« eine eben fo 
angreif enbe/ fted^enbe, bei^enbe SBirfnng mad^t, loie 
Pfeffer, befonber« »enn er in nnbefd^eibener SDienge 
einer ©peife beigemengt ift. 35a« ®ing ift fo »o^I 
mit jenem ®eti)ürje öerfcl^en , baf »ir'« nid^t effen, 
b. 1^. tanfen fönnen. 3n ber !£l^at l^ören n)ir ja aud^ 
in berfelben ©itnation gar oft ftatt be« einen ®pnä)^ 
»orte« ba« finnerflärenbe: „!Da« ift fo tl^euer, bat 
(Sinem bie Singen übergel^enl'' SKad^t nid^t eben 
ond^ ba« „©e^jfefferte" biefe SBirfnng? 

3loä) fei l^ier ein paar ge^jfefferter 9ieben«arten ge^ 
bad^t, nnb }n)ar ber einen, toel^e lautet: S) er Pfeffer 
iftfdiloar}, unb bod^toid i]^njieberl^aben,n)et4e 
bereit« ber alte ®ruter anführt; unb ber gleiten, »0=^ 
mit man auf ba« oft inl^a(tt)oQe S(eine gum (Segenfa^ 
be« inl^altleeren ®ro§en l^inbeutet, toenn man fagt: 3n 
einem ^fefferlorn ift mel^r ©efd^mad, at« 
in einer gangen ftanne lauen SBaffer«. 



L' Appetit Tieit ei maigeait. tJ[ein^ unb ®viU 
fc^medter, bei benen biefe ^l^rafe einen ftel^enben Slr^ 
tilel bitbet, al^nen n)o]^I nid^t itn l^iftorifc^en ^inter^ 



143 

grunb ober ioif bie ^pilante l^iftorifd^e ^ntDenbung 
berfelben. ^i tritt) be Lettin gen erjöl^It und 
barüber i^olgenbed: ^mtfot, tönig ^einrid^d IIL 
(1574—89) Seigrer, l^atte feinem SQBunfd^e ju golge 
eine reid^e 3lbtei erl^aUen. ©pöter toax i^m bod^ bieg 
ju menig, unb a(d bad Sbx^tijnm Don Sinterte 
Dacant »nrbe, bemarb er fi(!^ um bctdfelbe unb erl^iett 
eö au(!^. 3H« ber Äönig il^n bei feiner öetoerbung 
baran erinnerte, ba^ er bei 35erleil^ung ber 5lbtei 
fid^ geankert l^abe: nun tt)ären oQe feine SBänfd^e 
befriebigt, toad, mie ed fid^ nunntel^r jeigt, nid^t ber 
gaü fei, entfd^ulbigte Slm^ot feinen junger nac^ 
^frünben unb öidtl^ümern ntit ber 3lnttt)ort: „Sire, 
Tappetit vient en mangeant.^^ S)antit ift jiebod^ 
nic^t feftgefteüt, ba^ in biefer Stntwort ber l^iftorifd^c 
Urfprung ber 9{ebendart }u fud^en fei. äSielmel^r, ba 
älnt^ot bie^l^rafe fertig jur 9[nttt)ort gab, ntöd^te ed 
fd^einen, ba^ biefe biätetifd^e Sßal^rl^eit ölteren 
S)atumd unb bieUeid^t in einem mebicinifd^en Sobq: 
gu fud^en fei. 



loitarde. @d ift gett)it auffaQenb, bag bie t$tan^ 
jofen ben @enf , fär beffen Segeid^nung ald Sorn 
fie bad t)on bem lateinifd^en sinapis abgeleitete senev6 
l^oben, in feiner ^Mbtttiinnt fär ben S^ifc^ moutarde 
nennen, ein 9Bort, loeld^ed an senevä aud^ ni($t 
mit einem JBud^ftaben erinnert. Man ergäl^It fid^ 
baräber Solgenbed: 3m So^re 1388 sog ^^ili)))) 
ber ^l^ne, f)er}og Don ^urgunb, gegen feine auf^ 
rül^rerifd^en 9lad^barn aud, unb ba bie @tabt ^ijion 



144 

tl^m toxUiq 1000 «etüaffttctc jufd^trfte, öctlicl^ er tl^r 
ncbft anbcrn ^rtöilegicn aud^ ba«: fein SÖBap^jen mit 
ber S)et)tfe: „Moult me tarde** juffil^ren. !DteS5ür^ 
fler öon ©ijion ließen biefe« SBa^)pen in ©tein Ivanen 
unb über bem ©tabttl^ore anbringen* 5Der ^aifn ber 
3eit nagte bad SSBörtd^en me aügemad^ l^erand* !Die 
übriggebtiebenenMöult nnb tarde nnn gaben ben 5Ranien 
für jenen §anbelöartilel l^er, ba bie Sanfleute öon 
©ijion, ftarfen ©enfl^anbel treibenb, ate (Stiqnette anf 
il^re SBaare bad ®tabtn)a^))en malten, genan mit 
jener SSerftümmlnng. 9tad^ unb nad^ gewöl^nte man 
ftd^ baran, nad^ bem ©enfe nur mel^r mit biefen 
jttjei SQBorten ju fragen, tteld^e öon ber Stiquette 
junäd^ft in bie Singen fielen» 

SBöl^renb berÜDeutfd^e mit bem@enf im ©prid^toort, 
wenig ju tl^un toeiß unb l^öd^ftenö fagt: „feinen Senf 
bagu geb en/ öonSemanb, ber ungefragt obergur Un^ 
jeit feine 3Keinungfunbgibt, ober: einen langen ®enf 
üb er etiDad mat^ en, n)enn man t>ot lauter Einleitung 
nid^t gur ©ad^e lommt unb: ber @enf l^at il^n 
bei ber 9lafe genommen, ti)enn3emanb „officiell" 
»eint, f l^at bagegen ber grangof e eine artige tJolge öon 
überfe^baren unb unüberfe^baren Moutarde-®))rüd^en 
ald: s'amuser ä la moutarde^ t)on Semanb, 
ber fid^ mit 8o4)))alien befd^äftigt, aber nid^t, toie loir 
irgenbtoo bie Erläuterung finben, t)on Seuten, bie 
fic^ gur Ungeit unterl^altett unb il^re $flid^t üerab^ 
föumen; — bann ba« treffenbe aprfes le diner la 
moutarde^ öon gtoedtlofen fingen; —la moutarde 
lui monte au nez, Don 3emanb, bem, koie toir 
im jDeutfd^en umfd^reibenb fagen, etwa« in bie 5Wafc 



145 

tt)ud|t; — C'est c*yentendre ä cela come un 
rossignol k crier de la moutarde, toenti 3e«= 
manb fid^ ganj tl^ettnom^Iod k)erl^äft, unb les en- 
fants en vont ä la moutarde, bie ^nber um 
^enf fd^iden, totläjt^ aM ber in ben unteren SSoR^^ 
fd^id^ten üb(i(^en (Setool^nl^eit abgeleitet iDivb, ftinber^ 
toeld^e nod^ ju Kein finb^ um in otbenttid^er äBeife 
befd^äftigt ju »erben, baju ju tierioenben, ba§ man 
fie um S)inge fd^idt, bie im f>aufe nötl^ig finb, unb 
in biefem ©inne fommt biefe 9teben«art bei ben 
i^anjofen fd^on im 15. 3al^rl^unberte üor. 



Les qoatres nendiaBs. „!Die t)ier Bettler finb in 
Srantreid^ bie tomifd^e J83eieid^nung eine^ ©emifd^e^ 
k)on äßanbeln, 9tofinen, t!^igen unb kläffen, toetd^ed 
geiDötinlid^ }um ^lad^tifd^ gegeben U)irb. @d ift ba^^ 
fetbe, »aö unfer ^©tubentenfutter". Site inberSRe* 
ftauration bad ®efe^ toegen (Sntfd^&bigung ber @mi^ 
grauten t)on ben Kammern angenommen toorben toar^ 
l^örte man einen ^ttxn, ber in feinem ©aftl^ofe fiä) 
regelmäßig bie „quatre mendians" geben lit%, pU%^ 
Ud^ gaui taut rufen: „Gargon, mon plat d*6migr6s!" 



Serncaftler Sioctortoein* — Semanb jum »ert^tolb 

führen. (S6 war im Saläre 1360, ate auf ber öurg 
p Serncaftel ber l^od^toürbige ^err (grjbifd^of Soe* 
munb IL an böfem gieber barniebertag. SRid£|t 9fia^ 
tur unb Sunft »oüten l^etfen, ba« gieber blieb trofe 
reiner 8uft unb ben unreinen JCrfinfen ber S)o!toren- 



146 

35a Iic§ bcr ^rötat bclannt »erben, ba§ er ben, 
ber il^n öon bem läfttgen ®afte befreien toüxht, nnb 
fei ed tott immer, reid^ftc!^ belol^nen tooUtt. @in 
alter, feüerfnnbiger SRitterdmann im ^anörnd öer^ 
nal^m bieg, aU er eben ben Snl^aft eine« ^Jägleinö 
cblen 35erncaftter gu teeren im ©egriffe »ar. ,,!EeufeI, 
rief er, gibf« fo ettt)a6 anf Srben, unb'mad^t fiti^ 
ba nod^ girter nnb üDoctor breit Sagt mid^ jum 
]^od^n)ürbigen ^if(!^ofe, id^ »iQ il^n fd^on furiren; er 
l^at mir in ber ©panl^eimer gelobe bad geben ge* 
rettet; id^ lann i^m'ö nid£|t beffcr entgelten, ate 
»enn id^ il^m ben tl^euren 9ieft biefer §immel«gabe 
bringe/ 2)ie6 gefagt, nal^m er ba« l^albgeleerte gäg^ 
d^en anf bie ©d^nlter nnb ging f^nnrftrad« in bic 
erjbifc^öflid^e SRefibeng. S)er franle Sird^enfürft lä^ 
dielte »öl^I biefem Slnfjnge nnb fefete lange ^toti^d 
entgegen; aber bie ®rünbe be« in feinem gad^e tooiiU 
erfal^renen dritter« mußten bod^ red^t getoidEitige fein, 
benn ber ebte öifd^of nal^m nod^ in berfelben @tnnbc 
einige (Sglöffel biefer SRebicin jn fidEi nnb l^atte nid^t 
Urfad^e, e« gn bereuen» ÜDaö %mtx be« gieber« 
woüte mit bem ijeuer beö öernfaftler« ni^t unter 
@inem 3)ad^e mol^nen nnb entmid^. @eitbem »irb 
biefer SBunbertoein ber „©octor" genannt, nnb im 
blül^enben S^^ale ber SRofet, n)o ba« ©tabtd^en 3ern^ 
caftel liegt, lann man nod^ l^eut gu 2iage, »enn man 
aud^ gerabc nid^t franf ift, ben „!J)octor'' öcriangen, 
ber, totnn il^m mä§ig gugefprod^en »irb, un« in jene 
l^eitere Saune öerfefet, bie fonft lein 35octor in ber 
SBelt l^erbeigugaubern öermag. iDcr „!Doctortt)ein" 
bringt un« aber not^ auf eine anbere »eniger be* 



147 

fanntc SBBcin^l^rafc, tüctc^c in bcr ©d^iücig gu |)aufc 
tft, tt)o man, ipcnn man Semanb gunt ©ein füllten 
»iü, jn fagcn pfltQt :man tüollc il^n gunt Sßtxäj^ 
tfjoib fixieren. 

Sl^r Urfprung ift folgcnbcr: 3n ber ©d^toeig 
pflegt ntan nämlid) ben gttJeiten S^ag be^ Sal^re^ al« 
ben fogenannten Sßtä)ttlV^^ ober Serc{|tetf^tag, ein 
Ueberreft ber SScrel^rung bcr fjtau Sßtxäjia, in (ufti^ 
gen ©elagen feiern. SSon Stau Sßtxä)ta fprad^ iäi 
aber frfjon in ben „l^iftorifd^en Sörtern" aU bic 
9teben^art: ,,|)in ift bie 3cit, ba 55ert^a fpann/' 
erläutert mürbe (@. 27, 5«r. 20). 

ÜDa« ®el^en gu ©d^maufereien ober inö SBirtl^ö^ 
^au« tt)irb in beutfd^en Säubern burd^ üerfd^iebene 
$Rebenöarten begeirfjnet. @o fagt ntan in Oefterreirf) : 
rr3w^ feurigen gel^'n", b. 1^. gunt ®enu§e üon SBein, 
ttjeld^er nod^ nic^t aüe ^roceffe gunt alten ©eine 
burc{)gentacf)t l^at unb bort fel^r beliebt ift. (Sin an^ 
bere« 3ÄaI, unt ba« SBirtl^^l^au^gel^en im 5lßgentei* 
neu angubeuten, fagt ntan: „SJortl^in gelten, ipo 
unfer Herrgott ben 3lrnt l^erau^ftecft", eine Stufpie^ 
lung auf bie an ben SQBirtl^öl^auöfd^ilbern angebrad^^ 
ten SQBeinlaub^, ©erften^ ober girfjtenfränge. ®o 
l^cigt e« in beut befannten S3urfd^entieb : 

„Söinit ein grüner gid^tenftraug, 
SRafc^ l^inein, rafd^ l^inein!" 

3n äßien fpecieü gel^t ntan aud^ „in einen 
Seiler", njenn man trinfen ttjiö, unb ber SJJirafel* 
leHer, ber ©rfjedfetteKer u. f. tt). finb Sebem, ber 
fotd^e 9iebengänge madfien n)iß, gang gut befannt, 



10^ 



148 

bcr ja^ofcn „8etfel'^ SOSirtl^^l^äufcr untcrgeorbnetcn 
9tanged^ mä)t ju gebenlen. 

3n SSa\ttn fagt man: „^nm SSkx Qti^n." (Ss^ 
ift jia baö Sicrianb par excellence. 3n granhcid^, 
tt)o natüriid^ SlQed ex officio gut ift, genügt nit^t 
ber $Ruf: „^nm 3Bcin gelten, fonbcrn ba l^eißt cö: 
„Au bon vin". Unb im alten 9iom »ar ber SRofen* 
franj ba« 3^^^" ü<)piger ©d^mauferei, unb i^re 
„Sad^anaßen" bürften mand^mal unfcrcm ©d^Iemmen 
unb unferen „©d^ipemmen" nid^t unäl^nttd^ ge*= 
»efen fein* 

2>a« ©efunbl^eittrittfcn. £)ie ©itte', fic^ in 
freunbfdiaftlid^cm, l^eiterem 55eifammenfein jujutrin* 
Icn, l^at offenbar ben l^eibnifd^en ßl^arafter einer 
Döation, einer Djjferung. ?iur l^at fi^ bie ©ad^e 
bal^in abgerunbet unb verfeinert, ba§ man nid£|t me^r 
förmfid^ ©peife unb 2:ranf auf einen Dpferaltar 
legt ober ju (Sl^ren eine« SBefen« öerfd^üttet, fonbern 
ben ©egenftanb bem ©eel^rten btog ein njenig cnt== 
gegenneigt, el^e man baran gel^t, felbft bat)on ju 
genießen, @« ift nur mel^r ba« ©t)mboI atter, ttjeit*^ 
läufiger Seremonien ba. 

3n älterer ^üt biente biefe l^eitere, gefäüige 
görmlid^feit mand^cn ernften SSejiel^ungen at« §üHe, 
tüie fid^ ja in ben Ziagen ber Barbarei IJreunbe 
gegenfeitig 53Iut abjaipften unb e« üermif^t au« 
(Sincm S3erf|er ju ftd^ nal^men, ober toie bie ©ieger 
au« ben ©d^äbetn ber erfd^tagenen JJ^inbe i^re Srin^ 
biff« tranfen, ©o njar e« ©itte bei ben atten ©d^ot* 



149 

tcn, ba§ bcr Znnttx, bcn ©ed^cr cr^cbcnb, feinem 
greunbe gurtef: „Stuf bid^!" b. 1^. auf bid^ rechne 
id^; unb ber Slnbere ertotberte: ,,2tuf meine 2:reu!" 
tt)obei er fein 3ßeffer gog, eö in ben Zi^df boifxtt 
unb ben greunb, fo lange biefer baö ®Ia« am 3ßunbe 
l^atte, unoettDanbt anbticfte. 

SBir, l^eutjutage, fagen ganj einfa^ unb ^arm* 
Io6: ^3luf bein Söo^Iergel^en!" „2luf beine ®efunb* 
l^eit!'' „S)u foüft leben!'', toobei l^öd^ften« l^ie unb 
ba t)ielleid^t bad SDleffer ber i^atfd^l^eit ju tl^un f^at, 
inbem Siner fid^ im ©tiüen benft: „3Köge bi^ ber 
2^eufcl Idolen." 

Sine feierlid^ere 9lrt, eine Oefunbl^eit au«ju^ 
bringen, tt)irb 2! o a ft genannt @« ift nid^t uninteref ^ 
fant, ben eigentl^umüd^en Urfjjrung einer 55ejeid^nung 
gu öernel^men, bie mit bcr ©at^e felbft aud^ nirf|t 
im entfernteftcn Stttaö gemein l^atte. 

£)er Xoa^t ift fprad^Ii^ unb in feiner Sebeutung 
ein cngUfd^e^ SBort. 2^oaft l^eigt nämtid^ eine ge^ 
röftete Srobfd^nitte. (Sine fold^e taud^te nun e^e*? 
bem Jene ^erfon, »cld^e eine ©efunbl^cit auöbrad^te 
(„trän!")/ in il^ren Setter. S^ad^bem biefer bie SRunbe 
gemad^t unb ieber ®aft öon il^m genippt l^atte, lam 
er' »icber gum erften gurüdE, ber il^n fofort auötranl 
unb bie Srotfc^nitte ag. ®ie Srotfd^nitte üerfd^toanb 
längft, aber ba« Soafttrinfen ift geblieben- 

ßine anbere Slrt S^oaft'«, bie tt)ir iebod£| nid^t 
jcbem 3Ragen anempfel^Ien, finben wir ebenfaüö in 
bcr cnglifd^en ©cfd^id^te. 6ine« S^age«, aU Slnna 



150 

SönlUn, bic man für bte fcl^önftc ??rau il^rer 3cit 
ffktt, ein Sab nal^m, ^ä^öp^ttn bte ßaöalier« il^re« 
©efolge^, um il^re f)tttbigungen ju bezeugen, jcber 
ein ®Iaö au« ber Sabtoanne unb tranlen e«. 9lur 
(Siner folgte i^ren 53eif<3ielen nid^t, unb at« man 
il^n um ben ®runb befragte (fel^r unjart!), entgeg* 
nete er: „3d) bel^atte mir ben 5loaft öor!" b. 1^. 
alfo bie — örotfd^nitte! 35a« mu§ ber Sönig fetbft 
ober — ber Seufel ge^efen fein ^^). 



(Srcbenjcn* 3Ron toei^, ba^ ba« 5lmt ber 3Kunb^ 
frfienfe bei großen ^erren urf^rüngUd^ eine <)raftifd^e 
S3ebeutung l^atte. ^er bie ©peife barreic^enbe l^atte 
nämlid^ ba« SImt, öon berfelben, e^e er fie bcm 
§errn reid^te, fetbft ju foften, um biefen ju über^ 
geugen, baß nid^t« ©d^äbUcfie« in i^r fei, etwa ®ift, 
mit bem man frül^er gleich bei ber ^anb tt)ar. G« 
ftammt au« bem lateinifd^en Credere, gtauben, 
bal^er Credenza gleid^fam bie Beglaubigung ber 
SS[nftanb«Iofigfeit ber ©peife. 5Wad^ unb nad^ »en^ 
bete man ba« 35Jort auf ben S3egriff be« ©urreid^en« 
öon ©peifen überl^au<)t an, obttJol^I.bie ©itte be« 
35orfoften« nid^t mel^r bamit üerbunben n)ar ^^), 



Surften* 2)iefe ^ra^tmetapl^er für üCrinfen tt)irb 
jebod^ meift nur mit bcm Siebenbegriffe be« üiet 
unb unmäßig 2irinfen« angettjenbet §ier tritt nun 
fprad^Iid^ ber ^aü ein, baß eine in fjolge be« über^ 
mäßigen !ErinIen« nötl^ig geworbene D^jeration al« 



151 

9lu«bru(f für ba« SCrinfcn fclbft angenommen tottb* 
3u Sittfang be« 17. 3al^rl^nnbert6 bebiente man fi^ 
in italtenif(f|en Slöftern, um ben überlabcnen 3Ragen 
ju reinigen unb »ieber fällig gur 9lufnal^me üon 
©peifen unb (Setränfen ju mad^en, eine« eigenen 
3nftrumente«. iSDiefeö war nxi)t^ Slnbere« aU eine 
feine an« jarten ©od^l^aaren gemad^te 33ürfte an 
brei bi« öier ^oU langem, mit ©eibe nmn)unbenem 
ÜDral^te. 3Rit biefer fnl^r man bnrd^ ben ©d^tunb in 
ben 3ßagen unb fciuberte i^n njie einen IRaud^fang 
meift bi« jene SOBirfung erfolgte, bie fid| »eber fin=^ 
gen nod^ fagen lö^t 35or ber D^jeration »arb Srant^ 
njein unb eine Portion SBaffer genommen, ß« blieb 
lange ©el^eimmittet, unb einem beutfc^en SJiinifter, 
an bem e« in einem fold^en Älofter angewenbet 
toaxb, blieb c« öorbel^alten, ba^felbe in ®eutfd|lanb 
einjufül^ren. 3m Saläre 1711 gebrauchte man biefe 
3Wagenbürfte in Berlin; man l^ielt lange öiel barauf, 
bi« bie argtlid^e 35Jiffenfcf|aft bagegen auftrat 

!iDiefe 3Rett|obe, fi(^ ju ernüd|tern, ift abgefd^afft, 
aber ber 5lu«brucf „bürften'' ift geblieben. 

* 

leontini semper ad pocala. !Da l^ötten n)ir benn 
einmal mit einer uralten 9ieben«art ju tl^un, benn 
fie foll fic^ au« ben Seiten be« alten tönig« ^^a^ 
lari« JU ®^rafu« l^erf (^reiben, ber, nad^bem er bie 
@intt)o]^ner ber ©tabtgeontium in ©icitien befiegt 
unb il^nen bie 333affett abgenommen l^atte, baran 
badete, fie für bie B^t«^ft unfc{)äblic^ ju machen. 
211« ba« befte 9Kittet ttjiber (Sm^3örungen fanb er bie 



152 

SSeme^Kc^tttig bnxit tt|)))i0ed @ffen unb Printen. 
3tt bcr 2i^at fal^ et feinen ©nfaü burd^ ben beften 
@rfoIg gefrönt, unb bte Seontiner l^aben'fii^ rool^t 
uiä^t mtfjx bnrd^ ©d^ilberl^ebungen, aber Im — 
®pni)\DOttt unfterbUi^ gemacj^t 

Söntg ^l^alarid barf f^ aber burd^aud nic^t^ 
auf bie DrigtnaUtät feiner Srfinbung einbilben; 
man fannte biefen SBi^ lange t)or il^m unb fennt 
il^n nod^ l^eute. J)ie JRömer nannten i^n: „Panem 
et CircensesJ' SQSir nennen bie großen „Suffef«'' 
ber euro|)äifd^en Sioilifation bie „ßapua'^ ber 
©eifter*^)." 



dl ffat eine Srone* 3ft eine berbtümte ^ejeidinung 
für badiunfi^öne äöort JRaufd^. 5DieÄrone iftl^ier 
nid^td älnbered atd ber gefd^id^tlid^ betannte Sranj t)on 
9tofen, ben bie 9tömer bei 2irinfgelagen fid) auf^ 
^anpt festen, um gegen bie SOBirlungen be« äBeine« 
gefi^üfet ju fein unb beffen Oott, ben eblen unb 
feften 53ad^u^, gu eieren. 3m 3SerIaufe ber ^tit bit 
bttt fid^ barau« ein Ironenartiger ©d^mudf* 2)ie 
Srone felbft gab nun »ol^I no^ nid^t bie Sll^atfad^e 
bed 9{aufd^e'd, unb bie Siebendart l^ätte eigenttid) 
nur gu fagen, baß fid^ Siner gum S^rinfen anfdiidfe; 
ba e« aber »irSidi ftet« gu jenem äußerften '^Junfte 
lam, auf bem ber 3Äenfd^ in ffißer ©ewußttofigfeit 
nid^t mel^r tonnte, „tt)o er ftel^e", fo legte man an* 
tici^irenb in ba« ©prid£|tt)ort ben Segriff beö fcr* 
tigen „öoübrac^ten", nid^t bloß „öerfud^ten" SRaufd^c«. 



153 

(Sin pt äßallift $enlett9 tterl^. aJ2an fa^t auc^: 
ein gut Slmt ift ^enlen^tuertl^. Um biefe l^aarftraubetibe 
9icbcn«artjucrHärcn, ti)urbebcmerft,batftatt$ cnleu« 
„^engcnö^obcr ^aScrl^cngcn^tocrtl^" gclefcnwerbenfotte^ 
b. 1^. cd ift bcr SKül^c toertl^, um eine« guten SKal^Ic« 
wegen mit ben Stoffen frifd^ beijulegen unb bie 
3ügel 1^ engen gu loffen, mit „öerl^engtem" 
3üget ^u reiten; benn e« „to&xt ju grob, ^unferen 
Slltüorbern beigumeffen, ba§ fie felbft um $)enfen« 
widen ein 91 mt ober ^a^i niti^t gurücljulaffeu 
ermal^nt Ratten." 

SBir glauben aber, bag fid^ bie ^l^rafe bo^ in 
il^rcr urf<)rüngüd^en Sedart retten laffe, Sd fönnte 
bamit, in Slnfpielung auf bad gering gead^tete 
3lmt bcd $)enferd, aüerbingd gemeint fein, ba§ fein 
2lmt fo fd^Ieifit fei, ba^ man nid^t ben erbärmlit^en 
IDicnft bed §enfend, ben geringften ©ienft näm^ 
üc^, u- g. el^ren^alber bafür leiften müßte* Ober, 
mit ^inblid auf bie ©itte bed ^enfermal^ted: 
Der genfer fann für bad il^n erttartenbe SKal^I, ift 
ed gut obenbrein, fid^ fd^on ber etenben 2Kü^c bed 
$enfcttd unterjiel^en, fo öiel »enigftend ift ein 
guted SKal^I immerl^in mertl^. 

Slber ttarum fottte cd nid^t aud£| mögüdi fein, 
bicoonSifetein t)ern)or|enc, atd eine Sl^renbelcibi^ 
gung unferer „2lItüorbern" aufgegebene 2)eutung 
beigube^alten? $)ei6t cd nid^t ä^nlid^: M fei ber 
aWül^c wertl^, ein paar ©d^u^c gu gcrrcigcn, um ber 
^rimige eincd iungen ^riefterd beiguwol^ncn, ba fein 
©egen befonbere Äraft l^aben foll? Ober l^ören »ir 
nid^t fo l^öufig ben <Spxviä) ber ©ourmanbd: S3ci 



154 

btcfer unb jiencr ©c^üffct möchte ic^ ein Spürte »er^ 
bctt, b. 1^. felbft bcn ©tauben abfd^iüörcn unb ^tnt^ 
gat »erben, »enn e^ nötl^tg fein foßte, um bte 8uft 
on einem beliebten (Sendete fort unb fort büßen ju 
lönnen? S33a^ ift aber fc^Ummer: 6in genfer ober 
ein folc^er Xürfe? 

!Cie oben ermäl^nte ©itte be6 §)enferma]^:» 
Ic^ gab aud^ ber $Reben6art: Sin §enlermal^l 
1^ alten, ben Urf^irung. §at benn ha^ §enfer^ 
mal^I etmaö aparte«? 3a »ol^L S)aö ift ein 
S0ta{|I, bei bem fid^ nid^t attguöiel ®äfte einfinbcn 
werben, ein üRal^I ol^ne feine rfiarafteriftifd^e SÖBürje, 
benSieij l^eiterer ©efeßigfeit, unbl^ergenommen öon ber 
©itte, ben §enfern nad^ öoKsogenem ®ef(f|öfte ein 
©aftmal^I p bereiten. 95erfd^ieben baüon ift ba« 
aWal^I, üon bem ©eiler rebet: „Söann man ein 
l^enfen toxU, fo bereit man ein gut üRat üor." T)ic 
©etüol^nl^eit, bem gu rid^tenben „armen ©ünber" ben 
STag öor ber Sjecution gu effen unb gu trinfen, toa^ 
er üertangt, gu geben, beftel^t noc^ l^eute unb ift be== 
fannt. 

Die §enfer6ma]^te l^aben Sine SBurget mit ber 
ebenfatt« norfi nic^t entf(f|tt)unbenen ©ittc ober Un^^ 
fitte, nad^ Segräbniffen „8ei(f|enf(f|maufe" gu l^atten. 
Der SRenfd) ift bod^ ein geborner Krämer; ftet« 
fuc^t er bie „S5alance!" 



VII. 

€mi0e 3d)impf- mh ^pattwortc. 

3n bicfcr Slbtl^cilung erfd^eineu nur allgemeine 
©ci^inipfs: unb ©c^ettmorte, bie nid^t in einer 
Sejiel^ung ju irgenb einem beftimmten Dbjefte ftel^en^ 
toie bieg bei bem SSoIIö^ unb ©täbte^^Sc^impf 
unb ®üm})f unb ben anberen Slbtl^eitungen biefe^ 
SSSerfd^enö ber galt ift 3n biefer mt^eilung 
gibt eö feinen ®Iimpf, fonbern nur @(^ impf, unb 
mitunter fo l^aarfträubenben, ba§ ic^ nii^t geringe 
SDlül^e l^attc, biefelbe rein ju erl^atten, obttjol^t üiel- 
leici^t bie Meine ©ammtung baburrfi um mani^en 
l^öd^ft ergöfelid^en Beitrag gefommen ift SBie reici^ 
biefe Slbtl^eitung auefaüen lonnte, ttjirb leii^t barau^ 
entnommen »erben lönnen, »enn man erfäl^rt, bag 
bie beutfci^e Literatur ein eigene^ ©d^impf^Seyifon 
aufgutreifen l^at g« fül^rt ben litel: ,,®eutf(^e« 
©d^imjjfmörterbui^ ober bie ©i^impftrörter ber ®eut== 
fd^en. 3wm allgemeinen 5yiu<^en gefammelt unb atpl^a^ 
betifc^ georbnet, nebft einer 9Sort)or=^, SSor^ unb 9^ad^^ 
rebe, öon aJlir ©etbft/' (2lrnftabt, 1839. g. Jöfein^arbt 
XXXXVII unb 81 ®. Slafc^enform.) (g« entfjält 
allein an feci^^l^atbtaufenb ©i^impftrörter in ai)fija^ 
betifd^er Drbnung. SBetd)' ein @prad)fd^a<^ für aöe 
©treitl^äl^ne, *ißoIemtfer, unbulbfame ©laubenöl^etben 



156 

u- bgL m, grcilic^ enthält bicfe« ©(i^impflcjclfott feine 
Erläuterungen über ben Ursprung, bie ©ef^id^te, 
i)ie Srfinber eine« ®(f|im|)fn)orte«, fonbern nur ba« 
nacfte ?lcunendt)er2eic^nig. äßan n)irb ed mir bemnad^ 
nic^t verargen ; n)enn i^ aQmäUg biefe Sü^de qu^^ 
fiiüe, benn l^at fc^on ber erfte @^im|)fIe5iIograf fid^ 
iie Unfterblid^Icit erfc^rieben, fo fann bem ßomnten*' 
tator, unb ba« ift ja ber l^eilige Seruf ber ©elel^r^^ 
ten, Sontmentatoren gu fein, ein Sll^eit^en biefer 
Unfterblic^Ieit nid^t entgelten. Da« gange SSBerf^en, 
tüie e« fc^on fein Zitti öerrät^, «®fint|)f unb ©^intpf 
in @pru(^ unb SQBort/' ift fold^ ein ßommentar. Unb 
ttjenn bie geleierte SQBelt benfelben lieft unb prüft, 
fann e« mir anmannigfa^en ^u^geic^nungen ni^t fe^^ 
ten. 3c^ l^alte mi(^ alfo bereit, biefelben gu empfangen, 
©oüte e« ben 3lntragfteüern für bergleid^en an ben 
SWotiöen gur öegrünbung feilten, fo »iü id^ in Äürge 
ben 9^u^en anbeuten, ben mein Unternel^men t)om 
ftaat^wiffenfc^afttic^en, nationat^^ölonomifd^en, biateti* 
fc^enuttb retigiöfen ©tanbpuniteleiftet ©aö Schimpfen 
ift ein im fodalen Seben noc^ üief gu n^enig bead^^ 
tete« ÜRoment ©(^impfen fd^Iid^tet mand^en 
©treit; man l^at alfo nid^t nötl^ig, bie 9Iböocaturen 
guöermel^ren, bieSlrmeen guöergrögern, — @cf)impfen 
ift ein trefftidjeö ©d^ufemittel gegen unfere 
(Segner; toie ü)irb bie Slbfaffung t)on ©taat^fd^riften 
babur^ erfeid^tert, tt)eld|* ein Umfd^wung im Srief^ 
ft^Ie unb im focialen SSerfel^r! — ®(f|impfen öer== 
fc^afft Slnfel^en; tt)eld|'eine 9ieform in ben JRang:^ 
öer^ättniffen ift in Slu«fi^t gefteüt! — ©^impfen 
beförbert jiebeö Unterncl^men, man erinnere fid^ 



157 



nur an bcn gclbj^crrn, bcr bic ©ofbatcn in bic ©c^Iac^t 
trieb mit bcn SBortcn: „©d^urfcn, iDottt il^r ewig 
leben;" ober »ic ein anberer jum ®ebete fie auffor^ 
berte: „§^nbe, ttJoKtil^r beten!'' — ©djin^ifen be^ 
förbert bte ®efunbl^eit; totiä)^ ein wid^tige«, biö- 
tetifd^eö ®ebot! 5Wur feinen Slerger berfc^tuden, fid) il^n 
»egf^impfen, ift ein probate« aKittel; — ®(f|impfen 
erfeid)tert jebent ba^^erj; toüä)^ eine golbene 
JReget für fubalterne ßreaturen, bie in il^ren gebrütften 
SSer^ättniff en burdjSlnttjenbung bicfe«9lat]^e« ba«®feid)^ 
gewid^t l^erfteüen trerben, »eldieö burd| bie Umftänbt 
geftört trorben. 5Wun alfo, njenn ba« ©d^in^^fen aMein 
öon fo getoaltigem nadf|l^altigem 'ßinfluffe ift, fo ift 
bie lt)iffenfd|aftlid^e SJel^anblung biefe«. Zf)tvxa^ ge* 
»ig ein 3Serbienft, t>a^ ntd|t genug gett)ürbigt trer^^ 
ben fann. ©in fotc^e« gu ermerben, »ar ic^ befliffen. 
Sapienti sat« 

5Wun ift jtt)ar biefe 5lbt]^ eilung etwa« Mein 
au^gefaüen, gur 9iedf|tfertigung biene, baß id^ fi^on 
in ben „ l^iftorif d^en SBörtern" biefem (Segenftanbe 
einige Slufmerffantleit gettJibmet unb ßommentare ju 
einer Keinen 2lu«ü)a]^t folc^er 2^itutaturen, al«: 53Iau^ 
ftrumpf, ßtxnaiöe, ßici«beo, ßifete unb Seifele^ 
®aud^ unb ©ed, ^ageftolj, ^a^nrei, ^afenritter,. 
§unböfott, ^i)3)3enreiter, '^^ilifter, ^oltron, @a(ba^ 
ber, ©d^ntarofeer, ©c^ulfuc^«, gegeben l^abe. 53etreff« 
be« ©eitenftüdf« gum Srippenreiter, nämlid^ be« 
,,®d^immelreiter«", ber in ber S!anjtei eine ä{|nlid)c 
JRoöe f<3ie(t, trie ber Srijipenreiter int ©alon, näm^ 
lic^ eine läd^erlid^e, mug id^ auf meine SSorrebe,. 
ridjtiger auf mein S3orgef^)räd| öertpeifen, benn iDenn 



158 

bcr ©djintmctrcttcr mir ba^ SSüäjUin mä)t einleiten 
gcl^otfen l^ätte, utügte er feinen (S^renplafe in biefer 
Slbtl^eilung einnel^men, 

SBöttl^afe* — SBö^nl^afe* S^iefe« in üerfd^iebencn 
formen, al6: S5önl^afe, Seenl^afe, öül^n^afe, ^önl^afe, 
gebrancfite SBort begeid^net in ber ^anbnjerlöfjiradie, 
befonber« bei ben ©^neibern, einen aJienfcf)en, ber 
fein ^anbtrerf, ol^ne ba6 Süieifter^ ober Sürgerred^t 
ernjorben ju l^aben, ber atfo l^eimticf) in Slnberer 
f)anfern arbeitet; anä) öerftel^t ntan barunter einen 
©törer unb ^fufd^er, ba«, tra« man j. 35. bei 
unbefugter 2l\t^äbung öon 9ied^tögef(f|äften einen 
SBinfetaböofaten nennt 

Ueber bie f<)rac^Ii(i^e Slbteitung be« SBorte« ift 
man nid^t gang im Staren. ©al^rfc^einUcf) ift bie 
3ufammenfefeung au« 53ön, S3öl^n, im 5Kieberfäd^*= 
fifd^en, tt)o biefer 2lu«brudt am l^äufigften gefnnben 
wirb, fo üiet n)ie 53oben, oberfter Zi)tU be« 
§aufe«, unb au« $cife, ttjonad) ein 3Renfdf| gemeint 
ttJäre, ber UrfadEie l^at, fic^ furd^tfam auf ben Soben 
p üerfteden, um nämtid^ öon ben befugten 
SOieiftern nid^t ertappt ju ttjerben. 9lad^ ?5rifd^ 
l^eigt e« fo oiel aU öül^n^fe, totil bergteid^en 8eute 
furi^tfamer Seife auf ben S3oben ober bie S3ü^nc 
laufen, um ba im SSerborgenen ju arbeiten, tt)a6 
mit bem SSorigen faft jufammentrifft. Stif^ beruft 
fi(f| aber für feine 3lnfid^t auf eine preugifi^e 8anbe«== 
orbnung, »o e« aud^ au«brüd(ic^ S3ü{|nl^afe ge* 
fd^rieben trerbc. ®ie ®änen fagen Sonl^afe, bie 
®cf)h)eben Sönl^a«, S5öna«, luoburd^ man auf ba« 



159 

gried^tfc^e ßoLvoLV^oq, b. i. artifex illiberalis, ein 
freier ^anbicerler, geleitet »urbe, »ie benn aud^ 
•ißeringöüölb in feinen 2lnnierfungen ju be^Coch- 
laei „Vita Theodorici'^ p. 358, eö gerabejn baöon 
ableitet. 31^ re befämpft ithoi) biefe Slnfid^t unb 
ma^t mit 9?e(f|t baranf anfnterffam, baß beffen S3e^ 
beutnng mit ber beö beutfc^en SßBorte« »enig ober 
gar nid^tö gemein gu l^aben fd^eine, 9tic^ei) gtanbte: 
§afe fei in biefem SBorte fo biet at^: §an6, socius. 
S)cr aSerfnd^ be^ Sönl^afe bnr^ bie öeränberte ©d^reib^ 
weife an^ ^önfjafe gu erflären, ift nid^t gang un*= 
gtüdttd^. jSlaä) biefem »äre e« atfo ein ber ©träfe 
wegen SSerfotgter. £)urd| baö ©efeen be^ P an ©teile 
be« B wirb anä) ber ©prad^e eben fein groger 3^<iJ^9 
angetl^an, weil ja beibe ßante im Slltbeutfc^en oft 
öerwe^fett werben. ^nUi^t fpred^en für bie SQBal^r^ 
fd^einüt^Ieit ber erften ©entnng meiere Sieb entarten, 
in wetrfien beibe 2^^eile be^ jufammengefe^^ten SBor^ 
teö in i^rer eigentlidien S5ebeutnng jn ßl^ren lommen; 
j. 53.: „ben Söl^nl^afen jagen'', l^eigt: ben ^fnfd^ern 
nad^ftetten (f|ier l^aben wir e« wirltit^ mit einem 
^afen jn tfinn); ober plattbeutf^: „!Den §afen to 
Sön jagen'', ben ^afen jn S3oben jiagen, wo fid^ 
S3ön mit ber 55ebentnng öon ©oben re^tferttgt 
2lud^ wirb ba^ ^dttüoxt bönl^afen afö analog 
mit: 3n eine« Slnberen 2lmt ober (Sewerbe eingreifen, 
gebrandjt, unb in !J)anjig nennt man unangefeffene 
iRic^tbürger Sönl^afen. 

SBir mad^en aber nod) auf eine anbere SBurjet 
aufmerifam, nämürfi auf ba« beütfi^e 3^itwort boe^* 
neu ober büfinen, ba« lateinifc^c imbuere, in ben 



160 

iöcbcutunflcn: gu ctiua^ l^cranbilbcn, frül^ ge* 
»öl^ncn, in cttoa« einfüllten, unterweifen, 
einweil^en, »oburt^ »ir ettpa auf: „3unger 
$afe, ein no6) lernenber, unerfal^rener, überaß nod^ 
unberechtigter üRenfc^, geführt werben, ©el^r fd}Ia* 
genb für eine 2luffaffung na^ biefent Slnl^att^punftc 
ift bie ©teile in ßicero'« „De officiis": „Lex ad 
quam non docti, sed facti, non instituti^ sed 
imbuti sumus ^*)." 

SimanbL — ©tmanblbrubcrfrl^aft* -3n biefe 

^Bruberfd^aft, fo fagt ber SSotfdwi^, finb aüc jene 
eingeft^rieben, weirfie, baö ^au^Ireuj auf ber ©d^ul* 
ter, ben ©d^ntergen^weg ber &)t wanbeln; alfo, im 
weiteren ©inne, jieber üerl^eiratete 9Kann, ba er 
feine ^eil^eit an ein SSBeib l^ingegeben. 3m engeren 
©inne wirb aber nur ber eigentlidie, e(f|te Pantoffel* 
l^etb, fo bem SBeibe in 2lt[em unb 3egU^em form* 
lic^ untertl^an ift, ein ©imanbl genannt, unb 
infofern liegt barin allerbing^ ein l^erber ©pott 
für ben 9Kann. 

^aä) üDofumehten auö ber äJlitte bc^ öorigen 
3a]^rl^unbertö beftanb ein eigener ©imanbl^gobej, 
in 17 ^aragrapl^en ben foutierainen SBunfc^ ber 
grauen au^fpret^enb, eingeleitet t)on einem für bie 
IWänner wenig fd^meirfiell^aften 9Ranifefte. ÜDa« 
fdjlimmfte aber an ber ©efd^id^te ift, baß fie fid^ bi« 
^eute erl^alten l^at, unb bie ©imanblbruberfd^aft 
fowol^t in gorm aU SSJefenl^eit nod) immer conftituirt 
ift- 3t)r eigentlicher ©i^, öon bem au^ ßrtäffe unb 



161 

a5t^)Ionie in bic 3Ränncrtt)rit geff^teubett »crbtn, ift 
bie @tabt ^remd, im 93iertel Dbermonnl^arb^berg 
9licbcröftcrrci(^«. Dicfc Öel^drbc ift cnndii^tiat, icbetn 
SSer^ciratetcn ba« f0genanntc ©imattbI*S)i<)Com 
mit bcn Statuten unb einem geJ^ftrigen, Waren Unter* 
rid|tc gu überfenben unb mi]t biefem 3lcte il^n form* 
üd) ber Sruberfc^aft cinjuöerleiben. !Diefer Unterrid}t 
ift ju intereffant, unb entl^&It be6 SBefentUd^en gur 
3luff(ärung fo üiet^ bag mir fene 4 $aragra:|)l^e, ba^ 
eigentlid^e ®efe^buc^ be^ ed^ten ©imaubT^, na^ 
einem Originale üon 1794, l^icr mörtlid^ anfül^rcn: 

1. ;,@in SOtitglieb ber ®imanbl*$ruberfd^aft barf 
ol^ne SBiffen unb Sitten ber i^au nid^t au^gel^en; 
ba e^ aber auf freunblid^e^ Srfud^en erlaubt mirb, 
über bie beftimmte ^tit ni4)t ausbleiben; nid^t mel^r 
benn 3 ©d^itting SKünj oon jenem ®etbe, fo il^me 
bie grauen jufammengef|)art, mit fic^ nel^men; feine 
SBirtl^«* ober ©ierl^äufer befud^en; bei re^ter Siad^* 
l^aufcfuuft mufe er ben grouen über obig gcmelbete 
3 ©diiQing 9ie(^nung mad^en unb i^r gur fd^ulbigen 
ÜDanffagung bcn Pantoffel füffen/' 

2. „T>a ber ÜRann wiber äSerl^offen, über bie 
gegebene ßrlaubniijeit ausbleiben, baS (8elb etttann 
öerf offen ober gar oerfpiett l^aben foüte, fo foH er 
fid^ ja nit^t gclüften taffen, etioann ün $dufe ^crum* 
jttpoltern, ober ungebül^rli^ oufgufül^ren, fonbern bei 
ber ^auSt^ür ganj bemütl^ig l^ineinfried^en , feine 
grau auf bcn tnien um SScrjcil^ung bitten unb nadö 
enbttt^cr aSergebung üon il^r gang üebreit^ 3 5?afcn* 
ftüber auSl^atten-" 

3« „Die grau niemalcn ergürnen; aHe STage um 

Glimpf nnb @(^itnpf. 11 



162 

eine ©ttttibe cJ^euber aU fie aufftel^en, ba« Jfrül^ftürf 
ma^eit, ober tna^en tajfen; toann it)m fobann bie 
0rau auc^ etned aud ®naben jutommen lagt, fid^ 
gel^orfamft bebanfen; ftc fobann einfd^nüren unb il^r 
Strümpfe unb ©c^ul^e anlegen/ 

4, ,,®er t^tauen Kleiber aütäglic^ bufeen; 
mann fie au^gel^en toUi, fie nld^t fragen njo^in; 
foüte aber bie fjrau eine angenel^me Sefnc^ung be^ 
lommen, mit ber fie ettoa« ©el^eime« ju fpred^en 
l^ätte, fott ber STOann auf i^ren Sinf firfi bei Seiten 
begeben unb fi^ mi)t el^enber feigen laffen, bi^ bie 
angenel^me ®efeüf(^aft 9lbf(^ieb genommen/ 

5Da§ e« bei bertei äudfertigungen unb B^^P^t* 
lungen, befonber« in ben älteren ©ocumenten biefer 
Slrt, an manchen ^otm unb Unflätigfeiten nit^t ge* 
fel^It l^at, üerftel^t fic^ öon fetbft ®Uxdfmf)l ift ber 
§umor, ber in ber bel^arrtid^en 9lnerfennung biefe« 
üerbä(i^tigen 3nftitute^ liegt, nid^t umjubringen» 

9lun aber, »ol^er benn ber 9lame unb feine 
®ef(i^i^te? Einige t)erfud^ten ben Flamen öon ber 
9ieben«art: „®ie 3Kann, Sr SBeib," l^eriuleitem 
Ruberen gilt aU »al^rfd^einlii!^, bag bie ®efeüf(^aft, 
bd il^re SSerfammlungen in ber {Regel am ©imonl* 
äbenbe eröffnet lourben, eigentlid^ ©imoni^^Sruber* 
fd^aft l^eige» SSon bem SJerfaffer eine« ^uc^ed, ba« 
ben 5CiteI füfjrt: „®ef^i(^te unb Statuten ber »elt^ 
berütjmten @imanbt*S3ruberfd)aft" k., ju ^antoffel^ 
l^aufen gebrudt, toirb barüber eine ßegcnbe er^ 
jä'l^tt: „(Sd foßen nämlirfi einftmalen fieben Srüber 
gemefen fein, »eirfie öon fel^r Keinem, »injigem 
äBuc^fe waren. Diefe fieben trüber waren üerl^eiratet 



163 

utA ftanbcn ganj unter ber ^crrfd^aft il^rct SBcibcr 
unb würben öon biefen auc^ fel^r ftreng flel^alten* 
SBenn i^nen bieg nun ju oiel warb, fo lamen btc 
flebcn SWärt^rer 2lbenbd an einem beftimmten Drte 
pfammcn, tro fie \\6) il^re Quaten gegenfetttg mit^ 
tl^eilten unb fid^ gur ®ebulb — bem beften Slrtifel 
in fotdöer Situation — emtal^nten. SSiete, meiere in 
ber gleichen Sage waren, fonnten nic^t begreifen, 
Wolter biefe fieben 3Bclnner fo öiel ©ebulb nal^men, 
unb ein fo bewunberung^Würbigeö Seifpiel über^ 
ntcnfd^ticl^er ©anftmutl^ gaben. 3Jian belaufc^te fie 

enblirf) in il^ren ^wf^^^^^^^f^^^ ^^^ ^^^ melbeten 
fid^ gar öiele Ganbibaten, weld^e freunbUdift baten, 
baß bie fieben fie in il^re ®efeüfd|aft aufnel^nien unb 
il^nen ba^ ©e^eimnif il^re^ Stuöl^arren« unb i^rer 
©tärfe mitttjeilen mö(f|ten. ©ieg ber Sern ber ®e* 
fettfd^aft, bie fic!^ öon ben urfprünglici^en fieben 
3Jlanbetn bie ©im* (fieben im Sargon) 3DlanbI=^ 
©ruberfdiaft nannte. 

äßir bemerfen l^ier no^, baß, wie in Ärem^, 
au(^ in ©öfeenborf, einem in 9?ieberöfterreic^ an 
ber i?eit{|a, fübtid) öon ^Srud an ber Settl^a, gelegen 
neu Drte, bie ®imanbI*=S3ruberfd|aft, gleic^fam 
burrfi eine giliale, vertreten ift*^). 



SBerbammter SJarebone* Unter ber 9?egierung 

Sart L l^atten meiere englifdie ©ecten bie fonber^ 

bare ©ewol^nl^eit, il^re Sinber nid^t nac^ ben Flamen 

be« neuen, fonbern bc« alten 3ieftamente6 taufen ju 

laffen. S^ famen ba bie abenteuertidiften Flamen 

11* 



164 

jutn SSorfit^cin. Dabei blieb cd aber nic^t ^iad^bem 
bie einjelnen Flamen aße erfc^ö^jft »aren, toäffltt 
man gange @ä^e aU Zau^mmtn, j» S6. „©teib' 
treu;" „«tcib' feft itt beitter Sreu;'' u. f. to. mm, 
ed lebte bainalö anäf ein gewiffer JBareböne, ber 
auf fölgenben Xaufnamen ging : „3ßenn 3efu« Sl^ri* 
ffu« ni^t geftorben wäre für mid^, fo wäre iif öer* 
bammt"; barauf folgte bann fein ®efd^(ec^t«nante 
Äarebone, aüenfaüö toit Sonted ^arebone. 3n ttjetdie 
©ituattoncn mag ber SKann ni^t im 8eben gefom* 
men fein! @« mögen bet fiädiertid^feiten enblid) fo 
öiele getoorben fein, baf fettft feine 3^itgenoffcn unb 
„Srüber in ber Slarrl^eit", il^n furjtoeg mit ber 
testen ®ilbe feine« abgefd^macften S^aufnamen« 9Ser* 
bammter Sarebone (damm'd Barebone) nannten ^^). 



gatcinifi^c SBaienr* @o nannte man in Dftfrie«* 
lanb biejcnigen 8anbü)irtl^e, toti<f)t in tl^rcr 3ugenb 
geleierte ©deuten unb UniDerfitaten befud^ten^ bann 
ober bie ©tubien »ieber an ben 9iagcl Ijingen unb 
jtt il^ren Sttfergfitern jurftcffel^rten» SÄan l|ielt ni^t 
öiel öott il^nenunbil^ret^eiolrtl^f^aftungöfunft, unb 
bie grfal^rung beftfitlgte bie JRt<i(|tii^eit biefe« SSor^ 
urtl^eileö. 9?atürUd^; tt)ir l^aben e6 l^icr mit bem glu(f|c 
ber § al bl^ eit ju tl^un, mit ben leibigen f^olgen gemiffer 
3lngctt)öl^nungen in ben (Setel^rtenf reifen, bie man 
bann ni^t me^r loöbringen fann; man merlt an, 
ba^ bie ,,5?afe aud^ too anberß l^ineingefd^medt" 
l^abe, aber e« ift nic^t foöiel „l^öngen geblieben/' 
bag es etn)ad ©anged gegeben l^atte. SDa l^aben toix 



165 

bann bU falben ®tUfycttn unb bie l^atben dauern; 
nic^t ^Ui\6f unb nidgt M^ß ^i^ ^^ ^^t" SBal^ne 
Iranfcn, fic feien „ju etwa« ^öl^eremjefiipren/ unb bod^ 
»ieber mit einem getoiffen ^ompe bie SBirtl^f^aft be= 
treiben — ^ractici loaren jle in ber ©tabt ganj 
orbentlic^, Jl^e oretiler aber finb fie j^interm^f Cuge- 



(Sfttnt* — 2ririefanj» @« foftet troljl feinen weiten 
3u9, um an bie Oueße beiber SDBor^e ju gelangen. 
6« Hingt Ja l^eß unb unumiDunben baö romanifc^c 
Infant, Sünb l^erauö, unb feiner Sebeutung gegen* 
übergeftcüt bleibt bie Ableitung mf)t im 5Recl^te. 
t^eilid^ gebrandet man e« niä^t in feinem l^armlofen^ 
urfprünglid^en ©inne; nid|t Äinblid^e« ober Sinbi* 
fdje« l^at man t)or 2lugen; im Oegent^eile öerbinbet 
man bamit ben öcgriff betougter ©erfcnl^afttg* 
feit, unb wenn man Sinen rrSont" nennt, fo will 
man nur l^erabfefeenb fagen: @r ift ein „innqtx SKenfci^/' 
ber fid^ mit nichtigen fingen befaßt ©o l^ieg f^on 
altnorbif^ ein SEBi^t: „fantr.*' 

2luf bemfelben Stamme tt)ud^6 auc^ ber Sind* 
brud t^itlefanj, b. i. alberne«, finbifd^e« 3^wg«, 
u. g. au6 ber 3wf<^i"^^^f^fewng be« franjöfif^en 
„faire l'enfant", finbifd^ fein, ober wie ein ^ro* 
feffor ber ^l^ilofopl^ie, entrüftet über mannen ©(f|a* 
bernad feiner Bw^örer, biefen ben franjöfifd^en ©jjruc^. 
in gute« Deutft^ überfe^t, gugerufen l^at. 

^Rid^t übergel^en bürfen wir aber, baß wir l^ier 



166 

antS) an bad italtenifc^e ^^vantarsi/' franjöfifc^: 
„se van t er/* fi(i^ prallen, gtofefprec^cn^tnaulmaci^ctt, 
erinnert »erben**). 



2)cr Knie ^ifiiftu SDicfe SDBorte ftnb eine grogc 
55efc^inH)fung im S3oIIdmunbc für ben, ber firfi biefe« 
©ort oerbient. S)er linfe ©c^äd^er (SRanber, SKörber), 
ift in ber 8eiben«gef^id^te ßl^rifti jener SSerbret^er, 
ber il^m jnr ttnfen Seite gefrcujigt tt)urbe unb fic^ 
öerftorft öon bem ©rlöfer abmenbcte, »äl^renb ber 
©d^ä^er gur redeten §anb bie B^^f^fl^ ^^^ *ißara^ 
biefeö erl^ielt ^ölt man nnn einen SWenfci^en für 
einen großen @ünbcr, für fcl^r böfe nnb überbie§ 
öerftocft, fo nennt man il^n ben „Unfcn ©t^äc^cr." 

®itiä) öerbammenb ift ber 5Rame 3uba«, ben 
man falfc^en, l^end^Ierifc^en Sßenfc^en gurnft. 



« 



SUpWtifttX. ©0 l^iegen frül^er $anbtt3erl«bur*= 
fd^en, tt)eld^e füfö ®elb mit aöerlei ®ttoti)xtn fod^ten 
nnb fi^ l^ernraf dringen, Itopftcn. ©ie l^atten il^re 
©d^nlcn in ben öornel^mften bentfrfien ©tobten, unb 
e« gab meiere Slrtenberfelben, al«:gebcrfc^ter, Süiar^ 
Inöbrfiber, Snpbrüber. 

§entjntage fto^en toir nur me^r auf bie ^nn^t 
ber „tJcberf echter" in gett)iffen Journalen, bie ©ojcr 
unb 9{aufjiungen bed (Sontinent^, n)elc^e gu n)enig 
(Sourage l^aben, um gu „fed^ten/' aber SOtutl^ genug, 
fi(^ „Mopfen" ju laffen; bie, »aö bem Statte an 



167 

muffen. 

« 

ÄerL Scjeid^nct tote bet 5Wame Sari, öon bcm 
Ser( abgeleitet tft, urf^rünglirfi einen el^renboöcn, 
tüd^tigen SRann unb tuirb tool^I anc^ l^eute no^, in 
entfpret^^enber Situation, loo berbe, öoüc Slu^brudö^ 
»eife angejeigt ift, gebraucht. SBir gebenfen l^ier ber 
„Serie/' toie ©oetl^e fi(^ unb ©cj^iüer nannte. 3tt)ei 
folii^e Serie, ja! SDieift aber toirb e^ gunt ©d^impf^ 
U)ortc für ben SRann, unb e« l^at für fid^ allein gang 
bie üeräd|tli(^e ®ebeutung toit in feiner 3ttf^^^^^* 
fefeung mit ßump. „Diefer Serl l^at mid^ um Meö be* 
trogen!'' „33cn Serl mu^ man mit bem ©tode 
tralttren!" u. f. tt). ©an« unb göbe ift ba« SBort 
aud^ jur Segeid^nung be^ Siebl^aber« einer gemeinen 
SBeibö^erfon. „@ie l^at einen Serl." ,,®ie ftedtt 
Sitten i^rem Serl gu." 

ßnblid^ finben »ifö aud^ wol^I fd^ergioeife unb 
in l^umoriftifc^er Sluffaffung. „ÜDa« ift ein föftlid^er 
Serl!" fann man ungeftraft öon bem l^oneteften, ja 
gerabegu Iieben«toürbigften ÜRanne fagen; unb öon 
Sinbern, bie auf bem SBege finb, etwa« Orbentlid^e«, 
alfo redete SWänner gu toerben, pflegt man frül^ unb 
mit einiger Smpl^afe gu fagen: ^S)er fleine Serl 
tnat^t fi(^ — '« ift ein SeufeWferl!" '© ftedt ein 
ganger Serl in il^m. 

^dlmäufen Sei un« mel^r unter bem 5Wamen 
IDudmaufer, Siudelmöufer befannt, toxU naä) 



168 

(Sutigen einen iierf d^tagenen — t)on bem l^ebräifii^en jt a U 
unb 3Jiafar — nad^ 2lnbern einen träumerifc^m 
Sßenfdjen bebenten* !Dad U^t fi^ tt)o]^t mit einanber 
Dereinigen^ unb fo lommt ed auf ben eigentti/l^en 
@inn^ nömftc^ einen Söienfd&cn , bet im ©tiöen^ 
l^eimUdg auf WitxUi, etn)a au<äf ^änle, -finnt. 

„&, fiel^ ben !Du(feImufer, 

@r tt)iQ allein fin ein Sartl^ufer/ 

(SBranb.) 

9lad^ ^e^fe märe ftafmäufer gufammengefe^t 
aud lalm, b. t. fMt, rul^ig, unb au^ maufen. 
9Sad bad (entere bebeutet, meig toofft 3ebermann. 
!Die Verleitung öon ßamalbutenferift unjutäffig. 

* 
§oeI« nnb tabelimito?* 'iparteinamen mie „Wighs 

unbTorrys", „rotl^eunb mei§e ^o^tn**, bie „©(i^mari^ 
meißenunb ©c^marggelben'', bie „^otf)tn unbSSIauen" 
u. f, m., bereu fpätere SJebeutung mit ben glementen 
il^re« Urfprungeö in ber JRegel ni(f|td gemein l^at. 
5Die §oeI« unb Saabeljaum«, gu beutf^: ^i^ä)' 
l^acfen unb ©todfifd^e, entftanben üor beinahe 
jmei Sal^rl^unbcrten in §JotIanb, ba e« fid| bei 
einer ©c^mauferei um bie tJrage l^anbelte, ob ber 
©todfifd^ ben f^aden ober ber ^aden ben ©todfifc^ 
faffe. @ö entftanb ©treit unb man fonbertc fid^ in 
jmei Parteien, met(^efid^ auf ba« gelb ber'ißoütil ^inüber^^ 
fpietten unb aU ©tabt unb 9(be( gegeneinanber ftan^ 
ben. ©ie nal^men aU Sejeic^nung iene ©d^Iogmi^rter 



169 

mit, unb itoax toaxtn bte ^otU bie äbtl^änger ber 
©tobte mit rotten ^dppiftn, bie Saabetiau»« 
ber Slbel, mit grauen» 



3a* — Sal^eiteii* — Saaffen* 5Da« erfte unferer 
Gonöerfation ganj unentbet)rlicf|e ©ort, ein 3öort ber 
l^ödiften, fodalen unb felbft |joetif^en Sebeutung, 
entftanb au« ber ä^föuimenjiel^ttng ber bie öejal^ung 
audbrüdfenben lateinift^en ^l^rafe: illud hoc est, 
unb bemgemäß lautet e« guerft jo, ba« ja erflärt 
\\i} burc^ bie ftl^nli^e tateinifd^e ^^rafe jam est,ita 
est. Sluf gteit^e SBeife entftanben bie J aanberer 3la^ 
tionen^ba« si be«3talienerd,bad oi ober oui be«gran*= 
gofen, baö hoi be« ^rooenjaten. Si ift jufammen^ 
gejogen au« sie est, fo ift e«; oui au« hoc 
illud est, e« ift bieg ba«felbe, nod^ beuttic^er 
ju erlennen in bem alten ouill; hoi »arb un^ 
mittelbar au« hoc, bal^er bie ©pradie ber ^roöenja^ 
len lingua d'ocunb aud) il^r gange« 8anb Languedoc, 
bie Gailia Narbonensis ber 9tömer, genannt toirb* 
@o fott auc^ ba« piemontefifd^e ol au« bem hoc illud 
ftammen. 

(^0 Kein nun ba« 3B6rtIein ift, fo fpielt e«, 
tt)ie gefugt, eine grofe 9ioüe, unb greub* unb 8eib 
lann au« biefen gtt)ei ©ud^ftaben l^erö orgelten. SBenn 
il^m in ber l^eitigen ®d|rift feine ed^te ©teüung unb 
Sßürbe gemalert »irb in bem fd^önen ©prud^e: ^!Deitt 
SSßort fei 3a, ja, nein, nein, tt)a« barüber ift, ift 
©ünbe," fo l^at e« anberfeit« bie Sal^erren unb 



170 

3a äffen auf bent ©etüiffcn, b. i. {cnc, btc ju Slßem, 
grab unb ftumm, löbUd^ itnb unred^t, ja fagen. 

„!Dtc Sal^crren l^ant bcn 3Kuot, 
®ic lobcnt, »0^ bcr ijürftc tuot 
S)a^ ift ein unöetriu^er ©ite: 
S)a äffent fte bte Ferren mite." 

(grtbonf.) 

©I^afefpeare fagt: „d^ ift ber Könige glu^, 
©Haöen (3a]^eren) um fid| ju l^aben. aSon ben Sa* 
äffen gilt aud| ber ©eiler'fd^e ®pru^: Ajunt 
ajo, negant nego. Sin ^olä)tx Saaffe toar aud| ber 
aitt ^oloniu« in ©l^alefpeare'ö ,,§amlet''^ aU er 
Don bem 'ißrinjen auf bie Silbung ber 3SBoIfen auf* 
merifam gemad|t n^arb« 

®tne abigaiL Sttö ft^riftfteöerifdier ®emein* 
:pla^ angetDenbet unb in feiner testen ^ebeutung 
au6 ber englifc^en®cfcf|ici^te genommen jfoüielate^ bie 
aWagb einer gönigin.'' (Sine folc^e »ar nämli^ Slbi* 
gail, \patn SKiftreß SWa^l^am, unb jtoar bei ber 
Sönigin Sttnna t)on gnglanb. ©cribe l^at biefen 
g^arafter in feinem guftfpiele ,,ein ®Iae SSBaffer" 
benü^t. 

Sine anbereäbtgoil fommt in ber 53ibel oor^ 
unb jtt)ar atö tröftenbe ©egteiterin be« Äönig« ®a* 
t)ib in feinen legten ^ag^n. 

Db in ber Slitulatur eine 2lnfpielung auf 
bie ^oUt, toeldie biefe „SWagb" am §ofe gefpielt^ 
ober auf bad ®lMf bad fie jule^t mad^te, ober 



171 

öicücirfit fpottenb auf bic Wct unb SaScife, »te fie 
bad gemad^t l^abe^ tyttboxQtn. liege, ift tool^I fc^toer 
ju beftimnten. 

©ent beutfd^en SWärd^entl^ume ftnb ö^nlt^e ®e^ 
ftalten ou^ nidit unbelannt; loenigftenö Hingt e^ 
an in ben ©diidfalen jener ftißen, bulbenben, golb^f 
l^aarigen aWägbe, bie p^ jutoeilen ju be^ ^aufe« 
^errinen entporgefd^ttungen ^aben. Unb toa^ ift ba« 
„9lfcf|enbröbl'' in feinem bunflen, braunen Äteib^en 
neben ben gepuftten, el^r^^ unb l^errfd|fäcf|tigen ©ditoe^ 
ftcrn, bie e« atn 6nbe überl^olt? 



vm. 

(ilimjif Ulli ^djimpf in Ä^iteln unb 

IPfiriirn. 

!Die Situtaturen, ifyct ©cfd^id^te, tt)ie iene ein* 
jelncr Söürben unb ^lerntet bieten ein mi)t «cipöl&n* 
ttc^c« cttlturl^iftorifcl^e« Sntercffc. ßinigc . aügcmcinc 
SScntcrfungcn mögen ben einjelnen grläuterungen 
t)orange]^en. 

!Dte ©ud^t, eine gettiffe ©teüung in bet focialen 
ißjelt ober ©taatött)ürben but(^ entfprec^enbe, |)ontp^ 
l^afte S^itel inö 8icf|t jn fefeen, ergeugte üon iel^er, 
tt)ie nod| jefet oft, bie abenteuertt^ften !EituIaturen. 
öefannt, aber minber be^ Srftaunen« »ertl^ , finb 
bie Siitel au§ereuro^äifcf|er Sel^errf(!^er nnb ©ef^joten 
unb il^rer Beamten, g. ©• ber be« d|inefifd^en Saifer«, 
ber fid| @o^n be^ ^immtU unb Sönig aBer Könige 
nennen lögt ^ber auc^ ba^ gebilbete @uropa i}at 
fein ßontingent gu biefer Siteratur be« ®t^tt)ulfte« 
unb Unfinne« gefteüt, unb gtoar oft in ^dttn be« 
®Iangeö unb ber SSIütl^e aüe« geiftigen geben«, unb 
nod| l^eute bitbet.bie ßourtoifie ber STitel im 3Ser* 
feiere ber §öfe einen nic^t untoiditigen 5lbfci^nitt ber 
©ef^ic^te, beffen ©tubium manchen um feinen 3Jer* 
ftanb bringen fünnte, »enn er e« nxdit öorgiel^t, um' 
fein — 5lmt gulommen. 



173 

S(m (äc^evli^ften war ftetd, tote bie gan^e bor^ 
tige @ttqttette, bie Zxttl\vi6)t tn@))anien. @o ). S. 
fül^rte ein Don^ bet ben Snfonten irgenb »ol^in gu 
geteiten f^attt, ben ZittU ,,ÜDon be^ föntglic^en 
ZxdMpovM." ©er ©taaWnttnifter. ^]^i(i|)p'« V., Don 
@ano @omo be ©Q(oa fanb für gut^ feinem pomp^ 
^«ften !£itet gegenüber fl^ „La Ensenada^'^ b. 1^. 
„^n \i^ nid^t^" gu nennen, 

©eutfc^Ianb blieb nid|t gurüd. Ueberge^enb bie 
fein unterfdieibenben Jiitulatnren ber l^unbert unb 
^unbert SBürbtnträger ber ffeinen $öfe, ntüffen mir 
oon ben ^wf^ittJ^^Kfe^un gen irgenb cine^ ^räbicate^ 
mit ifoi) unb l^öc^ft^ lool^I unbtool^Iebet u. f-to« 
fprec^en. SDtan fann fogar J^i^c^ftfelig unb f)oi)^ 
feiig, ja anäf mol^Ifettg fein; unb man tömmt fogar 
mit unferem ^errgott in (Soöifion^ ben »ir in ber 
JReget aüein für ben Slüerl^ö^ften begeit^nem 
5Run aber lommt e« oor^ bag ein allergo dufter 
§err im Ztmpzl be« alterl^öc^ften ^erm fein®e^ 
bet oerrid|tet 9S3o^(geboren^ l^od)n)ol^Cgeboren 
unb ^o^geboren l^alten fidi ftreng audeinanber, toie 
gnäbige f^tan unb Sure ®naben u. f. ». 

3m 3a]^re 1510 erfc^ien ein «rieffteüer „Ars 
Francisci Nigri de scribendis epistolis/* (Viennae 
AuBtriae, 58 S5I. in 4»), »eld|er in 18 9?egeltt bie 
äußere unb innere gorm ber ©riefe auffteüte. ®c* 
fonber« cingfttid^ i(t ba auf bie ©elel^rtcn SWütf^ 
fid^t genommen; jebe ffiiffenfdittft l^at il^re eigene 
SSerl^enüdiung, ®o finb bie SRegeln 8—16 bem S:^eo* 
logen, {Rec^t^getel^rten, «tgte, ^^ilofop^en, SKatl^c^ 
matifer, 3Kufifer, ÜDid^ter, SRebner, ®rammatiler unb 



174 

©c^olaftcn gctDtbntct !Dic Slbrcffe an einen ^I^Uo^ 
fojjl^en i. SS, lautete: „JJem ö ortreff tieften ^^ilo^ 
fo^jl^en, bem nt^t ntinber genauen al« l^öc^ft ft^arf* 
finnigen Srforfd^erberSlatur;" unb bieUeberfd^rift: 
„©ol^n ber SBciöl^eit, ?iebl^aber ber ^Jorfd^ung, Senner 
bcr 9latur, »eifefter, befdieibenfter, t)ortreffIid|fter,tief* 
unb fdiarffinnigfter ©ol^n!'' !Die6 3lüe^ »ieberl^olte 
fid| aud^ im Zt^cU oft genug. Die 9Äufifer unb ÜDid^^ 
ter tt)urben abtoet^fetnb genannt: „Stad^al^nter ber 
l^immtifdien Harmonie''; „©öl^ne ber ^ieriben"; 
frBögüuge ber aJiufen"; ^^^eifigtl^ünter be« SlpoCo"; 
„©eweil^te be^ X^e^bibent^or«''; „^riefter be« 9iei* 
gen« bcr §^p)3oIreniben''; „ijreunbe ber ^egafiben'' ; 
,,95eref|rer ber Sibetl^riben'' ; ,,t)on pegafif^em 5Waffc 
©efättigte" ; „^orbeerbefrängte" ; „Spl^euunttoun- 
bene" ; „im pierenifc^en Bronnen ©etränfte" ; „§au«* 
genoffen ber caftalifc^en Queüe"; „Seltner be« par* 
naffift^en ©trome«"; „Singetoeil^te be« ßepl^ifu«"; 
„Hnttjol^ner be« ^elifon"; „Durt^forfdier be« ^ar* 
naffuöl^aine«"; „(Sinl^eimtfd^e auf Sirrl^a« $üget''; 
„Seü)ot)ncr be« aeronif^en Serge«''; „S)oImetfc^ bc« 
p^öbeifdien ®otte«"; „Segwinger ber ©c^ilblrötleier" ; 
„öefinger ber neun ©c^toeftern" ; „be« parnaffifc^en 
§aufe« l^eitige, göttlidie, jierlid^fte, berebtefte, füßefte, 
angenel^mfte , befdieibenfte, berül^mtefte, gebitbetfte, 
l^oc^tönenbe, anmutl^ig ftingenbe, ^oniggettJürjte ®ür* 
ger". ^Vihtm ftanb auf ber Stüdfeite be« SJriefe«: 
„Dem 91- 31., bem eben fo gierlid^en al« eleganten 
• 3SereI)rer ber SWufen". 3m Zcictt loieberl^oltcn fic^ 
bie 9lu«brü(fe: „Oötttid^feit", ,,e(eganj", „«erebt^ 
famfeit", „änmutV, „^itx\iä)Mt\ „SSoUfornmen* 



175 

^cit^ „Slbcl" unb ,,9Sorittg.'' Sn ^xautntitttn ftnbet 
fi^ natürti^ imincr: „S^txht bcr Scufd^l^ctt" ; „SSd^ 
fpiel bcr ©d^aml^aftigfcit" ; „@^)icgct bcr S^tbarfcit'' 
u. f. tu. 

ÜDa« war fo unter SWafimilian L, ba bie Äünftc 
unb SBiffcnfd^aftcn blül^tcn. 

(Sin Scifptel bcr läd^erüd^ftcn 2^itclfu(!^t tft aber 
golgenbe^: „Sin gett)iffer 3DI. ©eeger ju SDSitten* 
berg fteß [ic^ malen, unb ytoax unter einem SrucU 
ftje ftel^enb, tt)o au^ feinem SKunbe bie 3B orte: 
„Domine Jesu Christe, amas me?" gum §eilanbc 
hinauf gingen; unb au6 bem 3ßunbe 3efit famen 
nun fotgenbe ^Titulaturen l^erab: „Clarissime, 
nobilissime atque doctissime Domine 
mag. Seeger, rector scholae Wittenbergen- 
sis raeritissime atque dignissime, om- 
nino amo te!" > 

ßfif begreift ficf|, bag ber ©tettü er treter ®otte« 
nid^t fd^te^ter bebad^t tturbe. 3n ber B^eignung 
j. S. oon Xl^oma« 3Äaria garaffa'« t^eotogif^* 
ppofopl^if^en SC^efen, gebrudt 1609 auf öefel^I 
ber Obern gu 5ReapeI, lieigt ber ^apft ^aut V, ber 
„aSice=^®ott/' ber unbefiegtic^fte SKonard^ ber 
(i^riftUdien 9tepublif, ber Srl^alter ber päpftlid^ett 
2lttmad|t (»a6 meint ber itattenifdie Sönig* 
@t)renma,nn baju?)- Unterl^atb feinet Silbniffeö er* 
blidt man fic^ bemütl^igenbe Könige unb ^öniginneti 
mit Sronen auf ben ^äuptcrn mit bem ©prudie au« 
3efaia« 49, 23: ,,Unb bie Könige foüen Deine ^fle^ 
ger, unb il^re ijürftinnen 3) eine ©ciugammen fein. 



176 

®ic tocrbctt bor bir ntcbcrfaöen gut Srbc aufö %n^ 
gefid^t itttb bctt ©taub betner gü§e ledcn/ 

©efanttt ift bie ®efcf|icf|te ber neueften ^tit mit 
bent Zitd, »eldien ber l^öd^ftfetigeSaiferSllcoIau^ 
bem britten 5RapoIeon na^ feiner (Srl^ebung jum 
Äatfer öertueigerte unb welken er gab. ßr Iie§ fic^ 
nur ju einem: „Mon eher frere" l^erbei. Saifer 2lfe^ 
janber in feinen ©riefen an ben «großen Dnfel" 
nennt il^n aud| trfes eher ami et frere; aber öorau^ 
gel^t: tres s^r^nissime et tr&s-puissant empereur 
et roi." 

3m 3al|re 1814 toarb bie SEitel^ßourtoifie jlüi:^ 
f(^en ^xantxdäi unb SRugtanb neu geregelt. @« l^ie§ : 
„Au tr^s-ser6n., ti^s-excellent et tr^s-puissant 
prince, roi de France et de Navarre, notre trfes eher 
fröre et ami." Unb fo fort unter ber SReftauration. 

Da^ 3at)r 1830 bradite biete 5lenberungen. 
!Da« ruffift^e S5eglaubigung«fcf|reiben für ben ®t^ 
fanbten $ojjo bi ©orgo an 8otti6 ^l^ilip^ begann: 
„Trös-s^r^nissime, trös-exeellent et tres-puissant 
prince, Louis Philippe L roi des Fran9ais." !j)ie 
SBorte fröre unb ami berfd^tt)anben. 

!J)ie Sourtoifie jwifdien SRugtanb unb i^anf^ 
reid) warb nodi im 3a^re 1830 alterirt ©roßfürft 
gonftanttn ftarb (27, 3uni). 9tu§Ianb tl^eitte ba« 
ßreigniß aßen $öfen, nur bem bon ifranfreic^ tttti^t, 
mit. iOaffir bef(^Io§ biefer, auc^ feinerfeit«, an ^np 
Janb feine tjamilienereigniffe mel^r ju notificircn. 

!Da«3a]^r 1848 gab (Selegenl^eit, einen $^itel für 
ben „^räfibenten" ber franjöfifdien 5Re^)ubIif gu erben^ 
len. 9ttt§Ianb ft^rieb an il^n: „A notre grand et bon 



177 

azni; monaieur le pr^sident de la r^publique fran- 
^aise; am (Snbc: „Grand et bon ami" uttb uttmlt* 
telb,ar üor bcr Unterfc^rift: „Votre trös-affectionn^. " 

3SBeI(3^c tttrb bic näd^ftc SScranlaffung gut 3lcn^ 
bcrung bcr ßourtoific fein? 

9lun mögen einige fpegieüen Xitniaturen folgen, 
unb fo bicfe Slbtl^eitung, an« ber bereit« bie ,,]^iftorifd|en 
SBörter" mannen Seitrag enthielten, al«: S3aron 
(ßflx, 15), 3Dnrd|Ian^t (9ir. 59), ®raf (9?r. 101), 
©roB^erjog (5«r. 105), $err (9lr. 124), ^erjog 
(mx. 125), tönigli^^o^eit (5«r. 235),^afcf|a(5flr.l90) 
öeröoüftänbigt ttjerben. 



2)etttf^c Saifcr. !Der ©ebranc^ biefe« SEitet« 
ift nicfit fo alt @r fc^Iid) fic^ erft am (Snbe be« 16. 
3a]^r^nnbert« al« fel^terl^aft ein, ba man anfing, ben 
Unterfc^ieb jtt)if(!^en biefem 2^itet nnb bem be« bent^ 
f^en Äönig« gn öertoifdien, ®ie an« ber SBal^I 
ber ßfjurfürften l^eröorgegangene reid|«ober]^errtid^e 
3ÖBürbe ü)ar bie eine« bentfd^en Äönig«; jnm bent^ 
fdien (römif(!^en) Saifer »arb biefer erft burdö bie 
©albnng be« Zapfte«. !J)ie erfte ©pnr ber 9Sertt)if(f|nng 
biefe« Unterf triebe« finbet fitft im Saläre 1545 im SIu«- 
jnge be«9}lid|. 2lm«borf an« ber „Chronica Naukleri," 
»orin an^ bie ni(3^tgefatbten $errfcf|er Saifer ge- 
nannt »erben. Söenn fd^on in ber ©p^äre ber ©c- 
fc^id|t«pflege ba« ®ett)n§tfein biefe« Unterf^iebe« 
fo abl^anben gefommen ift, fo lägt fid| annel^men, 
ba§ er im getoöl^nlidien ©pradigebrand^c nie ganj 



178 



feftgel^aften iDorben ift @o em))fingen bie Stiebet^ 
länber ben a(^ ßönig in il^r Sanb tretenben 3J2a^ 
jimiüan I. mit htm JRufc: „Dat is die Kayser, dat 
is die Kayser!" 



Sire* ^ül^cr nur bcr Zxtti be« Könige« öon 
??ranlrcid| in bcr 3lnrcbe, ging er ^pattv anä) auf 
anbere Könige über. (Sr bilbete fid^ junäc^ft aud 
seigneur unb sieur (monsieur) ^ unb biefen liegt 
ba« lateinifc^e senior, ber 9leltere, ju (Srunbe. grei* 
Iid| fihben fid| ©puren, bag sire älter unb ein ur« 
fprünglic^eö ©ort fei. 3n 3«Ianb fte^t e« öor 
ben Xaufnamen ber ^riefter unb kröpfte (sira)^ unb 
fein Urfprung foü cimbrifc^ fein. 

3n bie beutf d|e @prad|e »arb e« erft burc^ ben großen 
unb einzigen ijriebric^ eingefül^rt, ber bie granjofen 
unb aüe^ i5ranjöfif(!^e f o fe^r begünftigte. g« ^alf 
ba nic^t« ba^ ^roteftiren ber Jöobmer^Sol^en^ 
fteinianer, unb Saurenberg l^ätte fid^ mol^t babei 
jerriffen^^). 



prft — Purfttrft ®ie Ableitung biefe« ZittU 
ift einfa^, er !ommt öon bem 9iebentt)ort ,,für" 
ftatt tot, infofern baburd^ etttjaö in ber Steil^e 3Sor^ 
anftel^enbe« bejeid^net »irb. ®ie alte beutfcf|e®prad^e 
l^at im Somparatiö furica, im ©uperlatiü furist 
ber erfte, ^öd^fte im SRei^e. gürft ift alfo ber ganj 
ungegttungen gebilbete ©uperlatiö üon für, über 
ben Somparatiö für ber, unb gibt fic^ leidjt au^ 



179 

ffirberft. üDtc Snglänbcr nennen nod| the ßrst, 
bie ^oücinber de voerst, baö ßrfte^ ben grften» 
211^ S5ejet(i^nung einer perfönli^en SBürbe erfc^eint 
e« guerft in ber fränKf^en ©pradie, nnb bebeutet 
©nen, ber ein Srieg^l^eer onfül^rt, »oburdi er ein 
fo ijo^t^ Slnfel^en gewann, ba§ er anc^ im i?rieben 
a(^ ber Srfte galt 3llö 3lbetötitel erfdieint ber gürft 
erft im 17. Sal^rl^nnbert 3n ^urfürft ober ß^urfürft 
ftammt bie erfte ®^Ibe üon bem altbeutfdien äßortc 
füren, d^mtn (mälzten), ba^ fid^ in bem jufammen^ 
gefegten SBorte SBiöfür, nngefäl^r fo öiel al^ freie 
SBal^I, biö ^eute erl^alten l^at. Surfürften l^eißen Jene 
öornetimften gürftcn be« bentfti^en SReidieö, toeldien 
ba« 9tecf|t, einen römifc^==beutfcf|en Sönig gu loöl^Ien, 
au^fditießenb juftanb. ÜDer Slitel ©roßfürft entftanb 
in 9tu§Ianb nnb bie S3e]^errfcf|er biefe^ 9ieid^e6 fül^r^ 
ten if)n bi8 gur Slnnal^me ber ^aiferwürbe burt^ 
^eter L, öon »e^er ^dt ber großfürftlic^e S^itel 
tjon ben Sinbern nnb ©efdiwiftern be^ Saifer^ ge* 
tragen ttjirb* 

©d^on frül^ ^at \xä) in ber Literatur be6 SSoße^ 
eine ftel^enbe SRubrif für 53etra(^tungcn, 5lcu6ernngett 
nnb SUleinungen über jene gebitbet, weldie baö ®e^ 
fd^id fo ^oc^ gefteüt l^at 3e nad^ bem (Sinbpdtc 
einer fürfttid^en ^erfönlid^feit, nac^ il^rem gef(^id|t^ 
ticken unb menfd^ü^en SDBalten, nac^ ben ßigenfc^af* 
ten it|re« ®eifte« unb §ergen8 erging fid^ ber 35oH^=* 
munb in abwedifetnb anerlennenben ©prüd^en ober 
aber in ben bitterften ©atljren, in ni^t« fd^onenbem 
§umor. 

12* 



180 

35ic an ba« ©d^Iagwort „gürft" onfnö^jfcnbcn 
©prtd|tt)8rtcr, 9tcben«artcn, ©entenjen, l^iftorifd^cn 
3lnelboten, ßinfaüc, SBifee, ©^itn^jf unb @mft ju 
bringen, crforbertcn ein eigene^ SDBetf, 3Bir muffen 
nn« l^ier befd^ranfen, nnr über (Sine ©cite biefeö 
Slententcö, bte htm natöen SSoIf^öerftanbe fid^ oft 
aU eine gragc anfgebrängt l^at, nömtic^ wie cö bcnn 
öon aüem 2lnfange l^er ju biefen »gürberften/' jn an* 
gebornent Slbel unb SBorjuge, gefommen fei?, ein paar 
ber föfttid^ften 3lcten alter SSoIfömei^l^eit mitjutl^etlcn. 
©er eine ift in ba« ®ett)anb einer treibet gefteibet: 
„%t^ @öa fc^on eine SQBeile ^an^mutter toar unb 
be^ Sinberfegen^ genug l^atte, gefiel eö unferni ^err== 
gotte, fie ju befuc^en. ®a« S3Beibd|en war eben bar^ 
über l^er, bie junge Srut ju itjafc^en unb ju ftrel|=^ 
len. 911^ fie ben ^errn fontmen fal^, fiel fie auf ein* 
ntat bie ®cf|am an, baß fie fo biete Sinber l^abe, 
unb fie öerftedte bie ntinber fc^önen tl^eil« in'ö ©trol^, 
tl^eifö ixC^ §eu, unb gar in'^ Dfenlodö. 9^ur bie 
l^übfdieften bet|ielt fie bei fid^. 3llö ber^erraott ein* 
trat unb bie ge^ju^ten ^inbtein fal^, fpra^ er ju 
einem: „!Du foüft ein Sönig," ju einem anbern: 
,,5Du ein gbelmann,'' ju einem britten: ,,ÜDu foHft 
ein 53ürgermeifter fein/ Sttö nun @öa merfte, bag 
ber f)err ba fei, ®naben au^jutl^ eilen, f|3rad) fie: 
,,f)err, i6) i)aV nod^ etttdic Sinber; icf| tt)itt fie aud^ 
bringen." ätber aU @ott bie ungepu^ten Äüd^Iein 
fal^, ba lädbelte er unb fagte ju il^nen: „3l^r foßt 
dauern fein unb bleiben, ^ul^* unb ©aul^irten, 
Slderöleute, ^anbmerfer, unb ben erfteren §errn bie*» 



181 

tien/ Uttb fo ctttftanb Stbet unb SSorjug. @r ift eben 
^t)on ®otte« ©nabelt." 

!j)a«fetbe fprat^ ber rtttcttidie Saifer SKaj in 
tinem feiner öielen geift^ unb gemütl^reic^en, tief«^ 
finnigen @t)räc^e an«. Site man il^ni einft an eine 
SBanb itn 25er« fd^rieb: 

„T)a 5lbam reutet, *) önb Söa f^jan, 
SBBer toar ha ein (Sbelmann?" 

fefete ber Saifer bcfc^eiben unb ftolj l^inju: 

„3(^ bin ein ntan toie ein anber man, 
5lüein ba^ mir ®ott ber eieren gan*'' 



SWittifter* ®a« SSBort aKinifter, ate Oegenfafe öon 

SKagifter, ift ü)ie biefe« reinlateinifd^enUrfiprunge« unb 

l^ei^t tDoxtlii) ber 2Rinbere, bal^er ein !J)iener üon Mi* 

nus weniger, minber, toit Magister ber ®rö§ere, t)on 

magis mel^r. 5lte Seamtentitel ift ha^ SBort fpanifd^n 

Urfprungö. @« nal^men il^n guerft bie fpanift^en 

Unterl^änbler an, »eldie im Saläre 1549 bcn ^rieben 

gu ßl^ateau^'Sambrefi« abft^toffen, toojufie nod^ @j:* 

ceBenj fügten. S)er franjöfifc^e ©taat^fecretftr be 

rSlube^pine folgte il^rem Setf|)iele, unb fo warb ber 

2:itel in ber Seamten*§ierar(f|ie aögemein. 

* 

©fceflenj* ÜDiefer Xitel, ber in ber Siegel mit 
l^ol^en ©taatöömtern öerbunben ift, unb j. S. in 
Defterrci(l^ bie gel^eime 9tatl^6n)ürbe öorau^fefet, ^at 



*) 9^ad^ Slnbcrn: 3)a Slbam gruB u. f. w. 



182 

ein gienttic^ l^ol^c« Slltcr oufgutocifcn* 3laä) bcm im 
Safjxt 1751 crfd|icncnen Säni^t bc« ÜDipIomatcn unb 
^ublidften gricbrit!^ ßart grci^- öon SWofer: 
„^Ictenmäßige ©cfd^ic^tc bcr (Sfceüenj^SCitutaturcn'' tc. 
führten biefclbc Slnfang« nur kaifcr unb Slönige unb 
gttar öon ben ^äpftcn ausgegangen, tt)o]^in »iber 
auc^ biefe öon ben ©ouöerainen fo betitelt »urben» 
5ßad| unb nad^ nal^men SJurfürften unb ßarbinäle 
an biefem 2^itel S^l^eiL 2luc^ einjelnen Srjbifcfiöfen 
tt)arb er jugeftanben, j. S. beut öon SToIebo ate 
„Primas regni'^, toäl^renb bie übrigen Sifdööfe nur 
„Sennoria illustrissima'^ genannt würben, Srft im 
Saläre 1623 ö ertauf cf|ten bie geiftlid^en SBürbenträger 
baS „Sjceüenj" gegen „Sminenj." ÜDa« ®ett)id|t 
biefer Titulatur lögt fid^ am fdöärfften in ber Stet* 
lung ber frül^eren 53otfc^after an fremben §öfen 
beobad^ten, bei benen ber S^itel (Sjcetlenj ben Unter* 
fd^ieb öon ©efanbten erfter unb jtteiter Staffe c^araf* 
terifirte. ©iefer ©ebraud^ fd^reibt fi^ au« bem 16. 
3a]^r]^unberte bei ©elegenl^eit, al« 1593 8ubtt)ig 
öon ©ongaga, ^erjog öon Sieöer«, öon Sönig 
^einrid^ IV. üon granfreic^ aU 53otfc^after an 
ben pÄpfttid^en ^of gefenbet ttjurbe, unb er fic^ gu* 
erft biefen S^itel beilegte, ©eitbem fprid|t man alle 
Sotfc^after bamit an. §eutgutage ift man über ®e* 
braudi unb ©eltung biefer S^itel nid^t mel^r rec^t ftar 
unb in feinem Sluömage nic^t fo bebenlli^. ß« ift 
belannt, ba§ in 3talien Jeber grembe, ber nebft fei* 
nem $embe aut^ noc^ einen JRod auf bem 8eibe l^at, 
in jebem SCBirt^gl^aufe mit „Eccellenza*' empfangen 



183 

»itb. 3fl e« tnlt unfercnt bcutft^cti ^$crr öon" 
anbct«?^«) 



3»arfi]^aD* Utfprünglic^ SWarft^alf, unb ju^ 
fantmcttöcfcfet au« Max\ „SWä^rc^ ,,Wcrb'' unb 
„©c^olf", b* i. Sttcdit, 5Dicncr. ®n SWarfc^aü »ar 
alfo urft)rünglt^ ein ^ferbetoärtcr, ein ©taBbebienter; 
im faUft^cn (Sefefee erf^eint er aU über jtoölf ^ferbe 
gefegt; fpäter ift er „©taümeifter'' unb bann ,,$>of* 
beamtet'^ ber über ben gefammten ^offtaat, toel^cr 
frül^er grögtentl^eit« in ^ferben unb Gleitern beftanb, 
fo tt)ie über beffen Unterbringung auf SRcifen, über 
bie 35eobac^tung ber Drbnung bei geierü^feiten, bie 
Sluffid^t erl^ielt. (SnbUd^ n^arb barau6 eine ber l^öd^« 
ften SBürben im ©taate, namentüdi im $eertt)efen. 
Sßer lennt fie nid^t bie fto[}en^ übermächtigen unb 
fibermütl^igen „aKrfrf^fiöe" be« erften Saiferreld^e«, 
bie Kreaturen feiner ®unft, aber au^ oft bed 
®(ü(Ied unb be« SSerbienfte« , t)on benen einige bie 
SBal^rl^eit ber napoleonif^en ^l^rafe: „3eber gemeine 
©olbat trägt ben SKarfc^attöftab im SEomifter'' in 
ber * !£]^at ^bewiefeu- — 3n ber ©ebeutung eine« 
gunctionär« bei feierttti^en (Gelegenheiten lömmt ber 
„SUiarf^aü'' befonber« bei ben Snglönbern tjor, bie 
au^ ben, »eld^er eine (Sefeßfc^aft, ein S^anjfeft tc, 
befonber« in ben ^abeörtern, arrangirt, einen „3Rar^ 
f^aU'' nennen. 3n biefem @inne l^aben fie fic^ au(^ 
ein äRittoort, to marshall^ gebilbet, ba« fo Diel al« 
anorbnen, einfül^ren bebeutet, ©eltfamer äBeife finb 
nur im franjöfift^en, »o boä) ber S^itet juerft gu 



184 

folci^em ©lanje gcfotnittcn ift, nod^ ©puren ber ur* 
fprüngtid^ett nlebrigeren ^ebeutung bed iföorted gu 
finbcn, ba marfechal aud^ einen ^ufft^mieb unb 
JJüurter bejeid^net 



äRapiftcenj. ÜDiefen 2:itet ffi^rten e^emal^ bie 
fr&nftfd|en Sönige, ie|t ober bebienen fid^ be^felbcn 
bie {Rectoren ober ^rorectoren ber Unberfitäten- 3n 
mannen 9iet(^dftäbten bekamen il^n aud^ bie 2)octoren 
ber 9ßebicin;n)etti^e l^ie unb ba anä) ben Mittel (S^ccU 
lenj erl^ielten, öon bem lateintf d^en magnificentia,®rö8e, 
«nfe^ttli^leit (magnus, grog). 3», 3. e. SSotlbe* 
bing in ber ©c^rift: ^Anleitung jum SBrieffddreibcii 
unb jur ^ilbung eined geläuterten ©efc^maded an 
fc^riftlid^en Untergattungen" («ertin 1820), fagt t>on 
Verleitung unb ©ebcutung be^ SBorte« 3Kagnificeng 
®. 69* in ber Slnmerlung tJotgenbeö: „Diefee ®ort 
ftammt t)om (ateinifd^en magnus (groß) unb facere 
(mad^en). 9lad^ bud^ftäblic^em Sinne waren alfo bie 
SBiagnificenjen ©rogmad^er. (Sin alabemifd^er Ate* 
ctor l^eifet 9Kagnificeng, »eit er ouö Keinen ®e^ 
fd^öpfen große Scanner, au« ©tubenten SWagifter, 
fiicentiaten unb SDoctoren mad^t/ 



Sorb. 3uf<^ini^^'^i^^^i^nO ^^^ ^^^ angelffif^fifd^en 
hl&f, b. i. Srob, unb ord, b. i. SBirtl^, alfo eigent* 
ftd^ „SrobJ^err," bann f>au«l^err, gantitienl^err, enb^ 
ßd^ §err überl^aupt u. j. in el^renber ©ebeutung für 
ben aWonn ein SBort ber gefeüft^aftlit^en Sourtoifie. 



185 

JW^Iorb ift gfei^ bem fronjöf. Monsieur, mein 
^crr, Uebcr bte öerfd^tebcnen Slangftufen, toeld^c 
frfll^er unb fpatcr mit htm Zitti 8orb d^ctofteriptt 
n^urben, lann man fidi aM @]^alefpeare'd Xraoöbten 
intcrcffant belel^rcn. 

* 

Gentleman. 3m (Snglift^cn (Sentteman, im 
granjöfifd^cn gentilhomme ; bo(^ finb fie in i^rct 
letzten ^cbcutung bnrd^auö nid^t glcit^. !Da6 erftere 
ift l^cttte ju einem ®attung«bcgriffc gcmotben, xoä\)* 
rcnb ba« Icfetcrc etwa« ©pejieüe«, am beften burd^ 
©betmann ober »enigften« ale ßaualier üDenfenber 
unb ^anbclnber öerbeutft^t, bejeid^net. 3Kit bem cngli* 
f^ctt Sitel, ba er meiter unb allgemeiner ift, pflegt 
man aud^ freigebiger ju fein. S03ir nennen einen 
(Sentleman, an bem wir faei^ionable SDianieren toal^r* 
nel^men, ba« ma« man guten Zott, einen 51Kann öon 
Söelt, nennt 3n feiner §eimat wirb biefer 3lu«brudE 
auc^ auf rcblid^e, orbentlid^e, unbemafelte ßeute an* 
ge»enbet, unbelümmert, weffen ©taube« fie finb* 
!Der ®entleman mu§ übrigen« aöe« mit einem ge* 
»iffen Stnftanbc t^un, unb mären c« lofe, fonft un* 
gentile ©treidle* 35er SÜJann öon ©iftinction, bet 
feine ©pielfrf|utb nirf|t be5a]^tt, ober ber fi(^ auc^ 
nur weigert, JReöange ju geben, ift fein ©entleman 
mcf|r. !t)er arme 2:cufel, ber ©trold^, ber ^adttröger, 
ift iin ©entleman, wenn er fic^ im fociaten Seben 
unb 33er!e^re feine SÖVd^t gibt 

(Der te^te ^önig in Snglanb l^ielt fi^ fttr icn 
erften ®entleman in feinen ©taaten, ber 8orb im 



186 

Oberl^aufe unb bad $arIantentd^3RitgKeb bed Untere 
l^aufed beibe tnadjen auf biefen Zitd Slnfprudi, toa^^ 
renb bad ®efe^ in @nglanb biefen 2^ite( nur bet 
unteren (klaffe ber 9lotare Derleil^t, toü6)t gefe^ttd^ 
bie einzigen ®ent(entan$ in @nglanb finb. 

!3)er f)umor bat)on ift^ ba§ man eigentftd^ nic^t 
beftimmt tt)ei§, toa« ©enüentan l^eißt, nod^ »ol^cr 
ed ftantntt SRan l^at üerfud^t, e6 unmittelbar aud 
bem granjöfifd^en gentiflioinme, SÄann öon ©taub 
unb ®eburt^ »ieber 2lnbere öon ^artigen ©itten" — 
gentle manne — abjuleitcn. Slber bagegen trat eine 
Sbtf^avLptnni auf, xoddft bad 9Bort gerabe^u in. ent^ 
flegengefefeter Sebeutung l^infteüt üDie norbift^en 
^Barbaren, toelrfic ba« römif(j§e JReid^ angriffen, un^ 
aufgel^alten gegen ben ©üben Dorbrangen, 9iom 
überfd^toemmten unb öerwüftcten, töurben gentiles 
homines genannt unb t)on biefen ber in fo entgegen^ 
gefegter ^ebeutung genommene Slu^brud ber mo^ 
bemen englifc^en unb frangöfifd^en ©prac^e eint)er^ 
leibt !Da^ f))ater]^in ein @^ren^r&bicat baraud iDurbe, 
!onn nid^t mel^rSunber nel^men, aU bie S^^atfaij^e, 
ia^ bie beutfc^e ©prad^e bad äOiort 91 bei in ^totU 
fad^er ^ebeutung l^at, nämttd^ ald t)Qrnel^me ®e^ 
burt unb al« aWiftjiaut^e* 



©d^ttltl^cil. ©ilinlje. ©gentlid^ ©culbl^eigo ur^ 
alter (Sompofttion« (Sine obrigleitlid^e ^erfon, meiere 
in Dörfern bie ^olijei, in ©täbten bie ©ered^tig* 
Ieitd))flege ausübt; übttffanpt ®emeinbe«®eamter 
im @))rid^n)ort, bur(^ feine Dl^ren gelenngeic^net, benn 



187 

c« l^eifet: „St l^ot ©d^utjcn^Dl^rcn''^ weit man öon 
i^nen flogt unb fagt^ ba^ fte nur bad j^ören, toa^ 
fic mögen, unb ba§ fic fc^wer l^öten, toeit fic fd^tter 
öerftel^en ober fid^ töenigften« fo aufteilen. !Da^ 
Sort tft ungemiffer ^erlunft Snüoeber aM ©d^ult, 
b. t. baö, tDa^ ber Dbri^fett an ©teuern unb SRet^^ 
ten gebül^rt, unb au8 ^et^cn, b. 1^. befel^Ien, for^ 
bem gufammengefefet, ober fo ötel alö ©d^utbl^etS/ 
b, i. einer, ber eine ©t^ulb l^eifd^t unb einju* 
treiben ^at 

SJefannt finb öiele beutfd^e ©t^ultl^eige be^ 
öorigen ^al^rl^unbert^ burd^ il^re 8ärf|ertt(^feiten 
unb anbere „©türflein". 9Bir fönnten un« jun&d^ft 
ein 53ilb oon i^nen in unferen Sanbbürgermeiftern 
mad^en. ®n ergö^Iid^er Beitrag jur Chronique Scan- 
daleuse be« ©d^ultl^eißentl^um« ift ber folgenbe; 
!Cer ©d^ultl^eife öon fianber^lüil toar abgefegt Wor* 
ben unb tt)oKte fid^ be^felben S^age^ ben Serbrug 
über 8anb etwa« üergel^cn. (5r fam an einen Sdaä)/ 
über ben er fe^en woßte, aber nit^t tt)u§te toie. 3n^ 
bem er nad^fann, fam ein ©auer auf i^n ju unb 
erbot fid^, ben ^errn l^inüberjutragen, toa^ biefer 
aud^ annahm. SSSie fie mitten im SBaffer toaren, rief 
ber @d^utt]^ei§ in einer Slnmanblung öon ©emütl^^^ 
tid^feit: „©obalb mir ®ott wieber gu meinem 3lmte 
öerl^ilft, loin irf| bir e6 nid^t unoergotten Iaffen'\ 
S3ie ba6 ber S5auer ^örte, ftanb er ftiü unb fragte: 
„®eib 3^r benn nic^t ©d^utt^eiß me^r?'' 3ein", 
fagte biefer. „&, fo ttjoüf id^, baß id^ fo einen 



188 

Sunt)) träge''! rief ber Sdantt, »arf i^n itt^ Saffet 
ttttb ging baoott. 

3[ttn{er. (Sntftanbcii au« „junger §crr'^ bal^er 
in frül^erer @(!|reibtoeife aU „3unfl^er'' ju fiuben. 
^eutjutage be}ei(j§net ntan mit 3 unfertig um beu 
^bet eine« Sanbe«, u. j. uid^t mit beu \tfymdditU 
l^aftcftcn Sicbenbegriffen- öefannt ift ba« {Junfertl^um 
^rcu^en« unb ®otl^a'« unb aüer Meinen beutfii^en 
(Staaten, töobei ber ©egriff be« ,,3ungen" fic^tbar 
burd^Ieud^tet. üDiefe abcitgen jiungen §erren l^aben 
ba« Sunlertl^um red^t in 3Serruf gebrad^t unb ein 
3unIer=*3ournat: ©ie „<)ren§ifd^e Äreuj-B^i^w^ö" ^tit 
ireuüdf) mitgel^olfen. 

3n ber militärifd^en Terminologie fennt man 
bie „ga^nenjiunler'\ eine 2lrt junger Dffigiere^ 
Xütld)t bie Sl^re l^aben, bie JJa^ne ju tragen. Sie 
l^aben lüo^I nid^t« gemein mit ben „Kammer* unb 
©talljunfern", »elt^e §acflänber unfterblid^ 
marfjt 3m ©egenfatje gu bem faf^ionabten Slbel ber 
JRefibenj fennt man ben Sanbjunfer, ber fid^ „jum 
crften 9KaIe in ber SRefibenj'' fo poffirlit^ aufnimmt 
Um il^n ^erum reil^en fic^ audfi bie !t)orfiun!er^ 
^uttjunfer; Srautjunler unb ©trol^junfer. 
3n einigen oberbeutfd^en ©egenben l^at man für fie 
nod^ bie befonbere 53enennung ßanbjobel. Sobet 
foü au« ®eorg öerberbt fein unb ift mit 9tiepel, 
einer Slrt öon §an«tt3urft, bie mel^r jum ©paß 
bient, al« felbft ©pag mad^t, giemlic^ einerlei« 

93on bem ©ubftantit) fommt bann au^ ba« 



189 

3€tt»6rt iunlcrn, b* l ten ^Sunlcr jpkUn*', ftc^ 
itt!^ Suntertl^um hineinarbeiten. 3n einigen Kantonen 
ber ®(](|tt)eij fagt man t)on beteitd „anrud|igem'' 
äBUb)>ret, ba§ e^ „\nntttt, b. i, ben hautgout 
l^abe, ber bem ©aumen ber hautvol^e gufagt (Sc^t 
„iunfernbe^'' i$ebern)Ub mn^, nad^bent e^ ac^t S^age 
am @(l^meife anfgel^ängt toax, t)on bemfelben fic^ 
lo^trennenb — alfo fanlenb — l^erabf alten ; bann 
ift eö für bie ^nä^t l^ergerid^tet ÜDic ijtanjofen 
fagen bafür: cavali^rement. 3ft baö nic^t eine gute 
Ueberfe^nng ? 

SntitU Urfprängttd^ eine iunge 3)2anne^))erfon, 
bann ein bienenber Sunge, enbUc^ ein !£)ienenber 
überl^aupt, altl^ot^beutfc^: Sl^nel^t, bcffen S^ebenlüort 
toieber Snappc ift, öon ber nieberfäi^fifd^en f?orm 
Änape, Snabe. !Die mittelaltcrüd^c JRangabftufung 
^ieU ben Sned^t, knappen unb 9titter ftreng and^ 
einanber unb ber Unterfc^ieb mtt§ mol^I gutveilen gar 
fc^roff gemad^t »orben fein, ba in ber bentfc^en 
Sieberfammtnng fo(genbe SOtal^nung für nötl^ig ge^ 
galten mürbe: 

„SBetdf) Sned^t tnot ritterUt^e SEat 
Db er nit $Ritterö Flamen l^at, 
!De« foß er nit engcften; 
Sin 0rott) Ȋr* wol^I ju fci^elten, 
®ie t^n be« engelten ließ, 
!Darnm, bag er nit 9Jitter ^it%." 

Slgricota »iü ß^ren nur bem tt)i feigen ftnet^te 



190 

üorbcl^altcn »iffcti. ^Slnem »ijtacn ßnccj^tc mü^tn 

auc^ SbeQeute btenen/ 

3ur redeten ©ürbigung be« SJerl^ftltniffc« itoU 

fd^en Ferren unb Äncd^tcn im SKlttcIaltcr, namctit* 

Ud^ »a« bic focialc (Seltung btcfer betrifft, müßten 

notr tl^eitoeife bie Chronique scandaleuse fetter 

3eit auffd^Iagen. SBir mürben ba ti)o]^I ftnben, n)te 

fe^r mand^e 9tttter«fran in. il^ren ariftofratift^en 

änfid^ten ,,ttberal'' toar nnb öon ben ©id^tern ber 

3eit nid^t erft aufgernfen ju »erben brandete, ba§ 

fie nid^t 

„ — il^n be« engelten liefe, 

©arnm, bafe er nit SRitter ^iefe/ 

ffiir gebenlen l^ier aud^ eine« föftUd^en ®ebid^^ 
M, »enn »ir nid^t irren öon bem fte^rifd^en 2Bi^ 
ton er an« bem 14. ober 15. So^rl^nnberte, betitelt: 
^!Der gcfuege Äned^t", ooü berben §ttmor«, mit 
jiemlid^ }meibeutiger ^ointe. 

Sin fonberbarer SBiberfprud^ ift »ol^I ant^, bafe 
ba« englifc^e Enight toa^ einen (Sbelmann bebentet, 
boc^ nnmittetbar don bem bentfc^en Sorte ^ned^t 
abftammt 

Uebrigen« bürfen toir l^ier fa nid^t bie einfeitige 
2lnffaffnng be« mittelalterlid^en JRittertoefen« mit aü 
feiner ©cenerie »alten laffen; Sned^t ift nn« oiel 
me^r in focialer ©ebentnng ba« ©d^lagttjort für bie 
3lnfd^annng be« SSerl^ältniffe« jtoift^en ©iener nnb 
^err im Sltfgemeincn, ba« namenttt^ im germanifd^en 
6nftnr«Ieben jn eblcr j)atriart^aüfd^er Sebentnng ge* 
biel^en ift. 3n biefem ©innc tt)irb bann ein ,,5Ereuer 
Äned^t ein ©(^a^ im §anfe", nnb „Sin trener 



191 

Wiener feine« ^crrn" gewig jum Ättter ber fd^ön* 
ften, ebetftcn 3bee. SOStc fd^ön ^öreit fic^ bte alten 
SRctme an: 

„TiVi fottft bie Sned^te fd^onen 
®o btr bicnent um ßoncn; . 
Oebenfe, bag tl^r einer ift 
gin 2Renf(^, aU bu felber bift." 
äSSeld^ ungleid^ anbeten unb Itebßc^eren (Sinbrud 
matten nic^t biefe fd^Itd^ten 3Serfe, Qt^tnühtx ben 
oben citirten, too nur ber Sned^t augerl^atb ben 
©d^ranfen be« Siurnierpla^e« gemeint ift, 

35a« beutfd^e Sutturteben weift aber neben ben 
bereit« angefül^rtcn nod^ anbere minber fc^mei^eC^afte 
©prud^e öon ben Änet^ten, öon benen jum Seif^)iet 
ber alte ^raftiln« 9teinedte %\xä)^ ganj treff enb f agt : 
®ett)i§ lein aßeffer beffer fd^irt, 
äl« toann ber Äned^t jum Ferren »irb, 
unb ägricola: 

ijauler Dieb fd^abet fo öiel nit al« 

farläßiger Rned^t 
S)ann l^eifet e« au(^ treffcnb: 
$Ber feinen Sned^t järtlid^ ff&lt, gie^t 'ntn 

3unler brau«; 
»er fiättt biefe culturl^iftorift^e ®prud^tt)ei«l^eit nid^t 
erprobt? 
ober: 

„^alt ben ^nec^t fo fliegt er", 
ober »ie un« ber 2lttg«bur3er ©oml^err @ib fagt: 
gin Äned^t ift allwegen ©d^alfunb ^atf. 



192 

Salau Sined iener Söttet^ bad mit einer icnU 
fd^en SSurjel ^n Ummeg über einen franjöfifd^en 
SRarlt genommen nnb n)e((j§ed toir bon ba n>ieber 
an nn$ gebrad^t l^aben. (Sd lömmt nömHcti t)on bem 
alten löfen, got^ifd^ (öfan, f^n)ebif(!^ lada, bad 
tanfen, and^ mit ben ^^nfen leinten an«fd^Iagcn 
(ft^neÜ lanfen) bebeutet. Söian weife, ba§ bie 8afai'^ 
aud^ n)irflid^ gu großen :93otentäufen oermenbet 
tDurben. 

gin froniöfifc^er ©prad^forfd^er (Oberft Slmbert) 
öinbicirt ben Urfprung biefeö Zittl^ für bie mili* 
tarifd^e Terminologie unb ergäl^It, ba§ er jum 
crften SDialc für bie Zxn^ptn beö C)erjog« öon33re^ 
tagne in 3lntt)enbnng fam. Süian foü barunter bie 
gemeine ®oIbatentru<)<)e oerftanben l^aben. ßine bieg 
bejeugenbe ©teüe, bei gaurfiet (1600) lautet: „®ic 
$agen lüaren Sinber ebler gamilien unb begleiteten 
i^re Ferren; dor l^unbert 3a]^ren gab eö folt^e *ißagen 
öon bäuerlid^er Slbfunft, bie gu§fned^t«bienfte tl^aten 
unb laquefs, aud^ naquet's genannt n)urben. !iDie 
SSJurjel toäre enttteber ba« lateinifd^e laqueator (einer 
ber etnoaö an einer ©d^Iinge fül^rt), ober ba« oricn^^ 
talifd&e laq (fd^idten, fenben). Srantöme fc^rieb: 
Halagu6s unb 80 bin e au (1707) Lacqiiet. 

3Ba« e« übrigen« moralifd^er ®eit« mit bem 
galai für ein ©ewanbtniß ^abe, erfal^ren »ir öon 
ber franjöfif(^en @j)ru(^»ei«l^eit , toel^e mel^rere 
aSJal^tl^eiten jum S3eften gibt; fo fagte man fd^onim 
16. 3al^rl^unberte: 

Lacquai de franc-eleu (franc-alleu) larron et 

de fief meurtrier. 



193 

!Da^ SBörterburf) bcr franjöfifd^cn 3lfabctnlc 
(9lu^gabc öom 3a^rc 1835) tnarf|t unö mit ber 
trcffertbcn Stebcn^art: 

II ment comme un laquais 
bcfannt. 

Unb einem fomifcfien Siebe entnel^men wir htxt 
luftigen aber nit^t^ beftoweniger treffenben SRefrain: 
A passage et k i'ivifere 
Laquais devant, maitre derri&re; 
iDeutfd^ etwa: 

Sluf bem SBege unb über'n Sad^ 

2)er Änc(i)t öorau«, ber $err l^intnad^ *'')• 



©Um^f unb «Sc^im^f» 13 



Anmerkungen« 



!S)ie ^u biefem Sertd^en benü^te Sttevatur tfl Bereite in ben 
,,$iporif(löen SBörtern'' nad^ tcr SJorrcbc angegeben »orben, 
e« wirb olfo im Mgcmcinen auf bicfelbe ^ingemiefen; l^ier fol* 
gen nur einige befonbere OueHen a(9 ^aä^toti^t jtDeifel^after, 
intereffanterer ober niid^tigerer ^rllärungen. 

V 

») 3u ©cite 17. äcitung für bic elegante SBelt 1824, S»r.l28, (S.1025. 
2) „ „ 19. The illnstrated London News 1856, ®. 187. 

93on d^buarb Or. 9iiinbault. — Qrran!furter (Son« 

t;erfationdbtattl859,9tr. 172. 
Hamburger Sefefrfic^te bon 3. 3. $a))^e 1850, 

Sanb 4, @tü(! 2, @. S2. 
3urenbe'd batertänbifc^er Pilger 1834, @. 272. 
2)iba«taUa ( gfrantf urter Unter^altung^bL) 1857, 

3lr. 287. — treffe 1856, Sfh:. 161. 
Seitung für bie elegante SBett 1824, ®)). 1051. 
9il^einif(4e Slätter, l£58, 9lr. 126. 
9(benb«3eitung bon S;i^eoboi $eQ 1819, ®e))« 

temberl^eft. 
») „ „ 31. Fl eury de Bellingen, TEtymologie oa EzpUca- 

tion des proverbes fran^ais (a la Haye 1656, 12<>), 

p. 271. 
Les Oeuvres d'Estienne Pasqaier (9(mfler^ 

bam 1723 f^ol.), in beffen „Recherches de la France," 

liv. Vm., chap. 17. 
•) n „ 34. gfronrfurtet6onberfation«blattl857,®.675.— 

Hamburger literarifi^e unb Iritifd|e 8(&ttec 1846, 

9lr* 4, ®. 35. 



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53. 



195 

") 3« ® cltc 86. ©QniifleraJain^fboot (3eltf *rift) 1884, !Rr. HO öi« 

116: (gttjmologifc^e ©Rjje öon :^r. ©(ftmift. — 3)er 
®efeUf(I)aftert)on®ttbi^(»eran40) 1842, 9{r. 182, 
®. 894. — ^omburger litcrorifc^e unb fri* 
tif(be Stattet 1846, 9tr. 4,'(S. 34. 
") ff tt 39. Leitung au« ber ©ortoelt, l. ^abrgang, l. Ouartat, 

@. 101. — Ourenbc*« öaterlänbifcftci: ^ilgcr 1825, 
@. 282; 1848, @. 188. — Sefcfrücfttc bon 2)r. 3. 
3. ^a^^Je (^omburg, 8«) 1824, ©anb II, ©. 416. - 
gfran!furtcr(5onbcrfatlon«blatt 1859, 9lr. 207. 

3urcnbe»8 öatcrlänbifc^et ^itgcr, 1825, @. 283. 

Hamburger 'Sia^ti^ttn, 1854, iRr. 165. 

@cfcnf(^ öfter öon @ubife («erUn 4«) 1853, m.l38, 
®. 663. — Fleury de Bellingen, rEtymologie 
[toie oben unter S^lr. 8] p. 52. — Ducatiana ou 
Remarques de fen Monsieur Lednchat snr divers 
Sujets d'histoire et de litterature (9[mfterbam 1738, 
18«) pag. 470. 

gronffurter 6onücrfotion«btatt 1854, @. 391. 

Sfronlfurtcr eonberfationöblatt 1859, 9ilr. 229. 

2Beimarer ® onntagdblatt (SBeimav, i^öblau) 
II. Oabrgang. 
") „ „ 58. (Sifctein, 2)eutf(^c €pri(ftn)örter, @cite 178—182; — 

©(^n^end, 2ßörterbu(^ ber beutfd^en Sbtac^e (1855) < 
©.192, 194, 196; — @^ri(I)n)örter, f(^öne weife Älug« 
reben (Öfrand 1555, (5^r. ffigon. erben, 12") ®. 179 a, 
330 b, 144 a, 105 a, 308 b, 220 a, 197 b, 168 a, 309 a, 
308 a, 114 a, 82 a; — Florilegii politici I. 2:^ei( 
(1643), @. 885; TL. Z^txi (1647), @. 470 u. f., 484 u. f. 

") „ „ 64. ®onou*3eitung (SSicn, gotto) 1860, 9h:. 162. 
") „ „ 75. ©efellf^after bon ©ubie 1823, gir. 209, ©. 1027. 

^*) „ „ 82. Oeuvres completes de Brantdme accompagn^es de 

remarques historiques et critiques, nonvelle edition 
(«Port« 1822, 8«), Tome II pag. 372 in der Abthei- 
lung: ,,Gapitaines fran^ois." 

^^) „ „ 86. Francisque (Michel), Essai sur la vie et les 

Chansons du chatelain de Ooucy (1830). — Me- 
mo ir es historiques sur Raoul de Coucy. 2 vol. 
(«Pari«, 1781, 8«). — flügger»« ©bieget ber (g^ren 
be« $aufc« Oeflerrcirfj (Sf^ürnberg, 1668, H. got.), 
®. 300. 

^) „ „ 88. Fleury de Bellingen, TEtymoIogie (»ie oben unter 

9lr. 8 unb 14). — ungemeine 'sWoben^eitung, 1845, 
?lr. 31. 

'^) „ „ 92. D n c a t i a n a on Remarques de fen Monsieur Lednchat 

sur divers sujets d'histoire et de litterature (^m- 



196 



flcrbom, 1738, 12«). — Seemann ((Sl^tlflo^löotu«), 
Plorilegii polltlci erfler S^eit... (fjtanffutt bet) 30^. 
®otf. ©(ftönioetter, 1643, (S. 954, 32"). 2lnber SE^eit (eb. 
1641, @. 560, 320). [^emerTen^toert^ er f(^ eint ^9, baß 
in bem in neueiierSeit erfc^ienenenSSerle: „!Deutf(^e 
9ie(!^tdf^ri(^to0rter unter 9)^itn)irtung ber ^^rofefforen 
3. (S. 93Iuntf(!^Ii unb 3. äJ^aurer, gefammett unb 
erllärt bon (Sbuarb @raf unb '^Ratl^iad 2)ietl^err'' 
(gilörblingen, 1864, S. ^. ©ed, 606 ©., gr. 8«) unter 
ben barin angefül^rten mel^reren l^unbert Duellen Sl^rift. 
Sel^mann^d ,,Florilegiuin politicum<< ntc^t genannt 
toirb, nac^bem $Ian unb 3n^a(tbiefed über 200 3abre 
alten bortrefflic^en ^uc^ed mit bem oben ge« 
nonnten ber ^crrcn 6J r a f unb 2) i e t ^ e r r tt)ef entließ, 
ja mol^I auc^ no(4 ettoa9 metix aU nur übereinftim^^ 
men, übrigens mit bem Unterfc^iebe, baj? Seemann 
ungleich reit^l^altiger iil unb ba^ ed gefc^eibter ge« 
toefen toäxe, ben alten Sel^mann in einer neuen gut 
rebigirten Ausgabe teieber abjubruden.] 

'*) äu@eitc 94, Mery (M. C. de), Histoire generale des Proverbes, 

Adages , Sentences , Apophthegmes , . däriv^s des 
moears, des asages, de Tesprit et de la morale des 
peuples anciens et modernes etc. etc. 3 vol. (^JariS 
1828, 8»), Tome II, p. 221. 

2«) „ „ 102. ^. 8. iflCemefe), »ernünfftige ©ebanfcn über aüerl&anb 

^i^orift^e, fritif(^e unb moralif(^e 9)?aterien. 92ebft 
bcrfi^iebenen bo^in gel^örigen Slnmerfungen . . . (gran!» 
fürt a. ÜJl., 1739, anbreä 8»), m. Sbeil, ®. 42 u. f. 

Fleury de Bellingen (hjic S^lr. 8, 14, 23), p. 322. 
Dncatiana etc. (njie 92r. 24), p. 483. 
Äbenbblott ber ©iener 3eitung, 1856, Sb. I. ©.546. 
2®) „ „ 107. .Les oenvres d^Estienne Fasquier etc. (toie in9flr.8) 

in ber 9btl^ eilung „Recherches de la France, liv. VIII. 
chap. 14. « 

") „ „ 108. Fleury de Bellingen (n)iri«r. 8, 14, 23,27), S.338.— 

Sel^mann ((5^riflo>)IÖ.)f Florileglum politicum (fiel^c 
92r. 24), I. ST^eil, ©. 715. 
3>) „ „ 109. 3oa(^im S^rifKan 93lumd beutfc^ed ©pridj^örterbuf^ 

(8ei<)jig, 1780, ©etjganb, fl. 8»), erjä^U in l^üt^fl 
broßiger SBeife bie (Sntftel^ung bed (Bpv\6i\oovte§). 
(Sonntog«blätter bon ?. «. fjranft, 1842, ©. 510. 
8ci»)8i9erXageblatt,i837, 5nr.3i5. — 3nn«bru<fer 

logeblatt 1854, gflr. 259. 
Flenry de Beliingen etc. (toie oben 92r. 8, 14, 23 

27, 31) pag. 320. 
Le Facetieux-Reveille-Matln des esprits melan- 



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coliqaeSf on remöde preservatif contre les tristes. 

(Ronen, 1659, 12«), pag. 352. 
")3u®citcl4l. Sincgref (3ul. mifi.), ber 2eutf(^cn ©l^at^jfrinmgc 

nuge ®t)rü(^, 3(|)o^^t^edtnata... ((StraPurg 1628), 

@. 215. — Scl^mann (e^rifloi)]^.), Plorilegium po- 

liticnm (toic i«r. 24), I. S^eit, @. 256. 
") „ „ 150. SDct Sfrci^c^üft (Hamburger Statt), 1840, @. 458. 
'») „ „ 150. ©(^»cnd, aBörtetbuc^ ber beutf(ftcn «S^rac^e, ©. 113. 
*^} „ „ 152. ^nfid^ten bot^ Italien nac^ ben neueren audtänbifc^en 

9ieifebert(^ten in SSerbinbung mit einigen Orceunben, 

herausgegeben öon $. ^irjet (Sei^jig, Kummer 8"), 

»anb III. 
*i) „ „ 160. (£rf(^ unb ©ruber, allgemeine (£nct)!to»)äbie ber 2Bif* 

fenf(ftaften u. f. to. (?eii)8ig, Srod^au«, 4P), I. ®e= 

ction, 11. »anb, <S. 251, Slrtifel tjon ^Kolinife. — 

Srindmaier (Sb. 13)r.), Glossarium diplomaticnm 

etc. ((Soifia 1856), I. 93anb, pag. 393. 
") „ „ 163. «benbblatt ber Söiener 3eitung, 1860, gjr. 196, 

198, 199, 202. 3)ic tocitberül&mtc ©imanblbruberfd^aft. 

(Sine 1tttenf(ftilbernbe ©lijje. 9Son (5. O (berleitner). 

(Sine ausführliche {5|lU(^e ^avflellung biefer interef« 

fanten ®efe1If(^aft. 
«) „ „ 164. a)r. ^ a p ^) c'« 8cfefrü(^tc (5»amburg 8«), 3alörgong 1824, 

S3anb IV, ©. 144. 
**) „ „ 166. Hamburger titerarifc^e unb !ritif(^e Statter 

ber SSrfenl^alte 1847, (S. 260. 
♦•') „ „ 178. Hamburger Xiterarift^e unb tritifc^e »lätter 

1847, gfJr. 35, ©. 276. 
♦«) „ „ 183. SBr e 8 tau er Sin seiger 1855, Statt üom 24. g-ebruar. 
*'') „ „ 193. Le Constitutionnel de 20. Juin 1854. 



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